Inhaltlich soll es in dieser Arbeit vorrangig darum gehen, die Erkenntnisse Wilhelm von Humboldts aus seiner sprachwissenschaftlichen Untersuchung „Über den Dualis“ (1827) zunächst einmal in den Kontext ihrer Zeit einzubinden – folglich in die Epoche des Neuhumanismus – um dann in einem nächsten Schritt zu zeigen, in welchem Zusammenhang bzw. Verhältnis Humboldts Auffassung mit der Ich-Du Philosophie eines Martin Buber sowie der humanistisch-sozialistischen Charaktertheorie eines Erich Fromm steht. Letztlich soll somit gezeigt werden, ob – und wenn ja in welchem Umfang – Humboldts Ideen von Bedeutung für spätere Theoretiker und damit für die heutige Pädagogik waren bzw. sind. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WILHELM VON HUMBOLDT: „ÜBER DEN DUALIS“
2.1. WILHELM VON HUMBOLDT – EINE KURZE BIOGRAPHISCHE NOTIZ
2.2. „ÜBER DEN DUALIS“ (1827)
3. MARTIN BUBER UND DIE ICH-DU PHILOSOPHIE
3.1. MARTIN BUBER – EINE KURZE BIOGRAPHISCHE NOTIZ
3.2. DAS DIALOGISCHE PRINZIP DES MARTIN BUBER UND SEIN BEZUG ZU WILHELM VON HUMBOLDT
3.3. MARTIN BUBER IM HISTORISCHEN KONTEXT
4. ERICH FROMM – ANTHROPOLOGISCHE DICHOTOMIEN UND DIE HUMANISTISCH-SOZIALISTISCHE CHARAKTERTHEORIE
4.1. ERICH FROMM – EINE KURZE BIOGRAPHISCHE NOTIZ
4.2. DIE BEDINGUNGEN DER MENSCHLICHEN EXISTENZ NACH ERICH FROMM UND SEIN BEZUG ZU WILHELM VON HUMBOLDT
4.3. GRUNDZÜGE AUS ERICH FROMMS HUMANISTISCH-SOZIALISTISCHER CHARAKTERTHEORIE
5. SCHLUSSREFLEXION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse Wilhelm von Humboldts aus seinem Werk „Über den Dualis“ im neuhumanistischen Kontext und analysiert, wie diese Grundgedanken – insbesondere die Konzepte von Zweiheit und Beziehung – in die Ich-Du Philosophie von Martin Buber sowie die humanistisch-sozialistische Charaktertheorie von Erich Fromm einflossen, um deren Bedeutung für die moderne Pädagogik zu bewerten.
- Neuhumanismus und das Konzept der „Geselligkeit“ bei Humboldt
- Das Dialogische Prinzip bei Martin Buber und der Mensch als Beziehungswesen
- Anthropologische Dichotomien als Ausgangspunkt menschlicher Existenz
- Kritik an Entfremdung und Atomisierung des Menschen in der modernen Gesellschaft
- Entwurf einer humanistischen Ethik zur Überwindung unproduktiver Charakterstrukturen
Auszug aus dem Buch
2.2. „Über den Dualis“ (1827)
In seiner 1827 entstandenen Schrift „Üben den Dualis“ beschäftigt sich Wilhelm von Humboldt mit einem ganz speziellen grammatischen Phänomen – sprich dem Dualis – um dadurch letztlich Aussagen über die Nähe bzw. Verwandtschaft mehrerer Sprachen treffen zu können. Neben diesen primär sprachwissenschaftlichen Interessen beschreibt Humboldt aber auch noch andere, eher philosophische Phänomene, die hier nun im Folgenden näher untersucht und erläutert werden sollen.
Humboldt, dessen sprachwissenschaftliche Arbeit in bester humanistischer Tradition von einem generellen „Streben nach Vollständigkeit“ geprägt ist, beginnt seinen Text damit zu belegen, weshalb er gerade den Dualis als grammatisches Phänomen für seine Untersuchungen ausgewählt hat und in welchen Teilen der Welt er anzutreffen ist; von Bedeutung für meine späteren Analysen ist hier, dass der Dualis eben auch im antiken Griechenland zu finden war, welches bekanntlich als kulturelles Idealbild des Neuhumanismus gilt: „Die Griechen sind uns nicht bloss ein nützlich historisch zu kennendes Volk, sondern ein Ideal.“
Der Dualis ist grammatisch gesehen ein Numerus, welcher in bestimmten Sprachen zusätzlich zum Singular (Einzahl) und zum Plural (Mehrzahl) gebildet wird, und zwar stets um Beziehungen auszudrücken, die genau zwei betragen. Humboldt benennt drei verschiedene Arten, auf die der Dualis in Sprachen vorkommen kann: entweder durch Haftung an bestimmten Pronomen, oder durch reale Erscheinungen aus der Welt, welche paarweise vorkommen. Bei der dritten Variante ist der Dualis sozusagen in der gesamten Sprache eines Volkes zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung skizziert das Forschungsinteresse, Humboldts Gedanken zur Sprachphilosophie und Pädagogik in Bezug auf Buber und Fromm zu untersuchen.
2. WILHELM VON HUMBOLDT: „ÜBER DEN DUALIS“: Dieses Kapitel analysiert Humboldts sprachwissenschaftliche Untersuchung und leitet daraus die philosophische Bedeutung der Zweiheit für das menschliche Denken ab.
3. MARTIN BUBER UND DIE ICH-DU PHILOSOPHIE: Hier wird Bubers Dialogisches Prinzip vorgestellt und aufgezeigt, wie er Humboldts Gedanken aufgreift, um eine Philosophie der Begegnung zu formulieren.
4. ERICH FROMM – ANTHROPOLOGISCHE DICHOTOMIEN UND DIE HUMANISTISCH-SOZIALISTISCHE CHARAKTERTHEORIE: Dieses Kapitel erläutert Fromms Theorie existentieller Dichotomien und zeigt, wie er diese nutzt, um Gesellschaftskritik und eine Charaktertheorie zu begründen.
5. SCHLUSSREFLEXION: Die Reflexion fasst die Verknüpfungen zwischen den drei Denkern zusammen und bewertet deren humanistische Grundtendenz kritisch.
Schlüsselwörter
Wilhelm von Humboldt, Martin Buber, Erich Fromm, Neuhumanismus, Ich-Du Philosophie, Dialogisches Prinzip, anthropologische Dichotomien, Humanismus, Charaktertheorie, Existenz, Entfremdung, Geselligkeit, Pädagogik, Begegnung, Gesellschaftscharakter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Einflüsse von Wilhelm von Humboldts sprachphilosophischem Werk „Über den Dualis“ auf die Denkansätze von Martin Buber und Erich Fromm.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind der Neuhumanismus, die Philosophie des Dialogs, anthropologische Grundbedingungen der menschlichen Existenz sowie die sozialkritische Charaktertheorie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den roten Faden der humanistischen Tradition bei Humboldt, Buber und Fromm aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit deren Ideen für die Pädagogik von Bedeutung sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische und vergleichende Untersuchung, die primär auf der Auswertung der Quellentexte sowie relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Humboldts Sprachphilosophie, Bubers Dialogik und Fromms humanistisch-sozialistischer Charaktertheorie, jeweils mit Bezug auf den historischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Ich-Du Philosophie, anthropologische Dichotomien, Dialogisches Prinzip, Humanismus und Entfremdung.
Wie unterscheidet sich Humboldts Sichtweise von Bubers Ansatz?
Während Humboldt den Dualis aus sprachwissenschaftlicher Perspektive als Ausdruck der menschlichen Geselligkeit betrachtet, entwickelt Buber daraus eine religiös und philosophisch geprägte „Ich-Du“-Begegnungslehre.
Warum bezieht sich der Autor auf Erich Fromms Charaktertheorie?
Der Autor zeigt auf, dass Fromm Humboldts Idee der „Dichotomie“ nutzt, um zu erklären, wie der Mensch in der modernen, entfremdeten Gesellschaft eine produktive Charakterstruktur entwickeln kann.
Welchen Stellenwert nimmt der Begriff „daheimesein“ in dieser Arbeit ein?
Er dient als zentrale Voraussetzung für das „echte Gespräch“ bei Buber und wird als Gegenentwurf zur modernen „Atomisierung“ und Heimatlosigkeit des Menschen diskutiert.
Zu welchem Schluss kommt der Verfasser bezüglich der Aktualität der untersuchten Theorien?
Der Autor lässt offen, ob sich die humanistischen Ziele dieser Theoretiker in unserer heutigen Gesellschaft vollständig realisiert haben, regt jedoch zur kritischen Reflexion über Konsum und Technik an.
- Citation du texte
- René Klug (Auteur), 2005, Über den Dualis - Der Einfluss Wilhelm von Humboldts auf die Ich-Du Philosophie des Martin Buber sowie die Charaktertheorie von Erich Fromm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88825