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Elemente des Grotesken im Werk Wilhelm Buschs

Title: Elemente des Grotesken im Werk Wilhelm Buschs

Diploma Thesis , 1997 , 207 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Jaeschke (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Wilhelm Buschs zweifellos große Verdienste als innovativer Zeichner, Karikaturist und Pionier des Cartoons werden inzwischen allgemein anerkannt und gewürdigt. Doch so populär sein Werk durch alle Leserschichten hindurch bis in die Gegenwart ist, so unbeirrt gelten Buschs Bildergeschichten weiterhin als „gemütvoll-humoristischer Hausschatz“, der bei Amüsierbedarf unter der Rubrik „Schmunzel-Lektüre“ gehoben und schnell konsumiert werden kann. Die geläufige Art der Rezeption sicherte seinem Schöpfer schon zu Lebzeiten ein finanziell komfortables Auskommen, und allein schon dieser Umstand verleiht der öffentlich gepflegten Lesart des Werkes insofern eine gewisse Deutungsberechtigung.
Bei genauerer Betrachtung indes wird sie der Vielschichtigkeit des Busch-Figurenkosmos´ gleichzeitig kaum gerecht: einer bizarren, nihilistischen Zeichenwelt, einem Quälwerk, strotzend voller Greueltaten, Vernichtung und Tod.
Wie nun versteht es Busch, seine tiefdunkle Sicht auf das Leben handwerklich so meisterlich prallbunt und bekömmlich zu gestalten, daß sich Generationen von Lesern über die kruden Missgeschicke seiner Witzfiguren gut unterhalten fühlen können?
Antworten auf diese interessante Frage versucht die vorliegende Arbeit über die Analyse grotesker Stilelemente (als Teil der Komischen Gattung), im Zusammenwirken von Inhalt und zeichnerischer Form in Buschs Werk zu finden.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Grotesk-Komische

1.1 Das Komische und die ihm untergeordneten komischen Formen

1.1.1 Das Komische

1.1.2 Der Witz

1.1.3 Der Humor (inkl. Schwarzer Humor)

1.1.4 Die Satire

1.1.5 Die Karikatur, die Parodie und verwandte Formen

1.1.6 Das Tragikomische

1.2 Das Groteske als Form des Komischen

1.2.1 Etymologischer und historischer Ursprung des Grotesken

1.2.2 Das Charakteristische des Grotesken unter Berücksichtigung verschiedener Theorieansätze - eine Diskussion

1.2.3 Die Besonderheit des Grotesken. Ein Abgrenzungsversuch gegenüber ihm nahestehende komische Formen

1.2.4 Resümee und Herausarbeitung eines Arbeitsbegriffes ‘grotesk’

2. Das Grotesk-Komische im Werk Wilhelm Buschs

2.1 DIE BILDERGESCHICHTEN

2.1.1 „Mein genre ist genre.“ Die Bildergeschichten im Kontext ihrer traditionellen literarischen Vorbilder Teil I: Die volkstümlichen Gattungen

2.1.2 „Es saust der Stock, es schwirrt die Rute.“ Die Bildergeschichten im Kontext ihrer traditionellen literarischen Vorbilder Teil II: Die traditionelle Kinderliteratur

2.1.3 „In diesem Reich geborner Flegel.“ ‘Böse’ Tiere und Kinder versus ‘dressierte’ Bürger - die Typizität der Figuren als Teil von Buschs Willenskonzept

2.1.4 „Wer beobachten will, darf nicht mitspielen...“ Synthese und Dissonanz im Bild-Text-Verhältnis der Bildergeschichten

2.1.5 „Punkt zwölf erscheint der Knochenmann.“ Elemente des Grotesk-Komischen in den Bildergeschichten - Einleitungsteil:

2.1.5.1 Die Tücke des Objekts

2.1.5.2 Die Ornamentalisierung des Leibes

2.1.5.3 Die Deformation des Körpers

2.2 „Kleiner Schnickschnack auf Druckpapier“- Die Prosa als groteske Epik „Eduards Traum“ (1891) und „Der Schmetterling“ (1895)

3. Resümee - Die Aporie der Figurenwelt

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk von Wilhelm Busch unter dem spezifischen Fokus grotesker Elemente. Das primäre Ziel ist es, in einer theoretischen Grundlegung das "Groteske" von verwandten komischen Formen abzugrenzen und dieses analytische Profil auf Buschs Bildergeschichten und seine Prosawerke anzuwenden, um die vermeintlich harmlose Fassade des Humoristen zu dekonstruieren und eine abgründigere, pessimistische Weltsicht aufzuzeigen.

  • Theoretische Bestimmung des Komischen und seiner Unterformen (Witz, Humor, Satire).
  • Differenzierung des Grotesken als ästhetische und psychologische Kategorie.
  • Analyse von Buschs Bildergeschichten als "Simultankunstwerk" und deren Bezug zu volkstümlichen Traditionen.
  • Untersuchung von spezifisch grotesken Stilmitteln wie "Tücke des Objekts" und "Deformation des Leibes".
  • Kritische Würdigung der Rezeptionsgeschichte Buschs und seiner philosophischen Einflüsse (Schopenhauer/Darwin).

Auszug aus dem Buch

1.1.1 Das Komische

In einem kleinen Bauerndorf in Wisconsin (USA) trug sich 1957 Ungeheuerliches zu: In relativ kurzer Zeit verschwanden einige Frauen des Dorfes spurlos und wurden schließlich - alle Indizien deuteten auf ein Sexualdelikt hin - tot aufgefunden; der Mordverdacht erwies sich letztlich als grausige Gewißheit, denn erschwerend kam noch hinzu, daß man zeitgleich Frauenleichen auf dem dörflichen Friedhof ausgegraben vorfand, an denen sich ein Täter vergangen haben mußte. Der Außenseiter der dörflichen Gemeinschaft, Gein mit Namen, ein „ruhiger, fauler, gutmütiger, doch etwas merkwürdiger Mann“5, wurde schließlich der Tat überführt, und das gesamte Dorf war schockiert. Natürlich erfuhr auch die überregionale Presse von den Ereignissen in der Provinz und strömte scharenweise herbei - sehr zum Mißfallen der Einheimischen. Die Dorfbewohner blieben gegenüber den Reportern äußerst zugeknöpft und ablehnend. Sehr wenige Meilen weiter in den Nachbardörfern hingegen wurden die Vorkommnisse unter einem auffallend komischen Blickwinkel betrachtet; die Dorfbewohner überboten sich hier gegenseitig mit ‘Geiners’ - also ‘Gein’-Witzen -, veränderten sogar den Text eines bekannten amerikanischen Weihnachtsliedes, so daß manches Kind dort freudig „‘Deck the walls with limbs of Mollie’ (schmückt die Wände mit Mollies Gliedern)“6 sang. Die Mehrzahl der kursierenden Gein-Witze drehte sich inhaltlich um Bereiche des Kannibalismus und der sexuellen Perversion, also um gesellschaftlich tabuisierte Zonen in einem spezifischen soziokulturellen Kontext.

Warum nun dieser eher erzählende Einstieg in die Thematik des Komischen?

Wie die folgenden Ausführungen zu den Merkmalen der komisierenden Verarbeitung belegen werden, offenbart der vorliegende Bericht geradezu exemplarisch einige Grundcharakteristika des (Grotesk-) Komischen; ich erläutere im folgenden, wann und wie sich das Komische lebensweltlich inszeniert; deutlich werden soll über die Analyse des Komischen und seiner Unterarten zudem abschließend die psychologische Bewältigungsleistung, die sich hinter dem spöttischen Gruseln der Nachbarn verbirgt; auf diesen Aspekt wird abschließend nochmals Bezug genommen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, nämlich die Untersuchung von Wilhelm Buschs Werk auf groteske Elemente hin und die kritische Distanzierung vom Klischee des harmlosen Humoristen.

1. Das Grotesk-Komische: Hier erfolgt eine theoretische Fundierung der Begriffe Komik, Humor, Witz und Satire sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Theorieansätzen zum Grotesken als ästhetische Kategorie.

2. Das Grotesk-Komische im Werk Wilhelm Buschs: Dieses Hauptkapitel analysiert Buschs Bildergeschichten und Prosawerke hinsichtlich ihrer grotesken Strukturmerkmale, unter Einbeziehung literarhistorischer Vorbilder und zeitgenössischer Erziehungsvorstellungen.

3. Resümee - Die Aporie der Figurenwelt: Das abschließende Resümee verdichtet die Erkenntnisse zu einem Bild von Buschs "Kosmos", in dem die grotesken Stilmittel eine tiefsitzende pessimistische Weltsicht reflektieren.

Schlüsselwörter

Wilhelm Busch, Das Groteske, Komik, Bildergeschichten, Schopenhauer, Tücke des Objekts, Deformation, Entfremdung, Rezeption, Humor, Satire, Schwarzer Humor, Willenskonzeption, Papiertheater, Aporie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit befasst sich mit der Aufdeckung einer weniger populären, grotesken und oft als grausam empfundenen Seite im Werk von Wilhelm Busch, die hinter seiner Fassade als harmloser Bildergeschichtenerzähler verborgen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die theoretische Definition des Grotesk-Komischen, die Analyse der Bild-Text-Dissonanz bei Busch, die Bedeutung von Deformation und Objekt-Tücke sowie die kritische Reflexion des gesellschaftlichen Kontextes des 19. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Buschs Werk durch die Linse des "Grotesken" neu zu bewerten und nachzuweisen, dass seine vermeintlich harmlosen Geschichten tiefere, oft absurde und existenziell nihilistische Züge tragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine interdisziplinäre Synthese aus literaturwissenschaftlichen, psychologischen und soziologischen Theorieansätzen, um die grotesken Strukturen in Text und Zeichnung zu isolieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Komischen geklärt, bevor eine detaillierte Analyse der Bildergeschichten und der zwei späten Prosawerke "Eduards Traum" und "Der Schmetterling" erfolgt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind das Groteske, Entfremdung, die Tücke des Objekts, Schopenhauers Willensphilosophie sowie die spezifische Komik des Schwarzen Humors bei Busch.

Warum ist das Thema "Eispeter" für diese Arbeit so relevant?

Der "Eispeter" wird als ein Schlüsselwerk betrachtet, da es die groteske Deformation (das Zerfließen des Kindes zu Brei) und die absurde Verdinglichung durch das Einmachen in einen Topf auf die Spitze treibt, was Buschs pessimistisches Weltbild perfekt verkörpert.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der "Tücke des Objekts" bei Busch?

Sie wird als ein zentrales, komisierendes Verfremdungsverfahren identifiziert, das die Unberechenbarkeit der Welt und die Ohnmacht des Menschen gegenüber einer dinglichen Umgebung unterstreicht.

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Details

Title
Elemente des Grotesken im Werk Wilhelm Buschs
College
University of Duisburg-Essen  (Fb 3 Germanistik)
Grade
1,3
Author
Thomas Jaeschke (Author)
Publication Year
1997
Pages
207
Catalog Number
V88446
ISBN (eBook)
9783638028318
ISBN (Book)
9783638926720
Language
German
Tags
Elemente Grotesken Werk Wilhelm Buschs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Jaeschke (Author), 1997, Elemente des Grotesken im Werk Wilhelm Buschs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88446
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