Zu Beginn wird das Phänomen der Lernbehinderung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Anschließend werden die besonderen Zusammenhänge zwischen Lernen und einer Lernbehinderung und zwischen Lernen und Gedächtnis erörtert (Kap. 2). Danach wende ich mich verschiedenen Gedächtnismodellen zu sowie dem Vergessen (Kap. 3).
Im Anschluss daran werden Einflussfaktoren auf die Gedächtnisleistung erläutert (Kap. 4) bevor in Kapitel 5 auf die Besonderheiten der Gedächtnisleistungen von lernbehinderten Schülern näher eingegangen wird. Außerdem werden Fördermöglichkeiten von Gedächtnisleistungen betrachtet, wobei besonders die Förderung von Strategien im Mittelpunkt steht. Es werden verschiedene Arten von Strategien und ihre Anwendung vorgestellt. Anschließend wird in Kapitel 6 die durchgeführte Studie in ihrem Aufbau, dem Ablauf und den Ergebnissen (Kap. 7) vorgestellt. Zum Abschluss der Arbeit erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ablauf und dem Vorgehen der Untersuchung (Kap. 8), aus der Verbesserungsvorschläge für weitere derartige Untersuchungen entwickelt werden sollen. Kapitel 9 rundet die Arbeit mit Überlegungen hinsichtlich der Anwendbarkeit der Methode im Unterricht ab.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Personenkreis der Lernbehinderten. Daher ist es notwendig eingangs zu klären, was eine Lernbehinderung ausmacht. Wie äußert sie sich und wie unterscheidet sie sich von anderen Beeinträchtigungen im Lernen? Diese Frage soll im ersten Abschnitt des Kapitels beantwortet werden. Danach geht es um den Zusammenhang von Lernbehinderung und Lernen.
Es wird erläutert, was unter Lernen zu verstehen ist und wie sich eine Lernbehinderung auf Lernen auswirkt. Anschließend wende ich mich dem Gedächtnis zu, indem die Bedeutung des Gedächtnisses für Lernen erläutert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenwahl
1.2 Der Aufbau der Arbeit
2 Lernbehinderung
2.1 Das Phänomen Lernbehinderung
2.2 Lernen und Lernbehinderung
2.3 Lernen und Gedächtnis
3 Gedächtnismodelle
3.1 Mehrspeichermodelle
3.1.1 Zeitabhängige Gedächtnis-Klassifikation
3.1.2 Arbeitsgedächtnis
3.2 Inhaltsabhängige Gedächtnis-Klassifikation
3.3 Das LOP-Konzept
3.4 Vergessen
4 Einflussfaktoren auf die Gedächtnisleistung
4.1 Gedächtniskapazität
4.2 Bereichsspezifisches Vorwissen
4.3 Metakognition und Metagedächtnis
5 Gedächtnisleistungen von Lernbehinderten
5.1 Förderung der Gedächtnisleistungen von Lernbehinderten
5.2 Mnemostrategien
5.2.1 Rehearsal-Strategien
5.2.2 Organisationsstrategien
5.2.3 Elaborationsstrategien
6 Untersuchung
6.1 Ziele und Begründung der Untersuchung
6.2 Fragestellung
6.3 Hypothesen
6.4 Methode
6.5 Stichprobe
6.6 Versuchsplan
6.7 Variablen
6.8 Ablauf und zeitlicher Rahmen
6.8.1 Der Vortest
6.8.2 Das Training
6.8.3 Nachtest
7 Auswertung und Ergebnisse
7.1 Auswertungsplan
7.2 Ergebnisse
7.2.1 Auswertung der Daten auf Intervallskalenniveau
7.2.1.1 Kovarianzanalayse
7.2.1.2 Effektstärken der Trainingsmaßnahme
7.2.2 Zusammenfassende Betrachtung
7.2.3 Auswertung der Daten auf Nominalskalenniveau
8 Diskussion der Ergebnisse
8.1 Beantwortung der Fragestellung
8.2 Kritische Reflexion der Versuchsdurchführung
9 Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob lernbehinderte Schüler durch das Erlernen der Loci-Methode ihre Gedächtnisleistung im Unterricht verbessern können, um so ihren Lernzuwachs zu fördern.
- Phänomenologie der Lernbehinderung
- Grundlagen der Gedächtnispsychologie
- Wirksamkeit von Gedächtnisstrategien (Mnemotechniken)
- Quasi-experimentelle Studie zur Anwendung der Loci-Methode
- Einfluss von Metakognition auf den Lernprozess
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Phänomen Lernbehinderung
Bleidick definierte 1977 Lernbehinderung durch eine scheinbar tautologische Erklärung, indem er sagte „lernbehindert ist, wer eine Schule für Lernbehinderte besucht“ (zit. nach Schröder, 2000, S. 88) und ergänzt diese Aussage später um den Zusatz, „…weil er in der allgemeinen Schule nicht hinreichend gefördert werden kann“ (zit. nach Schröder, 2000, S. 89). Diese Äußerung regte die Diskussion über Lernbehinderung und Lernbehinderte sehr an (Schröder, 2000, S. 88). Sie lässt bereits erkennen, dass eine eindeutige Definition und Abgrenzung von Lernbehinderung zu anderen Beeinträchtigungen ebenso wie eine einheitliche Beschreibung des Personenkreises der Lernbehinderten schwierig zu sein scheint. Ich werde in diesem Kapitel versuchen, mich einer Beschreibung von Lernbehinderung zu nähern, die die verschiedenen Aspekte des Phänomens berücksichtigt.
Zunächst einmal kann man Lernbehinderung in das übergeordnete Konstrukt der Lernstörung einordnen und von Lernbeeinträchtigungen abgrenzen. Unter dem Begriff Lernstörung sind „Minderleistungen beim absichtsvollen Lernen“ (Lauth, Brunstein und Grünke, 2004, S. 13) zu verstehen. Lernstörungen äußern sich darin, dass verschiedenstes Können, Wissen und Verhalten nicht ausreichend gut, nicht ausreichend schnell und nicht ausreichend sicher erworben wird. Trotz Lernangeboten, die als angemessen erachtet werden, bleiben die gezeigten Leistungen lernbehinderter Schüler hinter den Erwartungen zurück (Lauth et al., 2004). Bleidick hat grundlegende Merkmale lernbehinderter Schüler im Vergleich zu nicht lernbehinderten Schülern zusammengetragen. Dabei unterscheidet er Leitmerkmale und Begleitmerkmale. Leitmerkmale sind demnach, dass lernbehinderte Schüler wesentlich langsamer und insgesamt weniger lernen. Weiter vergessen sie gelernte Inhalte schneller wieder, sie haben größere Schwierigkeiten beim abstrakten Begriffslernen, wohingegen ihnen anschauliche, konkrete, motorische und bedürfnisorientierte Sachverhalte leichter zugänglich sind. Außerdem können sie gelernte Inhalte schlechter auf andere Situationen übertragen. Als Begleitmerkmale kann beobachtet werden, dass lernbehinderte Schüler
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autorin begründet ihre Themenwahl durch Beobachtungen im Sonderschulwesen und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2 Lernbehinderung: Es erfolgt eine definitorische Einordnung des Begriffs Lernbehinderung sowie eine Erörterung der Zusammenhänge zwischen Lernen, Gedächtnis und lernspezifischen Beeinträchtigungen.
3 Gedächtnismodelle: Verschiedene kognitionspsychologische Modelle, wie Mehrspeichermodelle und das LOP-Konzept, werden erläutert, um die Grundlagen der Informationsverarbeitung darzustellen.
4 Einflussfaktoren auf die Gedächtnisleistung: Die Arbeit diskutiert zentrale Determinanten wie Kapazität, Vorwissen und Metakognition, die die Gedächtnisentwicklung entscheidend beeinflussen.
5 Gedächtnisleistungen von Lernbehinderten: Hier werden die spezifischen Defizite lernbehinderter Kinder analysiert und Möglichkeiten der gezielten Förderung durch Strategietraining diskutiert.
6 Untersuchung: Dieser Abschnitt beschreibt das Design, die Hypothesen, die Methode (Loci-Methode) sowie die Durchführung der explorativen Studie.
7 Auswertung und Ergebnisse: Die erhobenen Daten aus Vor- und Nachtest werden statistisch analysiert, um die Effektivität des Trainings zu bewerten.
8 Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und die Ausgangsfragestellung wird unter Berücksichtigung der individuellen Lernverläufe beantwortet.
9 Schlussfolgerungen und Ausblick: Abschließend werden praktische Empfehlungen für die sonderpädagogische Unterrichtspraxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Lernbehinderung, Loci-Methode, Gedächtnistraining, Mnemotechniken, Lernstörung, Arbeitsgedächtnis, Metakognition, Elaboration, Strategievermittlung, sonderpädagogische Förderung, Gedächtnisleistung, Reproduktion, Interferenz, Lernpsychologie, Informationsverarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität eines Gedächtnistrainings mittels der Loci-Methode bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gedächtnispsychologie, den Besonderheiten lernbehinderter Schüler sowie der praktischen Anwendung von Mnemostrategien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob lernbehinderte Schüler durch die gezielte Vermittlung der Loci-Methode in der Lage sind, ihre Gedächtnisleistung beim freien Reproduzieren von Lerninhalten zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein quasi-experimentelles Prätest-Posttest-Design mit einer Trainings- und einer Kontrollgruppe durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des Gedächtnisses, die Analyse von Lernbehinderungen sowie die detaillierte Beschreibung des durchgeführten Trainingsprogramms.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Loci-Methode, Lernbehinderung, Gedächtnisstrategien und Mnemotechniken.
Warum wurde gerade der Körper als Locus für die Loci-Methode gewählt?
Die Wahl des Körpers als Ortsliste sollte den Schülern durch die ständige Verfügbarkeit (Präsenz) und die taktile Erfassbarkeit das Erlernen und Abrufen der Strategie erleichtern.
Welche Bedeutung kommt der Metakognition in der Arbeit zu?
Metakognition ist entscheidend, da sie den Lernenden befähigt, sein eigenes Handeln während des Lernprozesses zu planen, zu überwachen und bei Bedarf zu korrigieren.
Was zeigen die Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen?
Die Ergebnisse bestätigen die Alternativhypothese, da die Trainingsgruppe im Nachtest signifikant bessere Leistungen erzielte als die Kontrollgruppe.
Welche Erkenntnis wird für die zukünftige Unterrichtspraxis gezogen?
Die Methode sollte in konkrete Unterrichtsinhalte eingebettet und mit anschaulichen Beispielen verknüpft werden, um die Motivation und das Verständnis der Schüler zu maximieren.
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- Manuela Ickler (Author), 2006, Didaktische Erkundungsstudie bei lernbehinderten Sonderschülern zur Verbesserung der Gedächtnisleistung durch die Loci-Methode, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88688