Seit seiner Errichtung, spätestens jedoch seit dem siebten Jahrhundert nach Christus spielte das Danewerk eine besondere Rolle im Kontaktbereich der Franken einerseits und den Dänen andererseits. Nicht von den Franken wurde dieses Bollwerk errichtet, wie man etwa meinen könnte, um den heidnischen Völkern des Nordens eine Grenze aufzuweisen, sondern von den Menschen im Norden, um eine Grenze nach Süden zu ziehen.
Warum diese Grenze eingerichtet worden ist und was ihr Zweck sein sollte – mit dieser Frage möchte ich mich in meiner Arbeit nur peripher auseinander setzen. Vielmehr möchte ich versuchen, das Danewerk und den es umgebenden geographischen Raum dahingehend zu betrachten, inwiefern Kontakte zwischen Dänen und Franken erfolgten und welche Auswirkungen diese für das Zusammenleben hatten. Dazu werde ich punktuell die Aspekte bewaffneter Konflikt, Handel und Religion betrachten; diese in erster Linie aus der Sicht der Franken, für das neunte und zehnte Jahrhundert und immer unter Einbeziehung exemplarischer Quellen, insbesondere Adam von Bremen, Thiedmar von Merseburg und die fränkischen Reichsannalen. Archäologische Quellen werden, sofern sie von Bedeutung sind bzw. die einzigen Quellen darstellen berücksichtigt.
Die zentrale Fragestellung lautet also: Wie sind die Verhältnisse an der Kontaktzone zwischen Dänen und Franken und war die Grenze im Norden wirklich als solche zu verstehen oder bot sie vielmehr die Möglichkeit der friedlichen Kommunikation und des Handels – für die Herrschenden ebenso wie für die Masse der Bevölkerung?
Als These möchte ich formulieren: Das Grenzgebiet zwischen Franken und Dänen bildete einen Konfliktbereich, insbesondere begründet im Interessenskonflikt der Herrschenden – dort trafen, wie kaum woanders, ideologische, politische und religiöse Weltanschauungen aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten. Trotz all dieser Differenzen fand jedoch Kommunikation statt; diese zeigt sich insbesondere im Handel, da dieser, soweit er beiden Parteien dient, Grenzen überwinden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Protagonisten: Franken, Friesen und Dänen
a. Franken
b. Friesen
c. Dänen
III. Das Danewerk – historisch und archäologisch
a. Die Erwähnung in den fränkischen Reichsannalen
b. Die archäologische Sicht: Baugeschichte und Datierung
IV. Grenzfälle: Bewaffnete Auseinandersetzungen
a. Die Jahre 808 bis 811: Die Errichtung eines Walles, der Überfall auf die Friesen und die Reaktion Karls des Großen
b. Die Jahre 840 bis 891: Der Aufstand der Dänen und die Niederwerfung durch König Arnulf
c. Die Jahre 934 bis 983: Gewinn und Verlust der Oberherrschaft über das Eider-Schlei-Gebiet
V. Heiden und Christen: Eine Glaubensfrage
VI. Waren, Wege und Kaufleute: Handel im Norden
a. Zu Wasser und zu Lande: Handelswege
b. Kontaktnachweise anhand von Münzfunden
c. Handelsplätze und Handelswaren
VII. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Kontaktzone zwischen dem Frankenreich und den dänischen Gebieten im 9. und 10. Jahrhundert, wobei das Danewerk als zentrales Analyseobjekt dient. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, ob dieses Grenzgebiet primär als trennende Barriere oder als Raum für friedlichen Austausch und Kommunikation fungierte, insbesondere unter Berücksichtigung der Herrschaftsinteressen und der Rolle der Bevölkerung.
- Historische Analyse der Beziehungen zwischen Franken, Friesen und Dänen.
- Untersuchung des Danewerks als historisches und archäologisches Denkmal.
- Analyse kriegerischer Konflikte und der Etablierung von Machtverhältnissen.
- Betrachtung von Missionierung und religiösen Einflüssen in der Region.
- Erforschung von Handelswegen, Warenströmen und wirtschaftlichen Kontakten.
Auszug aus dem Buch
b. Die archäologische Sicht: Baugeschichte und Datierung
Bis zum Jahre 1972 galt dieses Datum als der Startpunkt einer langen Ausbauphase dieser markanten Befestigung im Norden. So veröffentlichte Herbert Jankuhn 1950 in seinen Schriften: „Die älteste Nachricht über den Bau eines Verteidigungswalles an dieser Stelle stammt aus dem Jahre 808, wo bezeugt wird, dass ein dänischer König Gottfred (Götrik) einen solchen Wall gegen Karl den Großen anlegte.“ Dendrochronologische Untersuchungen an Eichenbalken, die während archäologischer Untersuchungen des dänischen Archäologen Hellmuth Andersen entdeckt wurden, setzen den Baubeginn in die erste Hälfte des achten Jahrhunderts an (737 n. Chr.). Es ist aber davon auszugehen, dass diese Jahreszahl noch nicht den endgültigen Baubeginn wiedergibt; weitere Teile des Denkmals wie Erdwälle sind vermutlich noch älter.
Das Danewerk wird heute in drei Phasen aufgegliedert, ohne damit jedoch eine Gesamtdatierung festzulegen. Das Danewerk I besteht aus den Bauteilen Hauptwall, Nordwall, Seesperre und Osterwall. Dieser auch Langwall genannte Teil erstreckt sich in grob gerader Linie über Hügel und Ebenen hinweg und verläuft zwischen den Niederungen der innersten Schlei, am Burgsee und dem Tal der Rheider Au. Diese Anlage bestand ursprünglich aus einem etwa zwei Meter hohen und zwölf Meter breiten Erdwall; diesem war eine starke Holzpalisade als Wallfront vorgelagert. Für diese wurde anhand der schon erwähnten Eichenbalken ein Baubeginn kurz nach 737 n. Chr. ermittelt.
Das Danewerk II besteht aus dem Kograben, eine schnurgerade verlaufende Wallstrecke zwischen dem Selker Noor im Osten und den Niederungen der Rheider Au im Westen; dieser Bauteil bestand aus einem ursprünglich etwa zwei Meter hohen und sieben Meter breiten Erdwall, welchem wiederum ein etwa drei Meter tiefer und vier Meter breiter Spitzgraben vorgelagert war. An diesem Bauabschnitt sind besonders die Systematik und die Genauigkeit aller Baudetails auffallend. Die Datierung ist relativ unsicher; es handelt sich entweder um den Wall des König Godofredus, wobei es sich aber ebenso gut um den Wall der Könige Sven Gabelbart oder Harald Blauzahn handeln könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert die Rolle des Danewerks als Kontaktraum und stellt die Forschungsfrage nach der dualen Natur der Grenze zwischen Dänen und Franken.
II. Die Protagonisten: Franken, Friesen und Dänen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Entwicklungen und Strukturen der beteiligten Stämme und Völker.
III. Das Danewerk – historisch und archäologisch: Der Abschnitt befasst sich mit den schriftlichen Überlieferungen in den Reichsannalen und der archäologischen Phasenbildung der Befestigungsanlage.
IV. Grenzfälle: Bewaffnete Auseinandersetzungen: Hier werden beispielhafte militärische Konflikte analysiert, die die politischen Spannungen und territorialen Verschiebungen im 8. bis 10. Jahrhundert illustrieren.
V. Heiden und Christen: Eine Glaubensfrage: Dieses Kapitel thematisiert die religiöse Dimension der Interaktionen und den Prozess der Missionierung im Norden.
VI. Waren, Wege und Kaufleute: Handel im Norden: Es wird die ökonomische Vernetzung durch Land- und Seewege sowie durch den Austausch von Waren wie Keramik und Waffen untersucht.
VII. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das Danewerk trotz seiner befestigten Natur kein absolutes Hindernis für Handel und kulturelle Kommunikation darstellte.
Schlüsselwörter
Danewerk, Franken, Dänen, Friesen, Grenzraum, Haithabu, Missionierung, Handel, Archäologie, Mittelalter, Reichsannalen, Eider, Ostsee, Verteidigungsanlage, Kulturkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die historischen Beziehungen und Austauschprozesse zwischen dem fränkischen Herrschaftsgebiet und den dänischen Völkern an der Schnittstelle des Danewerks.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Autor ab?
Die zentralen Themenfelder umfassen die militärischen Auseinandersetzungen, die religiöse Missionierung sowie die wirtschaftlichen Verflechtungen durch Handel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob die Grenze im Norden eher eine strikte Trennungslinie oder einen Raum für Kommunikation und wirtschaftlichen Austausch zwischen den Kulturen darstellte.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Der Autor stützt sich auf eine interdisziplinäre Auswertung historischer Quellen (wie die fränkischen Reichsannalen oder Chroniken) sowie archäologischer Funde und Befunde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Völker, die Baugeschichte des Danewerks, die Darstellung spezifischer Konfliktphasen, die Religionsgeschichte und die Auswertung von Handelsstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kontaktzone, Grenzfestlegung, Handelsplatz, Christianisierung und interkulturelle Interaktion.
Warum spielt Haithabu eine so wichtige Rolle für das Fazit?
Haithabu fungiert als exemplarisches Beispiel für einen Ort, an dem trotz politischer und militärischer Grenzen ein intensiver friedlicher Austausch stattfand.
Welche Rolle spielt die archäologische Forschung für die Argumentation des Autors?
Archäologische Befunde, etwa zur Datierung der Wallanlagen oder durch Münzfunde, liefern den empirischen Nachweis für Kontakte, die in schriftlichen Quellen oft nur lückenhaft erwähnt werden.
- Quote paper
- Marco Chiriaco (Author), 2007, Die Grenze im Norden - Beziehungen diesseits und jenseits des Danewerks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88887