Funktionen und Risiken von Schattenbanken


Bachelorarbeit, 2017

73 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionen und Aufbau des Finanzmarktes
2.1 Abgrenzung des Schattenbankensystems
2.2 Institutionen des Schattenbankensystems
2.2.1 Investmentfonds
2.2.2 Zweckgesellschaften
2.2.3 Andere Finanzintermediäre
2.3 Instrumente des Schattenbankensystems
2.3.1 Repurchase Agreements
2.3.2 Verbriefungen
2.3.2.1 True-Sale-Verbriefungen
2.3.2.2 Synthetische Verbriefungen
2.3.2.3 Verbriefungsprozess
2.3.3 Crowdfunding
2.4 Entwicklungsverlauf des Schattenbankensystems

3. Funktionen des Schattenbankensystems auf dem Finanzmarkt
3.1 Schattenbankensystems auf dem Finanzmarkt
3.2 Risikomanagement auf dem Finanzmarkt
3.3 Erhöhung der Marktliquidität
3.2.1 Auswirkung der Instrumente auf die Marktliquidität
3.2.2 Sicherheitenintermediation 43 Innovationen auf dem Finanzmarkt

4. Risiken des Schattenbankensystems für die Finanzstabilität
4.1 Anfälligkeit für Runs
4.2 Leverage und prozyklisches Verhalten
4.3 Intransparenz und Komplexität
4.4 Agency Probleme
4.5 Vernetzung der Märkte und Institutionen

5. Auswirkungen des Schattenbankensystems auf die Geldpolitik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kategorien des Finanzmarktes

Abb. 2: Struktur bilateraler Repurchase Agreements

Abb. 3: Risikoverteilung durch Tranching

Abb. 4: Struktur synthetischer Verbriefungen/Kreditderivate

Abb. 5: Kreditintermediation des Schattenbankensystems

Abb. 6: Zugehörigkeit der finanziellen Assets und Anteile des Schattenbankensystems

Abb. 7: U.S. Private-Label Verbriefungen

Abb. 8: Entwicklung der Finanzinstitutionen ausgewählter Gebiete

Abb. 9: Kette der Sicherheitenintermediation

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Detaillierte Zusammenfassung des Verbriefungsprozesses

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Jahr 2007 wurde der Begriff „Schattenbank“ oder „Schattenbanksystem“ zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erwähnt. Damals war es der Ökonom Paul McCulley, der im jährlichen Finanzsymposium der Kansas City Federal Bank in Wyoming den Terminus „Schattenbank“ im Zuge der Finanzkrise ins Leben ge-rufen hat.1 Jedoch wurden damals nur die sogenannten „Zweckgesellschaften“ damit beschrieben, die gezielt Verbriefungen vornehmen und ein wesentlicher Treiber der Finanzkrise waren.2 Heutzutage wird der Begriff deutlich weiter ge-fasst, denn nun werden alle bankenähnlichen Aktivitäten und Institutionen, die außerhalb des regulären Bankensystems stattfinden und von denen Risiken ausgehen, die zur Gefährdung der Finanzstabilität beitragen, zum Schatten-bankensystem gezählt.3

Dabei wurden während der Finanzkrise eine Reihe von Schwachstellen offen-bart, die dazu beigetragen haben das gesamte Finanzsystem kollabieren zu lassen. Regulierungslücken, ineffiziente Aufsicht, intransparente Märkte und zu komplexe Finanzprodukte haben allesamt einen Anteil daran. Das Schatten-bankensystem hat jeden dieser Aspekte entweder mit seinen Aktivitäten voran-getrieben oder davon profitiert.4 Daher sind erst in den Jahren nach der Finanz-krise ernsthafte Untersuchungen und Forschungen über das Schattenbanken-system unternommen worden. In diesem Zusammenhang erhielt das „Financial Stability Board (FSB)“ 2010 die Aufgabe erste Regulierungsvorschläge auf in-ternationaler Ebene für Schattenbanken zu erarbeiten und die davon ausge-henden Schwachstellen und Systemrisiken einzudämmen.5 Zudem gibt es noch keine einheitliche Definition, auf die sich führende Ökonomen und Institute ge-einigt haben, was zum einen auf das geringe empirische Material und zum an-deren auf eine noch unvollständige Datenlage zurückzuführen ist. halb des regulierten Bankensystems statt. Im Jahr 2015 wurde schon fast die Hälfte des gesamten Finanzvermögens auf der Welt nicht mehr von Banken, sondern von den sogenannten Nichtbanken des Finanzsektors, wie zum Bei-spiel Pensionsfonds, Versicherungen und anderen Finanzintermediären be-wegt.6 Der FSB hat für diese Akteure den Ausdruck „MUNFIs“, also Monitoring Universe of Non-Bank Financial Intermediation, ins Leben gerufen. Wie aus dem „Global Shadow Banking Monitoring Report 2016“ des FSB hervorgeht, haben die Schattenbanken mit rund 34 Billionen US-Dollar beziehungsweise 11% einen erheblichen Anteil am weltweit gehandelten Finanzvermögen und weisen ein kontinuierliches Wachstum auf. Damit gehen zum einen Chancen, vor allem aber auch erhebliche Risiken für das gesamte Finanzsystem einher. Denn alleine der Anteil der von Schattenbanken gehandelten Vermögensge-genstände beträgt rund 69 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der vom FSB untersuchten Staaten, zu denen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt gehören.7

Trotzdem ist die Bezeichnung Schattenbank in einem gewissen Maße irrefüh-rend, denn anders als es der Begriff suggeriert, agieren diese Finanzinstitute weder „im Dunkeln“ noch im illegalen Bereich. Es handelt sich lediglich um Fi-nanzunternehmen, die außerhalb des regulären Geschäftsbankensystems an-gesiedelt sind und somit nicht den regulatorischen Rahmenbedingungen der Geschäftsbanken unterliegen. Darüber hinaus stehen allein in Deutschland vie-le Versicherer und Pensionsfonds unter der Aufsicht der BaFin, was sie eben-falls von den Schattenbanken abgrenzt.8 So bieten Schattenbanken den Markt-teilnehmern im Finanzsystem weitere Möglichkeiten zur Finanzierung und zur Geldvermögensbildung und gewährleisten in diesem Zusammenhang eine wichtige Intermediationsaufgabe. So führt der Schattenbankensektor komple-mentär zum Geschäftsbankensektor einen Interessenausgleich zwischen dem Kapitalanbieter, meistens Haushalten, der sein Geld möglichst gewinnbringend oder zumindest inflationsschützend anlegen möchte, und dem Kapitalnachfra-ger, der meist größere Mengen an Kapital für Investitionen nachfragt. Daher stellt sich die Herausforderung die positiven Charakteristika des Schattenban-kensystems zu bewahren und gleichzeitig die großen Risiken auf das Finanz-system und die Volkswirtschaft zu minimieren.

Die vorliegende Arbeit verfolgt dabei die Zielsetzung anhand vorhandener Fachliteratur, die Institutionen, Instrumente, Funktionen und Risiken des Schat-tenbankensystems und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Fi-nanzmarkt und die Volkswirtschaft herauszuarbeiten. So wird damit begonnen die Funktionen und den Aufbau des gesamten Finanzmarktes darzustellen und in diesem Rahmen das Schattenbankensystem abzugrenzen. Dazu werden verschiedene Definitionen und Sichtweisen führender Ökonomen herangezo-gen. Außerdem wird auf die wichtigsten Institutionen und Instrumente des Schattenbankensystems eingegangen und dessen Entwicklung dargestellt. Im weiteren Verlauf werden die Funktionen, die das Schattenbankensystem auf dem Finanzmarkt übernimmt und dessen Nutzen näher erläutert. Daraufhin werden die mit den Aktivitäten einhergehenden Risiken vorgestellt, wobei stets Bezüge zur Finanzkrise 2007 hergestellt werden. Danach kommt es zur Unter-suchung der Auswirkungen auf die Geldpolitik mit besonderem Augenmerk auf den Euroraum. Das liegt darin begründet, dass der Einfluss des Schattenban-kensystems auf geldpolitische Transmissionskanäle und die Geldmengenag-gregate mit größer werdender Bedeutung kontinuierlich wächst und von der EZB in ihrer Analyse der Geldmengen- und Kreditentwicklung berücksichtigt werden muss. Zuletzt werden die gewonnenen Erkenntnisse zur Beantwortung der Zielsetzung im Fazit zusammengefasst und auf den Punkt gebracht.

2. Funktionen und Aufbau des Finanzmarktes

Der Finanzmarkt wird als Oberbegriff für alle Märkte verwendet, auf denen ein Handel mit Kapital bzw. Finanzmitteln stattfindet. Dabei treffen auf dem Fi-nanzmarkt volkswirtschaftlich betrachtet die Sparer, also Kapitalanbieter, und die Investoren, die Kapitalnachfrager, aufeinander. Die Sparer sind typischer-weise private Haushalte, während der Staat und Unternehmen als Investoren auftreten. Die transportierten Finanzmittel können entweder die Form von Ei-genkapital oder Fremdkapital annehmen und dessen Transport bzw. Vermitt-lung wird von den sogenannten „Finanzintermediären“ gewährleistet. Klassi-sche Finanzintermediäre sind beispielsweise Banken, Versicherungen, Baus-parkassen und Fondsgesellschaften, jedoch existieren daneben auch soge-nannte Schattenbanken, die weniger strikten Regulierungen unterliegen als die traditionellen Finanzintermediäre.9 Insgesamt übernimmt der Finanzmarkt eine Reihe von Funktionen, die für eine moderne Volkswirtschaft und die internatio­nale Ökonomie unabdingbar sind. So wird das Zusammenbringen von Anbie-tern und Nachfragern als Dienstleistung stark nachgefragt, da kein vollkomme-ner Markt existiert, auf dem Homogenität der Güter und gänzliche Transparenz vorherrschen und Präferenzen keine Rolle spielen.10

Dabei erfüllt der Finanzmarkt nach Spremann und Gantenbein vor allem drei Hauptfunktionen, aber auch eine Reihe weiterer Nebenfunktionen.11 Erstens die sogenannte Allokationsfunktion, bei der die Beziehungen zwischen Kapitalan-bietern und -nachfragern organisiert und der Transport beziehungsweise die Vermittlung des Kapitals gewährleistet werden. Der Finanzmarkt ist hier dafür verantwortlich eine hohe Liquidität zu gewährleisten und die Transaktionskos-ten so gering wie möglich zu halten. Zweite entscheidende Funktion ist die In-formationserzeugung. So können nur rationale Entscheidungen getroffen wer-den, wenn hinreichend Informationen über Chancen, Risiken und Alternativen zur Verfügung stehen. Diese Leistung der Informationsbeschaffung wird vom Finanzmarkt gewährleistet. Informationen, die von Kreditinstituten im Rahmen des Kreditvertrages bereitgestellt werden, sind nur den Vertragsparteien be-kannt, während Informationen auf Börsen, wie beispielsweise Wertpapierkurse oder Zinssätze, öffentlich zugänglich sind. Alle öffentlich verfügbaren Informati-onen schlagen sich in den Preisen nieder. So ist Preis einer Unze Gold oder eines Wertpapiers nichts anderes als der Preis, den jemand unter Berücksichti-gung aller Informationen bereit ist zu zahlen, um das jeweilige Asset zu erhal-ten. Dementsprechend werden Preise herangezogen, um den Wert eines Assets zu bestimmen.12 Als dritte Grundfunktion des Marktes ist die Risikoallokati-on oder der Risikotransfer zu nennen. Dabei ist es möglich sich durch Diversifi-kation oder bestimmte Finanzderivate, wie Swaps oder Optionen gegen eine Vielzahl von Risiken abzusichern, wie zum Beispiel gegen Zinsänderungs-, Währungs-, oder Ausfallrisiken. Durch diese Funktion ist es sogar möglich Risi-ken über den Markt mit Preisen auszustatten und zu transferieren.13 Neben den drei Grundfunktionen existiert die Finanzierungsfunktion, wobei der Finanzmarkt den Umfang des verfügbaren Kapitals beeinflusst und Liquiditätsengpässe überwindet. Dabei versuchen Finanzintermediäre dafür zu sorgen, dass Investi-tionen nur in rentablere Vorhaben vorgenommen werden, die zu einer besseren Vergütung des Kapitalgebers führen. Daneben gibt es die Kontrollfunktion, durch welche die Verwendung des bereitgestellten Kapitals überprüft wird und somit das Risiko überschaubar bleibt.14

Die Funktionen des Finanzmarktes werden von den Finanzintermediären unter-stützt, indem diese verschiedene Transformationsleistungen als zentrale Auf-gaben erfüllen. Erstens sind sie für die Losgr öß entransformation verantwortlich. Hier setzen Kapitalanleger Geldbeträge in unterschiedlicher Höhe ein, zum Bei-spiel als Bankeinlagen, und die Kreditinstitute bündeln diese geringen Gelder zur Schaffung von großen Krediten. Darüber hinaus arbeiten Geschäftsbanken mit einem hohen Leverage, da die Einlagen die Verbindlichkeiten der Bank dar-stellen und um ein Vielfaches größer sind als ihr Eigenkapital.15 Die zweite Leis-tung ist die Fristentransformation, indem Einlagen mit meist kurzfristigen Lauf-zeiten zusammengefasst und als langfristige Kredite verwendet werden.16 Dadurch entsteht zugleich ein Risiko, da die langfristigen Kreditforderungen mit kurzfristigen Mitteln revolvierend finanziert werden müssen. Zu dieser Trans-formationsleistung wird auch die Liquidit ä tstransformation genannt , bei der die Bindungsdauer des zur Verfügung gestellten Kapitals von der Bindungsdauer des investierten Kapitals abweicht. Als dritte Transformationsleistung existiert die Risikotransformation, worunter die Risikostreuung zu verstehen ist. Dabei mischen Banken Finanztitel mit unterschiedlich hohem Risiko und müssen bei der Kreditvergabe sorgfältig auswählen, an wen sie Kredite vergeben. Das resi-duale Risiko wird dann zunächst durch Eigenkapital oder weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel Finanzderivate abgesichert. Die vierte und letzte Transforma-tionsleistung ist die sogenannte Publizit ä tstransformation. Hierunter wird die Informationsverarbeitung der Kreditinstitute im Rahmen einer umfassenden Fi-nanzanalyse der Kapitalnachfrager verstanden. Es wird also die geringe Infor-mationsbereitschaft der Nachfrager mit dem hohen Informationsbedarf der An-bieter in Einklang gebracht.17

Wie in Abbildung 1, ersichtlich wird der Finanzmarkt in mehrere Teilmärkte un-terteilt. Diese unterscheiden sich vor allem in der Fristigkeit des gehandelten Kapitals. Dabei muss in erster Linie zwischen dem Geldmarkt und dem Kapi-talmarkt unterschieden werden. Während auf dem Geldmarkt Wertpapiere und Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis einem Jahr gehandelt werden, fin-det auf dem Kapitalmarkt der Handel für mittel- bis langfristige Kapitalaufnahme und –anlage statt. Daneben existiert der Kreditmarkt, welcher sich durch indivi-duelle, bilaterale Kreditverträge auszeichnet und im Gegensatz zum Geld- und Kapitalmarkt weit weniger standardisiert ist.18 Außerdem ist der Devisenmarkt ein wichtiger Bestandteil des Finanzmarktes, auf dem unterschiedliche Wäh-rungen gehandelt werden, jedoch ist er im weiteren Verlauf der Arbeit zu ver-nachlässigen, da das Schattenbankensystem eher auf anderen Teilmärkten agiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kategorien des Finanzmarktes (Quelle: In Anlehnung an Perridon, L./Steiner, M., Fi-nanzwirtschaft der Unternehmung, 2007, S. 149)

Der Kapitalmarkt ist eher risikoorientiert, das heißt je höher das Ausfallrisiko der Schuldner beziehungsweise das Risiko in der Wirtschaft ist, desto höher sind die erzielbaren Renditen. Im Gegensatz dazu wird der Geldmarkt eher mit nied-rigerem Risiko und niedrigen Zinsen in Verbindung gebracht, da beispielsweise Geldmarktfonds in kurzfristige Geldmarktpapiere mit niedrigen Renditen, aber dafür ebenso geringem Risiko investieren. Die Akteure des Geldmarkts sind Zentralbanken, Geschäftsbanken, sowie institutionelle Anleger wie große In-dustrieunternehmen, Versicherungen und Fondsgesellschaften.19 Privatanleger erhalten lediglich indirekt über Geldmarktfonds Zugang zum Geldmarkt. Die dort gehandelten Instrumente sind vor allem sogenannte Repurchase Agreements, Certificates of Deposit (CD), Treasury Bills und Commercial Papers, auch in Form von Asset Backed Commercial Papers (ABCP), auf die in Kapitel 2.3.2.1 näher eingegangen wird.20

Beim Kapitalmarkt wird zwischen dem außerbörslichen und börslichen Kapital-markt unterschieden. Der außerbörsliche Handel, oder auch „Over the Counter Handel (OTC-Handel)“, umfasst hauptsächlich den Handel von Finanzderiva-ten, denen es aufgrund ihrer bilateralen Vertragsgestaltung und vielfältigen Er-scheinungsformen an der nötigen Standardisierung fehlt, um an einer Börse gehandelt werden zu können.21 Für die Zusammenführung von Käufer und Ver-käufer sorgen hier Banken, die als Makler auftreten. Da dieser Teilmarkt privat-wirtschaftlich organisiert ist, kommt es allerdings zu einer hohen Intransparenz. Im Gegensatz dazu besitzen Börsen für die Liquidität von Wertpapieren eine wichtige Rolle, denn Papiere ohne Börsenzulassung haben eine deutlich gerin-gere Fungibilität und sind somit schwer zu emittieren.22 Der Handel, der über die Börse abgewickelt wird, ist darüber hinaus in Renten- und Aktienmarkt un-terteilt. Dabei unterscheiden sich diese Teilmärkte in der Art des gehandelten Kapitals. Auf dem Rentenmarkt, oder auch Anleihemarkt, findet der Handel von Fremdkapital statt, während sich der Aktienmarkt durch den Handel von Aktien, also Eigenkapital des Emittenten, auszeichnet. Der Aktienmarkt wird dann nochmals in Primär- und Sekundärmarkt unterteilt, wobei auf dem Primärmarkt die Neuemissionen der Wertpapiere erfolgen und der Sekundärmarkt den Han­del von bereits emittierten Wertpapieren umfasst.23

Insgesamt ergeben sich einige Vorteile durch den Einsatz von Finanzintermedi-ären auf dem Finanzmarkt. So können kleine Ersparnisse als Teil eines großen Kredits dazu genutzt werden, um hohe Zinsen zu erwirtschaften. Darüber hin-aus besteht die Möglichkeit für kleine Firmen, die sich nicht über die Emission von Anleihen auf dem Kapitalmarkt finanzieren können, sich über Kredite von beispielsweise Banken zu finanzieren. Daneben reduzieren Finanzintermediäre die Informationskosten, da sie durch die ständige Betreuung der Kapitalnach-frager, über deren finanzielle Situation Bescheid wissen, das heißt die Kapital-anbieter müssen sich nicht mit der Beschaffung von Informationen über Ausfall-risiken der Nachfrager beschäftigen. Außerdem sorgen die Expertise und das Know How der Finanzintermediäre dafür, dass bessere und bedachtere Investi-tionsentscheidungen getroffen werden können, als es bei kleinen Sparern der Fall wäre. Dadurch kann jedoch auch ein Risiko entstehen, da Finanzinterme-diäre üblicherweise große Summen investieren.24

Ein weiteres Beispiel, das die Wichtigkeit des Finanzmarktes herausstellt, ist die Vergabe von Hypothekenkrediten. Denn für Menschen, die über kein großes Vermögen, aber ein geregeltes Einkommen verfügen, wäre es ohne den Fi-nanzmarkt zum Beispiel nicht möglich ein Haus zu erwerben. Daher spielen auch Sicherheiten, die eine Kreditvergabe deutlich erleichtern eine große Rolle auf den Finanzmärkten.25

2.1 Abgrenzung des Schattenbankensystems

Um ein genaues Verständnis davon zu bekommen, welche Rolle die Schatten-banken auf den Finanzmärkten einnehmen und welche Funktionen sie erfüllen, muss das Schattenbankensystem zunächst abgegrenzt und definiert werden. Darüber hinaus muss aufgezeigt werden, welche Institutionen zum Schatten-bankensystem zählen und welche Aktivitäten diese in ihrer Existenz verfolgen. Dabei gilt das Schattenbankensystem bis heute als noch nicht vollständig er-forscht und der Kreis der ihm zugehörigen Unternehmen wird von vielen als noch nicht komplett erachtet, da sich Unternehmen und Aktivitäten ausgespro-chen schnell auf dem Finanzmarkt weiterentwickeln. Daher gibt es noch keine einheitliche und konkrete Definition, jedoch verschiedene Ansätze, die sich je-weils aus unterschiedlichen Perspektiven der Problemstellung annähern. Die folgenden Abschnitte zielen darauf ab, das Schattenbankensystem umfassend vorzustellen.

Im Oktober 2011 stellte das FSB seinen ersten Bericht vor, in dem das Schat-tenbankensystem als „ein System der Kreditvermittlung, an dem Unternehmen und Tätigkeiten außerhalb des regulären Bankensystems beteiligt sind“, defi-niert wird.26 Diese Definition wurde 2016 jedoch um den Zusatz erweitert, dass nur Tätigkeiten dazu gezählt werden, von denen Risiken ausgehen, welche die Finanzstabilität gefährden. Das Schattenbankensystem wird darüber hinaus als Aktivitäten oder Finanzunternehmen der Kreditintermediation gekennzeichnet, die mit einer Fristen- beziehungsweise Liquiditätstransformation und einem ho-hen Verschuldungsgrad verbunden sind.27 Dabei sind diese Prozesse im Schat-tenbankensektor, wie zum Beispiel die Verbriefung, oft hoch komplex und äu-ßerst intransparent, was eine profunde Erfassung des Schattenbankensektors so schwierig macht.

Des Weiteren bietet die EU-Kommission in ihrem Grünbuch der Schattenban-ken 2012 eine vertiefte Definition. Demzufolge stützt sich das Schattenbanksys-tem auf zwei miteinander verbundene Säulen. Die erste Säule bezieht sich auf Unternehmen, die außerhalb des Bankensystems agieren und eine der vier fol-genden Tätigkeiten ausführen. Entweder a) die Entgegennahme von Geldern mit einlageähnlichen Merkmalen, b) die Durchführung von Fristen- und/oder Liquiditätstransformation, c) Kreditrisikotransfer und d) den Einsatz von direkten oder indirekten finanziellen Hebeleffekten, dem sogenannten „Leverage-Effekt“, bei dem eine erhöhte Verschuldung in Kauf genommen wird, um die Rentabili-tät des Eigenkapitals zu erhöhen. Die zweite Säule nimmt Bezug auf die Tätig-keiten im Schattenbankensystem. Dazu zählen vor allem Verbriefungen und Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfte, die sogenannten „Repurchase Agree­ments (Repos)“.28 Darüber hinaus nennt die EU-Kommission speziell fünf Un-ternehmensgruppen, die zum Kreis der Schattenbanken gehören. So zählen Zweckgesellschaften, wie zum Beispiel Special Purpose Vehicles, Geldmarkt-fonds, Investmentfonds, die Kredite zur Verfügung stellen oder mit Fremdtiteln arbeiten, Finanzierungsgesellschaften, Wertpapierhäuser und schließlich Versi-cherer und Rückversicherer, die Kreditprodukte ausgeben oder garantieren, zum Schattenbankensystem.29

Eine weitere Definition liefert Pozsar in einem Bericht der Federal Reserve Bank of New York. Er beschreibt die Schattenbanken als „Finanzintermediäre, die Fristen-, Kredit- und Liquiditätstransformation durchführen ohne eindeutigen Zugang zu Zentralbankgeld und Kreditgarantien des öffentlichen Sektors zu besitzen.“30 Dementsprechend sind Schattenbanken dem Risiko von volkswirt-schaftlichen Liquiditätsschwankungen stärker ausgesetzt und können im schlimmsten Fall nicht auf die Unterstützung des öffentlichen Sektors zählen. Eine andere Herangehensweise für die Definition des Schattenbankensystems bieten Claessens und Ratnovski vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Ergänzend zu den bereits bestehenden Definitionen, beschreiben sie das Schattenbankensystem als „alle Aktivitäten, ausgenommen derer des her-kömmlichen Bankensystems, die auf eine private oder öffentliche Kreditlinie angewiesen sind.“31 Grundgedanke hinter dieser Aussage ist die Tatsache, dass der Schattenbankensektor, primär bei den Verbriefungstransaktionen, mit Risikotransfers arbeitet. Dabei werden Risiken durch gewisse Maßnahmen von einer Partei auf die andere übertragen. Jedoch bleiben residuale Risiken für die Schattenbanken bestehen, wie zum Beispiel systemische Liquiditätsrisiken oder Risiken, die mit dem Zahlungsausfall von großen Schuldnern zusammenhän-gen. Somit müssen sie zeigen, dass sie im Ernstfall das Eintreten solcher Risi-ken verkraften können und sind in vielen Fällen auf Kreditlinien, typischerweise von Banken, angewiesen.32

Darüber hinaus findet der Prozess der Intermediation der Schattenbanken nicht nur innerhalb einer Institution, wie es bei der Geschäftsbank der Fall ist, statt. Die Intermediation teilt sich in mehrere Schritte auf und beinhaltet eine Reihe von beteiligten Institutionen. Dabei stehen ebenso die Transformation von Fris-ten, Liquidität, Kreditrisiko und Losgrößen im Vordergrund, jedoch in einem kaum regulierten Umfeld. Die Möglichkeit Einlagen für die Transformation des bereitgestellten Kapitals zu verwenden, bietet sich für die Schattenbanken nicht, weswegen sie auf andere Instrumente zur Finanzierung zurückgreifen müssen.33 Ziel der Transformationen ist es zum einen kurzfristig verfügbare, hochliquide und risikoarme Anlagemöglichkeiten zur Geldvermögensbildung anzubieten und zum anderen langfristige, kaum liquide und risikotragende Vermögenswerte, die auf Krediten basieren, bereitzustellen. Somit werden verschiedene Laufzeitinteressen von Schuldnern und Gläubigern in Einklang ge-bracht .34

Die von den Schattenbanken durchgeführten Tätigkeiten weisen eine Reihe von besonderen Eigenschaften auf, die es ihnen ermöglichen die genannten Trans-formationsleistungen zu erfüllen. Sowohl die Aktiva als auch die Passiva von Schattenbanken sind stark marktbasiert, da sich die Beteiligten in erster Linie über geld- und kapitalmarktbasierte Instrumente finanzieren.35 Außerdem sind die Finanzierungsinstrumente der Schattenbanken in hohem Maße fondsba-siert, was ihnen einerseits die Möglichkeit verschafft, umfangreiche Kredite be-reitzustellen und andererseits die Anleger mit kleinteiligen Investitionsmöglich-keiten zu versorgen. Schließlich zeichnen sich die Tätigkeiten der Schattenban­ken noch mit der Eigenschaft aus in großem Maße durch Wertpapiere besichert zu sein.36 Außerdem kann das Risiko einzelner Positionen durch das Strukturie-ren von Finanzprodukten beziehungsweise durch Verbriefungen genau auf die Präferenzen der Anleger abgestimmt werden. Somit ist es möglich, schwer li-quidierbare Vermögenswerte im Markt zu mobilisieren.37

Man könnte annehmen, dass der Schattenbankensektor als eine Art Parallel-system neben dem Geschäftsbankensystem existiert, jedoch hat sich der Grad der Vernetzung beider Systeme in erster Linie vor der Finanzkrise stark er-höht.38 Einer der Hauptgründe dafür ist vor allem die sogenannte „Regulie-rungsarbitrage“, wobei vor allem die Banken die Vorschriften auf dem Finanz-markt gezielt umgehen und sich den strengen Eigenkapitalanforderungen von Basel III entziehen können, um Vorteile zu erlangen. Dafür gründen sie soge­nannte „Zweckgesellschaften“ und lagern Teile ihres Geschäfts aus, dam it sie sich nicht mehr im Rahmen der Geschäftsbankenregulierung befinden. Dane-ben stellen Schattenbanken komplementäre Finanzdienstleistungen, wie zum Beispiel Verbriefungen von langfristigen Kreditforderungen, zur Verfügung, da sie die Kreditvergabe der Geschäftsbanken dadurch antreiben. Darüber hinaus ist ebenso die Nachfrage nach hochliquiden und sicheren Anlageformen, die vor allem als Alternative zu den gewöhnlichen Einlagen gelten, ein Treiber des Schattenbankensystems. Zusätzlich trägt die sinkende Akzeptanz von Anlegern Informations- und Transaktionskosten, im Zuge der Digitalisierung und der er-höhten Preistransparenz, in Kauf zu nehmen zum Wachstum der Schattenban-ken bei. Ein Indikator dafür ist der rasante Anstieg des sogenannten „FinTech-Sektors“, der den technischen Fortschritt in der Finanzwelt erhöht und daneben die Transaktionskosten für Anleger deutlich reduziert.39 Eine weitere Ursache für den Anstieg des Schattenbankensystems der letzten Jahre ist der soge-nannte „search-for-yield-effect“, wobei sich institutionelle Anleger vor allem in der Niedrigzinsphase nach höheren Renditen umschauen und dabei vermehrt Risiken eingehen.40

2.2 Institutionen des Schattenbankensystems

Ein genauerer Einblick wird nun in ausgewählte Institutionen des Schattenban-kensystems gewährt, wobei sich auf die beiden wichtigsten Akteure konzentriert wird. Dies sind zum einen Investmentfonds, wie Geldmarktfonds und Hedge-fonds, die aktuell mit 65 Prozent den größten Anteil am Schattenbankensystem haben und zum anderen die Zweckgesellschaften, die vor allem während der Finanzkrise eine tragende Rolle gespielt haben.41 Danach werden auch andere Finanzintermediäre kurz beschrieben, die zum Schattenbankensystem gezählt werden können. In den folgenden Unterkapiteln werden nun die einzelnen Ak-teure des Schattenbankensystems beschrieben.

2.2.1 Investmentfonds

Zwar zählen Fonds für Privatkunden oder Long-Only Aktienfonds, bei denen die Fonds nur Aktien kaufen und beispielsweise keine Leerverkäufe tätigen dürfen, nicht zum Schattenbankensektor, weil sie regulatorischen Beschränkungen be-züglich Leverage und Anlageobjekten unterliegen. Dafür gehören jedoch insbe-sondere Hedge Fonds und auch Geldmarktfonds dazu.42 Dabei weisen alle Fonds dieselbe Vorgehensweise auf, indem sie durch die Emission von Fondsanteilen Kapital einsammeln und dieses anschließend in Aktiva investie-ren. Des Weiteren sind einige Investmentfonds an der Kreditintermediation über den Ankauf verbriefter Forderungen beteiligt. Auch die direkte Kreditvergabe ist ihnen in manchen Ländern erlaubt.43

Geldmarktfonds bieten eine Alternative zu den klassischen Einlagen der Ge-schäftsbanken, weil sie bis zur Finanzkrise noch mit geringen Risiken verbun-den worden sind und bei begrenzten Renditen eine hohe Liquidität versprochen haben.44 Sie sind offene Investmentfonds, das heißt sie haben kein Limit an Anteilen, die sie emittieren können und sie bieten ständige Rücknahmemög-lichkeiten für Investoren. Daneben investieren sie in kurzfristige Wertpapiere wie Staatsanleihen, Commercial Papers, auch ABCPs, und Repos und sind eine wichtige Finanzierungsquelle für Staaten, Unternehmen und Banken. Da-bei sind sie zum ersten Mal 1971 im Zuge der „Regulation Q“ entstanden, als Banken nur noch eingeschränkt Zinsen auf Bankeinlagen zahlen konnten.45 Somit stellten Geldmarktfonds eine attraktive Alternative zu Bankeinlagen dar, da sie typischerweise leicht höhere Renditen erzielt haben. 2008 haben die Geldmarktfonds weltweit ihren Höhepunkt und einen Wert in Höhe von 3,5 Billi-onen US-Dollar erreicht.46 Dabei ist zwischen Constant Net Asset Value-Fonds (CNAV) und Variable Net Asset Value-Fonds (VNAV) zu unterscheiden. Da weltweit rund 80 Prozent aller Geldmarktfonds CNAV-Fonds sind und diese auch während der Krise eine entscheidende Rolle gespielt haben, wird sich im weiteren Verlauf darauf konzentriert. Der Net Asset Value entspricht dem An-teilswert, also dem Preis pro Fondsanteil und wird berechnet als Differenz aus Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten des Fonds dividiert durch die Zahl der im Umlauf befindlichen Anteile. Dabei bewerten CNAV-Fonds ihre Vermögenswerte zu Anschaffungskosten und werden bei Fälligkeit immer zum Nennwert bewertet. So kann der Fonds den Wert pro Anteil bei 1 US-Dollar hal-ten. Dadurch entsteht für den Geldmarktfonds ein Risiko des Liquiditätsun-gleichgewichts, da mögliche Wertschwankungen nicht an die Investoren weiter-gegeben werden können.47 Wird das Vermögen zu Marktpreisen bewertet, so spricht man vom VNAV. In den USA muss ein Geldmarktfonds den konstanten Anteilswert jedoch reduzieren, sobald der zu aktuellen Marktpreisen berechnete Anteilswert beziehungsweise Nettoinventarwert die Grenze von 99,5 Cents un-terschreitet. Diese Entwicklung wird auch als „Break the Buck“ bezeichnet und wurde während der Finanzkrise durch die Wertverfälle bestimmter Assets aus-gelöst. Außerdem gewähren sogenannte „Sponsorbanken“ Kreditlinien, die ein „Break the Buck“ verhindern sollen.48

Hedge Fonds sind eine weitere Form von Investmentfonds, die zum Kreise der Schattenbanken zählen. Sie finanzieren sich typischerweise über einen soge-nannten „Prime Broker“, bei dem es sich um einen Wertpapierhändler handelt, der sich auf die Bedürfnisse von Hedge Fonds spezialisiert hat. Dazu zählt in erster Linie die Beschaffung von Fremdkapital, als auch der Handel und die Verwahrung von Wertpapieren. Somit arbeiten Hedge Fonds mit einem Levera­ge und leisten gegebenenfalls Liquiditätstransformation zwischen Finanzierung über den Prime Broker und den entsprechenden Vermögenswerten des Fonds.49 Hedge Fonds investieren unter Anwendung eines großen Verschul-dungshebels in strukturierte Wertpapiere, was eine hohe Rendite verspricht, aber auch große Risiken mit sich bringt, die im späteren Verlauf der Arbeit ge-nauer thematisiert werden.

2.2.2 Zweckgesellschaften

Eine Zweckgesellschaft, oder auch „Special Purpose Vehicle (SPV)“, ist ein au-ßerbilanzielles Vehikel, welches eine juristische Person darstellt, die für einen klar definierten Zweck von einem Sponsor gegründet wurde. Typischerweise handelt es sich bei diesem Sponsor um Investmentbanken oder Versiche-rungsgesellschaften. Dabei hat die Zweckgesellschaft in erster Linie das Ziel Verbriefungstransaktionen abzuwickeln, bei denen der vom sogenannten „Ori-ginator“ geschaffene Pool von Kreditforderungen gekauft und durch die Emissi­on strukturierter Finanzprodukte refinanziert wird. Der Originator ist das Unter-nehmen, das die Kreditforderungen schafft und letztendlich veräußert. Dann werden die Risiken des unterliegenden Pools getrennt und auf Investoren neu-verteilt. Zweckgesellschaften sind außerdem beliebte Vehikel, um Projekt- und Akquisitionsfinanzierungen durchzuführen.50 Darüber hinaus sind Zweckgesell-schaften insolvenzfern aufgestellt, da sie ausschließlich die Refinanzierung des übernommenen Assetpools zum Gegenstand haben und keine weiteren Risiken eingehen. Des Weiteren kommt es im Verbriefungsprozess zu einem Eigen-tumsübergang der Forderungen vom Originator auf die Zweckgesellschaft, so-mit würden die Forderungen im Falle der Insolvenz des Originators nicht zur Insolvenzmasse gehören und der Originator ist gegen Zugriffsrechte des Gläu-bigers abgesichert. Die Käufer der emittierten Wertpapiere haben nur Ansprü-che in Höhe der Forderungen aus dem Forderungspool und richten sich aus-schließlich gegen die Zweckgesellschaft, somit positioniert sie sich zwischen Originator und Gläubiger der Zahlungsströme der Kreditforderungen.51

An diesem Prozess der Kreditintermediation sind mehrere Zweckgesellschaften in Form von „Conduits“ und „Structured Investment Vehicles (SIV)“ beteiligt.52 Eine Conduit ist eine Zweckgesellschaft, die regelmäßig Forderungen unter-schiedlichster Art ankauft und sich über ABCP-Programme finanziert. Dabei wird zwischen „Single-Seller“ und „Multi-Seller Conduits“ unterschieden. Wäh-rend eine Single-Seller Conduit nur Forderungen eines Originators in einem Pool zusammenfasst, kaufen Multi-Seller Conduits die Forderungen verschie-dener Verkäufer, was den Vorteil hat, dass auch kleinere Unternehmen ihre Forderungen verkaufen können und dass durch das große Volumen des Pools die Transaktionskosten reduziert werden können. Dabei dominieren Multi-Seller Conduits den ABCP-Markt.53

2.2.3 Andere Finanzintermediäre

Daneben existieren weitere Finanzintermediäre wie zum Beispiel Versiche-rungsgesellschaften. Diese können entweder direkte Darlehen anbieten oder sich am Transfer von Liquidität und Kreditrisiken, durch Hypothekenkreditversi-cherungen, beteiligen. Darüber hinaus sind sie an den besicherten Refinanzie-rungsgeschäften, wie Repos und Wertpapierleihen beteiligt. Als weiterer Fi-nanzintermediär können sogenannte Finanzierungsgesellschaften betrachtet werden, welche sich auf die Vergabe von Konsumenten- und Investitionskredi-te, beispielsweise im Automobilbereich, spezialisiert haben. Auch an Factoring-und Leasinggeschäften sind diese Intermediäre beteiligt. Da sie sich nicht über Einlagen finanzieren können, finanzieren sich diese Gesellschaften hauptsäch-lich über den Kapitalmarkt oder sind auf Kreditlinien von Geschäftsbanken an-gewiesen.54 Außerdem gehören einige Treuhandgesellschaften, wie zum Bei-spiel „Real Estate Investment Trusts (REITs)“ zum System der Schattenbanken, die Investorengelder bündeln und in Anlagen wie Immobilien und Infrastruktur-projekte investieren. Treuhandgesellschaften arbeiten oft mit Leverage, wäh-rend REITs typischerweise mit einem besonders hohen Verschuldungsgrad zwischen 40 und 60 Prozent agieren.55 Sie bieten eine liquide und effiziente Anlagemöglichkeit im Immobilienbereich.

Ein weiterer wichtiger Akteur im Schattenbankensystem sind die sogenannten „Broker Dealer“, die stark vernetzte Intermediäre auf dem Finanzmarkt und meist Tochterunternehmen von großen Investmentbanken sind. Ihre Ge schäftsmodelle sind stark von kurzfristigen Repotransaktionen und kurzfristiger Refinanzierung auf dem Markt für institutionelle Anleger abhängig. Dabei täti-gen Broker Dealer Wertpapiertransaktionen entweder auf eigene Rechnung oder im Namen von Kunden wie Hedge Fonds oder anderen Investmentfonds.56

Nun werden die sogenannten „Government Sponsored Enterprises (GSE)“ et-was näher betrachtet, die den Ursprung des Schattenbankensystems, wie wir es heute kennen, darstellen und den Grundstein für das sogenannte „Originate-to-Distribute Modell“ gelegt haben, bei dem Forderungen an Zweckgesellschaf-ten weitergegeben werden und somit das klassische Bankkreditgeschäft mit modernen Formen des Vermögens- und Risikotransfers verbunden wird.57 Die drei größten GSEs sind „Ginnie Mae“, „Freddie Mac“ und „Fannie Mae“. Sie haben schon in den 1980er Jahren ihre Kredit- und Hypothekenportfolios in Wertpapiere verbrieft und diese dann auf dem Finanzmarkt angeboten.58

Als weiterer wichtiger Finanzintermediär des Schattenbankensektors sind die sogenannten „FinTechs“ zu nennen, die mit Hilfe des technologischen Fort-schritts und durch die Digitalisierung stark an Relevanz dazu gewonnen haben und in Zukunft immer weiter wachsen werden. Sie bieten digitale Beratungsan-gebote und sogenanntes „Crowdlending“ an, was den Kunden die Möglichkeit gibt ihr Vermögen außerhalb von Banken zu verwalten und Kredite untereinan-der zu vergeben. Durch die Übernahme von Finanzdienstleistungen entsteht ein Bereich, der außerhalb des Geschäftsbankensystems anzusiedeln ist und der nur geringen Regulierungen unterliegt, wodurch Innovationen und ein dy-namisches Wachstum ermöglicht werden. Allein in Deutschland nutzen über 20 Millionen Kunden den Bezahldienst PayPal und Kreditplattformen wie auxmo-ney, auf denen Privatpersonen Fremdkapital für bestimmte Kredite bereitstel-len. Darüber hinaus existieren Crowdfunding-Plattformen, wie Seedmatch, die es Anlegern ermöglichen außerhalb der Börse Unternehmensanteile zu erwer-ben.59

So hat Bill Gates 2000 mit dem Satz „Banking is necessary, banks are not“ schon prophezeit, dass das klassische Geschäftsbankensystem obsolet sei und im Zuge der Digitalisierung immer mehr verdrängt wird. Diese Behauptung wur-de durch Untersuchungen von McKinsey im April 2016 unterstützt, die in der Zukunft mit jährlichen Gewinneinbußen in Höhe von 7 Milliarden Euro bei deut-schen Banken rechnen, die ausschließlich auf die Digitalisierung zurückzufüh-ren sind. FinTech-Schattenbanken sind in den letzten Jahren immer stärker gewachsen. Die Gründe dafür sind zum einen die durch Innovationen gewon-nene Qualität der von ihnen angebotenen Produkte, die sich von denen der klassischen Finanzintermediäre absetzen und die deutlich geringeren Transak-tionskosten. Außerdem spielt der Convenience-Gedanke eine wichtige Rolle. 60

2.3 Instrumente des Schattenbankensystems

Das Schattenbankensystem beinhaltet eine Reihe von verschiedenen Instru-menten, deren Folgen vor allem während der Finanzkrise zum Vorschein ge-kommen sind. Dabei ist zu beachten, dass der Schattenbankensektor für viele Innovationen auf dem Finanzmarkt, wie zum Beispiel Verbriefungen oder Crowdfunding, verantwortlich ist. Im Folgenden wird der Fokus auf die Re­purchase Agreements und Verbriefungen gelegt. Andere Instrumente wie das Crowdfunding werden zum Schluss dieses Kapitels erläutert.

2.3.1 Repurchase Agreements

Bei den Repurchase Agreements, oder auch Repos, handelt es sich um Geld-marktinstrumente, die vor allem stark von Schattenbanken aber auch Banken zur Refinanzierung genutzt werden. Dabei kommt es zu einer befristeten Über-lassung von Wertpapieren im Austausch von Liquidität. Für die Schattenbanken handelt es sich hierbei um eines der wichtigsten Instrumente zur Geldbeschaf-fung, aber auch Kreditgewährung.61

Repos stellen weltweit eine Hauptrefinanzierungsquelle für Schattenbanken und andere Institutionen dar, werden aber beispielsweise auch von den Zent-ralbanken im Rahmen der Offenmarktpolitik genutzt, um den Geschäftsbanken-sektor mit Liquidität zu versorgen. Abbildung 2 verdeutlicht , dass Repogeschäf-te zweiseitige Transaktionen sind, die einen mit Wertpapieren besicherten Kre-dit darstellen. So transferiert der „Pensionsgeber“ festverzinsliche Wertpapiere oder Aktien gegen Zahlung des vereinbarten Geldbetrags auf die andere Partei, den sogenannten „Pensionsnehmer“. Danach muss der Pensionsgeber die Wertpapiere zum selben Preis zurückkaufen. Das heißt er geht bei Abschluss des Geschäfts eine Rückkaufverpflichtung ein. Zusätzlich zahlt er einen Auf-schlag, die sogenannte „Repo-Rate“. Dabei kann der Zeitpunkt des Rückkaufs entweder zu Beginn oder auf offener Basis festgelegt werden.62 Man spricht dann von einer fixen oder offenen Laufzeit. Aus Sicht des Pensionsnehmers wird von einem „Reverse-Repo“ gesprochen.63

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Struktur bilateraler Repurchase Agreements (Quelle: Schindler, C./ Hindelang, M., Pra-xishandbuch Repos und Wertpapierdarlehen, 2016, S. 79)

[...]


1 Vgl. Kodres, L. E., 2013, IMF: Finance & Development, S. 42

2 Vgl. Valdez, S./ Molyneux, P., An Introduction to Global Financial Markets, 2013, S. 284

3 Vgl. Comotto, R., 2012, ICMA: Shadow Banking and Repo, S. 6

4 Vgl. Europäische Kommission, Grünbuch Schattenbanken, 2012, S. 2

5 Vgl. Michler, A. F., Ansätze zur Regulierung des Schattenbankensektors, 2015, S. 146

6 Vgl. FSB, Global Shadow Banking Monitoring Report 2016, 2017, S. 4

7 Vgl. FSB, Global Shadow Banking Monitoring Report 2016, 2017, S. 3

8 Vgl. BaFin, Stichwort: Versicherer und Pensionsfonds

9 Vgl. BaFin, Stichwort: Versicherer und Pensionsfonds

10 Vgl. Weber, W./ Kabst, R., Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 2006, S. 142-144

11 Vgl. Spremann, K./ Gantenbein, P., Finanzmärkte, 2017, S. 15

12 Vgl. Levinson, M.; Guide to Financial Markets, 2014, S. 2

13 Vgl. Spremann, K./ Gantenbein, P., Finanzmärkte, 2017, S. 15

14 Vgl. Gischer, H./ Herz, B./ Menkhoff, L., Geld, Kredit und Banken, 2012, S.5

15 Vgl. Turner, A., Shadow Banking and Financial Instability, 2012, S. 5

16 Vgl. Gischer, H./ Herz, B./ Menkhoff, L., Geld, Kredit und Banken, 2012, S. 33

17 Vgl. Weber, W./ Kabst, R., Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 2006, S. 142

18 Vgl. Perridon, L./Steiner, M., Finanzwirtschaft der Unternehmung, 2007, S. 149

19 Vgl. Weber, M., So funktioniert der Geldmarkt, 2013, S. 33

20 Vgl. Estola, M., Newtonian Microeconomics, 2017, S. 332

21 Vgl. Perridon, L./Steiner, M., Finanzwirtschaft der Unternehmung, 2007, S. 159

22 Vgl. Perridon, L./Steiner, M., Finanzwirtschaft der Unternehmung, 2007, S. 149

23 Vgl. Sperber, H., Finanzmärkte, 2014, S. 18

24 Vgl. Estola, M., Newtonian Microeconomics, 2017, S. 331

25 Vgl. Estola, M., Newtonian Microeconomics, 2017, S. 329

26 Vgl. FSB, Shadow Banking: Strengthening Oversight and Regulation, 2011, S. 3

27 Vgl. Rudolph, B; Funktionen, Risiken und Regulierung von Schattenbanken, 2012, S. 848

28 Vgl. Europäische Kommission, Grünbuch Schattenbanken, 2012, S. 4

29 Vgl. Europäische Kommission, Grünbuch Schattenbanken, 2012, S. 4

30 Vgl. Europäische Kommission, Grünbuch Schattenbanken, 2012, S. 4

31 Vgl. Claessens, S., Ratnovski, L., What Is Shadow Banking?, 2014. S. 4

32 Vgl. Girasa, R. J., Shadow Banking, 2016, S. 49

33 Vgl. Pozsar, Z./ Adrian, T./ Ashcraft, A./ Boesky, H, Shadow Banking, 2010, S. 5

34 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Schattenbankensystem im Euro-Raum, 2014, S. 19

35 Vgl. Adrian, T./ Shin, H. S., Money, Liquidity, and Monetary Policy, 2009, S. 1

36 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Schattenbankensystem im Euro-Raum, 2014, S. 19

37 Vgl. Valckx, N., Shadow Banking Around The Globe, 2014, S. 66

38 Vgl. Turner, A., Shadow Banking and Financial Instability, 2012, S. 5

39 Vgl. Michler, A. F., Ansätze zur Regulierung des Schattenbankensektors, 2015, S. 150

40 Vgl. Theobald, T./ Tober, S./ List, E., Schattenbanken gefährden das Finanzsystem, 2015, S. 3

41 Vgl. FSB, Global Shadow Banking Monitoring Report 2016, 2017, S. 3

42 Vgl. Preece, R./ Moersch, M., Schattenbanken, 2015, S. 24-25

43 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Schattenbankensystem im Euro-Raum, 2014, S. 18

44 Vgl. Michler, A. F., Ansätze zur Regulierung des Schattenbankensektors, 2015, S. 148

45 Vgl. Michler, A. F., Ansätze zur Regulierung des Schattenbankensektors, 2015, S. 150

46 Vgl. Adrian, T./ Ashcraft, A. B., Shadow Banking: A Review of the Literature, 2016 , S. 290

47 Vgl. Preece, R./ Moersch, M., Schattenbanken, 2015, S. 24

48 Vgl. Mai, H., Geldmarktfonds, 2015, S. 5

49 Vgl. Preece, R./ Moersch, M., Schattenbanken, 2015, S. 25

50 Vgl. Gosrani, N./ Gray, A., The next chapter, 2011, S. 5

51 Vgl. Rudolph, B./ Hofmann, B./ Schaber, A./ Schäfer, K. Kreditrisikotransfer, 2012, S. 51

52 Vgl. Lemma, V., The Shadow Banking System, 2016, S.62

53 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Schattenbankensystem im Euro-Raum, 2014, S. 18

54 Vgl. Deutsche Bundesbank, Das Schattenbankensystem im Euro-Raum, 2014, S. 18

55 Vgl. FSB, Global Shadow Banking Monitoring Report 2014, S. 16

56 Vgl. Preece, R./ Moersch, M., Schattenbanken, 2015, S. 34

57 Vgl. Deutsche Bundesbank, Glossar, Stichwort, Originate-to-Distribute-Geschäftsmodell

58 Vgl. Adrian, T./ Ashcraft, A. B., Shadow Banking: A Review of the Literature, 2016 , S. 300

59 Vgl. Paul, S., Neue Finanztechnologien, 2016, S. 631

60 Vgl. Buchak, G./ Matvos, G./ Piskorski, T./ Seru, A., Fintech, Regulatory Arbitrage, and the Rise of Shadow Banks, 2017, S. 2

61 Vgl. Comotto, R., 2012, ICMA: Shadow Banking and Repo, S. 2

62 Vgl. Schindler, C./ Hindelang, M., Praxishandbuch Repos und Wertpapierdarlehen, 2016, S. 78

63 Vgl. Euroclear Bank, Comotto, R., Understanding repos and the repo markets, Brüssel, 2009, S. 7

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Funktionen und Risiken von Schattenbanken
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
73
Katalognummer
V889249
ISBN (eBook)
9783346212023
ISBN (Buch)
9783346212030
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionen, risiken, schattenbanken
Arbeit zitieren
Philipp Strauch (Autor), 2017, Funktionen und Risiken von Schattenbanken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889249

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