Omission Bias. Die Strategie der Nichthandlung

Definition und Ansätze zur Erforschung des Themas in der Wirtschaftspsychologie


Studienarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Word Cloud & Keywords

2. Abstract

3. Zusammenfassung

4. Theoretischer Hintergrund
4.1 Defnition und Erläuterung der Thematik/ des Phänomens sowie zentrale Befunde aus der Grundlagenforschung
4.1.1 Defnition
4.1.2 Erl ä uterung der Thematik/ des Ph ä nomens sowie zentrale Befunde aus der Grundlagenforschung
4.2 Aktuelle Anwendungsbeispiele und Forschungsbeiträge aus der Angewandten und Wirtschaftspsychologie
4.3 Dokumentation der Recherche

5. Eigene Anwendungen der Thematik/Phänomens
5.1 Anwendungsbeispiele im Bereich der Markt- und Werbepsychologie
5.2 Anwendungsbeispiele im Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie

6. Literaturverzeichnis

Hinweis zur sprachlichen Gleichbehandlung

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde in dieser Arbeit bei personenbezogenen Begrif-fen in der Regel nur die männliche Form verwendet (ausgeschlossen hiervon ist der Recher-cheteil). Diese sind jedoch Geschlechterneutral zu verstehen und beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf Männer und Frauen gleichermaßen.

Hinterglemm, 25.11.2019

1. Word Cloud & Keywords

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auslassungsverzerrungseffekt ka third-person-iudqement

Keywords: Omission, Unterlassungen, Nichthandeln, Unterlassungsbias, Kausalität, Baron, Spranca, DeScioli, Ritov, Unterlassungsverzerrung, f rst-person-choice, Intentionalität, Be-dauern, third-person-judgement, Kausal-Relevanz-Hypothese, Untätigkeit, Unmoral, Ac-tion-Inaction-Asymmetrien

2. Abstract

Omission bias is the preference for damage caused by omissions versus equal or less damage caused by actions.

Several studies have reported that humans prefer inactive options to active options, even if inactivity leads to poorer results or higher risks. The question of remorseful feelings of repen­tance tend to arise from actions or omissions has become the subject of theoretical controver­sy. It seems obvious that after actions or decisions, the options that were deliberately rejected options afterwards can easily be used to construct counterfactual scenarios and are therefore more readily available cognitively.

The 3 key factors of the omission effect:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Third-person-judgment“ describes the phenomenon that people fnd an omission less re­prehensible than an action that leads to the same bad result. In an experiment conducted by Spranca (1991), it was found that many people see differences in their moral judgments through a difference in a causal status of action and omission.

A second study was carried out by Ritov and Baron. According to this study, it is also confr-med that actions are morally worse than omissions, because according to the philosophers, omissions are often associated with less malicious intentions. Omissions by third parties are assessed more mildly, which can lead that people changing their behavior in the future.

The purpose of this study work is to declare the phenomenon, to show important studies and their resulting approaches and to show own approaches for experiments in the feld economic psychology.

3. Zusammenfassung

Gegenstand der Verhaltenswissenschaftlichen Forschung in Bezug auf Omission Bias ist die Untersuchung der Präferenz für Schäden, die durch Auslassungen verursacht werden, gegenüber gleichen oder geringeren Schäden, die durch Handlungen verursacht werden. Verschiedene Studien besagen, dass der Mensch lieber nicht handelt, wenn die Folgen der Handlung unsicher sind. Basierend auf den Erkenntnissen der Grundlagenforschung, die in den 1990er Jahren ihren Ursprung fanden, befassen sich aktuelle Anwendungsbeispiele mit den Fragen zur Allgemeingültigkeit dieses Phänomens, welche darauf hinweisen, dass manchmal die gegenteilige Tendenz besteht. Weiters wurden zum Omission Bias drei Schlüs-selfaktoren für den Auslassungsverzerrungseffekt erörtert: Kausalit ä t, Intentionalit ä t und Be-dauern.

In zahlreichen Studien entdeckte man das „third-person-judgement“ Phänomen. Es bezeich-net, dass Menschen Unterlassungen Dritter weniger verwerfich fnden als eine aktive Hand-lung, die zum selben Ergebnis führt.

Bei einem 1991 durchgeführten Experiment wurde dieses Phänomen bestätigt. Seit dieser Studie wird diese Asymmetrie zwischen Handeln und Unterlassen als Unterlassungsbias oder Unterlassungseffekt bezeichnet. Im Rahmen der „frst-person-choice“ kommen mehrere Psy-chologen zu der Auffassung, dass in der Regel Handlungen moralisch schlechter sind als Unterlassungen. Die mildere Beurteilung von Unterlassung durch Dritte kann dazu führen, dass Individuen lernen, in Zukunft ihre Vorgehensweise ähnlich zu gestalten. Grundsätzlich wird bei Handlungen mehr Absicht vermutet als bei Unterlassungen. Somit kann mit Omission Bias die Strategie der Nichthandlung erklärt werden.

Ziel dieser Studienarbeit ist es, das Phänomen des Omission Bias zu defnieren, wichtige Studien darzulegen und eigene Ansätze zur weiteren Erforschung des Themas in der Wirt-schaftspsychologie zu präsentieren.

4. Theoretischer Hintergrund

4.1 Defnition und Erl ä uterung der Thematik/ des Ph ä nomens sowie zentrale Befunde aus der Grundlagenforschung

4.1.1 Defnition

Als Auslassungsverzerrung (Omission Bias) wird ein Ergebnis bezeichnet, dass aus einer Un-tätigkeit resultiert und nicht aus einer Handlung. Wenn ein schlechtes Ergebnis die Folge von einer Handlung ist, denken die Leute, dass die Entscheidung schlechter ist, als wenn etwas Negatives in Folge von einer Nichthandlung geschieht. Diese Verzerrung ist sozusagen die Präferenz für Schäden, die durch Auslassungen verursacht werden. Im Gegensatz dazu ste-hen die gleichen oder geringeren Schäden, die durch Handlungen verursacht werden (Baron & Ritov, 1994).

Auslassungsverzerrungen können durch verschiedene Faktoren auftreten. Menschen emp-fnden größeres Bedauern für die schlechten Ergebnisse von Handlungen, als für schlechte Ergebnisse von Auslassungen. Eine Begründung für dieses Empfnden ist, dass Handlungen tendenziell eher als kausal angesehen werden als das Nichthandeln (Spranca, Minsk, & Ba­ron, 1991). Ebenso kann die Empfndung von Reue Entscheidungen über Handlungen und Auslassungen beeinfussen (Feldman & Yay, 2018).

Mehrere Studien zeigen, dass der Mensch inaktive Optionen gegenüber aktiven Optionen bevorzugt, selbst wenn das Nichthandeln zu schlechteren Ergebnissen oder höheren Risiken führt.

4.1.2 Erl ä uterung der Thematik/ des Ph ä nomens sowie zentrale Befunde aus der Grundlagenforschung

DeScioli, Christner und Kurzban (2011) haben herausgestellt, dass man unter Omission Bias zweierlei Beobachtungen zusammenfassen kann. Einerseits kann man sagen, dass darunter die Besonderheit verstanden wird, dass Menschen Nichthandlungen von dritten Personen als weniger schlimm empfnden als eine aktive Handlung, welche durch dieselben Absichten einhergehen und zum selben Ergebnis führen. Dieses Phänomen bezeichnet DeScioli et al. als „third-person-judgement“.

Die zweite Beobachtung spiegelt sich darin wider, dass Individuen eher durch Nichthandeln als durch Handeln bereit sind, moralisch schlechtere Folgen herbeizuführen (DeScioli et al., 2011).

Bei einem von Spranca et al. (1991) durchgeführten Experiment, untersuchte man das Verhal-ten einer beobachtbaren Person. Die Studie unter dem Namen „The tennis tournament“ han-delt von zwei Kontrahenten, die vor einem großen Tennisturnier zusammen zu Abend essen. Einer der beiden Spieler weiß, dass sein überlegener Gegner eine allergische Reaktion gegen Cayennepfeffer aufweist. Trotz dieses Wissens warnte er seinen Gegner nicht, als dieser das Gericht mit dem Cayennepfeffer zu sich nahm. Aufgrund der Allergie verliert der eigentlich überlegene Kontrahent tatsächlich das Match.

In Folge des Experimentes wurden Leute befragt, ob sie die Nichthandlung des Spielers we-niger verwerfich empfanden, als wenn er aktiv handelt und Cayennepfeffer in das Gericht seines Kontrahenten gegeben hätte. Gerade mal ein Drittel der Befragten, die keinen Unter-lassungsbias zeigten, fanden die aktive Option sowie auch die inaktive Option gleich schlimm. Bei den restlichen Befragten, die einen Unterlassungsbias aufwiesen, wurde der Kausalitäts-zusammenhang zwischen dem Verhalten des Spielers und den Folgen als stärker empfunden, in denen er aktiv war und nicht indem er schwieg.

Seit der oben genannten Studie von Spranca et al. (1991), wird diese Unregelmäßigkeit zwi-schen Handlungen und Unterlassungen als Unterlassungsbias oder Unterlassungseffekt be-zeichnet. Dabei werden Auslassungen mit einem schlechten Ergebnis gegenüber Handlungen mit dem gleichen schlechten Ergebnis bevorzugt. (Cushman, Young, & Hauser, 2006; Ritov & Baron, 1999; Spranca et al., 1991). Durch die Studie fand Spranca unter anderem heraus, dass viele Menschen Differenzen in ihren moralischen Urteilen durch einen Unterschied im kausalen Status von Handlungen und Unterlassungen sehen. Dies nennt er die „Kausal-Rele-vanz-Hypothese“. Mehrere Teilnehmer der Studie „The tennis tournament“ berichteten, dass eine Handlung ursächlich relevanter für das Ergebnis sei als die Unterlassung, denn nicht Ein-greifen heißt einfach, der Natur ihren freien Lauf zu lassen (Spranca et al., 1991).

Im Rahmen der „frst-person-choice“ Studie des Unterlassungsbias wurde ein Experiment von Ritov und Baron (1990) durchgeführt. Probanden sollten zu zu diesem Szenario sagen, ob sie das eigene Kind gegen eine tödliche Krankheit impfen würden oder nicht. Jedoch könnte auch die Impfung den Tod des Kindes herbeiführen. Aus der Studie geht hervor, dass ein Großteil der Probanden eher den Tod ihres Kindes durch die Erkrankung als durch die Impfung riskie-ren würden.

Anhand dieser Studie wurde von Ritov und Baron eine zweite Erklärung argumentiert. Laut ih-nen sei kaum zu leugnen, dass Handlungen in der Regel moralisch schlechter sind als Unter-lassungen. Denn Unterlassungen gehen oft mit weniger böswilligen Absichten einher, da das gewünschte Ergebnis von Unterlassungen weniger sicher ist (Ritov & Baron, 1999).

Viele Philosophen haben sogar die allgemeinere Behauptung vertreten, es sei moralisch immer schlechter, jemandem aktiv Schaden zuzufügen, als dies passiv zuzulassen, eine Behauptung, die als „Doctrine of Doing bekannt ist“ (Foot, 1985).

Ein Großteil der Analysen von Unterlassungen oder der Skepsis von Entscheidungen im Be-zug der „frst-person-choice“ gehen zurück auf Abneigung gegen Bereuen („regret aversion“), gegen Verluste oder gegen Anschuldigungen.

Dadurch kann die mildere Beurteilung einer Unterlassung - egal ob beabsichtigt oder nicht -durch Dritte dazu führen, dass Individuen lernen, in Zukunft ihre Vorgehensweise ähnlich zu gestalten (Baron & Ritov, 1994; Connolly, Ordóñez, & Coughlan, 1997; Ritov & Baron, 1999; Spranca et al., 1991).

Die Veröffentlichung von Kordes-de Vaal (1996) stellte eine Weiterführung der Studie „The tennis tournament“ von Spranca et al. (1991) dar.

Die Ergebnisse von Spranca et al. (1991) führen darauf zurück, dass der beobachtete Omis­sion Bias auf Differenzen in der Empfndung von Kausalität, Verantwortlichkeit oder beides nachzuweisen sei.

Dies unterstützt die Annahme, dass der Omission Bias in Form des „third-person jud-gement“ in Situationen angewandt wird, in der er nicht angebracht ist. Dies wird auch als „overapplication“ oder „overgeneralization“ bezeichnet. Diese Methodik zur Pro-blemlösung besagt, dass aktive Optionen absichtlicher sind als Unterlassungen (Kordes-de Vaal, 1996).

[...]

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Details

Titel
Omission Bias. Die Strategie der Nichthandlung
Untertitel
Definition und Ansätze zur Erforschung des Themas in der Wirtschaftspsychologie
Hochschule
Privatuniversität Schloss Seeburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V889391
ISBN (eBook)
9783346203366
ISBN (Buch)
9783346203373
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Omission Bias, Omission, Unterlassungen, Nichthandeln, Unterlassungsbias, Kausalität, Baron, Spranca, DeScioli, Ritov, Unterlassungsverzerrung, Intentionalität, Bedauern, third-person-judgement, Kausal-Relevanz-Hypothese, Untätigkeit, Unmoral, Action- Inaction-Asymmetrie, bias
Arbeit zitieren
Jaqueline Wenger (Autor), 2019, Omission Bias. Die Strategie der Nichthandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889391

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