Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Romanistik - Italianistik

Die Macht der Tradition in ausgewählten Texten der Scapigliatura

Titel: Die Macht der Tradition in ausgewählten Texten der Scapigliatura

Seminararbeit , 2006 , 11 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anastasia Deibert (Autor:in)

Romanistik - Italianistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In unserem Leben spielt die Tradition eine wichtige, aber dennoch eine fast selbstverständliche und alltägliche Rolle. Das Wort Tradition stammt von lat. traditio, was soviel wie Übergabe oder Überlieferung bedeutet. Es ist „die gesellschaftlich vermittelte, historisch überkommene oder auch bewusst gewählte Übernahme und Weitergabe von Wissen, Lebenserfahrungen, Sitten, Bräuchen, [und] Konventionen [...]“. Demnach ist die Tradition ein kulturelles Erbe, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Da aber niemand alles Wesentliche von Beginn an selbst entwickeln und herausfinden kann, wird einem zwangsläufig das Wissen von Anderen übergeben.
Daraus ergibt sich zugleich die Möglichkeit, die mehr oder weniger aufgezwungene Tradition abzulehnen. Denn jede Tradition hat auch einmal als Neuheit begonnen. Der sich daraus ergebende Schlüsselbegriff „Revolte“ ist der zweite zentrale Punkt dieser Arbeit. Darunter versteht man unter anderem die Auflehnung von Personen gegen auferlegte Erwartungen und Normen.
Im Folgenden werde ich drei meiner Meinung nach passenden Kurzgeschichten auf diese gegensätzlichen, aber dennoch in Bezug zueinander stehenden Begriffe erläutern. Darüber hinaus steht auch die Vorgehensweise der Autoren der Scapigliatura im Mittelpunkt.
Die Kurzgeschichte „Figurina antica“ von Achille Giovanni Cagna handelt von einer Frau, die ihr ganzes Leben lang von ihrer Familie ausgenutzt wird und nach dem Tod ihrer Eltern einsam und zurückgezogen lebt. Die Protagonistin Irene – die „figurina antica“ – lebt ihr ganzes Leben so, wie es die Tradition ihr vorschreibt. Sie ist in ihrer Jugend eine hübsche und zarte junge Frau, die als Dienstmädchen ihrer Familie aufwächst. Sie ist diejenige, die sich um jeden und alles kümmern muss, jedoch wird ihr keine Beachtung geschenkt und keinerlei Respekt erwiesen. Sie pflegt ihre kranke Mutter und macht den ganzen Haushalt. Wenn irgend etwas schief geht, trägt immer Irene die Schuld daran; kein einziges Mal versucht sie sich zu wehren geschweige denn ihre aussichtslose Situation zu verbessern. Schon sehr früh in ihrer Jugend findet sich Irene mit der Situation eine passive Rolle in ihrer Familie zu spielen ab. Als einzige Revolte in ihrem Leben kann ihre Liebe zu Vittorio gesehen werden. Er ist ein gutaussehender junger Mann – „un bel giovinotto“ – der nicht weit entfernt von Irene wohnt. Blickkontakte und Briefe häufen sich, bis er schließlich um ihre Hand anhält.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tradition und Revolte in Texten der Scapigliatura

2.1. „Figurina antica“

2.2. „Viaggio di nozze“

2.3. „Nettunia“

3. Schreibweise der Autoren und Bezug auf den Inhalt

3.1. Cagna in „Figurina antica“

3.2. Dossi in „Viaggio di nozze“

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der traditionellen Lebensweise und dem Streben nach Auflehnung (Revolte) anhand ausgewählter Kurzgeschichten der Scapigliatura-Autoren, wobei analysiert wird, inwieweit die Protagonisten den Ausbruch aus gesellschaftlichen Normen tatsächlich vollziehen können.

  • Analyse des Traditionsbegriffs als kulturelles Erbe und soziale Norm.
  • Untersuchung der psychologischen Hemmnisse bei Veränderungsprozessen.
  • Darstellung der Schreibstile von Cagna, Dossi und Bettini.
  • Vergleich der Schicksale von Protagonisten in ihrem sozialen Umfeld.
  • Evaluation des Scheiterns von Revolutionsimpulsen innerhalb der Scapigliatura.

Auszug aus dem Buch

3.2. Dossi in „Viaggio di nozze“

Der Leser hat schon direkt zu Beginn des Textes das Gefühl relativ nah am Geschehen zu sein. Das ganze Treiben vor dem Hotel scheint sich direkt vor seinen Augen abzuspielen. Diese stilistische Besonderheit, Dossis „Verbrüderungstechnik“ mit dem Leser, führt den Leser nahezu durch den ganzen Text. Der Erzähler dringt in die Geschichte ein, so als würde er dem frisch verheirateten Paar folgen. Er meldet sich mehrmals in der ersten Person Plural zu Wort: „[...] conosceremmo [...] pensavamo noi [...] noi vedemmo [...]“. Auch an dieser Stelle wird dem Leser, sowohl durch die Ausrufezeichen als auch durch die Punkte, das Geschehen sehr greifbar vermittelt:

Pur finalmente, son nel vagone... soli! E soli, c’è da sperare, rimarranno per qualche tratto di strada: ve‘... chiùdesi la sala di 1ª classe ed a momenti il convoglio... Ma ahimè! poveretti... Riàpresi lo sportello ed un omino appare adocchiando.

Durch diese Mitsicht, da der Erzähler nicht mehr sagt als die Figuren sehen und wissen, baut er eine Spannung auf und der Leser wartet nur darauf, was als nächstes passiert. Auf diese Weise ist bis zum Schluss offen, wie die Geschichte endet. Für den Leser endet sie letztendlich plötzlich und unerwartet, da ihm durchgehend von Claudias Abenteuerlust berichtet wird. Denn gleich zu Beginn des Textes bezeichnet Dossi Claudia als „una viaggiatrice perfetta!“, was als eine Prolepse interpretiert werden kann. Doch dieser Hinweis erweist sich im Laufe der Erzählung als das genaue Gegenteil. Die Vorschau bestätigt sich im Verlauf der Geschichte nicht, denn sobald sie von Zuhause weg ist, träumt sie auch nicht mehr vom Reisen und wird als eine Frau mit „beschränktem Horizont“ dargestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definition des Traditionsbegriffs und Einordnung des Gegenbegriffs der „Revolte“ als zentrales Thema der Analyse.

2. Tradition und Revolte in Texten der Scapigliatura: Detaillierte Betrachtung der Kurzgeschichten „Figurina antica“, „Viaggio di nozze“ und „Nettunia“ hinsichtlich ihrer Thematisierung von gesellschaftlichem Zwang und versuchter Auflehnung.

3. Schreibweise der Autoren und Bezug auf den Inhalt: Analyse der literarischen Techniken, die Cagna und Dossi verwenden, um die Unfähigkeit ihrer Protagonisten zur Veränderung zu unterstreichen.

4. Schlussbemerkung: Synthese der Erkenntnisse, dass das Festhalten am Altbekannten in allen untersuchten Werken eine zu starke psychologische Wirkung entfaltet, um einen echten Bruch zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Scapigliatura, Tradition, Revolte, Literaturanalyse, Italienische Literatur, Achille Giovanni Cagna, Carlo Dossi, Pompeo Bettini, Gesellschaftsnormen, Auflehnung, Novelle, Kurzgeschichte, 19. Jahrhundert, Identität, Sozialkritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und dem Wunsch nach Revolte in ausgewählten italienischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die soziale Abhängigkeit, das Scheitern individueller Veränderungswünsche und die psychologische Verhaftung in traditionellen Lebensweisen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Protagonisten der Scapigliatura-Literatur trotz intellektuellen oder emotionalen Willens an einer wirklichen Loslösung von ihren alten Mustern scheitern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textnahe, interpretative Analyse angewandt, die den Schreibstil der Autoren mit der inhaltlichen Darstellung der Figuren in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Analyse der Kurzgeschichten sowie eine Untersuchung der erzählerischen Strategien, wie zum Beispiel die „Verbrüderungstechnik“ bei Dossi.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Scapigliatura, Tradition, Revolte, Identität, gesellschaftliche Konventionen und literarische Stilmittel.

Warum wird Irene in „Figurina antica“ als „povera creatura“ bezeichnet?

Cagna nutzt diese Verkleinerungsformen und negativen Bezeichnungen, um Irenes Unterwürfigkeit und ihre Reduzierung auf eine bloße Spielfigur innerhalb ihrer Familie zu verdeutlichen.

Was unterscheidet das junge Ehepaar in „Viaggio di nozze“ von dem korpulenten Paar?

Das korpulente Paar verkörpert die vollzogene Sesshaftigkeit und Provinzialität, während das junge Paar anfangs noch reiselustig ist, jedoch bereits Anzeichen einer frühzeitigen „Häuslichkeit“ aufweist.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Macht der Tradition in ausgewählten Texten der Scapigliatura
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Literaturwissenschaft/ Romanische Literaturen)
Veranstaltung
Racconti della scapigliatura
Note
1,7
Autor
Anastasia Deibert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V88701
ISBN (eBook)
9783638033312
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Macht Tradition Texten Scapigliatura Racconti
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anastasia Deibert (Autor:in), 2006, Die Macht der Tradition in ausgewählten Texten der Scapigliatura, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88701
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  11  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum