Über "Ruhm" von Daniel Kehlmann. Metafiktionalität und Metalepsen in Erzählungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

8 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 „Ruhm" von Daniel Kehlmann
2.2 Metafiktionalitat
2.2.1 Definition
2.2.2 Beispiele aus dem Roman
2.3Metalepse
2.3.1 Definition
2.3.2 Beispiele aus dem Roman

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Stellen Sie sich mal vor: Sie sitzen gerade ganz bequem zu Hause vor dem Fernseher, trinken einen Kaffee und sehen sich einen Film an. Unerwartet schaut einer der Schauspieler in ihre Richtung, klettert aus dem Apparat, setzt sich neben Sie auf das Sofa und fragt: „Kann ich auch einen Kaffee haben?" In der realen Welt kann so etwas nicht passieren. Aber Figuren in Erzahltexten und in Filmen passiert so etwas immer wieder. Vorfalle dieser Art stellen logische Vorstofie gegen die Ebenenhierarchie dar, die als Metalepsen bezeichnet werden. Mit diesem Phanomen hangt auch die Metafiktionalitat eines Erzahltextes eng zusammen, die meist als Strategie der Bewusstmachung der Fiktionalitat eines Textes aufgefasst wird.1 „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" von Daniel Kehlmann ist ein Musterbeispiel an Metafiktion. Kehlmann spielt mit verschiedenen Erzahlebenen, lasst die Grenzen von Wirklichkeit und Fiktion iiberschreiten, Handlungen ins Leere laufen, Figuren verschwinden und wieder auftauchen. Deshalb ist es von grofier Bedeutung, sich im Rahmen dieses Romans mit den verschiedenen Spielformen metafiktionalen und metaleptischen Erzahlens auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck werde ich in der vorliegenden Hausarbeit, Textpassagen im Roman, die derartige Forrnen von Metaisierung enthalten, analysieren und diese Forrnen hinsichtlich ihrer Funktion defmieren.

2. Hauptteil

2.1 „Ruhm" von Daniel Kehlmann

„Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" ist ein 2009 auf Deutsch erschienenes Werk von Daniel Kehlmann. Daniel Kehlmann wurde fur sein Werk unter anderem mit dem Candide-Preis, dem WELT-Literaturpreis, dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis und dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet.2 Sein Roman "Die Vermessung der Welt" ist zu einem der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit geworden. 3 Ruhm weist ein aufiergewohnliches Bauprinzip auf. Wie schon der Titel verrat, besteht er aus neun Episoden, die in sich abgeschlossen sind, deren Verbindungen sich jedoch nach und nach erschliefien, wenn sie im Zusammenhang gelesen werden.

Fast jede Geschichte hat einen anderen Protagonisten, prasentiert eine andere Lebenssituation, vermirtelt eine andere Perspektive. Diese Geschichten hangen aber doch eng zusammen, wie es sich herausstellt. Die meisten stehen miteinander in Verbindung, weil die Figuren sich entweder begegnen oder die Konsequenzen aus den Ereignissen der vorherigen Geschichten zu spiiren bekommen. Die Geschichten sind also raffmiert miteinander verbunden, haben aber keine gemeinsame Hauptfigur.

Auf Konzeption, Aufbau und Struktur des Romans wird in ihrn auch explizit hingewiesen: „Ein Roman ohne Hauptfigur! Verstehst du? Die Komposition, die Verbindungen, der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held."4 Diese Satze sagt Leo Richter zu Elisabeth in der Episode „In Gefahr". Diese Aufierung verweist aber auch auf die Struktur von „Ruhm" selbst.

Die Geschichten sind jedoch nicht nur wegen den Kontakten und Verbindungen zwischen den Figuren miteinander verbunden, sondern auch aufgrund der Themen und Motive, die in den einzelnen Episoden behandelt werden. Der Roman bietet in seiner Komplexitat ein grofies Themenspektrum. Wie schon der Titel verrat, ist der „Ruhm" und der schwierige Umgang damit, eines der Hauptthemen in diesem Roman. Das Streben nach Ruhm bzw. die Auswirkungen die er auf ein Menschenleben haben kann, zieht sich leitmotivisch durch den gesamten Roman. Eine wichtige Rolle spielen auch moderne Technologien. Der Einfluss der modernen Kommunikationstechnologie auf unser Leben wird in fast alien Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert. Insbesondere geht es urn die tiefgreifenden Veranderungen, die das Computer- und Handyzeitalter mit sich bringt. Immer wieder haben es die Figuren mit technischen Pannen und ihre Konsequenzen zu tun. Zugleich geht es in den Geschichten des Romans urn Realitat und Fiktion, sowie urn die Bedeutung von Identitat.

2.2 Metafiktionalitat

2.2.1 Definition

Unter dem Begriff,,Metafiktionalitat" versteht man Aussagen und Teile einer Erzahlung, in denen sich die Erzahlung selbst zum Gegenstand des Textes macht. Dabei thematisiert das Werk seinen eigenen fiktionalen Charakter bewusst. Rahmungen und Binnengeschichten sind implizite metafiktionale Strategien; Behauptungen des Erzahlers, dass er die Geschichte auch anders harte schreiben konnen, sind explizite Metafiktion.5 Eine Definition des Begriffs stammt aus Patricia Waughs Monografie „Metafiction":

„Metafiction is a term given to fictional writing which self-consciously and systematically draws attention to its status as an artifact in order to pose questions about the relationship between fiction and reality. In providing a critique of their own methods ofconstruction, such writings not only examine the fundamental structures of narrative fiction, they also explore the possible flctionality of the world outside the literary flctionaltext."6 Als metafiktional' bezeichnet Patricia Waugh somit "fiktionale Erzahltexte, die selbstreflexiv und systematisch die Aufmerksamkeit aufihren Status als Artefakte lenken, urn damit die Beziehung zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu problematisieren. "

Metafiktionale Stilmirtel machen dem Leser also bewusst, dass er ein fiktives Werk rezipiert. Im Gegensatz dazu stehen klassische Werke aus Literatur und Film, die den Leser vergessen lassen, dass er eine fiktive Geschichte vor sich hat.

[...]


1 Vgl. Koppe, Tilmann/Kindt, Tom: Erzahltheorie. Eine Einfiihrung, 2014 Stuttgart, S.254

2 http://www.kehlmann.com/inhaltll.html

3 https://www.rowohlt.de/autor/daniel-kehlmann.html

4 Kehlmann, Daniel: Ruhm.Ein Roman in neun Geschichten, Hamburg 2009, S.25

5 Vgl. Fludernik, Monika: Einfiihrung in die Erzahltheorie, Darmstadt 2006, S. 175

6 Patricia Waugh: Metafiction. Theory and practice of self-conscious fiction. London und New York 2003, S. 2.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Über "Ruhm" von Daniel Kehlmann. Metafiktionalität und Metalepsen in Erzählungen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
8
Katalognummer
V888743
ISBN (eBook)
9783346219848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, daniel, erzählungen, kehlmann, metafiktionalität, metalepsen, ruhm
Arbeit zitieren
Eren Yildirim (Autor:in), 2018, Über "Ruhm" von Daniel Kehlmann. Metafiktionalität und Metalepsen in Erzählungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/888743

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Über "Ruhm" von Daniel Kehlmann. Metafiktionalität und Metalepsen in Erzählungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden