"Katzelmacher" von Rainer Werner Fassbinder als 'antiteater'


Essay, 2007

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Was ist das ‚antiteater’?

III “Katzelmacher” von Rainer Werner Fassbinder als ‚antiteater’

IV Die Bedeutung des ‚antiteaters’ während meiner Arbeit am „Katzelmacher“

V Fazit

Literaturverzeichnis

I Einleitung

In den 60er Jahren wurden aufgrund ernstzunehmenden Mangels von Facharbeitern Scharen von Gastarbeitern für die Bundesrepublik Deutschland angeworben. Bis 1972 bestanden fünf Prozent der westdeutschen Bevölkerung aus ausländischen Bürgern, das bedeutet 3,5 Millionen Menschen waren ausländisch (Barnett 2005: 48). Die daraus entstehende Ausländerfeindlichkeit wurde zum Stoff für Rainer Werner Fassbinder’s Theaterstück „Katzelmacher“. Noch im Action-Theater entstanden, ist es bereits mit den typischen Merkmalen des von Fassbinder kurz darauf gegründeten ‚antiteaters’ ausgestattet. Auch Fassbinder’s persönlichen Stil stellt „Katzelmacher“ zur Schau.

Um herauszufinden, inwiefern wir, die Gruppe des Kurses „The German Play“, das Stück als ‚antiteater’ interpretiert haben, wird in dieser Arbeit zunächst der Begriff des ‚antiteaters’ und seine Bedeutung im Kapitel II eingehend untersucht. Im Kapitel III wird überprüft, inwieweit „Katzelmacher“ als ein Stück des ‚antiteaters’ gelten kann. Schlussendlich wird in Kapitel IV die Bezeichnung ‚antiteater’ mit unserer Inszenierung sowie meiner Arbeit mit dem Stück in Verbindung gebracht.

II Was ist das ‚antiteater’?

a. VORGESCHICHTE UND ENTSTEHUNG

Ein umgebautes Kino mit lediglich 59 Zuschauerplätzen diente einem unkonventionellen Ensemble Ende der 60er Jahre in München als Theater. Unter Regisseur Peer Raben wurde im August 1967 in diesem zu der Zeit wohl bekanntesten der subkulturellen ‚Kellertheater’ der Stadt „Antigone“ uraufgeführt. Wie dieses Stück wurden auch andere Klassiker in diesem sogenannten ‚Action-Theater’ „gegen den Strich interpretiert“ (Töteberg 1986: 232). Diese Art von Theater war ein Ausdruck der Antibürgerlichkeit der jungen Generation in den sich dem Ende zuneigenden 60er Jahren: „Die Aufführung verfolgte ihr Ziel Aufklärung und Agitation mit radikalen ästhetischen Mitteln“ (ibid.). So wurde in der Premiere von „Antigone“ beispielsweise in abgewetzten Jeans sowie barfuß gespielt; Emotionen wurden auf extreme Art dargestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen. „Man ist anti-alles“, hieß es in einer Rezension der Inszenierung in der Abendzeitung (Töteberg 1986: 233). Die Münchner Kellertheater-Szene war nicht nur eine Gegenbewegung gegen die Bürgerlichkeit im Allgemeinen, sondern auch im Besonderen gegen das bürgerliche Theater, „das für ein Abonnenten-Publikum spielte und von Subventionen lebte“ (ibid.: 231).

Unter den wenigen Zuschauern der „Antigone“-Aufführung saß Schauspielschüler Rainer Werner Fassbinder, der nebenbei in etablierten Theatern als Statist jobbte. Diesen faszinierte jedoch das revolutionäre Theater vom ersten Augenblick an: „hier [...] erregte mich das, was auf der Bühne geschah, wie es geschah und was dadurch im Zuschauerraum ausgelöst wurde“, so Fassbinder (ibid.: 233). War die Begeisterung des jungen Exzentrikers einmal geweckt, ging alles recht schnell – bald ersetzte er im Action-Theater einen Schauspieler, der sich den Finger gebrochen hatte; bei der nächsten Produktion war er bereits im Regieteam verzeichnet. Für Fassbinder war das die Gelegenheit sich zum ersten Mal ohne nennenswerte Restriktionen ausprobieren zu können. Seine ersten experimentellen Stücke schrieb er hier. Innerhalb weniger Monate wurde er in der Münchner Underground-Szene bekannt. Nach 15 Monaten Existenz wurde das Action-Theater jedoch durch Leiter Horst Söhnlein in einem Wutanfall zerstört, woraufhin es im Juni 1968 „aus baupolizeilichen Gründen“ endgültig geschlossen wurde (Töteberg 1986: 233f.).

Einen Monat darauf wurde von Rainer Werner Fassbinder sowie einigen seiner Anhänger aus der Riege der ehemaligen Mitglieder des Action-Theaters das ‚antiteater’ gegründet. Die Bezeichnung ‚antiteater’ sollte „die gesellschaftskritische, oppositionelle Haltung signalisieren“ (ibid.: 234). Das gelang nicht nur durch das ‚anti’ in der Wortzusammensetzung, sondern auch durch die orthographisch nonkonforme Schreibart mit kleinem Anfangs-‚a’ sowie ohne ‚h’ im Wort ‚theater’. Der Ausdruck ist jedoch auch missverständlich – es wurde damit von Fassbinder nämlich keineswegs Anti-Theater impliziert (Töteberg 1986: 234). Die Gruppe um Fassbinder war nicht als Opposition zum Theater intendiert, sondern vielmehr als ein bestimmter Stil, Theater zu machen, der zudem dem damaligen rebellischen Zeitgeist entsprach. Oder, wie Peer Raben es 1969 ausgedrückt hat: „above all, the name points to the structure and programme of our theatre ensemble. The rejection isn’t directed against the theatre per se but against the social function it has had in the last 200 years” (Barnett 2005: 76).

b. ENTWICKLUNG UND MERKMALE

Startschwierigkeiten haben den Beginn des ‚antiteaters’ gekennzeichnet. Einen Raum für Proben sowie eine Bühne für die Aufführung zu finden erwies sich als problematisch. Nach einer ersten Premiere in der Akademie der Künste fand eine weitere Produktion im Büchner-Theater ihren Raum, wo die Aufführung jedoch nach 50 Minuten vom Hausherrn beendet wurde: „Solche Obszönitäten duldete er nicht in seinem Theater“ (Töteberg 1986: 234). Letztendlich führte Fassbinder’s Ensemble in einer Kneipe in Schwabing auf, wo es jedoch unter diversen Einschränkungen zu leiden hatte; so durfte das Team nur abends proben und nur dann aufführen, wenn das Wirtshaus nicht bereits anderweitig belegt war. Unkonventionell war somit zwangsweise bereits die Entstehung des Stückes sowie auch die Proben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
"Katzelmacher" von Rainer Werner Fassbinder als 'antiteater'
Hochschule
King`s College London
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V88421
ISBN (eBook)
9783638028240
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katzelmacher, Rainer, Werner, Fassbinder
Arbeit zitieren
Daria Eva Stanco (Autor:in), 2007, "Katzelmacher" von Rainer Werner Fassbinder als 'antiteater', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88421

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