Das aktuelle Marktgeschehen des Kreditgewerbes ist geprägt von Globalisierung, Deregulierung, erhöhtem Wettbewerb sowie Kosten- und Leistungsdruck. Deshalb müssen seitens der Unter-nehmen geeignete Maßnahmen gefunden werden, um dem Druck standzuhalten und durch neue Strategien im Wettbewerb zu bestehen. Eine dieser Entwicklungen zur besseren Positionierung am Markt stellt neben der Spezialisierung der Allfinanzgedanke dar. Die Sparkassen und Genos-senschaftsbanken agieren in diesem Sinne seit mehr als 60 Jahren erfolgreich im deutschen Wett-bewerb. Seit Beginn der neunziger Jahre wird er auch bei Unternehmen wie ING, CreditSuisse oder Citigroup praktiziert. Weiterhin verfolgen die unabhängigen Finanzvertriebe die Allfinanzstrategie. (siehe Anhang 1, Abb. 1, 2) Da der Allfinanzgedanke im Kreditgewerbe bis heute vor-herrschend ist und wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird er in dieser Arbeit einer kritischen Betrachtung unterzogen. Dabei werden speziell die Chancen und Risiken der Allfinanzstrategie im Sinne der Bankassurance aus Banken- und Kundensicht herausgearbeitet.
Gliederung
1. Problemstellung und Zielsetzung
2. Merkmale des Allfinanzgedankens
3. Umsetzung des Allfinanzgedankens
3.1 Allfinanzstrategie auf Organisationsebene
3.1.1 Verbund
3.1.2 Kooperation
3.1.3 Konzern
3.2 Allfinanzstrategie auf Produktebene
3.3 Allfinanzstrategie auf Vertriebsebene
3.4 Allfinanzstrategie auf Mitarbeiterebene
4. Beurteilung der Umsetzung des Allfinanzgedankens
4.1 Beurteilung aus Sicht des Kreditgewerbes
4.1.1 Vorteile aus Sicht des Kreditgewerbes
4.1.2 Nachteile aus Sicht des Kreditgewerbes
4.2 Beurteilung aus Kundensicht
4.2.1 Vorteile aus Kundensicht
4.2.2 Nachteile aus Kundensicht
5. Fazit
Anhang 1
Anhang 2
Exkurs: Umsetzung des Allfinanzgedankens am Beispiel der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht kritisch die Bedeutung und Anwendung des Allfinanzgedankens im Kreditgewerbe. Dabei liegt der Fokus darauf, Chancen und Risiken dieser Strategie sowohl für die Anbieter (Banken) als auch für die Kunden herauszuarbeiten, um deren Erfolgspotenziale und Herausforderungen zu bewerten.
- Analyse der verschiedenen Strategieebenen (Organisation, Produkte, Vertrieb, Mitarbeiter).
- Gegenüberstellung von Verbund-, Kooperations- und Konzernmodellen.
- Untersuchung der Vor- und Nachteile aus Sicht des Kreditgewerbes und der Kunden.
- Fallstudie zur Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz als Exkurs.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Kooperation
Im Gegensatz zum Verbundsystem können die Verfolger der Kooperationsstrategie die Wahl des Partners beeinflussen. Beispielsweise arbeitet die Citibank bereits seit 1996 mit der zum Talanx-Konzern gehörenden CiV Versicherung AG und der CiV Lebensversicherung AG in Form einer Vertriebskooperation zusammen. Vorteilhaft ist hierbei, dass die bereits bestehenden Vertriebsnetze und Vertriebskapazitäten der Kooperationspartner genutzt werden können, ohne sich in hohem Maße finanziell an den Partner zu binden. Außerdem profitieren die Partner vom jeweiligen Know-how des Anderen. Ferner wird die Kooperationsstrategie dann gewählt, wenn keine konkreten Prognosen der Cross-Selling-Effekte möglich sind oder weil die Bank befürchtet, ihre Mitarbeiter mit dem wachsenden Leistungsprogramm zu überfordern. Auch die Ergänzung der eigenen Angebotspalette durch Produkte der Kooperationspartner, stellt einen wesentlichen Vorteil dar. Als weiterer Vorteil ist der sehr geringe Investitionsaufwand zu nennen. Abschließend ist zu erwähnen, dass die Kooperation die schnellste und kostengünstigste Form bildet, den Allfinanzgedanken umzusetzen.
Andererseits sind Probleme möglich, insbesondere wenn die Zusammenarbeit zwar vertraglich vereinbart wurde, aber diverse Punkte nur unzureichend geregelt wurden. Dies kann den Prozess der Entscheidungsfindung verlängern und sich folglich negativ auf den Erfolg auswirken. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Kooperationspartner, um die Geschäftsgeheimnisse zu wahren, meist weder auf die Kundenbasis des Anderen zugreifen noch Einfluss auf dessen Prozessabläufe bzw. Beratungskompetenz nehmen können. Dies bedeutet, dass allein die Bildung von Kooperationen häufig nicht ausreicht, um Allfinanz optimal in der Praxis umzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Zielsetzung: Einführung in das aktuelle Marktumfeld des Kreditgewerbes und Darlegung der Zielsetzung, den Allfinanzgedanken kritisch zu hinterfragen.
2. Merkmale des Allfinanzgedankens: Definition des Begriffs Allfinanz als Angebot von Finanzprodukten verschiedener Branchen unter einem Dach und Einordnung in das Universalbankenprinzip.
3. Umsetzung des Allfinanzgedankens: Detaillierte Analyse der strategischen Ausgestaltung auf Organisations-, Produkt-, Vertriebs- und Mitarbeiterebene.
4. Beurteilung der Umsetzung des Allfinanzgedankens: Kritische Gegenüberstellung von Vorteilen und Risiken der Allfinanzstrategie, differenziert nach den Perspektiven des Kreditgewerbes und des Kunden.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Allfinanz eine erfolgreiche Strategie sein kann, sofern die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern im Zentrum stehen.
Exkurs: Umsetzung des Allfinanzgedankens am Beispiel der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz: Praktische Fallstudie, welche die Gründe, Erwartungen und Ergebnisse des Zusammenschlusses von Allianz und Dresdner Bank analysiert.
Schlüsselwörter
Allfinanz, Allfinanzgedanke, Allfinanzstrategie, Bankassurance, Kreditgewerbe, Cross-Selling, Finanzdienstleistungen, Verbundsystem, Kooperation, Konzernstrategie, Kundenbindung, Universalbanken, Produktbündelung, Vertriebswege, Allianz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Allfinanzgedanken im Kreditgewerbe, also das Konzept, Finanzprodukte aus einer Hand – etwa Bank- und Versicherungsleistungen – anzubieten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die strategische Umsetzung von Allfinanz auf verschiedenen Unternehmensebenen, die Beurteilung der Effizienz dieser Ansätze sowie die Analyse der Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Betrachtung der Allfinanzstrategie, um zu klären, unter welchen Voraussetzungen sie für Banken und Kunden tatsächlich vorteilhaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen, insbesondere der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Ausgestaltung der Allfinanzstrategie auf Organisationsebene (Verbund, Kooperation, Konzern), Produktebene, Vertriebsebene sowie Mitarbeiterebene und bewertet diese Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Allfinanz, Bankassurance, Cross-Selling, Kundenbindung, Vertriebsstrukturen und Kostensynergien.
Warum wird die Kooperationsstrategie oft gewählt?
Sie gilt als die schnellste und kostengünstigste Form der Umsetzung, erfordert wenig eigenes Investitionskapital und ermöglicht den Zugriff auf das Know-how des Partners.
Was ist eine zentrale Erkenntnis zum "gläsernen Kunden"?
Die starke Bündelung von Allfinanzangeboten und die Speicherung umfangreicher Informationen beim Anbieter birgt für den Kunden die Gefahr, bei intensiver Nutzung transparent und weniger wechselbereit zu werden.
Warum ist das Fazit der Dresdner-Bank-Übernahme durch die Allianz differenziert?
Obwohl Synergien und Kundengewinne erzielt wurden, wird kritisiert, dass diese teils teuer erkauft wurden und die Frage offen bleibt, ob ähnliche Erfolge auch durch kostengünstigere Kooperationen hätten erreicht werden können.
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- Anett Wöllner (Author), 2007, Beurteilung des Allfinanzgedankens im Kreditgewerbe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88431