Wertorientierte Unternehmenssteuerung in der Praxis. Ein kriteriengeleiteter Vergleich


Diplomarbeit, 2019

53 Seiten, Note: 1,1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen
2.1 Begriff der „Kennzahl“
2.2 Funktionen und Aufgaben von Kennzahlen
2.2.1 Funktionen von Kennzahlen
2.2.2 Aufgaben von Kennzahlen
2.3 Arten von Kennzahlen
2.4 Auswahl traditioneller Kennzahlen

3 Finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme
3.1 Definition und Funktionen von Kennzahlensystemen
3.2 Anforderungen und Klassifizierung von Kennzahlensystemen
3.3 Ausgewählte finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme
3.3.1 Du-Pont-Kennzahlensystem
3.3.2 ZVEI-Kennzahlensystem
3.3.3 RL-Kennzahlensystem

4 Wertorientierte Kennzahlenkonzepte
4.1 Cashflow-basierte retrospektive Kennzahlen
4.1.1 CFROI (Cash Flow Return on Investment)
4.1.2 CVA (Cash Value Added)
4.2 Ergebnisbasierte retrospektive Kennzahlen
4.2.1 EVA-Konzept (Economic Value Added)
4.3 Cashflow-basierte prospektive Kennzahlen
4.3.1 DCF-Ansatz (Discounted Cash Flow)

5 Vergleich ausgewählter wertorientierter Kennzahlenkonzepte
5.1 Methodik
5.2 Eignung der Kennzahlenkonzepte anhand des Kriterienkatalogs
5.2.1 Ermittlungsaufwand
5.2.2 Zukunftsorientierung
5.2.3 Manipulations- und Fehleinschätzungsmöglichkeiten
5.2.4 Kommunizierbarkeit
5.2.5 Implementierbarkeit
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.4 Entwicklung der wertorientierten Unternehmensführung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anforderungskatalog für Kennzahlen

Abbildung 2: Kennzahlenarten

Abbildung 3: Kennzahlensysteme

Abbildung 4: Du-Pont-Kennzahlensystem

Abbildung 5: ZVEI-Kennzahlensystem

Abbildung 6: Unterschiedliche Verfahren zur DCF-Ermittlung

Abbildung 7: Gegenüberstellung wertorientierter Führungsgrößen

Formelverzeichnis

Formel 1: Return on Sales

Formel 2: Return on Net Assets

Formel 3: ROCE (Return on Capital Employed)

Formel 4: Return on Investment (ROI)

Formel 5: Ermittlung des Cash Flow ROI

Formel 6: Berechnung des Cash Value Added nach der Value-Spread-Formel

Formel 7: Ermittlung EVA nach der Capital-Charge-Formel

Formel 8: Ermittlung EVA nach der Value-Spread-Formel

Formel 9: Ermittlung des Unternehmenswerts nach dem Equity-Ansatz

Formel 10: Formel zur Berechnung des WACC

1 Einleitung

1.1 Relevanz der Thematik

Im Zuge einer zunehmend schnelllebigen Umwelt und der Internationalisierung der Kapitalmärkte ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen auf eine kennzahlenbasierte, wertorientierte Unternehmensführung setzen. Insbesondere Aktiengesellschaften sehen sich einem permanenten Wettbewerb um Beteiligungskapital auf den Kapitalmärkten ausgesetzt. Früh haben Aktiengesellschaften erkannt, dass die Unternehmensführung den Unternehmenserfolg über traditionelle Kennzahlen nur bedingt ausdrücken kann. Als Nachteil traditioneller Kennzahlen wird in der Literatur die Nichtberücksichtigung der Kapitalkosten angeführt. Besonders auf den globalisierten Kapitalmärkten, wo Anleger die freie Auswahl bei ihrer Kapitalanlage haben und dort anlegen, wo sie den meisten Nutzen für sich sehen, ist die Bewertung der Kapitalkosten von entscheidender Relevanz. Sowohl die Unternehmen als auch die Kapitalgeber verfolgen ein gemeinsames Ziel in Form einer dauerhaften und nachhaltigeren Steigerung des Unternehmenswerts. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Grundidee des Shareholder Value an. Dieses Grundmodell geht auf die Veröffentlichung von Rappaports „Corporate Performance Standards and Shareholder Value“ zurück. Sowohl in der Literatur als auch in der Praxis entstanden im Laufe der Zeit unterschiedliche Konzepte der wertorientierten Unternehmensführung, wie beispielsweise bei den DAX-Unternehmen Daimler oder Lufthansa.1 Trotz der weitverbreiteten Anwendung dieser Konzepte steht man vor der Problematik, dass es weiterhin keine Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage wertorientierter Kennzahlen gibt – eine Vereinheitlichung wäre ein entscheidender Schritt zu mehr Vergleichbarkeit und einer besseren Kommunizierbarkeit.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Um dem Leser den Einstieg in die Thematik der wertorientierten Unternehmensführung zu erleichtern, wird in Kapitel 2 zunächst der allgemeine Begriff der Kennzahl definiert und anschließend erläutert, welche Arten von Kennzahlen auftreten können und welche Funktionen und Aufgaben diese im Allgemeinen zu erfüllen haben. Bereits hier wird dem Leser eine kleine Auswahl traditioneller Kennzahlen vorgestellt. Deren Unzulänglichkeiten dienen als Basis für die Diskussion um die Einführung wertorientierter Kennzahlen. Kapitel 3 widmet sich der Vorstellung von Kennzahlensystemen. Den Abschluss des theoretischen Teils dieser Arbeit bildet die Darstellung der wichtigsten wertorientierten Kennzahlenkonzepte.

Die Vorstellung der ausgewählten Konzepte legt den Grundstein für den anschließenden praktischen Teil dieser Arbeit: den Vergleich der Konzepte anhand eines Fünf-Punkte-Kriterienkatalogs. Die Ergebnisse dieses Vergleichs werden am Ende dieses Abschnitts nochmals übersichtlich für den Leser zusammengefasst. Ein Ausblick auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der wertorientierten Unternehmensführung rundet die Arbeit ab.

Ziel dieser Arbeit ist es, durch den Vergleich der Kennzahlenkonzepte anhand ausgewählter Kriterien dem Leser einen Einblick in die Vergleichbarkeit solcher Kennzahlenkonzepte zu gewähren und eine Entscheidungshilfe zu schaffen, indem dargelegt wird, welche Anforderungen an ein Unternehmen bei der Implementierung der Kennzahl gestellt werden.

2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen

2.1 Begriff der „Kennzahl“

Der Begriff der Kennzahl wurde in der Vergangenheit in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht immer einheitlich definiert. Der heutige, allgemein akzeptierte Kennzahlenbegriff durchlief eine vielseitige Entwicklung.

Am Anfang waren Kennzahlen lediglich ein reines Hilfsmittel der Analyse, um die Wirtschaftlichkeit bzw. finanzielle Sicherheit eines Unternehmens darzustellen. Die Kennzahl ist eine bewusste Informationsverdichtung. Sie stellt die immer größer werdende Komplexität der unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Tatbestände kurz und knapp in einer Ziffer dar, um den verschiedenen Entscheidungsträgern innerhalb des Betriebs eine möglichst effektive und effiziente Entscheidung zum Wohle der Unternehmung zu ermöglichen.2 Reichmann bezeichnet Kennzahlen „als jene Zahlen, die quantitativ erfassbare Sachverhalte in konzentrierter Form erfassen“.3 Im nachfolgenden Kapitel werden die Funktionen und Aufgaben von Kennzahlen erläutert.

2.2 Funktionen und Aufgaben von Kennzahlen

2.2.1 Funktionen von Kennzahlen

Nachdem der Begriff der Kennzahl hinreichend definiert wurde, stellt sich die Frage, welche Funktionen bzw. Anforderungen eine Kennzahl erfüllen muss. Im Folgenden werden die fünf wichtigsten Funktionen einer Kennzahl erläutert.4

Die erste Funktion einer Kennzahl ist die Anregungsfunktion. Das bedeutet, dass Anwender aufgrund der regelmäßigen Erfassung von Kennzahlen jederzeit auf Veränderungen und Auffälligkeiten (z. B. Standzeiten von Maschinen pro Tag oder Auftragseingang pro Tag) reagieren können.

Dem Setzen von finanziellen Zielen (Rentabilitätsziel, Liquiditätsziel) des Gesamtunternehmens oder bestimmten einzelnen Zielvorgaben (z. B. Umsatzsteigerung einer bestimmten Abteilung) innerhalb einzelner Unternehmensteile schließt sich die Messung jener Kennzahlen an. Somit muss die Kennzahl die wichtige Funktion der Operationalisierung aufweisen.

Mit der Verwendung der Kennzahl als Instrument der Vorgabe kritischer Zielwerte hat diese eine weitere Funktion: die Vorgabefunktion. Die Vorgabe von Zielwerten soll Zielsetzungen für die unternehmerischen Teilbereiche liefern.

Die Kennzahl als Funktion der Steuerung ist besonders wichtig, da – wie in der Definition des Kennzahlenbegriffs laut Reichmann bereits erwähnt – die Kennzahl die Eigenschaft besitzt, quantifizierbar erfassbare Sachverhalte in konzentrierter Form wiederzugeben. Somit können komplexe Steuerungsprozesse durch Bildung einer oder mehrerer Kennzahlen vereinfacht werden.

Als letzte der fünf Funktionen einer Kennzahl ist die Kontrollfunktion zu nennen. Kennzahlen ermöglichen es, mit dieser Funktion entsprechende Soll-Ist-Vergleiche vorzunehmen und im Anschluss Abweichungsanalysen durchzuführen, um dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten

2.2.2 Aufgaben von Kennzahlen

Die Integration einer Kennzahl in ein ganzheitliches Kennzahlensystem (Erläuterungen siehe Kapitel 3) ist laut Preißler mit gewissen Anforderungen verbunden, die im Folgenenden näher erläutert werden.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anforderungskatalog für Kennzahlen6

Die wichtigste Anforderung, die eine Kennzahl erfüllen sollte, ist es, einen direkten Bezug von Erfolgsfaktoren einerseits und den von der Unternehmensführung ausgegebenen Zielen andererseits herzustellen.7 In einigen Unternehmen ist häufig zu beobachten, dass diese Prämisse missachtet und die jeweiligen Ziele und Erfolgsfaktoren unabhängig voneinander festgelegt werden.

Die Aktualität einer Kennzahl ist für die Entscheidungsträger zumeist von essenzieller Bedeutung. Daraus ergibt sich das wesentliche Grundproblem der Implementierung einer Kennzahl, da die meisten Kennzahlen vergangenheitsorientiert sind (z. B. Analyse über einen gewissen Zeitraum) und die Analyse eines solchen Zeitraums oft nur zurückliegende Perioden berücksichtigt. Insofern sollten Kennzahlen in der Lage sein, sich ihrem ständig im Wandel befindlichen Umfeld anzupassen. Nur auf diesem Wege kann vermieden werden, dass überholte Kennzahlen, die oftmals zu Fehlentscheidungen führen, in der Praxis zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich wird davon abgeraten, eine Vielzahl an Kennzahlen zu generieren, wenn für die Erstellung die Kosten höher sind als der Informationsvorteil, den man mit der Kennzahl erzielt. Somit besteht eine wesentliche Anforderung einer Kennzahl darin, das ökonomische Prinzip einzuhalten.8 Zur Vermeidung von sog. „Kennzahlenfriedhöfen“ sollte im Vorfeld eine Selektion derjenigen Kennzahlen erfolgen, die nach Unternehmensansicht die wichtigsten für den weiteren Entscheidungsprozess darstellen. Dabei entscheidet nicht die Quantität, sondern die Qualität der Kennzahlen über Erfolg und Misserfolg. Den Kennzahlen sollte daher eine eindeutige Definition zugrunde liegen, damit sie nachvollziehbar und korrekt interpretiert werden können. Die richtige Interpretation gestaltet sich mitunter schwierig, da zeitpunktbezogene bzw. vergangenheitsorientierte Kennzahlen lediglich die Situation zum untersuchten Zeitpunkt widerspiegeln – dabei könnte sich die Ausgangssituation bereits verändert haben.

Eine weitere zentrale Aufgabe einer Kennzahl besteht darin, den entsprechenden Sachverhalt zu messen, um die Eigenschaft der Validität zu gewährleisten. Neben der Definition der Kennzahl ist es fundamental, dass bei der Berechnung der Kennzahl eine einheitliche Bezugsgrundlage vorliegt. Abweichende Bezugsgrundlagen führen dazu, dass die Funktion der Vergleichbarkeit verloren geht. Damit die Adressaten der Kennzahlen nicht aufgrund der Informationsflut den Überblick verlieren, ist eine übersichtliche Darstellung der relevanten Tatbestände entscheidend. Eine Kennzahl ist in erster Linie nur so gut wie die Qualität der Ausgangstatbestände.9 Wichtig ist es daher, die erarbeiteten Kennzahlen stetig zu hinterfragen, um eine unzureichende Glaubwürdigkeit aufgrund falscher Informationsbasen zu vermeiden. Denn Kennzahlen können sehr leicht manipulierbar sein. Deshalb sollte bereits bei der Auswahl der Daten darauf geachtet werden, dass diese richtig und für die Kennzahlenbildung grundsätzlich geeignet sind. Benutzerfreundlichkeit (d. h., die Anwender sollten ohne größeren Aufwand an die Informationen gelangen) und Flexibilität des direkten Datenzugriffs stehen im Vordergrund der Betrachtung. Interne und externe Daten müssen verknüpfbar, selektierbar sowie verdichtbar und auf ein einheitliches Informationssystem zurückführbar sein. Kennzahlen unterstehen dem Prinzip der einheitlichen Erfassung und sollten sich von der Unternehmensspitze bis hin zu den einzelnen hierarchisch untergeordneten Unternehmensteilen ziehen. Die isolierte Betrachtung einer Kennzahl allein für den Teilbereich eines Unternehmens sollte vermieden werden. Wird die Kennzahl hingegen funktionsübergreifend betrachtet, ist deren Aussagefähigkeit sichergestellt.

Eine weitere wichtige Funktion von Kennzahlen ist die sog. Frühwarnung. Kennzahlen sollten in ihrem Aufbau so konzipiert sein, dass sie dem Entscheidungsträger eine frühzeitige Informationsbasis liefern, um auf Risikofaktoren innerhalb des Unternehmens reagieren zu können. Um eine solche Indikatorfunktion einzunehmen, ist es deshalb zuerst einmal notwendig, entsprechende Sollwerte als Warnungsgrenze zu definieren. Im Zeitalter des Internets und der Möglichkeit von Cyberangriffen sollte die Sicherheit einer Kennzahl stets gewährleistet sein. Innerhalb der Unternehmen sollte es gewisse Zugangsregeln geben, d. h., nur einem ausgewählten Personenkreis darf es gestattet sein, diese Kennzahl zu verändern, wenn es die Umstände erforderlich machen. Die Kennzahlen sollten daher zentral nachhaltbar sein, um das Risiko der Manipulation zu minimieren.

Jede Kennzahl ist in ihren Funktionen begrenzt, da sie nur zahlenmäßig erfassbare Tatbestände abbilden kann. Für ein Unternehmen in der heutigen Zeit sind allein die zahlenmäßig erfassbaren Tatbestände im Hinblick auf eine erfolgreiche Unternehmensführung nicht mehr ausreichend. Insofern sollte das Spektrum der Informationen auch um nicht quantifizierbare Daten erweitert werden. In der Praxis kommt es allerdings sehr häufig vor, dass sich die Entscheidungsträger allein von den quantifizierbaren Daten leiten lassen, ohne die qualitativen Informationen miteinzubeziehen.

2.3 Arten von Kennzahlen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kennzahlenarten10

Nachdem die entsprechenden Funktionen von Kennzahlen näher erläutert wurden, legt der folgende Absatz den Fokus auf die Typologie von Kennzahlen. In Abbildung 2 wird die typische Aufteilung der verschiedenen Arten von Kennzahlen dargestellt. Im Allgemeinen können Kennzahlen in absolute- und Verhältniskennzahlen unterteilt werden.11

Absolute Kennzahlen können einerseits direkt als Einzelwerte (z.B. Anlagebestand oder Mitarbeiterzahl), andererseits indirekt über Summenbildung, Differenzen oder durch die Bildung von Mittelwerten dargestellt werden.12 Einige Autoren sind der Auffassung, dass absolute Zahlen für sich genommen ohne Vergleich mit anderen Zahlen kaum Aussagekraft besitzen und daher noch nicht zu den Kennzahlen gezählt werden können.13 Unternehmen benötigen nicht nur ein Bündel zusammenhangsloser Zahlen; vielmehr sollten diese Zahlen im Kontext zu anderen Kennzahlen stehen, damit die Wirkungsweisen der einzelnen Kennzahlen verdeutlicht werden können.

Relative Kennzahlen sind von vornherein auf einen Vergleich mit anderen Zahlen ausgerichtet. Relative Kennzahlen können in drei unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden.14

- Gliederungszahlen: Gliederungszahlen sind Ausdruck von Anteilverhältnissen einer Größe zur Gesamtmenge. Zähler und Nenner weisen einen sachlichen Zusammenhang auf und werden in der gleichen Dimension ausgedrückt, um das Gewicht der Zahlgröße besser abschätzen zu können. Ein Beispiel für eine Gliederungszahl ist die Anlageintensität, die sich aus der Relation zwischen Anlagevermögen (dem Geschäftsbetrieb dauernd zur Verfügung gestelltes Vermögen) und Gesamtvermögen (Anlage + Umlaufvermögen) ergibt.
- Beziehungszahlen: Bei Beziehungszahlen werden verschiedenartige Größen ins Verhältnis gesetzt. Wie bei den Gliederungszahlen haben auch die beiden unterschiedlichen Größen einen sachlichen Zusammenhang aufzuweisen. Die Eigenkapitalrentabilität ist das beste Beispiel für eine Beziehungszahl; diese drückt die Verhältnismäßigkeit zwischen Gewinn und Eigenkapital aus.
- Indexzahlen: Indexzahlen setzen im Gegensatz zu den o. g. Beziehungszahlen gleichartige Größen ins Verhältnis. Indexzahlen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten bzw. an unterschiedlichen Orten gemessen. Um eine solche Indexzahl ermittelbar zu machen, muss von einem Basiswert ausgegangen werden. Wesentliche Eigenschaft dieses Grundwerts sollte sein, dass es im Jahr dieses Referenzwerts zu keinem besonderen, das Jahr verändernden Einfluss gekommen ist. Nur auf diese Weise kann die Vergleichbarkeit mit den ermittelten Werten sichergestellt werden. Die bekanntesten Arten von Indexzahlen sind Lohn- und Preisindizes.

2.4 Auswahl traditioneller Kennzahlen

Basierend auf den o. g. Erläuterungen hinsichtlich der Definitionsgrundlagen des Kennzahlenbegriffs sowie der Aufgaben und Funktionen von Kennzahlen widmet sich der folgende Absatz der Vorstellung einiger der bekanntesten traditionellen Kennzahlen.15

Die Ertragslage eines Unternehmens ist sowohl aus Sicht der Eigenkapitalgeber als auch aus der Perspektive der Fremdkapitalgeber von eminenter Wichtigkeit. Ein Unternehmen mit positiver Ertragslage ist zukunftsfähig und sichert somit auch die Rendite der Eigenkapitalgeber. Für die Fremdkapitalgeber reduziert sich bei einer positiven Ertragslage das Kreditausfallrisiko. Die relevantesten Ergebniskennzahlen haben ihren Ursprung in der angloamerikanischen Rechnungslegung. Informationsbasis der folgenden Kennzahlen sind Größen aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie ergänzende Bilanzgrößen.

EBT (Earnings before Taxes), im deutschsprachigen Raum als „Ertrag vor Steuern“ bekannt, gehören zur Kennzahlenfamilie der „Pro-Forma-Kennzahlen“.16 Diese aus dem Angloamerikanischen kommenden Messgrößen der Ertragslage richten sich nach den gängigen internationalen Rechnungslegungsregeln IAS/IFRS (International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards). Ermittelt werden die EBT aus dem in der GuV errechneten Jahresergebnis. Um den Vor-Steuer-Charakter aufrechtzuerhalten, wird das ermittelte Jahresergebnis um die Steuerzahlung korrigiert. In der Praxis wird bei der EBT-Ermittlung allerdings bereits eine Korrektur um das außerordentliche Ergebnis durchgeführt.17

EBIT (Earnings before Interest and Taxes) ist eine weitere Kennzahl aus der „Pro-Forma“-Kennzahlenfamilie. Um die Kennzahl EBIT zu ermitteln, wird die oben beschriebene EBT-Kennzahl nochmals um Zinsaufwände korrigiert. Ergebnis dieser Ermittlung ist das Betriebsergebnis, das unabhängig von regionalen bzw. unterschiedlich auftretenden Finanzierungsformen ist und somit als Vergleichsgröße internationaler Unternehmen herangezogen werden kann. Als wichtige Messgröße dient die EBIT-Marge in Prozent (EBIT/Umsatz *100) – diese verdeutlicht, wie hoch das operative Ergebnis im Verhältnis zum Jahresumsatz ist. Somit ist die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens besser, je höher die EBIT-Marge ist. Nachteil ist, dass sich diese Art der Messgröße nicht für eine branchenübergreifende Analyse eignet.

EBITDA ist die Abkürzung für „ Earnings before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation“ und die letzte Entwicklungsstufe der „Pro-Forma“-Kennzahlen.

EBITDA enthalten basierend auf den EBIT zusätzlich die Abschreibungen auf Sachanlagen sowie das immaterielle Anlagevermögen inkl. des derivaten Goodwill. Für Coenenberg (2018) stellen sich unter Eliminierung der zahlungswirksamen Aufwendungen die EBITDA als eine Approximation für eine ertragsorientierte Cashflow-Ziffer dar. 18 Durch die Eliminierung der planmäßigen Abschreibungen wird das Ziel verfolgt, den Einfluss der unterschiedlichen Abschreibungsmethoden oder unterschiedlich hoher Leasingraten auf das Ergebnis auszublenden.

Die Ermittlung des Jahresüberschusses hin zum EBITDA soll im Folgenden dargestellt werden: 19

Jahresüberschuss

± Außergewöhnliche Ergebniseffekte

± Ertragssteuern

= EBT

+ Zinsaufwand

= EBIT

+ Abschreibungen auf Sachanlagevermögen

+ Abschreibungen auf immaterielles Anlagevermögen inkl. derivativen Goodwill

= EBITDA

Die starke Zunahme von Earnings-before-Kennzahlen 20 schränkt sowohl die Vergleichbarkeit für externe Interessenten als auch die Übersichtlichkeit deutlich ein. In der Literatur sowie in der Praxis existiert derzeit keine einheitliche Vorgehensweise zur Berechnung von EBIT-Kennzahlen. Durch den unterschiedlichen Umfang der auszuschließenden Komponenten erschwert dies sowohl zwischenbetriebliche als auch intertemporäre Vergleiche. 21

Die zweite Kennzahlenfamilie zur Darstellung der Ertragslage eines Unternehmens sind die Rentabilitätskennzahlen. Diese Art von Kennzahlen ermöglicht einen Vergleich von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Struktur. Im Folgenden werden die wichtigsten Rentabilitätskennzahlen vorgestellt: 22

Die Umsatzrentabilität, im Englischen als Return on Sales (ROS) bezeichnet, kann mit folgender Formel ermittelt werden:

Formel 1: Return on Sales23

Diese Kennzahl beantwortet die essenzielle Frage: Wie viel Gewinn wird mit dem Umsatz des Unternehmens erwirtschaftet? Der ROS zeigt dem Unternehmen, wie gut es seine Produkte am Markt verkaufen kann, und lässt Rückschlüsse auf die Stellung des Unternehmens am Markt zu. Gleichzeitig dient die Umsatzrentabilität als Vergleichsgröße sowohl unternehmensintern (z. B. zwischen verschiedenen Filialen) als auch zwischenbetrieblich (z. B. anhand von Durchschnittswerten der Branche).

Die Kennzahl RONA (Return on Net Assets) stellt die Rendite für das eingesetzte bereinigte Kapital dar. Als Basis für die Ermittlung werden im Regelfall als Zählergröße die EBIT verwendet. Alternativ wird im Zähler der NOPAT für die Ermittlung des RONA angewendet. 24 Der NOPAT ( Net Operating Profit after Tax) stellt den Gewinn des Unternehmens bei reiner Eigenfinanzierung dar und ist somit von jeglichen Finanzierungsformen unabhängig.

Formel 2: Return on Net Assets25

Der Return on Capital Employed ( ROCE ) ist eine Weiterentwicklung der Gesamtrentabilität ( ROA = Return on Assets). Dieser bezeichnet die Rentabilität auf das im Unternehmen eingesetzte und genutzte Kapital.

Formel 3: ROCE (Return on Capital Employed)26

Bei der Ermittlung der vergangenheitsorientierten (retrospektiven) Kennzahl ROCE wird im Nenner nicht auf das Gesamtkapital gesetzt, sondern auf das eingesetzte Kapital, das sog. Capital Employed (CE). Das Capital Employed ist der Wert des Gesamtkapitals abzgl. der sog. „nicht zinsträgigen Verbindlichkeiten“ (z. B. Kundenanzahlungen oder passive Rechnungsabgrenzungsposten). Als Zähler werden wie bei der Kennzahl RONA i. d. R. die EBIT (Earnings before Interest and Taxes) eines Unternehmens herangezogen. Alternativ zu den EBIT wird auch der Net Operating Profit after Taxes (NOPAT) als Ergebnisgröße genutzt.

Die bedeutendste Rentabilitätskennzahl ist die Kapitalrentabilität, der sog. ROI (Return on Investment). Auf dieser Kennzahl basierend wurde das Du-Pont-Kennzahlensystem (siehe 3.3.1 ) entwickelt.

Formel 4: Return on Investment (ROI)27

Der ROI gilt als Messgröße der Verzinsung des betriebsbedingten Gesamtkapitals bezogen auf das Betriebsergebnis und ist laut Reichmann ein Indikator für nachhaltige Ertragskraft eines Unternehmens.28 In der Unternehmenspraxis findet der ROI besonders in der Vergleichbarkeit von Investment-Centern Anwendung. Doch es wird auch Kritik am Return on Investment geübt: Durch erhöhte Aufwendungen im Bereich der Forschung und Entwicklung (F & E) vermindert sich dieser, und somit besteht die Gefahr, dass auf eine Investition mit geringem ROI verzichtet wird. Aufwendungen im Bereich F & E können gleichzeitig aber zum Erhalt oder Ausbau von Unternehmensvorteilen gegenüber der Konkurrenz am Markt dienen und sollten daher in die Betrachtung stets einfließen.

3 Finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme

3.1 Definition und Funktionen von Kennzahlensystemen

Für die Beurteilung wirtschaftlicher Sachverhalte wird eine Vielzahl an Kennzahlen benötigt und ermittelt. Hinsichtlich der Übersichtlichkeit ist es für ein Unternehmen unerlässlich, die verschiedenen Kennzahlen in eine Ordnung zu bringen. Ein Kennzahlensystem vereint die als wichtig erachteten Größen und bündelt diese, um deren Beziehung zueinander darzustellen.

In der Literatur hat sich im Allgemeinen folgende Begriffsdefinition durchgesetzt:

„Unter Kennzahlensystem wird im Allgemeinen eine Zusammenstellung von Kennzahlen verstanden, wobei die einzelnen Kennzahlen in einer sachlich sinnvollen Beziehung zueinander stehen, einander ergänzen oder erklären und insgesamt auf ein gemeinsames übergeordnetes Ziel ausgerichtet sind“.29

Basierend auf der Größe des Unternehmens, der unterschiedlichen Aufgabenstruktur oder deren Abhängigkeit von den wachsenden und sich stetig verändernden Herausforderungen an den globalen Kapital- und Absatzmärkten ist es für Unternehmen umso entscheidender, genauere Informationen über die betriebliche Leistungsfähigkeit und die aktuelle Marktlage zu erhalten. Kennzahlensysteme als Instrument einer koordinierten Informationsaufbereitung haben vor diesem Hintergrund eine Vielzahl von Funktionen zu erfüllen, die im Folgenden erläutert werden.30

Eine der wichtigsten Funktionen ist die Informationsfunktion, sprich die komprimierte und übersichtliche Darstellung betriebswirtschaftlicher Tatbestände zur Informationsbeschaffung für das Unternehmen. Diese Informationsverdichtung ist die Basis für Analysen und dient der Entscheidungsfindung. Eine weitere Funktion eines Kennzahlensystems ist die Planungs- und Operationalisierungsfunktion. Kennzahlensysteme bilden das jeweilige Zielsystem des Unternehmens ab und stellen insbesondere erfolgsorientierte bzw. wertorientierte Ziele in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Aufgabe ist es dabei, diese i. d. R. zu maximieren. Durch Darstellung der unternehmensspezifischen Ziele werden Kennzahlensysteme häufig auch als Steuerungs- und Koordinationsinstrument eingesetzt, womit eine weitere Funktion eines Kennzahlensystems beschrieben wird. Kennzahlensysteme dienen als Koordinationsinstrument, um die unterschiedlichen Teilbereiche eines Unternehmens als gesamtkoordinatives System zusammenzufassen.

Kennzahlensysteme dienen zur Beurteilung des Erreichten, indem sie für den Entscheidungsträger eine Kontrollfunktion beinhalten. Ein Vergleich zwischen den geplanten und den tatsächlich realisierten Wertgrößen lässt Rückschlüsse für den Erfolg bzw. Misserfolg von Entscheidungen zu. Bei Verfehlung der geplanten Ziele ist eine ausführliche Analyse zur Ursachenforschung anzustellen. Um nicht vor vollendete Tatsachen hinsichtlich des Erfolgs bzw. Misserfolgs einer oder mehrerer Entscheidungen gestellt zu werden, übernimmt ein Kennzahlensystem die Funktion der Frühwarnung. Als Frühwarnsystem soll es Risiken lokalisieren und ein rechtzeitiges Eingreifen ermöglichen. Im nachfolgenden Kapitel werden Anforderungen sowie Klassifizierung von Kennzahlensystemen erläutert.

3.2 Anforderungen und Klassifizierung von Kennzahlensystemen

Aufgrund der Fülle zu erhebender Kennzahlen besteht die Gefahr, dass das Unternehmen keine klare Analyse oder Steuerung der Leistungsfähigkeit vornehmen kann. Kennzahlensysteme haben daher entscheidende Anforderungen zu erfüllen, die im Folgenden genauer betrachtet werden.31

Eine der Anforderungen, die ein Kennzahlensystem zu erfüllen hat, ist die Darstellung der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Aussage des Unternehmens, z. B. in Form einer Spitzenkennzahl. Eine hierarchische Struktur des Kennzahlensystems gewährt dem Nutzer einen transparenten und verständlichen Überblick über die Einflussgrößen, die zur Spitzenkennzahl führen. Eine sinnvolle Ordnung sollte nicht bedeuten, dass jede Kennzahl in das Kennzahlensystem eingebaut werden soll. Vorher sollte eine genaue Analyse stattfinden, welche Kennzahlen für die Steuerung des Unternehmenserfolgs benötigt werden. Je begrenzter die Anzahl der relevanten Kennzahlen ist, desto klarer und übersichtlicher ist das gesamte Kennzahlensystem. Flexibilität ist für Unternehmen in der heutigen Phase rund um die Digitalisierung 4.0 und die dynamischen Kapitalmärkte von enormer Bedeutung. Daher ist es umso wichtiger, dass ein Kennzahlensystem besonders flexibel ist. Die Möglichkeit einer Anpassung des Kennzahlensystems an veränderte Sachverhalte wie z. B. Strategiewechsel des Unternehmens oder Zielveränderungen ist daher besonders wichtig. Durch Aufnahme oder Streichung von Kennzahlen sollen die Entscheidungsträger immer realitätsnah und vollständig informiert sein, um eine gute Basis für Entscheidungen zu haben. Damit ein Kennzahlensystem zum Erfolg des Gesamtunternehmens beitragen kann, ist es wichtig, sich im Vorfeld mit den betroffenen Mitarbeitern zusammenzusetzen und gemeinsam ein solches System zu entwickeln.32 Nur auf diese Art und Weise wird die entsprechende Akzeptanz und Identifikation für das vorgegebene Zielsystem geschaffen. Je besser das System an die individuellen Anforderungen der Nutzer angepasst ist, desto höher ist der Nutzen für das Gesamtunternehmen und desto intensiver wird es genutzt.

Nachdem die Anforderungen von Kennzahlensystemen dargestellt wurden, wird im nächsten Schritt deren Klassifizierung vorgenommen.

Abbildung 3: Kennzahlensysteme33

Rechensysteme (sog. mathematische Systeme) beinhalten, ausgehend von einer Spitzenkennzahl, die einzelnen Elemente, die in eine mathematische und eine sachlogische Kategorie zusammengefasst werden. Die sukzessive Aufspaltung der Spitzenkennzahl in ihre Bestandteile soll dem Entscheidungsträger einen detaillierten Überblick geben. Dies trägt dazu bei, zu identifizieren, welche einzelnen Faktoren zur Spitzenkennzahl führen, um ggf. ihr Zustandekommen analysieren zu können. Die klare Darstellung und die für den Anwender leicht nachvollziehbaren Beziehungen der Kennzahlen untereinander sind Gründe, warum in der Praxis diese Art von Kennzahlensystem auf eine solch breite Akzeptanz stößt. Das bekannteste Rechensystem ist das Du-Pont-Kennzahlensystem (siehe 3.3.1), auch ROI-Kennzahlensystem genannt.

Darüber hinaus finden sich in der betrieblichen Praxis zumeist die sog. Ordnungssysteme. Ordnungssysteme unterscheiden sich von Rechensystemen dahingehend, dass sie Kennzahlen darstellen, die sich nicht rein mathematisch untereinander verknüpfen lassen.

Ein wesentlicher Vorteil dieses Kennzahlentyps ist, dass er eine höhere Flexibilität aufweist als Rechensysteme. Der Vorteil dieser Flexibilität, nicht ausschließlich mathematische Zusammenhänge aufzeigen zu wollen, birgt allerdings auch den Nachteil, dass zwischen den einzelnen Kennzahlen der quantitative Zusammenhang nicht explizit dargestellt wird und dieser dem Anwender im ungünstigsten Fall verborgen bleibt. Als praxisrelevantes Beispiel zur konsequenten Umsetzung eines Ordnungssystems kann das RL-Kennzahlensystem (weitere Ausführungen in Kapitel 3.3.3) genannt werden. Mischformen der beiden vorherig genannten Kennzahlensysteme sind die dritte Ausprägung. Diese Hybridform vereint die Vorteile eines Rechensystem s und eines Ordnungssystems. Diese Ausprägung versucht aber gleichzeitig auch, deren Schwächen auf ein Minimum zu beschränken. Mischformen ermöglichen es, eine Vielzahl von relevanten Kennzahlen darzustellen, ohne die Bildung unnötiger Hilfskennzahlen (d. h. Kennzahlen ohne zusätzlichen Aussagegehalt) voranzutreiben. Das ZVEI-Kennzahlensystem (siehe 3.3.3) verkörpert diese Hybridform in der Praxis.

3.3 Ausgewählte finanzwirtschaftliche Kennzahlensysteme

Im Folgenden werden die traditionellen finanzwirtschaftlichen Kennzahlensysteme näher beleuchtet. Diese Kennzahlensysteme basieren auf der an der Spitze stehenden Kennzahl mit gewinnbasierter Orientierung. Die Spitzenkennzahl wird in weitere Kennzahlen aufgeteilt, um dem Entscheidungsträger auf diese Weise Aussagen über Erfolg und Liquidität einer Unternehmung in kompakter und übersichtlicher Form vermitteln zu können.

3.3.1 Du-Pont-Kennzahlensystem

Der „Urvater“ aller folgenden Kennzahlensysteme ist das Du-Pont-System of Financial Control, welches 1919 von der Firma I.E. Dupont de Nemours & Co. in den USA entwickelt wurde und seither stetig verbessert wurde. Ausgehend von dem Return on Investment (im deutschsprachigen Raum auch als Kapitalrentabilität oder Ertrag aus dem investierten Kapital bezeichnet) an der Spitze der Kennzahlenpyramide werden die weiteren Kennzahlen basierend auf Zahlen des betrieblichen Rechnungswesens sukzessive unter formallogischen und mathematischen Zusammenhängen abgeleitet. Durch diese Verknüpfung der Kennzahlen kann eine Geschlossenheit erzielt werden, die es dem Anwender erleichtert, die Struktur und die Zusammenhänge besser nachzuvollziehen. Dieser Vorteil der Einfachheit wird durch eine starke Komplexitätsreduzierung erreicht.

Ein weiterer Vorteil dieses Konzepts ist die zentrale Fokussierung auf die Rentabilität, welche durch die Aufspaltung in die Kennzahlen der Umsatzrentabilität und des Kapitalumschlags Ansatzpunkte zur Verbesserung des Return on Investment (ROI) liefert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Du-Pont-Kennzahlensystem34

Durch die Multiplikation von Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag bekommt der Entscheidungsträger einen Eindruck über die Verzinsung des investierten Kapitals. Diese beiden relativen Kennzahlen liefern einen Erkenntnismehrwert, indem sie verborgene Zusammenhänge aufzeigen und weitere Handlungsoptionen zur Verbesserung der Kapitalrentabilität offenbaren. Auf der einen Seite steht der klassische Weg zur Verbesserung des ROI über die Steigerung der Umsatzrentabilität, z. B. durch Kosteneinsparungen oder Erfassung neuer Kundengruppen aufgrund Eröffnung neuer Vertriebskanäle. Auf der anderen Seite kann eine Steigerung des ROI auch durch die Reduzierung des eingesetzten Kapitals erfolgen, beispielsweise durch Überprüfung jeglicher Investitionen im Unternehmen oder durch Anpassungen des Anlagevermögens. Diesem Bereich widmet sich das Controlling insbesondere durch die Konzepte des Working Capital Management oder des Cash Conversion Cycle. In der dritten Kennzahlenebene finden sich lediglich absolute Kennzahlen: Diese zeigen die Entstehung von Erlösen und Kosten als Bestimmungsfaktoren des Gewinns sowie der Höhe und Zusammensetzung des gesamten Vermögens.

[...]


1 Der DAX ist Deutschlands wichtigster Aktienindex und beinhaltet die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Aktiengesellschaften.

2 Vgl. Reichmann, Kißler & Baumöl, 2017, S. 39; Weber & Schäffer, 2016, S. 177.

3 Vgl. Reichmann, Kißler & Baumöl, 2017, S. 39.

4 Vgl. Weber & Schäffer, 2016, S. 178 f.; Steger, 2017, S. 1 f.

5 Vgl. Preißler, 2014, S. 107 ff.

6 In Anlehnung an: Preißler, 2014, S. 107.

7 Vgl. Preißler, 2014, S. 107.

8 Vgl. Preißler, 2014, S. 108.

9 Vgl. Preißler, 2014, S. 111.

10 In Anlehnung an: Preißler, 2014, S. 105.

11 Vgl. Preißler, 2014, S. 105; Küpper, Friedl, Hofmann, Hofmann & Pedell, 2013, S. 471 f.; Gladen, 2014, S. 14 ff.

12 Vgl. Steger, 2017, S. 3.

13 Vgl. Gladen, 2014, S. 14.

14 Vgl. Steger, 2017, S. 3; Preißler, 2008, S. 14 f.

15 Vgl. Weber & Schäffer, 2016, S. 180 f.

16 Vgl. Steger, 2017, S. 39–43; Weber & Schäffer, 2016, S. 182.

17 Vgl. Steger, 2017, S. 40.

18 Vgl. Coenenberg, Haller & Schultze, 2018, S. 1077.

19 Vgl. Coenenberg, Haller & Schultze, 2018, S. 1077.

20 Vgl. Heiden, 2006, S. 358 f.

21 Vgl. Küting & Weber, 2004, S. 306.

22 Vgl. Steger, 2017, S. 47 ff.; Probst, 2012, S. 76 ff.; Weber & Schäffer, 2016, S. 180 f.

23 Vgl. Preißler, 2008, S. 97.

24 Vgl. Langguth, 2008, S. 178.

25 Vgl. Steger, 2017, S. 176.

26 Vgl. Steger, 2017, S. 175.

27 Vgl. Steger, 2017, S. 146 f.; Küpper, Friedl, Hofmann, Hofmann & Pedell, 2013, S. 483.

28 Vgl. Reichmann, Kißler & Baumöl, 2017, S. 57.

29 Vgl. Reichmann, Kißler, & Baumöl, 2017, S. 50.

30 Vgl. Steger, 2017, S. 123 f.; Küpper, Friedl, Hofmann, Hofmann & Pedell, 2013, S. 475 ff.; Reichmann, Kißler & Baumöl, 2017, S. 51 f.

31 Vgl. Küpper, Friedl, Hofmann, Hofmann & Pedell, 2013, S. 480 f.; Reichmann, Kißler & Baumöl, 2017, S. 53 f.

32 Vgl. Küpper, Friedl, Hofmann, Hofmann & Pedell, 2013, S. 481.

33 In Anlehnung an: Gladen, 2014, S. 100.

34 In Anlehnung an: Gladen, 2014, S. 87.

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Wertorientierte Unternehmenssteuerung in der Praxis. Ein kriteriengeleiteter Vergleich
Veranstaltung
Studiengang Betriebswirtschaftslehre
Note
1,1
Jahr
2019
Seiten
53
Katalognummer
V889294
ISBN (eBook)
9783346192387
ISBN (Buch)
9783346192394
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kennzahlenvergleich, EVA, CVA, CFROI, DCF, Wertorientierte Unternehmenssteuerung
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Wertorientierte Unternehmenssteuerung in der Praxis. Ein kriteriengeleiteter Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889294

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