Gibt es einen gerechten Krieg? Ausführungen zur Bellum-Iustum-Lehre


Hausarbeit, 2020

13 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Krieg als eine gerechte Möglichkeit?

2. Ciceros bellum iustum -Lehre
2.1 Pro salute
2.2 Pro fide
2.3 Auctoritas principis
2.4 Kriegsführung
2.5 Krieg aus Gerechtigkeit

3. Ansatzpunkte der bellum iustum -Lehre im 20. Jahrhundert

4. Bezug zwischen bellum iustum -Lehre und dem Völkerrecht im 20. Jahrhundert

5. Kann es einen gerechten Krieg geben?

Literaturverzeichnis

1. Krieg als eine gerechte Möglichkeit?

Krieg gibt es, seitdem es Menschen gibt. Seit jeher gibt es Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen. Es gibt politische Kriege, bei denen es z. B. um Rohstoffe oder Landflächen geht, aber auch religiöse und ideologische Kriege, wie z. B. der vom Islamischen Staat, kurz IS; geführte Krieg. Der Islamische Staat wiederum wird auch gewaltvoll bekämpft, wobei auch immer wieder etliche Zivilisten sterben. Dies wird einerseits als notwendig beschrieben, andererseits ist es beispielsweise mit pazifistischen Ansätzen nicht vereinbar.

Spricht man heute mit Menschen sind diese grundsätzlich gegen jede Form von Krieg, äußern aber natürlich auch den Wunsch nach einer Bekämpfung von Terrorismus und anderen Ungerechtigkeiten.

Um aus diesem Dilemma herauszukommen, soll sich damit beschäftigt werden, ob es überhaupt einen gerechten bzw. gerechtfertigten Krieg geben kann. Welche Gründe sprechen für einen Krieg? Wann ist dieser moralisch erlaubt und wie muss der Krieg dann letztendlich konzipiert sein? Um diesen Fragen nachzugehen, soll die Lehre vom gerechten Krieg, auch bekannt unter dem lateinischen Begriff bellum iustum aufgezeichnet werden. Weiterhin soll darauf eingegangen werden, ob diese Lehre auch noch einen heutigen Bezug hat oder eher eine Gedankenkonstellation aus alter Zeit darstellt. Als Zusammenfassung soll dann skizzenhaft aufgezeichnet werden, ob sich die Lehre auf die Bekämpfung des Islamischen Staates übertragen lässt.

2. Ciceros bellum iustum -Lehre

Die Lehre vom gerechten Krieg hat seinen Ursprung in der griechischen Philosophie und im religiös geprägten latinischen Fetialrecht. Krieg wurde schon damals als Übel angesehen und der Frieden als gewünschter Zustand. Aus diesem Gedanken entwickelte man den Leitfaden, dass Krieg nur dann geführt werden darf, wenn er den Frieden als Ziel hatte. Weiterhin wurden erste Merkmale hinsichtlich der Gründe und der Kriegsführung zusammengetragen. Die Lehre wurde und wird bis heute immer noch weiterentwickelt, neu interpretiert oder anderweitig aufgenommen.1

Im Nachfolgenden soll insbesondere auf die bellum iustum -Lehre in der römischen Republik und Ciceros Gedanken hierzu eingegangen werden und weiterhin auf (neue) Ansatzpunkte der Lehre im frühen 20. Jahrhundert. Man muss allerdings bei der bellum iustum -Lehre zunächst differenzieren: Es ist keine Auffassung, die Krieg generell befürwortet, vielmehr war z. B. auch für Cicero Krieg ein Übel und Frieden der wünschenswerte Zustand. Krieg soll, wann immer es möglich ist, vermieden werden, aber es gibt auch Situationen, in denen dies nicht sinnvoll ist. Für Cicero war ein Krieg ethisch vertretbar, wenn er den Erhalt oder Wiederherstellung von Frieden zum Ziel hatte und dieses Ziel auch de facto hierdurch erreicht werden konnte.2 Nicht nur das Ziel des Friedens war Voraussetzung für einen gerechten Krieg, sondern jeder gerechte Krieg benötigte auch einen Rechtsgrund, weshalb er geführt wurde. Dieser ergab sich entweder zum Schutz der Allgemeinheit (pro salute) oder einer Treueverpflichtung (pro fide).3

2.1 Pro salute

Das Staatswohl, salus, konnte von Gegnern bedroht oder verletzt werden. Es konnten z. B. Rechtsgüter oder auch Territorien angegriffen werden. Für Cicero war dann ein Krieg in Form eines Friedensbruches möglich. Er unterscheidet hier noch zwischen der Verteidigung, propulsandorum hostium, und sogar Rache oder Vergeltung, ulciscendi. Krieg war erforderlich, um das Staatswohl wiederherstellen zu können. Die Verteidigung erstreckt sich allerdings nicht nur auf von außen stattfindende Angriffe, auch wenn das Wort hostes ursprünglich Fremde bedeutet. Sie konnte sich auch durch innere Feinde ergeben.

Cicero veranlasste als damaliger Konsul einen gerechten Krieg gegen Catilina zu führen, da dieser Waffenstützpunkte anlegte und hierdurch andere Truppen unterstützen wollte. Auch Caesar führte aus diesem Grund seinerzeit einen bellum iustum gegen die Belger, welche gegen Rom agierten.4

Auch um Rache nehmen zu können, ist ein Krieg laut Cicero gerecht, nämlich dann, wenn sich aufgrund von erlittenem Unrecht gerächt werden sollte. Laut ihm ist ein Leben in Frieden nur dann möglich, wenn man ohne Unrecht lebt. Dieses Unrecht kann durch Rache in Form von Bestrafung und Erzwingung von Wiedergutmachung bekämpft werden. Deshalb war auch Schadensersatz schon damals wichtig. Wichtig ist allerdings auch, dass der Krieg vorher angekündigt wurde und der Gegner hierbei aufgefordert wurde, das Geraubte zurückzugeben. Auch für Caesar war es wichtig, dem Gegner zuvor eine friedliche Möglichkeit anzubieten. Wenn dieser dies jedoch ablehnte, war ein Krieg gerechtfertigt.5

2.2 Pro fide

Ein gerechter Krieg konnte auch aufgrund von Verpflichtungen aus Treue-, Schutz- oder Fürsorgeverhältnissen geführt werden. Hatte man sein Wort gegeben, so musste man es auch halten. Hierbei ging es zunächst um die Verpflichtung eines Patrons gegenüber seinen Klienten, welche sich aufgrund ihrer Dienstverpflichtungen unter dessen Schutz stellten. Es sind aber nach und nach immer mehr verschiedene Treue- und Schutzverhältnisse gemeint worden, sogar eine einfache Freundschaft war so ein Verhältnis.6 Aus diesem Kriterium wurde später das Kriterium der auctoritas principis entwickelt.7

2.3 Auctoritas principis

Als principes wird der erste Mann des Staates verstanden. Er ist aufgrund seiner besonderen Stellung für den Schutz der anderen verantwortlich und darf, weil ihm von der Gemeinschaft die Sicherung des Friedens übertragen wurde, Krieg zur Wahrung des Friedens anordnen oder führen. Wer hingegen nicht den Status als Patron besaß, durfte auch keinen Krieg führen, da ihm hierfür die auctoritas, also die Autorität, fehlte. Diese auctoritas folgerte z. B. aus göttlichen, heroischen, übermenschlichen, hohen moralischen oder sonstigen Eigenschaften. Diese spielten im Römischen Reich oftmals eine wichtigere Rolle als rationale Argumente.

Auctoritas beschrieb die Fähigkeit einer Person, hohen Einfluss auf andere auszuüben, welche sich freiwillig unterwarfen, da ein hohes Vertrauen der Person entgegengebracht wurde.8 Für Cicero selbst gehörten neben der auctoritas aber auch noch Kriegserfahrung, Tüchtigkeit und Glück den Dingen, die ein Feldherr mit sich bringen musste.9

2.4 Kriegsführung

Für Cicero war die Kriegsführung grundsätzlich abhängig vom Kriegsgrund. Wichtig war es aber unabhängig hiervon, dass es auch dem Gegner gegenüber gewisse Verpflichtungen gab. Es war nur Soldaten erlaubt, im Krieg zu kämpfen. Weiterhin sollte nicht an Feiertagen gekämpft werden und Gesandten war ein besonderer Status zugeteilt. Diese durften nicht festgehalten werden, sie erhielten Schutz bis zu ihrer Heimkehr.10 Auch nach dem Krieg gab es Verpflichtungen. Die, die sich weder grausam noch unmenschlich verhalten hatten, sollten begnadigt werden. Auch hatte der Sieger für die Besiegten zu sorgen. Hier herrschte wieder ein sog. fides -Verhältnis, sprich die Besiegten standen fortan unter dem Schutz der Sieger, damit auch Gerechtigkeit für die Gegner, die Besiegten, gewahrt wurde.11

[...]


1 Vgl. JENSEN, Jessica: Krieg um des Friedens willen. Zur Lehre vom gerechten Krieg.

2 Berlin 2014. S. 18.

3 Vgl. ebd. S. 37.

4 Vgl. ebd. S. 39 f.

5 Vgl. ebd. S. 41 f.

6 Vgl. ebd. S. 44 f.

7 Vgl. ebd. S. 49 f.

8 Vgl. ebd. S. 52.

9 Vgl. ebd. S. 52 f.

10 Vgl. ebd. S. 53.

11 Vgl. ebd. S. 55.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gibt es einen gerechten Krieg? Ausführungen zur Bellum-Iustum-Lehre
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V889178
ISBN (eBook)
9783346221193
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerechter Krieg, Bellum iustum, Philosophie, Pazifismus, Religion, Cicero
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Gibt es einen gerechten Krieg? Ausführungen zur Bellum-Iustum-Lehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889178

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gibt es einen gerechten Krieg? Ausführungen zur Bellum-Iustum-Lehre



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden