Feministische Ästhetik in den Selbstdarstellungen Frida Kahlos


Hausarbeit, 2017

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 KunstundKunstlerin-DieRollederFrauinderKunst

2. MerkmaleundKriterieneinerfeministischenAsthetik nach M.French

3. AbbildungdesweiblichenK6rpersinder feministischenAsthetik
3.1 DerweiblicheK6rperindertraditionellenKunst
3.2 DasVollkommeneunddasBeschadigte- „Die gebrochene Saule" im Vergleich mit traditionellen Aktdarstellungen
3.3 Henry Ford Hospital- Weibliche Erfahrung in Frida Kahlos Gemalden

4. Schlussteil

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Recherchiert man die Bedeutung Frida Kahlos in der heutigen Kultur, insbesondere fur die Kunst, finden sich Quellen, die ihr zuschreiben „[...] die bekannteste Kunstlerin Mexikos[...]" oder „[...] eine Ikone des Feminismus[...]"1 (Brahe, Bilkis(2007): „Tragodien sind albern- Frida Kahlo (1907-1954)" in Reihe Widerstandige Frauen Band 4 Lich/Hessen Verlag Edition AV, S.7) zu sein.

Durch den Vergleich von Aussagen dieser Art mit Kritiken aus den spaten dreiBiger Jahren, entsteht jedoch ein kontrastierendes Meinungsbild. Von der „kleinen Frida" als Frau des beruhmten Diego Riveras ware laut einer Quelle die Rede und ihren Bildern sei zugeschrieben worden „[...] mehr aus dem Bereich der Geburtshilfe und Gynakologie als aus dem der Asthetik [...]" (Krause, Barbara „Malerin: Die andere Frida Kahlo" (1993) in Emma/'Mai Juni 1993)2 zu stammen.

Die Frage nach einer feministischen Asthetik im generellen und Ausdriicken dieser in Frida Kahlos Werk sind daher von groBem Interesse, um eine Untersuchung aktueller und historischer Kritiken des Werkes vornehmen zu konnen.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es basierend auf dieser Differenzierung anhand zweier Beispiele zu elaborieren, ob das Werk Kahlos eine feministische Asthetik aufweist und Bildcodierungen aus diesem Grund anders zu entschlusseln waren.

Dabei basiert die Hausarbeit auf zwei Literaturquellen, welche sich mit der Rolle der Frau in der Kunst auseinandersetzen und definieren, inwiefern eine feministische Asthetik in Kunst und Kultur vorhanden ist. Zusatzlich soil auch Literatur genutzt werden, welche sich mit Frida Kahlo und ihrem Werk auseinandersetzt und eine Dechiffrierung ihrer Bildcodierungen ermoglicht.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich somit in drei groBe Kapitel, welche den Hauptteil ausmachen, sowie einen Schlussteil, der die zuvor ausgearbeiteten Ergebnisse zusammenfassen soil. Im ersten Kapitel wird die Rolle der Frau als Kunstlerin im gesellschaftlichen Kontext evaluiert und mit gesellschaftlichen Auffassungen iiber den Kunstler als mannliches Pendant verglichen. Als literarische Quelle dient der 1996 in dem Sammelband Rahmenwechsel- Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschafi erschienene Artikel „Den Rahmen wechseln." von Hilde Hein. Im zweiten Kapitel wird anhand der Feststellungen des ersten Kapitels und dem 1993 in dem Sammelband Aesthetics in Feminist Perspective erschienenen Artikel „Is There A Feminist Aesthetic?" von Marylin French elaboriert, ob es eine feministische Asthetik gibt und welche Prinzipien mit einer solchen Asthetik verbunden sind. Das dritte Kapitel, welches sich in drei Unterkapitel gliedert, beschaftigt sich mit Aktdarstellungen des weiblichen Korpers in traditioneller und feministischerKunst.

Im ersten Unterkapitel sollen die Artikel „Den Rahmen wechseln" von Beate Sontgen und „Dame im Bild" von Roszika Parker und Griselda Pollock, beide 1993 in dem Sammelband Rahmenwechsel -Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschafi veroffentlicht, genutzt werden, urn die traditionelle Darstellung eines weiblichen Aktes zu analysieren und universelle Merkmal festzustellen. Das zweite Unterkapitel stellt Bezug her zwischen den von Parker/Pollock aufgestellten Hypothesen und Frida Kahlos Halbakt „Die gebrochene Saule". Als literarische Quelle wird hierzu die 1988 in „Frida Kahlo - Die Malerin und ihr Werk" erschienene Bildanalyse Helga Prignitz-Podas genutzt, ebenso wie der 2008 in dem Sammelwerk Frida Kahlo - Korper, Gender, Performance veroffentlichte Artikel „Hybride Korper" in welchem die Autorin Tanja Schwan Deutungsansatze prasentiert.

Das dritte und finale Unterkapitel besteht aus einer Analyse von Frida Kahlos „Henry Ford Hospital" anhand zweier Bildanalysen Helga Prignitz-Podas welche in dem schon erwahnten „Frida Kahlo - Die Malerin und ihr Werk" von 1988 sowie dem 2010 im Zuge einer Retrospektive erschienenen Sammelband Frida Kahlo Retrospektive verfassten Beitrag „Henry Ford Hospital, (1932)". Um die Ergebnisse des Hauptteils zusammenzufassen und in endgultigen Bezug zu setzen, folgt anschlieBend der Schlussteil, mit dem Versuch eines endgultigen Fazits.

1 Kunst und Kiinstlerin- Die Rolle der Frau in der Kunst

Aus der Gegebenheit, dass Frida Kahlo und ihr Werk im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Kunst schaffende Frau analysiert werden sollen, ergibt sich die Notwendigkeit zu evaluieren, wie Frauen, die als Kiinstlerin tatig sind, kunsthistorisch und gesellschaftlich rezipiert werden. Eine Evaluation der Rolle der Frau in der Kunsthistorik, speziell als Kunst schaffende Kiinstlerin, dient als strukturelle Ebene fur die Konstruktion von Kriterien und Merkmalen einer feministischen Asthetik Die Auseinandersetzung mit eben jener Thematik erfolgt in erster Linie im Zuge einer feministisch-wissenschaftlichen Untersuchung des Aspektes.

Basis gebend fur diese Analyse sind Unterschiede zwischen mannlichen Kunstschaffenden zugeschriebenen Eigenschaften und denen, die der Kiinstlerin als weibliches Pendant zugeordnet werden.

Laut Beate Sontgen, welche sich in dem von ihr herausgegebenen Sammelwerk „Rahmenwechsel- Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschaft" mit dieser Thematik beschaftigt, besteht eine „[...]Differenzierung der Geschlechter nach biologischen Merkmalen und Funktionen[...]" (Sontgen, Beate (1996): „Den Rahmen wechseln" in Beate Sontgen (Hrsg.), Rahmenwechsel- Kunstgeschichte als feministische Kulturwissenschaft, Berlin:Akademie Verlag GmbH, S.ll).

Diese These wird weitergehend erlautert, durch folgende Textpassage:

„In der Bestimmung des Ktinstlers werden Eigenschaften aufgerufen, die seit der Aufklarung nur den mannlichen Vertretern der Gattung zugesprochen werden: ein hohes MaB an Einbildungskraft, der es gelingt, einenbeobachteten Gegenstand zu transzendieren, Eigenstandigkeit im Ausdruck, ohne die Regeln der hohen Kunst zu verletzen, und ein freier Geist, der dennoch von ethischen MaBnahmen geleitet ist."(S6ntgen 1996:11)

Laut Sontgen erfolgt durch die Bundelung dieser Eigenschaften die Erschaffung der Rolle des Genies, welche eine Frau „[...]aufgrund ihrer biologischen Funktion, derFortpflanzung[...]" (1996:11) nicht einnehmen konne.

So werde Frauen unterstellt, ihren korperlichen Funktionen zu unterliegen und deswegen intellektuell „[...]der Welt des Materiellen und Geschlechtlichen verhaftet[...]"(1996:12) zu sein3. Als Konsequenz dieser Annahme leitet Sontgen eine Stereotypisierung des Begriffes „Kunstlerin" ab, der somit keiner Berufsbezeichnung diene. Stattdessen werde das Werk eines weiblichen Ktinstlers qualitativ und eigenschaftlich aufgrund der biologischen Verschiedenheiten der Geschlechter differenziert und anhand der Struktur gebenden Kategorisierung durch die Begriffe „Natur" und „Kultur" abgegrenzt „[...]von der „groBen" d.h. „mannlichen" Kunst[...]"(1996:12). Die in diesem Falle aufgrund ihrer Fortpflanzungsfunktion der Begrifflichkeit Natur zugeordnete Kunstlerin sei somit mit den „[...]bescheidenen Gattungen, vor allem dem Blumenstillleben, wenn nicht gar dem Kunsthandwerk[...]" verschrieben, da diese als „[...]zweckmaBig, auf die Lebenspraxis gerichtete[s Fertigen]"(1996:12) gelte.

Beate Sontgen zentriert in ihrer Arbeit jedoch nicht nur die der Frau als Kunstlerin zugeschriebenen Eigenschaften und Schaffensbereiche, sondern thematisiert auch die Auswirkung der Rezeption von Kunst als differenzierendes und strukturierendes Instrument. Die Kritik von Kunst produziere Hypothesen, „[...]die schnell als unhinterfragte Wesensbestimmung anerkannt werden[...]"(1996:15). Aus dieser Annahme resultierend verfasst sie folgende These:

„Die Analyse von Kritiken zeigt, dass die Rede tiber Kunst auch eine Rede tiber Geschlechter ist. Kunst als Ort, an dem Bedeutung und Wahrheit produziert wird, erscheint als Schauplatz des Kampfes um Macht und Reprasentation"(S6ntgen 1996:15)

2. Merkmale und Kntenen einer femmistischen Asthetik nach M. French

Um zu ermoglichen, dass die im vorherigen Kapitel ausgearbeiteten Differenzen bezuglich der Rolle der Frau als Kunstlerin und der Rezeption ihres Werkes in Bezug zu Frida Kahlos Werk gesetzt und anhand diesem evaluiert werden konnen, gilt es vorher zu defmieren welche Merkmale und Kriterien eine feministische Asthetik aufweist. Um solche Charakteristika ausarbeiten zu konnen, soil das von Marylin French verfasste und in dem Sammelband „Aesthetics in Feminist Perspective" erschienene Kapitel „Is There a Feminist Aesthetic?" als Grundlage genutzt werden.

French leitet das genannte Kapitel ein, indem sie angibt, dass es fur sie fraglich sei, ob Kriterien traditioneller Asthetik und feministischer Kunst aufeinander anwendbar seien.

Der Einordnung der als traditionell bezeichneten Asthetik als universell anwendbar und des Kunstbegriffes als erhaben iiber Sexualitat und biologisches Geschlecht, also als geschlechtsneutral, widerspricht sie (vgl. French, Marilyn (1993) Is There a Feminist Aesthetic? In: Hilde Hein und Carolyn Korsmeyer (Hrsg.), Aesthetics in Feminist Perspective, Bloomington und Indianopolis: Indiana University Press S.68).

Als evidentes Indiz fur die Existenz einer feministischen Asthetik nennt sie „[...] the distaste or rage feminists feel on encountering works that violate it." (1993:68). Um diese These deutlicher zu veranschaulichen nennt French ihre eigene Abneigung gegenuber positiv behafteten Darstellungen der Verstummelung des weiblichen Korpers im literarischen Kontext, unterstreicht jedoch auch die Relevanz des Ausdruckes gegenuber des Inhaltes (vgl. 1993:68). Laut French kann der dem Inhalt gegebene Ausdruck die herabsetzende Wirkung des Sujets zu einer unangenehmen Wirkungsweise transformieren.

Anhand dieser Einleitung konkretisiert Marilyn French zwei einer feministischen Asthetik zugrunde liegenden Prinzipien in der folgenden Textpassage:

„There are two fundamental, related principles that mark a work of art as feminist: first, it approaches reality from a feminist perspective; second, it endorses female experience.

Each principle has several ramifications, so is more complicated than it sounds." (French 1993:69)

Laut French basiert eine feministische Perspektive auf der Umkehrung patriarchaler Einstellungen, da der Feminismus auf die Gleichstellung und Ebenburtigkeit der Frau und des Mannes auf menschlicher, politischer und okonomischer Ebene bedacht sei (vgl. 1993: 70). Transzendenz und das Streben nach Macht werden als „[...]fatally doomed[...]" (1993:70) tituliert, da sie als unstillbares Verlangen und dadurch bedrohlich fur Lebensqualitat und Leben skizziert werden. In Bezug auf die Befurwortung weiblicher Erfahrung, welche das zweite ihrer beiden Prinzipien darstellt, gibt French an, dass diese Befurwortung „[...] honestly,wholly[...]" (1993:70), also ehrlich und ganzlich, erfolgen musse.

Erfullt werde dieses Kriterium laut der Autorin durch den Fokus feministischer Kunst, den sie in folgender Textpassage unterstreicht:

„ And feminist art focuses on people as wholes; the human is made up of body and emotions as well as mind and spirit; she is also part of a community, connected to others; and- on the broadst level- to nature in both positive and negative aspects." (French 1993:70)

Legitimation erfolge bei weiblichen Kunstlern aufgrund der von ihnen 8 erlebten Erfahrungen, wahrend Manner sich durch Macht und Autoritat legitimiert fuhlen wurden. Diese Erfahrungen wurden auf „feeling" also auf Gefuhl basieren und sich laut French in den Werken eines weiblichen Kunstlers wie folgt zeigen:

„ Women seek legitimacy by finding ways to express what it feels like to live their particular reality."(French 1993:75) Diese von ihr herausgearbeitete Essenz des feministisch-kunstlerischen Schaffens werde auch in den Unterschieden zwischen der traditionellen Kunst und Asthetik sowie der von French als feministisch titulierten Form von Kunst gegenstandlich.

Traditionelle Kunst beschreibt sie als „[...] the delicate flower expressing the spirit of a culture." (1993: 75)

Die Deskription der traditionellen Kunst erganzt French, indem sie angibt, fur Feministinnen gelte „[...] art is soup." (1993:75)

Diese Aussage konkretisiert die Autorin durch folgendes Zitat:

„Art nourishes a society feeds it; sturdy, not delicate, it arises from the life of a people like food from the ground, teaching us what we do not know, reminding us of what we tend to forget, emphasizing what is important, grieving over pain, celebrating vitality. It is useful and beautiful and moral—not moralistic."(French 1993:76)

Diese differenzierte Auffassung gegenuber Kunst konstatiere somit auch die von ihr vorher benannten Prinzipien einer feministischen Asthetik, da in vorherigem Zitat angesprochene Aspekte wie das Betrauern von Schmerz und das Feiern von Vitalitat, also der Fahigkeit unter bestimmten Umweltbedingungen uberleben und sich weiterentwickeln zu konnen, einer feministischen Perspektive und der Unterstutzung weiblicher Erfahrung entspreche.

[...]


1 Vergleiche auch: Krause, Barbara(1993): „Malerin: Die andere Frida Kahlo" in Emma/Mai/Juni 1993, letzter Zugriff: am 28.03.2018 um 13:23 Uhr https://www.emma.de/artikel/malerin-die-andere-frida-kahlo-265111

2 Zugriff auf Online-Archiv des Artikels, letzter Zugriff: am 28.03.2018 um 13:25 Uhr https://www.emma.de/artikel/malerin-die-andere-frida-kahlo-265 111: Anmerkung: Die Suche nach der urspriinglichen Kritik ergab keine eindeutige Quelle, der Artikel der Emma gibt zum Nachweis dieses Zitats keine Quelle an.

3 Vergleiche hierzu auch: Korsmeier Carolyn (1993): Introduction- Philosophy, Aesthetics and Feminist Scholarship in Hilde Hein,Carolyn Korsmeier (Hrsg.), Aesthetics In Feminist Perspective, Bloomington und Indianopolis: Indiana University Press S. VIII: „ Examination of the reasons for this have led to explorations of masculine bias as an integral structural element of the historic concepts of creativity, excellence, and artistic purpose. "

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Feministische Ästhetik in den Selbstdarstellungen Frida Kahlos
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Medien- und Kulturwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V888944
ISBN (eBook)
9783346192295
ISBN (Buch)
9783346192301
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feministische Ästhetik, Frida Kahlo, Kunst
Arbeit zitieren
Helena Frinken (Autor), 2017, Feministische Ästhetik in den Selbstdarstellungen Frida Kahlos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/888944

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