Die vorliegende Arbeit verfolgt die Zielsetzung, anhand vorhandener Fachliteratur, die Institutionen, Instrumente, Funktionen und Risiken des Schattenbankensystems und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Finanzmarkt und die Volkswirtschaft herauszuarbeiten.
Außerdem wird auf die wichtigsten Institutionen und Instrumente des Schattenbankensystems eingegangen und dessen Entwicklung dargestellt. Im weiteren Verlauf werden die Funktionen, die das Schattenbankensystem auf dem Finanzmarkt übernimmt und dessen Nutzen näher erläutert. Daraufhin werden die mit den Aktivitäten einhergehenden Risiken vorgestellt, wobei stets Bezüge zur Finanzkrise 2007 hergestellt werden.
Im Jahr 2007 wurde der Begriff „Schattenbank“ oder „Schattenbanksystem“ zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erwähnt. Damals war es der Ökonom Paul McCulley, der im jährlichen Finanzsymposium der Kansas City Federal Bank in Wyoming den Terminus "Schattenbank" im Zuge der Finanzkrise ins Leben gerufen hat. Jedoch wurden damals nur die sogenannten "Zweckgesellschaften" damit beschrieben, die gezielt Verbriefungen vornehmen und ein wesentlicher Treiber der Finanzkrise waren.
Heutzutage wird der Begriff deutlich weiter gefasst, denn nun werden alle bankenähnlichen Aktivitäten und Institutionen, die außerhalb des regulären Bankensystems stattfinden und von denen Risiken ausgehen, die zur Gefährdung der Finanzstabilität beitragen, zum Schattenbankensystem gezählt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktionen und Aufbau des Finanzmarktes
2.1 Abgrenzung des Schattenbankensystems
2.2 Institutionen des Schattenbankensystems
2.2.1 Investmentfonds
2.2.2 Zweckgesellschaften
2.2.3 Andere Finanzintermediäre
2.3 Instrumente des Schattenbankensystems
2.3.1 Repurchase Agreements
2.3.2 Verbriefungen
2.3.2.1 True-Sale-Verbriefungen
2.3.2.2 Synthetische Verbriefungen
2.3.2.3 Verbriefungsprozess
2.3.3 Crowdfunding
2.4 Entwicklungsverlauf des Schattenbankensystems
3. Funktionen des Schattenbankensystems auf dem Finanzmarkt
3.1 Risikomanagement auf dem Finanzmarkt
3.2 Erhöhung der Marktliquidität
3.2.1 Auswirkung der Instrumente auf die Marktliquidität
3.2.2 Sicherheitenintermediation
3.3 Innovationen auf dem Finanzmarkt
4. Risiken des Schattenbankensystems für die Finanzstabilität
4.1 Anfälligkeit für Runs
4.2 Leverage und prozyklisches Verhalten
4.3 Intransparenz und Komplexität
4.4 Agency Probleme
4.5 Vernetzung der Märkte und Institutionen
5. Auswirkungen des Schattenbankensystems auf die Geldpolitik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit analysiert die Funktionen, den Aufbau sowie die damit verbundenen Risiken des Schattenbankensystems. Ein zentrales Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Institutionen einerseits zur Effizienz des Finanzmarktes beitragen, andererseits aber durch systemische Risiken die Finanzstabilität gefährden können, wobei insbesondere die Rolle während der Finanzkrise 2007 untersucht wird.
- Strukturelle Analyse und Abgrenzung des Schattenbankensystems
- Untersuchung zentraler Instrumente (z.B. Repos, Verbriefungen, Crowdfunding)
- Analyse der Intermediationskette und Risikoübertragung
- Evaluation der Auswirkungen auf die Finanzstabilität und Geldpolitik
Auszug aus dem Buch
2.3.2.1 True-Sale-Verbriefungen
Bei True-Sale-Verbriefungen werden die Forderungen, die den ABS unterliegen, an Zweckgesellschaften veräußert, daraufhin gebündelt und in verschiedene Risikoklassen gestaffelt. Somit werden die Kreditrisiken durch Emission dieser ABS auf dem Finanzmarkt an die Investoren weitergegeben. Der Prozess der Risikostaffelung wird „Tranching“ genannt und ist elementarer Bestandteil der Verbriefungsstrukturen. Die eingeschaltete Zweckgesellschaft finanziert die Übernahme der Forderungen des Originators der Kredite durch die Emission der risikogestaffelten Strukturierungseinheiten. Diese Strukturierungseinheiten werden im Fachjargon auch „Tranchen“ genannt.
Das Tranching gilt als wichtigster Mechanismus der Verbriefungstransaktion und funktioniert wie folgt. Der Forderungspool wird in mehrere Tranchen mit unterschiedlichen Risiken unterteilt, wobei sich jede Tranche immer auf die darunterliegenden Assets, aus denen sich die Zahlungsströme ergeben, bezieht. Dabei haben Wertpapiere einer vorrangigen Tranche bei der Distribution der Zahlungen Priorität gegenüber Wertpapieren einer nachrangigen Tranche. Die Tranchen sind also hierarchisch angeordnet, das heißt die unterste Tranche partizipiert als erste an Ausfällen der Zins- und Tilgungsleistungen, wenn die zugrundeliegenden Kredite nicht mehr bedient werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert das Schattenbankensystem und erläutert die Relevanz der Forschung im Kontext der Finanzkrise 2007 und der regulatorischen Herausforderungen.
2. Funktionen und Aufbau des Finanzmarktes: Hier werden die Grundlagen des Finanzmarktes, die Rolle der Finanzintermediäre sowie die verschiedenen Marktteilnehmer und ihre Aufgaben dargestellt, um einen Rahmen für das Verständnis der Schattenbanken zu schaffen.
3. Funktionen des Schattenbankensystems auf dem Finanzmarkt: Das Kapitel behandelt den Nutzen des Schattenbankensektors, insbesondere in Bezug auf Risikomanagement, die Erhöhung der Marktliquidität und die Rolle als Innovationstreiber.
4. Risiken des Schattenbankensystems für die Finanzstabilität: Dieses Kapitel analysiert die systemischen Gefahren, wie die Anfälligkeit für Runs, prozyklisches Verhalten, Intransparenz, Agency-Probleme und die Vernetzung mit dem traditionellen Bankensystem.
5. Auswirkungen des Schattenbankensystems auf die Geldpolitik: Die Auswirkungen auf geldpolitische Transmissionskanäle und die Herausforderungen bei der Messung von Geldmengenaggregaten durch die wachsende Bedeutung des Schattenbankensektors stehen hier im Fokus.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Notwendigkeit einer dauerhaften Überwachung und Regulierung, um die Vorteile des Systems zu bewahren und Risiken zu minimieren.
Schlüsselwörter
Schattenbanken, Finanzstabilität, Finanzmarkt, Verbriefung, Repurchase Agreements, Kreditintermediation, Finanzkrise, Liquiditätstransformation, Zweckgesellschaften, Hedge Fonds, Geldmarktfonds, Regulierungsarbitrage, Tranching, Crowdfunding, Agency Probleme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Funktionen und den systemischen Risiken von Schattenbanken innerhalb des globalen Finanzsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise von Schattenbanken, ihren Instrumenten wie Verbriefungen und Repos, sowie der Analyse ihrer Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, anhand von Fachliteratur die Institutionen, Instrumente und Funktionen des Schattenbankensystems sowie deren Auswirkungen auf den Finanzmarkt und die Volkswirtschaft herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse vorhandener Fachliteratur, Berichten von Finanzinstitutionen und ökonomischen Modellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Aufbau des Finanzmarktes, die spezifischen Institutionen und Instrumente des Schattenbankensektors, dessen Funktionen für den Markt sowie die Risiken für die Finanzstabilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schattenbanken, Finanzstabilität, Verbriefung, Liquiditätstransformation, Regulierungsarbitrage und Intermediation.
Welche Rolle spielen Zweckgesellschaften im Verbriefungsprozess?
Zweckgesellschaften (SPVs) dienen dazu, Kreditforderungen vom Originator zu erwerben und diese durch die Emission strukturierter Finanzprodukte (ABS) am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Wie beeinflussen Schattenbanken die Geldpolitik der EZB?
Da die EZB primär den offiziellen Bankensektor steuert, erschweren Schattenbanken die genaue Ermittlung der Geldmenge und können geldpolitische Impulse durch ihre Aktivitäten (z.B. Kreditvergabe) abschwächen oder verstärken.
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- Philipp Strauch (Author), 2017, Funktionen und Risiken von Schattenbanken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889249