Seit Beginn der 90er Jahre geht die Anzahl der Kirchenaustritte in Deutschland zwar stetig zurück, dennoch kämpfen die Volkskirchen mit dem Schwinden ihrer Anhänger; die Verbliebenen sind vorwiegend ältere Menschen. Leere Kirchen und zu wenig Priester scheinen von einer spirituellen Krise des deutschen Christentums zu zeugen, die sich auch zur ökonomischen Krise der Bistümer auswächst: Gemeinden werden zusammengelegt, Immobilien verkauft und Unternehmensberatungen konsultiert. Doch während die Volkskirchen schrumpfen und überaltern, erlebt Deutschland einen religiösen Boom, eine christliche Renaissance, die an ihnen vorbei zu gehen scheint.
Alternative Glaubensgemeinschaften, v.a. Freikirchen, verzeichnen einen hohen Zulauf, insbesondere an jungen Menschen. Evangelikale Auferweckungsbewegungen, die in Deutschland mehr und mehr Fuß fassen, zeugen von einer Amerikanisierung der Spiritualität und Religiosität. „Historisch gesehen kommen mit [dem erwecklichen Christentum] die einst aus Europa verdrängten spiritualistischen und „wiedertäuferischen" Strömungen zurück.“ Doch weshalb sind sie so erfolgreich?
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Planung der Unterrichtsreihe
1 Bedingungsfelder
1.1 Die Lerngruppe
1.2 Schulorganisatorische Bedingungsfaktoren
2 Didaktische Analyse
2.1 Nachfolge
2.2 Der Dokumentarfilm „Jesu' junge Garde“
2.2.1 Der Inhalt des Films
2.2.2 Didaktische Überlegungen zum Einsatz des Films
2.2.2.1 Die Intention des Films
2.2.2.2 Die Nutzung des Mediums „Film“ in Bezug auf den Dokumentarfilm „Jesu' junge Garde – Die christliche Rechte und ihre Rekruten“
2.3 Die Auferweckungsbewegung „The Call“
2.4 Einbettung der Reihe: Bezug zum Halbjahresthema „Jesus Christus“
2.5 Lehrplanbezug
2.6 Das Thema im Horizont der Lerngruppe
2.7 Didaktische Reduktion: Der Aufbau der Unterrichtsreihe
2.8 Die übergeordneten Lernziele der Unterrichtsreihe
3 Methodische Überlegungen
3.1 Allgemeine methodische Überlegungen
3.2 Textarbeit
3.3 Filmbetrachtung
3.4 Sozialformen: Arbeitsteilige Gruppenarbeit und arbeitsgleiche Partner- und Einzelarbeit
3.5 Collagen- und Plakatarbeit
3.6 Phasen der Stellungnahme und persönlichen Reflexion
III Durchführung der Unterrichtsreihe
1 Überblick über die erste Stunde
1.1 Methodisch-didaktische Überlegungen
1.2 Lernziele
1.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
1.4 Kurzreflexion
2 Überblick über die zweite Stunde
2.1 Methodisch-didaktische Überlegungen
2.2 Lernziele
2.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
2.4 Kurzreflexion
3 Überblick über die dritte Stunde
3.1 Methodisch-didaktische Überlegungen
3.2 Lernziele
3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
3.4 Kurzreflexion
4 Überblick über die vierte Stunde
4.1 Methodisch-didaktische Überlegungen
4.2 Lernziele
4.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.4 Kurzreflexion
5 Überblick über die fünfte Stunde
5.1 Methodisch-didaktische Überlegungen
5.2 Lernziele
5.3 Geplanter Unterrichtsverlauf
5.4 Kurzreflexion
6 Detaillierte Darstellung der sechsten Stunde
6.1 Didaktische Analyse
6.2 Methodische Überlegungen und Entscheidungen
6.3 Lernziele
6.4 Geplanter Unterrichtsverlauf
6.4 Kurzreflexion
IV Gesamtreflexion – Nachbetrachtung der Unterrichtsreihe
1 Beteiligung des Kurses
2 Lernziele und Lernerfolge
3 Überlegungen zum Konzept
4 Vorschläge zur Leistungsmessung
5 Möglichkeiten zur Weiterarbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das christlich-fundamentalistische Nachfolgeideal der Auferweckungsbewegung "The Call" kritisch im Kontext des Halbjahresthemas "Jesus Christus" zu untersuchen. Im Rahmen einer sechsstündigen Unterrichtsreihe in einem GK Katholische Religion 12 sollen Schüler das Konzept der Nachfolge als historisches und theologisches Phänomen verstehen lernen, den Anspruch der Bewegung kritisch hinterfragen und ein eigenes, reflektiertes Verständnis für ihr persönliches Leben ableiten.
- Historischer und theologischer Wandel des Begriffs "Nachfolge"
- Kritische Analyse des Dokumentarfilms "Jesu junge Garde"
- Untersuchung der Auferweckungsbewegung "The Call" und ihrer fundamentalistischen Züge
- Methoden der Reflexion: Plakatarbeit, Filmanalyse und persönliche Stellungnahme
- Förderung der Urteilskompetenz gegenüber fundamentalistischen Glaubensgruppen
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Auferweckungsbewegung „The Call“
The Call wurde im Jahre 2000 von dem Prediger Lou Engle in Washington in den USA gegründet. Nach einer Massenandacht mit über einer halben Million Teilnehmern, verbreitete sich die evangelikale Bewegung auf den Philippinen, in Südkorea, Australien, Brasilien, England und schließlich auch in Deutschland und vermittelt weltweit ein erzkonservatives Christentum mittels moderner Happenings. Mit „evangelikal“ ist zunächst „eine Glaubenshaltung beschrieben, die durch persönliche Entschiedenheit charakterisiert ist und die verpflichtende Bindung an die Bibel als inspiriertes Wort Gottes hervorhebt.“ Die evangelikale Bewegung, deren Glauben allein auf Wort und Bekenntnis gründet, steht eigentlich im Widerspruch zu erfahrungsbetonten Bewegungen wie die der Charismatiker, die ihren Glauben „primär an die Erfahrungen des Heiligen Geistes“ binden. Die Charismen, wie Zungenreden, Prophetie, Heilungsfähigkeit, etc., sind gemäß charismatischem Gedankengut erfahrbar für jeden Christen. Die evangelikale Argumentation dagegen ist jedoch, dass diese Erfahrungen nur solange möglich [waren], wie es das Wort, das Neue Testament in der Endfassung, noch nicht gab – also nur im ersten Jahrhundert nach Christ Geburt. Sobald der christliche Kanon vorlag, galt und gilt der Grundsatz: Der Glaube ist allein gebunden an Wort und Schrift. Seitdem seien Erfahrungen, so schön sie auch sein mögen, das denkbar unsicherste Fundament des Glaubens.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die spirituelle Krise der Volkskirchen in Deutschland und den gleichzeitigen Aufstieg evangelikaler Bewegungen wie "The Call".
II Planung der Unterrichtsreihe: Dieses Kapitel definiert die Bedingungsfelder der Lerngruppe, analysiert den Begriff der Nachfolge und reflektiert den didaktischen Einsatz des Films sowie den Lehrplanbezug.
III Durchführung der Unterrichtsreihe: Hier wird der konkrete Verlauf der sechs Unterrichtsstunden detailliert dargestellt, inklusive methodischer Überlegungen, Lernzielen und Reflexionen.
IV Gesamtreflexion – Nachbetrachtung der Unterrichtsreihe: Dieses Kapitel wertet die Beteiligung des Kurses sowie die erreichten Lernziele aus und reflektiert das Konzept sowie zukünftige Möglichkeiten der Weiterarbeit.
Schlüsselwörter
Nachfolge, Jesu, The Call, Fundamentalismus, Auferweckungsbewegung, Dokumentarfilm, Religionsunterricht, Didaktik, Christentum, Evangelikal, Charismatik, Identitätsbildung, Urchristentum, Glaubenspraxis, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Auseinandersetzung des Nachfolgeideals der christlich-fundamentalistischen Auferweckungsbewegung "The Call" innerhalb einer Unterrichtsreihe für den Religionsunterricht der Oberstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Begriff der Nachfolge Christi, die Analyse der Bewegung "The Call" und die Frage, wie fundamentalistische Ideologien auf Jugendliche wirken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Unterrichtsreihe?
Das Hauptziel ist, dass die Schüler ein differenziertes Verständnis von "Nachfolge" entwickeln und lernen, eine begründete Stellungnahme gegenüber fundamentalistischen Gruppen abzugeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt medienpädagogische Methoden, insbesondere die Filmanalyse, sowie textanalytische Verfahren und kooperative Arbeitsformen wie Gruppen- und Plakatarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Planung der didaktischen Struktur sowie die detaillierte Durchführung der sechs Unterrichtsstunden von der theoretischen Fundierung bis zur praktischen Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nachfolge, fundamentalistisches Selbstverständnis, mediale Vermittlung, Identitätsfindung und kritische Urteilsbildung charakterisiert.
Wie reagierten die Schüler auf den Dokumentarfilm "Jesu junge Garde"?
Die Reaktion war heftig und kritisch; viele Schüler äußerten Unbehagen gegenüber den sektenartigen Zügen und der Intoleranz der Bewegung, während einige auch positive Aspekte wie den starken Zusammenhalt wahrnahmen.
Welche Rolle spielt die "Rückkehr ins Urchristentum" für die Bewegung?
Dies ist ein zentrales Konzept von "The Call", das als Legitimation für ihre Praxis dient, indem sie sich direkt mit dem Leben und den Wundern der Apostel identifizieren.
Warum wird der Begriff "Nachfolge" in der Arbeit als "problematisch" eingestuft?
Weil der ursprüngliche, radikale Anspruch der Nachfolge (wie etwa bei Franz von Assisi) in der heutigen gesellschaftlichen Realität schwer umsetzbar ist und von Fundamentalisten für ideologische Zwecke instrumentalisiert werden kann.
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- Christian Schlegel (Author), 2007, Eine kritische Auseinandersetzung mit dem christlich-fundamentalistischen Nachfolgeideal der Auferweckungsbewegung „The Call“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88655