Seit der Überbringung und dem Beginn des Zahlengebrauchs wurden Ziffern und Zahlen nicht nur als Ausdruck für zählbare Massen und Mengen verwendet, sondern waren sie auch bald als Bezeichnungshilfen gebräuchlich. In modernen Gesellschaften sind die Menschen täglich mit Zahlen konfrontiert und von ihnen allgegenwärtig umgeben. Sei es beim Telefonieren, beim Einkaufen, am Arbeitsplatz, beim Auftreten vor Behörden, beim Abschluss von Verträgen, beim Umgang mit Firmen usw. Zahlen sind omnipräsent und aus unserem Leben nicht wegzudenken, da sie grundlegender Bestandteil der Sprache sind.
Jedoch spätestens seit den frühen Buchhaltungsansätzen venezianischer Händler bzw. den ersten englischen Veröffentlichungen zur Buchhaltung zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert, ist klar, dass der Zahlengebrauch weit mehr bedeutet als simple Abfolgen von Ziffern als Quantitätsausdrücke. Zahlen geben bei weitem nicht mehr nur über Gewichte, Längen, Mengen, Zeiten Auskunft, sondern helfen heute bei der Beschreibung komplexester Zusammenhänge und stellen somit Entscheidungsgrundlagen für Führungskräfte dar. Der Zahlengebrauch kann mitunter anspruchsvolle Systeme umfassen, auf deren Basis ganze Konzerne geführt werden. Dies geschieht mittels ausgefeilter Kennzahlensysteme, die in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen nahezu in jedem Wirtschaftsbetrieb Anwendung finden. Ob nun ein Automobilbetrieb den Eingang und den Verbau von Ersatzteilen mithilfe eines Buchungssystems führt, ein Einzelhändler aufgrund des üblichen Scannens der Produkte an der Kasse Überblick über Bestand seiner Artikel behält oder in einer Fabrik Listenaufstellungen über die Tagesproduktion als Basis für Qualitätsauditorien dienen, alle Arten haben gemeinsam, dass Gegenständen, Abläufen und Bedienern Zahlen zugeordnet werden. In großen Unternehmen beschäftigen sich Accounting - Abteilungen mit der Überwachung und Verwaltung dieser Kennzahlensysteme. Hauptsächliches Tätigkeitsfeld finden die sogenannten Accountants im Bereich der Unternehmensfinanzen (Controlling). Zunehmend, insbesondere bei Großfirmen, werden Kennzahlensysteme aber ebenso für die Qualitätskontrolle und die Optimierung interner Ablaufstrukturen eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
2. Kennzahlen
2.1. Begriff
2.2. Herkunft und Entwicklung
3. Praktischer Kennzahlengebrauch
3.1. Anwendung im Wirtschaftsunternehmen
3.2. Kennzahlen im öffentlichen Sektor
3.3. Balanced Scorecard
4. Gegenwärtige Bedeutung des Accounting
4.1. Begriff des Accounting
4.2. Genese und Historische Entwicklung
4.3. Merkmale
4.4. Aufgaben und Aufträge
4.5. Säulen, Programme und Strategien
5. Nachbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Bedeutung von Kennzahlensystemen und Accounting-Praktiken in modernen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Frage, wie diese Instrumente betriebliche sowie gesellschaftliche Prozesse steuern, welche Machtstrukturen durch "die Herrschaft der Zahlen" entstehen und inwiefern diese Entwicklung die Subjektivität und das Handeln der Akteure beeinflusst.
- Grundlagen und Definitionen von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen
- Die historische Entwicklung und methodische Anwendung von Kennzahlensystemen
- Das "New Management Accounting" und seine Auswirkungen auf die Unternehmensorganisation
- Die Implementierung von Accounting-Instrumenten wie der Balanced Scorecard
- Die kritische Reflexion des Accounting als Instrument der Macht und gesellschaftlichen Konstruktion
Auszug aus dem Buch
4.1. Begriff des Accounting
Das Accounting ist eine Art Institution, welche sich mit den kalkulativen Praktiken des Zählens, Messens und Vergleichen organisatorischer und gesellschaftlicher Prozesse beschäftigt. Für die wissensbasierten Dienstleistungen und die entscheidungsrelevanten Informationen von kapitalistischen Gesellschaften und Unternehmen, deren wirtschaftliche Ziele die Produktionssteigerung, Outputmaximierung und Verteilungserweiterung sind, könnte eine „technische“ Definition des Accounting wie folgt lauten: „Das Accounting umfasst all jene Aktivitäten, der Identifizierung, Sammlung, Ordnung, Aufzeichnung, Auswertung und Kommunikation von Daten, die für die Koordinierung, Steuerung und Kontrolle ökonomischer Aktivitäten benötigt werden.“
Das Spektrum solcher Dienstleistungen reicht von der Bereitstellung, Sammlung und Interpretation von Daten, die für die Kontrolle und Steuerung des Produktionsprozesses benötigt werden, über die Rechnungslegung, die Jahresabschlussprüfung, die Prüfung von Unternehmensübernahmen, der Prozess der Auditierung privatwirtschaftlicher und öffentlicher Organisationen, wie Universitäten, Krankenhäusern oder auch Ämter, sowie die Strategie-, Technologie- und Steuerungstätigkeit für transnationale Konzerne und Unternehmen. Nach der Frage, welche Personen hinter den einzelnen Dienstleistungen stehen, können als sogenannte „Accountants“ Wirtschaftsprüfer, Controller, Unternehmens- und Steuerberater genannt werden, aber auch Innenrevisor einer Sparkasse, vereidigte Buchprüfer als auch ein auf Fusionen spezialisierter Rechtsanwalt gelten. Ihnen allen wird ein organisierter und legitimierter Zahlengebrauch zugesprochen, der sich auf eine ordnende, steuernde und kontrollierende Funktion im Hinblick auf ökonomische Prozesse und Abläufe bezieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel führt in den allgegenwärtigen Gebrauch von Zahlen ein und verdeutlicht die Notwendigkeit von Kennzahlensystemen zur Steuerung komplexer Unternehmensstrukturen.
2. Kennzahlen: Hier werden Definitionen sowie die historische Herkunft von Kennzahlen erörtert und ihre Bedeutung als Entscheidungsgrundlage für die betriebliche Führung dargelegt.
3. Praktischer Kennzahlengebrauch: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung von Kennzahlen in Unternehmen, im öffentlichen Sektor und stellt die Balanced Scorecard als Managementinstrument vor.
4. Gegenwärtige Bedeutung des Accounting: Hier wird das Accounting als Institution und Machtinstrument analysiert, das organisatorische Realitäten konstruiert und steuert.
5. Nachbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und warnt vor einer kritiklosen Übertragung von Accounting-Methoden, die zu einer realitätsfernen Abstraktheit führen kann.
Schlüsselwörter
Accounting, Kennzahlen, Unternehmensführung, Management Accounting, Balanced Scorecard, Zahlengebrauch, Controlling, Rationalisierung, Finanzkennzahlen, Neue Steuerungsmodelle, ökonomische Prozesse, Betriebswirtschaft, Accountability, Globalisierung, Organisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Rolle von Kennzahlen und Accounting-Systemen in der heutigen Wirtschaft und Verwaltung sowie deren Einfluss auf Prozesse und Entscheidungsstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Kennzahlen, das "New Management Accounting", die Balanced Scorecard sowie die kritische soziologische Betrachtung von Accounting als Machtinstrument.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität von Kennzahlensystemen aufzuzeigen und zu klären, wie Accounting-Methoden zur Steuerung und zum Verständnis betriebswirtschaftlicher Realitäten eingesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der systemtheoretischen Reflexion von Accounting-Konzepten sowie deren historischen und soziologischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anwendung von Kennzahlen in Unternehmen, die Reformen in der öffentlichen Verwaltung sowie die methodische Funktionsweise und gesellschaftliche Bedeutung des modernen Accountings.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Accounting, Kennzahlen, Management Accounting, Balanced Scorecard, Rationalisierung und die gesellschaftliche "Macht der Zahlen".
Was ist der Kern des "New Management Accounting"?
Es verschiebt den Fokus von einer rigiden, zentralen Kontrolle hin zu einer stärker operativen und dezentralen Steuerung, bei der die Beschäftigten aktiv in den Prozess der Optimierung eingebunden werden.
Welche Gefahren sieht der Autor bei der Anwendung von Accounting-Methoden?
Es besteht die Gefahr, dass die Sichtbarkeit von Fakten durch eine realitätsferne Abstraktheit konterkariert wird, was zu Lasten der Motivation und Produktivität in Unternehmen gehen kann.
- Citation du texte
- Rene Pehlemann (Auteur), 2007, Accounting. Die gesellschaftliche Herrschaft der Zahlen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89021