Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Genusintegration substantivischer Anglizismen ins Deutsche. Wenngleich die Wortklasse der Substantive im Deutschen viele Eigenheiten aufweist, die eine Abgrenzung von anderen Wortarten ermöglichen, so eignet sich das Genus als "durchgängigste und einheitlichste Kategorisierung" des Substantivs bei weitem am besten. Zwar können auch andere Wortarten wie etwa Adjektive oder Artikel nach bestimmten genusspezifischen Vorgaben flektiert werden, diese benötigen allerdings stets ein substantivisches Bezugswort, von dem sie ihr grammatisches Geschlecht erben.
Damit besitzen im Deutschen nur Substantive ein inhärentes grammatisches Geschlecht. Das Deutsche kennt dabei die drei Genera maskulin, feminin und neutral, die anhand eines komplizierten Systems semantischer, morphologischer und phonologischer Kriterien an das jeweilige Substantiv vergeben werden.
Damit unterscheidet sich das Deutsche klar von der englischen Sprache, die zwar ebenfalls verschiedene Genera kennt, diese aber nur nach wenigen simplen Gesetzmäßigkeiten vergibt. So sind morphologische sowie phonologische Aspekte im Englischen komplett irrelevant, sodass hier nur die Semantik, also der Wortinhalt, eine Rolle spielt. Vereinfacht gesprochen weisen unbelebte Objekte sowie Pflanzen und Tiere dort stets ein neutrales Genus auf, wohingegen Personen entsprechend ihres natürlichen Geschlechts das maskuline oder feminine Genus zugewiesen wird.
Gliederung der Arbeit
1. Einleitung
2. Genuszuweisung bei deverbalisierten Substantiven
3. Genuszuweisung durch Derivationssuffixe
4. Abschließendes Fazit
5. Literaturverzeichnis
5.1. Analoge Quellen
5.2. Digitale Quellen
6. Anhang
6.1. Liste der Substantive auf –ing
6.2. Liste der deverbalisierten Einsilber
6.3. Liste der deverbalisierten compound nouns
6.4. Liste der Substantive auf –er
6.5. Liste der Substantive auf –ion und –or
6.6. Liste der Substantive auf –ment
6.7. Liste der Substantive auf –y und –ie
6.8. Liste der Substantive auf –ance/-ence und –ity
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die morphologischen Kriterien, die bei der Genuszuweisung englischer Substantive (Anglizismen) im Deutschen eine Rolle spielen. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, nach welchen Regeln Anglizismen in das deutsche Genussystem integriert werden und inwiefern dabei morphologische, semantische oder phonologische Faktoren dominieren.
- Integration englischer Fremdwörter in das deutsche Genussystem
- Analyse morphologischer Wortbildungsprozesse (Konversion und Derivation)
- Untersuchung des Einflusses von Suffixen auf die Genusfestlegung
- Vergleich zwischen semantischen und morphologischen Einflüssen
- Quantitative Auswertung anhand von über 400 substantivischen Anglizismen
Auszug aus dem Buch
2. Genuszuweisung bei deverbalisierten Substantiven
Eine gängige Praxis der Substantivbildung im Deutschen ist die Konversion. Im Gegensatz zur Derivation, bei der beispielsweise Verbstämme durch Affigierung(en) substantiviert werden (vgl. erziehen die Erziehung), findet bei der Konversion ein Wortartwechsel statt, der auf „Formen des Flexionssystems des Verbs“ beruht. Konversionen werden dementsprechend „durch bloßen Wechsel […] der Wortarten gebildet […], ohne sich morphologisch zu verändern.“ Das Deutsche kennt mehrere Arten der Konversion, von denen in dieser Arbeit die zwei Wichtigsten untersucht werden sollen. Zum einen handelt es sich dabei um die sogenannte Infinitivkonversion, die einen substantivierten Infinitiv erzeugt. Wenngleich es im Deutschen Beispiele gibt, bei denen sich der substantivierte Infinitiv semantisch von der Bedeutung seines Ursprungsverbs entfernt hat (z.B. bei vermögen – das Vermögen), bleibt die semantische Repräsentation des Verbs auch bei dem Wortartwechsel quasi identisch.
Viele Linguisten sehen substantivierte Infinitive folglich als „das Abstraktum in seiner reinsten Form“. Das Deutsche bildet substantivierte Infinitive durch die Erweiterung des Verbstamms mit –en, was – wie der Name bereits vermuten lässt – dem Infinitiv deutscher Verben entspricht. Da bei der Konversion der Infinitive ein Substantiv gebildet wird, macht sich der Wortartwechsel auf graphematischer Ebene durch Großschreibung der Neubildungen deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Genuszuweisung bei Anglizismen ein und erläutert die Relevanz morphologischer Kriterien innerhalb des deutschen Genussystems.
2. Genuszuweisung bei deverbalisierten Substantiven: Dieses Kapitel analysiert, wie sich Verbstämme durch Konversion zu Substantiven wandeln und welche Genusregeln dabei bei Anglizismen zur Anwendung kommen.
3. Genuszuweisung durch Derivationssuffixe: Hier steht die Untersuchung im Fokus, wie spezifische Suffixe die Genuswahl von Anglizismen durch Analogie zu deutschen Wortbildungsmustern steuern.
4. Abschließendes Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Morphologie bei der Integration meist dominiert, wenngleich Ausnahmen und Einzelfälle weiterhin Klärungsbedarf aufweisen.
5. Literaturverzeichnis: Diese Sektion listet alle verwendeten analogen und digitalen Quellen auf, die für die theoretische Fundierung der Arbeit genutzt wurden.
6. Anhang: Der Anhang bietet eine detaillierte Auflistung der untersuchten Begriffe, kategorisiert nach ihren jeweiligen Suffixen und morphologischen Strukturen.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Genuszuweisung, Morphologie, Sprachintegration, Deutsche Grammatik, Konversion, Derivation, Fremdwörter, Genussystem, Sprachwissenschaft, Wortbildung, Suffixanalogie, Sprachkontakt, Substantivierung, Genusvariabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie englische Substantive, die als Anglizismen in die deutsche Sprache aufgenommen werden, ihr grammatisches Geschlecht (Genus) erhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den morphologischen Wortbildungsprozessen, der Rolle von Suffixen sowie der Abgrenzung gegenüber rein semantischen Genuszuweisungsprinzipien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, welchen Regeln Anglizismen bei der Genusintegration folgen und ob dabei eher morphologische Muster (Suffixe) oder semantische Faktoren (Bedeutung) entscheidend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen Analyse von über 400 substantivischen Anglizismen, die aus dem Fremdwörterlexikon des Duden entnommen und systematisch kategorisiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von deverbalisierten Substantiven (Konversion) und die Analyse von Derivationssuffixen, deren Einfluss auf das Genus durch Suffixanalogie geprüft wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Anglizismen, Genuszuweisung, Morphologie, Suffixanalogie und deutsche Grammatik treffend charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Suffix "-ing" bei der Genuszuweisung?
Die Analyse zeigt, dass Anglizismen auf "-ing" im Deutschen fast ausnahmslos ein neutrales Genus erhalten, was für eine hohe Produktivität dieses Suffixes bei der Genuszuweisung spricht.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "der Smoothie" und "der/das Cookie" für den Autor relevant?
Diese Beispiele dienen als Beleg dafür, dass trotz des Grundsystems der Genuszuweisung bei bestimmten Begriffen Einzelfallanalysen notwendig bleiben, da semantisch ähnliche Wörter unterschiedliche Genera aufweisen können.
- Citation du texte
- Sebastian Binder (Auteur), 2019, Genusintegration substantivischer Anglizismen ins Deutsche. Eine Untersuchung morphologischer Kriterien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889302