Die Frage nach der Verständlichkeit von Texten weckt seit Jahrzehnten das Interesse von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen. Dabei ist das wissenschaftliche Interesse an möglichst zutreffenden Ergebnissen nicht die einzige Motivation, seit jeher ist es der Verständlichkeitsforschung auch daran gelegen, nützliche Ergebnisse für die Praxis der Textgestaltung zu erhalten. Mit Lesbarkeitsformeln und dem Hamburger Verständlichkeitsmodell wurden Kriterien entwickelt, anhand derer sich die Verständlichkeit von Texten messen lässt. Während die genannten Modelle ihr Augenmerk jedoch vor allem auf den Text selbst richten, hat sich die Kognitionspsychologie verstärkt den individuellen Verarbeitungsprozessen des Lesers zugewandt. Sie beschäftigt sich mit der Frage, was genau im Kopf des Rezipienten vor sich geht, während er einen Text liest. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit stellt diese Verarbeitungsprozesse in ihrer idealtypischen Reihenfolge vor. Er thematisiert, wie Informationen aus dem Text aufgenommen und verarbeitet werden und wie der Leser aus den erhalte-nen Informationen eine sinnvolle Wissensstruktur aufgebaut.
Im zweiten Teil der Arbeit wird gezeigt, wie sich die Erkenntnisse der Kognitionspsychologie für die konkrete Textproduktion nutzen lassen. Hier liefert die Verständlichkeitskonzeption von Kintsch und Vipond (1979) wichtige Anhaltspunkte, aus denen Regeln für die Produktion verständlicher Text abgeleitet werden. In einem abschließenden Fazit soll diskutiert werden, inwieweit sich die kognitionspsychologischen Kenntnisse zur Textverarbeitung auf die journalistische Arbeit übertragen lassen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kognitionspsychologische Ansätze zum Textverstehen
- Leser-Text-Interaktion
- Die Schematheorie
- Teilprozesse des Verstehens
- Subsemantische Verarbeitungsprozesse
- Phase der Informationsaufnahme
- Phase der Buchstaben- und Worterkennung
- Die Texttiefensstruktur
- Propositionen
- Propositionslisten
- Semantisch-Syntaktische Analyse
- Die Zyklische Textverarbeitung
- Kohärenzprobleme
- Elaborative Prozesse
- Die semantische Makrostruktur
- Markoregeln
- Die Superstruktur
- Subsemantische Verarbeitungsprozesse
- Wie lässt sich Verständlichkeit erreichen?
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Verständlichkeit von Texten aus kognitionspsychologischer Sicht. Sie analysiert die kognitiven Prozesse, die beim Lesen und Verstehen von Texten im Kopf des Rezipienten ablaufen, und untersucht, wie diese Erkenntnisse für die Textproduktion genutzt werden können.
- Die Rolle des Vorwissens und der Zielsetzung des Lesers beim Textverstehen
- Die Schematheorie als Modell zur Erklärung von Textverstehen
- Die verschiedenen Teilprozesse des Textverstehens, von der Informationsaufnahme bis zur semantischen Makrostruktur
- Die Nutzung kognitionspsychologischer Erkenntnisse für die Textproduktion
- Die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf die journalistische Arbeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Themas „Verständlichkeit von Texten“ und stellt den wissenschaftlichen Hintergrund sowie die Relevanz für die Praxis dar. Das Kapitel „Kognitionspsychologische Ansätze zum Textverstehen“ stellt verschiedene Ansätze der Kognitionspsychologie zur Erklärung des Textverstehens vor, darunter die Leser-Text-Interaktion, die Schematheorie und verschiedene Teilprozesse des Verstehens. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Beschreibung der kognitiven Prozesse, die bei der Textverarbeitung im Kopf des Lesers ablaufen. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich die Erkenntnisse der Kognitionspsychologie für die konkrete Textproduktion nutzen lassen. Die Arbeit wird mit einem Fazit abgeschlossen, das die Übertragbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse auf die journalistische Arbeit diskutiert.
Schlüsselwörter
Textverstehen, Kognitionspsychologie, Schematheorie, Leser-Text-Interaktion, Teilprozesse, Informationsverarbeitung, Verständlichkeit, Textproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Was untersucht die Kognitionspsychologie beim Textverstehen?
Sie untersucht die individuellen Verarbeitungsprozesse im Kopf des Lesers, also wie Informationen aufgenommen, verarbeitet und in Wissensstrukturen integriert werden.
Was ist die „Schematheorie“?
Die Schematheorie besagt, dass Leser vorhandenes Vorwissen (Schemata) nutzen, um neue Informationen aus einem Text einzuordnen und zu interpretieren.
Welche Teilprozesse des Verstehens werden unterschieden?
Es wird zwischen subsemantischen Prozessen (Buchstaben-/Worterkennung), der Analyse der Texttiefenstruktur (Propositionen) und elaborativen Prozessen unterschieden.
Wie lässt sich Textverständlichkeit konkret erreichen?
Durch die Nutzung kognitionspsychologischer Erkenntnisse können Regeln für die Textproduktion abgeleitet werden, die die zyklische Verarbeitung und Kohärenzbildung erleichtern.
Was ist der Unterschied zum Hamburger Verständlichkeitsmodell?
Während Modelle wie das Hamburger Modell den Text selbst fokussieren, stellt die Kognitionspsychologie die Interaktion zwischen Leser und Text in den Mittelpunkt.
Welche Rolle spielt die „semantische Makrostruktur“?
Sie beschreibt die globale Bedeutungsebene eines Textes, die der Leser durch die Anwendung von Makroregeln aus den Einzelinformationen bildet.
- Quote paper
- Kristina Patschull (Author), 2004, Die Verständlichkeit von Texten aus kognitionspsychologischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89063