Die römische Wirtschaft in der Provinz Germanien zur Kaiserzeit


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Methodische Vorbetrachtungen
2.1 Probleme der Quellenlage
2.2 Positionen der Forschung zur antiken Wirtschaft

3. Die Wirtschaft in der Provinz Germanien
3.1 Charakterisierung der Wirtschaft des Imperium Romanum zur Kaiserzeit
3.2 Bestimmung der chronologischen und geographischen Dimension
3.3 Die verschiedenen Sektoren der Wirtschaft
3.3.1 Die Landwirtschaft
3.3.2 Handwerk und Gewerbe
3.3.3 Der Handel
3.4 Das Militär als Wirtschaftsfaktor

4. Schlussbetrachtungen

5. Bibliografie
5.1 Quellenverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Eine umfassend angelegte Betrachtung der Wirtschaft der Antike im Allgemeinen und derjenigen der römischen Provinzen im Speziellen, wie es Gegenstand dieser Arbeit ist, muss aus verschiedenen Gründen problematisch sein. Ein wirtschaftliches Leben wie wir es heute kennen, oder gar wie wir es uns für vergangene Zeiten vorstellten, gab es damals nicht. Allein schon aufgrund der demografischen Struktur, der technischen und finanziellen Mittel ergibt sich ein radikal verändertes Wirtschaftsbild von dem heutigen. Trotzdem können wir für die damalige Zeit ein reges wirtschaftliches Leben, Handelsbeziehungen, die den Transport von Gütern in der gesamten damals bekannten Welt umfassten und sogar Kreditvergabesysteme nachweisen. Gerade jedoch der Nachweis, sprich die Erforschung der Quellen, bleibt problematisch, da diese nur unvollständig und lückenhaft vorhanden sind. Vieles bleibt der Interpretation und Mutmaßung überlassen. Auch die Frage nach dem Verständnis von Wirtschaft und nach der Wirtschaftsethik muss Beachtung finden, da es für höhere Schichten zum Teil sogar unschicklich war wirtschaftlich tätig zu sein und Kapitalvermehrung durch Handel oder Spekulation zugunsten von Investition in Land nicht oder selten stattfand. Schließlich schlägt sich dies und die schwierige Auswertung der Quellen auch in der Forschung nieder, in der verschiedene Schulen unterschiedliche Auffassungen zu Struktur und Gestalt der Wirtschaft in der Antike vertreten. Außerdem kann beobachtet werden, dass das Thema Wirtschaft in der tradierten Forschung eher eine untergeordnete Rolle spielt. Obwohl es einige Standardwerke zu diesem Thema gibt, die auch für diese Arbeit benutzt wurden, findet sich beispielsweise in der Handbuchreihe „Handbuch der Altertumswissenschaft“ keine eigene Abteilung für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Im Vergleich zu Militärgeschichte, Religionsgeschichte, Literatur, Rechtsgeschichte etc. fällt das Thema Wirtschaftsgeschichte weit ab. Erst im 20.Jh. fand wohl eine intensivere Beschäftigung mit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte statt. Für diese Arbeit stütze ich mich vor allem auf Werke neueren Datums, um ein aktuelles Bild im Kontext der Forschung zeichnen zu können. Dies sind vor allem der Sammelband „Die Wirtschaft des Römischen Reiches (1.-3. Jahrhundert)“ von Drexhage, Konen und Ruffing, der einen guten Überblick vermittelt, „Die Wirtschaft der griechisch-römischen Welt“ von Kloft, sowie „Die Provinzen des römischen Reiches“ von Bechert. Neben anderer Literatur, greife ich außerdem auf Artikel aus dem „Neuen Pauly“, sowie dem „Handbuch zur europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ zurück.

Um dem komplexen Charakter dieses Themas gerecht zu werden, wird zunächst in einem ersten Kapitel auf die Problematik der Quellenlage und deren Auswertung eingegangen, sodann ein Abriss über die Forschungsdiskussion und deren wichtigsten Thesen geliefert. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Wirtschaft in der Provinz Germanien. Dabei findet zunächst eine Beschreibung der Wirtschaft allgemein statt, danach wird die Provinz geografisch und chronologisch bestimmt, bevor auf die Sektoren Landwirtschaft, Handel, Handwerk und das Militär, das für die Wirtschaft damals eine herausgehobene Bedeutung hatte, näher eingegangen wird.

Ziel dieser Arbeit ist auch den Forschungsdiskurs aufzuzeigen, bzw. die Schwierigkeit, Wirtschaftsstrukturen aus einer vergangenen, quellenarmen Epoche herauszuarbeiten. Deshalb werden in Kapitel 2 methodische Überlegungen angestellt. Sie sollen gleichsam als Hintergrund für die folgenden Kapitel dienen und dem Leser für das weitere Verständnis Orientierung geben.

2. Methodische Vorbetrachtungen

Bevor auf die Wirtschaft in Germanien genauer eingegangen wird, werden in diesem Kapitel methodische Überlegungen angestellt, die eine weitere Sicht auf das Thema geben und dessen Verständnis erleichtern sollen. Dies betrifft zunächst die Art und den Charakter der Quellen, sowie Theorieansätze der Forschung zur Wirtschaft in der Antike.

2.1 Probleme der Quellenlage

Für die Beschäftigung mit der antiken Wirtschaft muss man wissen, dass wir uns im vorstatistischen Zeitalter befinden. Weder gibt es aussagekräftige Aufzählungen, noch Statistiken oder Regierungsakten, weshalb wir kein detailreiches, bestenfalls ein lückenhaftes Wissen von der antiken Wirtschaft erlangen können (Garnsey/Saller, 1989, S.65). Beim Umgang mit Quellen zur antiken Wirtschaftsgeschichte ist deshalb auf deren jeweiligen Charakter und ihre spezifischen Eigenschaften zu achten. Es kommt darauf an, sich aus der Vielheit, oder eben der Begrenztheit, unterschiedlicher Zeugnisse ein Bild zu machen, evtl. Lücken zu schließen und daraus Aussagen ziehen zu können (Kloft, 1992, S.34, S.40). In der Antike wichtige Quellengattungen sind archäologische, inschriftliche, numismatische, papyrologische und literarische Quellen. Die Auswertung stellt zudem einen Prozess dar, der sich im systematischen Finden, der Quellenkritik und der Interpretation ausdrückt. Das meint eine nach einer Fragestellung gerichtete Suche und deren kritisch reflektierte Einordnung in einen historischen Gesamtkontext (Ebenda, S.38f). Welche Konsequenzen dies haben kann zeigt Peter Herz, indem er Finleys vielbeachtetem Werk über die antike Wirtschaft vorwirft: „Da sich Finley leider auf eine zu enge Quellengrundlage verließ, epigraphische, papyrologische, und vor allem archäologische Zeugnisse in seinen Forschungen weniger berücksichtigte, ist sein Bild der römischen Wirtschaft zwar von beeindruckendem Format, entbehrt aber der Tiefenschärfe und der Zwischentöne.“ (Herz, 1988, S.13). Welche Schlüsse man also aus Quellen zieht, hängt wesentlich von deren Gewichtung und Auswertung ab, da man zum Teil eine sehr lückenhafte Quellenlage hat.

2.2 Positionen der Forschung zur antiken Wirtschaft

Die Forschungsdiskussion ist gekennzeichnet von zwei gegensätzlichen Vorstellungen der antiken Wirtschaft, die ihren Ursprung zu Ende des 19. Jh. hat, derjenigen zwischen Modernismus und Primitivismus. Grundlegend dafür sind die unterschiedlichen Theorien von E. Meyer und K. Bücher. Während Bücher, als Primitivist, von der Volkswirtschaft als dem Ergebnis einer jahrhundertlangen Entwicklung ausgeht und die antike Wirtschaft weitestgehend als subsistanzielle, d.h. sich selbst versorgende, Hauswirtschaft charakterisiert, geht Meyer, als Modernist, von einer diskontinuierlichen Entwicklung aus, indem er Parallelen zur modernen Wirtschaft zieht. Max Weber bestätigt Bücher und stellt die antike „Konsumentenstadt“ der mittelalterlichen „Produzentenstadt“ gegenüber (Schneider, 1981, S.1ff; Drexhage, 2002, S.20). Rostovtzeff geht gar von einer relativen Analogie von moderner und antiker Wirtschaft aus, wenn er lediglich quantitative, kaum qualitative Unterschiede ausmacht (Schneider, 1981 S.7f; Pleket, 1990, S.42). Primitivisten hingegen führen als Argumente an, dass Handel und Gewerbe eine marginale Rolle spielten, wenig Binnenhandel stattfand, das Fehlen interdependenter Märkte, niedriger sozialer Status von Händlern und Gewerbetreibenden, sowie, dass es kaum Banken zur Kreditvergabe gab (Pleket, 1990, S.25 u. 36.). Neuen Auftrieb bekam dieser Ansatz durch M.I. Finleys „The Ancient Economy“, der Akzente auf Mentalitäten setzt, etwa wenn er die fehlende Bereitschaft, Kapital in Handels- oder Gewerbeprojekte zu investieren, bei Teilen der relevanten Oberschichten kennzeichnet. Stattdessen investierten diese in Land, wodurch keine Akkumulation des Kapitals stattfinden könne (Schneider, 1981, S.10 f; Drexhage, 2002, S.20). Neuere Forschungen vermeiden eine zu starre Fixierung auf einen der Ansätze und gehen von einem differenzierteren Bild aus. Sie versuchen die von den Primitivisten geschaffene Kluft zwischen den Epochen der Antike und des Mittelalters zu überbrücken. Beispielsweise ist interregionaler Handel mit Luxusgütern, wie Textilien, Öl, Wein und Keramik nachgewiesen. Durch die Meeresarchäologie wurden Schiffe gefunden, deren Fassungsvermögen auf einen auf Handel abzielenden Transport hindeuten. Geringes Ansehen von Händlern und Gewerbetreibenden deute lediglich auf die prinzipielle Randständigkeit ihrer Sektoren hin, jedoch waren auch Senatoren strukturell über Strohmänner und persönlich in Handel und Gewerbe involviert (Pleket, 1990, S.35, S. 42-45). Man muss, wenn man die antike Wirtschaft betrachtet zwar von anderen Vorraussetzungen ausgehen als in der Moderne, jedoch ist ihre Einschätzung als extrem unterentwickelt heute nicht mehr haltbar (Drexhage, 2002, S.21).[1]

[...]


[1] Dieses Kapitel stützt sich auf die in Klammern gesetzte Literatur. Im Folgenden werden die dieser zu Grunde liegenden Werke der im Text genannten Autoren angegeben: Ed. Meyer, Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums, in: Ders., Kleine Schriften I, Halle 1924; K. Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft. Vorträge und Versuche, Tübingen 1901; Max Weber, Agrarverhältnisse im Altertum, in: Ders., Gesammelte Aufsätze zur Soziel- und Wirtschaftsgeschichte, Tübingen 1924; M. I. Rostovtzeff, The Social and Economic History of the Roman Empire,Oxford 1957; M. I. Finley, The Ancient Economy, Berkeley/ Los Angeles,1985

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Details

Titel
Die römische Wirtschaft in der Provinz Germanien zur Kaiserzeit
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Die Römer in Südwestdeutschland
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V88516
ISBN (eBook)
9783638036573
ISBN (Buch)
9783638936088
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaft, Provinz, Germanien, Kaiserzeit, Römer, Südwestdeutschland
Arbeit zitieren
Benjamin Veser (Autor:in), 2006, Die römische Wirtschaft in der Provinz Germanien zur Kaiserzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88516

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