Mit Beginn der 90er Jahre wurde der Fokus der Öffentlichkeit und der Medien verstärkt auf das Thema „Gewalt in der Schule“ gerichtet. Die Medien berichteten über Gewalt unter Jugendlichen und Kindern, die auf den Schulhöfen an der Tagesordnung seien. Schulhöfe und Schulwege seien ein gefährliches Pflaster und die Bewaffnung der Kinder und Jugendlichen nähme zu.
Diesen Thesen standen laut Tillmann aber wenig seriöse Forschungen gegenüber. Dies änderte sich als ab ca. 1993 zahlreiche Forschungen dazu angestellt wurden. Die Debatte um Gewalt in der Schule löste einen Forschungsboom aus und die Bundesregierung führte eine Gewaltkommission ein. Dies führte zu einer Belebung der Diskussion um die Erklärungsansätze für Gewalt und Aggression.
Schubarth beschreibt Gewalt nicht als Problem von Kindern und Jugendlichen, sondern als „gesamtgesellschaftlich zu verantwortendes Problem.“ Er nennt Gewalt eine „soziale Krankheit“, die ein Signal für ungelöste soziale Probleme und Konflikte sei, mit der Kinder und Jugendliche auf Problemlagen reagieren.
Doch wie bei anderen sozialen Problemen so gibt es auch für die öffentlich geführte Gewaltdiskussion keine „objektiven“ Maßstäbe, auch sie unterliegt nicht zuletzt den Deutungen auf der Grundlage vorherrschender Wertmassstäbe, die uns sagen, wann etwas wirklich „besorgniserregend“ ist....
Inhaltsverzeichnis
1. Gewalt an Schulen – Einführung in die Problematik
1.1 Definitionsansätze zum Gewaltbegriff
1.2 Schule und Gewalt
1.3 Einflüsse bei der Entstehung von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen im schulischen Umfeld
1.3.1 Leistungsgesellschaft
1.3.2 Desintegration in der Gesellschaft
1.3.3 Familie
1.3.4 Strukturelle Einflüsse der Schule
1.3.5 Medien
1.3.6 Peer-group und Cliquen
2. Schulsozialarbeit
2.1 Definitionsansätze
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.3 Aufgaben und Ziele der Schulsozialarbeit
2.3.1 Aufgabenbereiche
2.3.2 Ziele
2.3.3 Zielgruppen
2.4 Träger der Schulsozialarbeit
2.5 Modelle der Kooperation zwischen Schulsozialarbeit und Schule
2.5.1 Integrations- und Subordinationsmodell
2.5.2 Distanzmodell
2.5.3 Kooperationsmodell
3. Schulsozialarbeit und Prävention
3.1 Definition Prävention
3.1.1 Primäre Prävention
3.1.2 Sekundäre Prävention
3.1.3 Tertiäre Prävention
3.2 Gewaltprävention
4. Arbeitsweisen der Schulsozialarbeit bei Gewalt in Schulen
4.1 Beratung
4.2 Einzelfallhilfen
4.3 Soziale Gruppenarbeit
4.4 Gemeinwesenarbeit
5. Projektbeispiele
5.1 „Faustlos“- Curriculum zur Gewaltprävention in Grundschulen
5.2 Das Interventionsprogramm für Schulen von Olweus
5.3 Streitschlichter Programme in Schulen
6. Zusammenfassung
7. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten der Schulsozialarbeit zur Gewaltprävention und stellt konkrete Hilfsangebote im Konfliktfall vor. Ziel ist es, Ansätze aufzuzeigen, wie Kinder und Jugendliche alternative Konfliktlösungsstrategien erlernen können, um langfristig gewaltfreies Verhalten zu fördern.
- Grundlagen von Gewalt an Schulen und dessen Bedingungsgefüge
- Aufgaben und rechtliche Verankerung der Schulsozialarbeit
- Präventionsansätze (primär, sekundär, tertiär)
- Methodische Arbeitsweisen der Schulsozialarbeit
- Praxisnahe Gewaltpräventionsprojekte wie "Faustlos", Olweus-Programm und Streitschlichtung
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Leistungsgesellschaft
„Je stärker die Leistung den Wert des Menschen ausmacht, umso stärker das Minderwertigkeitsgefühl bei Erfolglosigkeit und Enttäuschung“
Die 14. Shell- Jugendstudie beschreibt auf Ihren ersten Seiten, dass „den Jugendlichen (...) im Laufe der 90er Jahre Leistung, Sicherheit und Macht wichtiger geworden (sind).“ Sie erhöhen ihr Leistungsstreben, untersuchen ihre soziale Umwelt auf Chancen und versuchen, Risiken zu vermeiden. Auch „Mädchen und junge Frauen sind ehrgeiziger (...)“ geworden. Doch genau hier zeigt sich die Diskrepanz. Wo das Prestige einer möglichst „guten“ Ausbildung gestiegen ist, sind auf der anderen Seite weniger Ausbildungsplätze und spätere Arbeitsplätze vorhanden.
Kinder und Jugendliche fangen schon sehr früh an, sich mit ihrer eigenen Zukunft zu beschäftigen und sich zu qualifizieren. Es wird versucht, einen möglichst hohen Schulabschluß zu erreichen, um wenigstens eine mögliche Aussicht auf spätere Arbeitsmöglichkeiten zu haben. Doch selbst hohe Bildungsabschlüsse geben keine Garantie auf einen späteren Arbeitsplatz. Das verunsichert viele Jugendliche. Hier kann es zu einem hohen Erwartungsdruck kommen und wenn diese Jugendlichen hinter ihre Erwartungen zurück fallen, besteht die Gefahr psychischer Resignation und damit auch einer sozialen Abweichung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gewalt an Schulen – Einführung in die Problematik: Dieses Kapitel erläutert den Gewaltbegriff und beleuchtet gesellschaftliche und schulspezifische Einflüsse, die zur Entstehung von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen beitragen.
2. Schulsozialarbeit: Hier werden Definitionen, rechtliche Rahmenbedingungen, Aufgabenbereiche und Zielgruppen der Schulsozialarbeit sowie verschiedene Kooperationsmodelle mit der Institution Schule detailliert dargestellt.
3. Schulsozialarbeit und Prävention: Das Kapitel definiert den Begriff Prävention in der Jugendhilfe und differenziert zwischen primären, sekundären und tertiären Präventionsansätzen sowie dem spezifischen Begriff der Gewaltprävention.
4. Arbeitsweisen der Schulsozialarbeit bei Gewalt in Schulen: Es werden zentrale methodische Arbeitsweisen wie Beratung, Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit in Bezug auf ihre Anwendung bei Gewaltproblematiken analysiert.
5. Projektbeispiele: Dieses Kapitel stellt konkrete Gewaltpräventionskonzepte für Schulen vor, insbesondere das „Faustlos“-Curriculum, das Interventionsprogramm von Olweus und Streitschlichter-Programme.
6. Zusammenfassung: Ein kurzer Rückblick auf die Notwendigkeit der Gewaltprävention und die Rolle der Schulsozialarbeit.
7. Schlussbetrachtungen: Eine abschließende Bewertung der Bedeutung von Kooperation, der Wichtigkeit des Problembewusstseins an Schulen und der Notwendigkeit, Gewaltprävention nicht durch Sparpolitik zu gefährden.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Gewaltprävention, Schule, Jugendhilfe, Konfliktlösung, Soziales Lernen, Kooperation, Leistungsdruck, Desintegration, Faustlos, Olweus-Programm, Streitschlichtung, Jugendsozialarbeit, Sozialpädagogik, Präventionskonzepte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Schulsozialarbeit durch verschiedene Methoden und Präventionskonzepte dazu beitragen kann, Gewalt an Schulen zu verhindern und zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Entstehungsbedingungen von Gewalt bei Jugendlichen, der rechtliche und organisatorische Status der Schulsozialarbeit sowie praktische Ansätze und Programme zur Gewaltprävention in schulischen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, einen Überblick über die Möglichkeiten der Schulsozialarbeit bei der Gewaltprävention zu geben und aufzuzeigen, wie sie den Kindern und Jugendlichen alternative Konfliktlösestrategien vermitteln kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Forschungsergebnisse, theoretische Ansätze und gesetzliche Grundlagen (wie SGB VIII und Schulgesetze) zusammengeführt und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ursachen von Gewalt, die strukturelle Einbettung der Schulsozialarbeit, die Erläuterung von Präventionsstufen (primär, sekundär, tertiär) und die detaillierte Beschreibung spezifischer Interventionsprojekte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schulsozialarbeit, Gewaltprävention, Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule sowie Methoden wie Einzelfallhilfe und Soziale Gruppenarbeit charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "Leistungsgesellschaft" bei der Entstehung von Gewalt laut der Autorin?
Die Leistungsgesellschaft erzeugt durch hohen Erwartungsdruck und die Angst vor dem sozialen Abstieg Unsicherheiten und Ängste, die sich in Gewalthandlungen als Form der Kontrollrückgewinnung oder Ohnmachtsbewältigung entladen können.
Wie unterscheidet sich das Kooperationsmodell von anderen Modellen?
Das Kooperationsmodell zeichnet sich durch eine intensive, verbindlich geregelte Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe aus, bei der die Schulsozialarbeit organisatorisch und räumlich eng in den Schulalltag integriert ist und auf Augenhöhe agiert.
Warum ist laut der Autorin eine "Scharnierfunktion" der Schulsozialarbeit wichtig?
Die Schulsozialarbeit fungiert als Vermittler zwischen den Systemen Schule, Jugendhilfe und Familie, um Problemlagen, die in diesen Schnittstellen entstehen, ganzheitlich aufzuarbeiten.
Welche Bedeutung hat das "Faustlos"-Programm für Grundschulen?
Das Programm zielt darauf ab, durch die Förderung von Empathie, Impulskontrolle und dem Umgang mit Ärger die sozialen Kompetenzen von Grundschulkindern zu stärken und damit impulsives oder aggressives Verhalten präventiv zu mindern.
- Arbeit zitieren
- Michaela Kosin (Autor:in), 2004, Gewalt an Schulen - Prävention und Hilfen durch Schulsozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89024