Kann man die Beziehung zwischen Eltern und Kind ökonomisch betrachten und darf man darüber hinaus sogar so weit gehen, diese zu monetarisieren und eine Kosten-Nutzen-Analyse anzustellen. Gemäß dem oben zitierten Imperativ Galileis bereits vor etwa 300 Jahren soll man das auf jeden Fall versuchen.
In diesem Aufsatz wird ein bislang ungewohnter mikroökonomischer Schritt in diese Richtung gewagt und versucht, die Eltern-Kind-Beziehung aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Eine Monetarisierung wird jedoch sicher noch eine Weile auf sich warten lassen.1 Erst wenn es gelingt, die Nutzen bzw. Kosten von Einzelnen konkret in monetärer Form zu beziffern, wird man demnach auch Wohlfahrtsfunktionen, beispielsweise in der Form W = W (U1, ..., Um)
maximieren können.
Es war zunächst Garry S. Becker, der mit seiner Ökonomischen Erklärung menschlichen Verhaltens bei so manchem, auch bei so manchem Ökonomen, Aversion und Widerspruch hervorrief, und bis heute gilt sein Werk - vor allem im deutschen Sprachraum - als äußerst umstritten.
In diesem Aufsatz wird die Behauptung aufgestellt, dass Babies von der Natur quasi mit einem natürlichen Budget ausgestattet sind. Zu diesem Budget zählt beispielsweise die Möglichkeit eines Kleinkindes, seine Bezugspersonen anzulächeln und damit diese für ihre Fürsorge zu entschädigen, denn normalerweise empfindet ein Erwachsener Freude (und gewinnt aus dieser Freude einen Nutzen), wenn das Baby zufrieden lächelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Mikroökonomische Betrachtung der Eltern-Kind-Beziehung
2. Das natürliche Budget des Kindes und ökonomische Verhaltensweisen
2.1. Definition des natürlichen Budgets im Gegensatz zum herkömmlichen Budget
2.2. Eltern-Kind-Beziehung als Ressourcenaustausch
3. Entwicklung und Fehlinterpretation: Die Rolle von Verdrängungsmechanismen
3.1. Ökonomische Modellierung des optimalen Nutzenniveaus
3.2. Auswirkungen fehlerhafter Interpretation auf die kindliche Entwicklung
4. Fallbeispiel Jürgen Bartsch: Entstehung von Ersatzmechanismen
4.1. Analyse kriminellen Verhaltens durch ökonomische Lösungsmechanismen
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eltern-Kind-Beziehung unter einem mikroökonomischen Blickwinkel, indem sie das Konzept eines „natürlichen Budgets“ einführt, über das ein Kind von Geburt an verfügt. Ziel ist es, menschliches Verhalten und Fehlentwicklungen – illustriert am Beispiel des Kinderschänders Jürgen Bartsch – als Resultat ökonomischer Austauschprozesse und rigider, scheinbarer Lösungsmechanismen zu interpretieren.
- Übertragung ökonomischer Theorien auf zwischenmenschliche Beziehungen
- Einführung des Begriffs „natürliches Budget“ bei Kleinkindern
- Anwendung der Haushaltstheorie auf frühkindliche Kommunikation
- Analyse psychischer Ersatzmechanismen als rigide ökonomische „Lösungen“
- Fallbeispiel: Ökonomische Interpretation von Gewaltverbrechen
Auszug aus dem Buch
Fallbeispiel Jürgen Bartsch
Beispielsweise hat der Kinderschänder und Kindermörder Jürgen Bartsch nach eigenen Darstellungen und durch eine Reihe von Zufällen folgendes erlebt: Jürgen Bartsch hat sich im Heim in Marienhausen in Detlef verliebt. Diese Liebe wurde nicht erwidert. Als dann Jürgen Bartsch aus dem Heim ausriss und Detlef mitgegangen war, ist folgendes passiert:
„Ein Zug kam uns entgegen, und ich versuchte, Detlef unter den Zug zu stoßen. Das war an sich eine Angelegenheit von keiner richtigen Überlegung. Wenn überhaupt, habe ich nur ein paar Sekundenbruchteile überlegt, aber nicht mal eine Sekunde. Das ging einfach blitzschnell. Ich hatte bloß den einzigen Gedanken: Wenn du ihn jetzt unter den Zug wirfst, dann ist er tot und kann sich nicht wehren, dann kannst du ihn ganz nackt ausziehen. Vorher, als wir da entlang gingen, war kein sexueller Gedanke. Ich ging hinter ihm, links neben dem Gleis. Der Zug kam uns entgegen. Ich habe ihn einfach geschubst, aber er hat sich gefangen. Er ist bis zur anderen Seite gestolpert. Er fragte böse, ob ich verrückt wäre. Ich habe ihm gesagt: Du spinnst, ich bin nur gestolpert! Sie müssen mir glauben, es gab niemanden, der erschreckter war als ich. Auch anschließend.“
Nach meiner Überzeugung hat – obwohl das bislang scheinbar noch niemand erkannt hat, auch Paul Moor nicht, an den die Briefe von Jürgen Bartsch gerichtet waren – Jürgen Bartsch hier die Entstehung eines Ersatzmechanismus, eine scheinbare Lösung seines Problems, herausgebildet, Kinder umzubringen, damit er an ihnen sexuelle Handlungen vollziehen kann und sich diese nicht mehr wehren können. Deshalb scheinen solche Mechanismen rigide zu wirken, weil sie als scheinbare Lösung entwickelt werden bzw. wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Mikroökonomische Betrachtung der Eltern-Kind-Beziehung: Die Einleitung stellt die These auf, dass Eltern-Kind-Beziehungen mikroökonomisch betrachtet werden können, und hinterfragt, ob eine Monetarisierung dieses Verhältnisses wissenschaftlich möglich und sinnvoll ist.
2. Das natürliche Budget des Kindes und ökonomische Verhaltensweisen: Dieses Kapitel führt das Konzept des „natürlichen Budgets“ ein, das Babys dazu nutzen, durch Körpersprache wie Lächeln oder Schreien ihre Bedürfnisse zu kommunizieren und Eltern für deren Fürsorge zu „bezahlen“.
3. Entwicklung und Fehlinterpretation: Die Rolle von Verdrängungsmechanismen: Es wird analysiert, wie Eltern durch Fehlinterpretationen der kindlichen Signale das Nutzenniveau des Kindes senken und welche Rolle Verdrängung bei der Entwicklung späterer Ersatzmechanismen spielt.
4. Fallbeispiel Jürgen Bartsch: Entstehung von Ersatzmechanismen: Anhand des Falls Jürgen Bartsch wird diskutiert, wie aus psychischen Fehlentwicklungen rigide kriminelle Ersatzmechanismen entstehen können, die ökonomisch als „Lösungen“ für ein gestörtes Nutzenniveau interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Mikroökonomie, Eltern-Kind-Beziehung, natürliches Budget, Wohlfahrtsfunktion, Kosten-Nutzen-Analyse, Körpersprache, Bedürfnisbefriedigung, Verdrängungsmechanismus, Ersatzmechanismus, Jürgen Bartsch, Ökonomischer Ansatz, Verhaltenstheorie, Nutzenniveau, ökonomischer Imperialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Anwendung mikroökonomischer Prinzipien, insbesondere der Nutzen- und Haushaltstheorie, auf soziale Interaktionen wie die Eltern-Kind-Beziehung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition eines natürlichen Budgets bei Kindern, die Rolle von Kommunikation als Ressourcenaustausch und die ökonomische Interpretation von Verdrängungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass menschliches Verhalten – auch kriminelles – als ökonomischer Entscheidungsprozess zur Maximierung eines subjektiven Nutzenniveaus verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die mikroökonomische Theoriebildung sowie Modelle der Haushaltstheorie und überträgt diese auf psychologische und soziologische Phänomene.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Funktionsweise des natürlichen Budgets, die grafische Modellierung des Nutzenniveaus mittels Indifferenzkurven und die Analyse der Entstehung von Ersatzmechanismen bei Straftätern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören das natürliche Budget, der ökonomische Ansatz, die Nutzenmaximierung und die Interpretation menschlichen Verhaltens als Austausch von Ressourcen.
Wie wird das Konzept des natürlichen Budgets definiert?
Das natürliche Budget ist eine dem Kind angeborene Fähigkeit, durch Signale wie Lächeln oder Schreien Bedürfnisse zu äußern und eine soziale Gegenleistung (Fürsorge) auszulösen.
Inwiefern spielt der Fall Jürgen Bartsch eine Rolle in der Argumentation?
Der Fall dient als Extrembeispiel, um zu verdeutlichen, wie ein durch falsche Interpretation der Umwelt gestörtes Nutzenniveau zur Ausbildung rigider, schädlicher Ersatzmechanismen führen kann.
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- Monika Josefa Stögmayer, Dipl. oec. (Author), 2007, Einige mikroökonomische Überlegungen zu Eltern-Kind-Beziehungen und deren Auswirkungen am Beispiel des Kinderschänders Jürgen Bartsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88478