Curzio Malaparte. Künstlerisches Werk als Zeugnis und Waffe des Faschismus


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Kurz-Biografie des Curzio Malaparte

2 Der politische Auftritt während des italienischen Faschismus und der Nachkriegszeit

3 Das literarische Werk :
3.1 Überblick ( Auszug)
3.2 Roman: „Die Haut“
3.3 Roman : „ Kaputt“
3.4 Vorwort Malapartes an die deutschen Leser zu „Kaputt“- Selbstdarstellung und Selbstrechtfertigung aus Unsicherheit?

4 Die „Nachkriegssicht“ Malapartes auf Deutschland

5 Curzio Malaparte und die Kunst der Selbstinszenierung
5.1 „Ein Haus wie ich“
5.2 auf dem „Totenbett“

6 Der „politische Malaparte“

7 Rezeption und Rezension die späte Wiederentdeckung

8 Literatur:

1 Kurz-Biografie des Curzio Malaparte.

Immer wieder gab es Künstler, die die Politik ihres Landes zu beeinflussen suchten und sich mit ihren Handlungen, Stellungnahmen und offenen Bekenntnissen positionierten. Manche traten sogar in eine Partei ein und verließen sie wieder . Auch das künstlerische Werk wurde als Zeugnis und Waffe eingesetzt. Dazu eignete sich besonders das geschriebene Wort Für Italien gehörte CURZIO MALAPARTE zu dieser Gattung in der Zeit des Faschismus und danach.

Curzio Malaparte wurde 1898 als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter in Prato in der Toskana geboren. Sein Name ist das Pseudonym seines wirklichen Namens, Kurt Erich Suckert , das er ab 1925 verwendete. Malaparte ist ein Wortspiel und stellt das Gegenteil von Bonaparte ( der gute Teil) dar : der schlechte Teil. Malaparte empfand sich als Italiener.

1911 wurde er Mitglied der Republikanischen Partei in Italien. Er veröffentlichte 1912 erste Gedichte und wurde Herausgeber einer satirischen Zeitschrift. 1914 wurde er Kriegsfreiwilliger und 1918 mit der italienischen Tapferkeitsmedaille in Bronze und dem französischen Kriegskreuz mit Palme ausgezeichnet. Durch einen Gasangriff erlitt er einen Lungenschaden. Im zweiten Weltkrieg war Malaparte für den Mailänder “Corriere della sera“ an den verschiedensten Schauplätzen des Krieges als Korrespondent und Kriegsberichterstatter tätig. Aus diesen Reportagen entstand die Grundlage seiner Romane „KAPUTT“ und „ An der Wolga entspringt Europa “, die sehr erfolgreich wurden und ihn berühmt machten. Beide blieben in der Kritik umstritten, was auch auf seinen Roman „DIE HAUT“ zutrifft, der die Zeit ab 1943 nach der italienischen Kapitulation beschreibt.

Hatte Malaparte anfänglich mit dem Faschismus sympatisiert —1921 Eintritt in die faschistische Partei—bekam er durch seine Veröffentlichungen zunehmend Schwierigkeiten mit der eigenen Partei . Er war von 1928-31 Chefredakteur der Tageszeitung „La Stampa “ . 1933 Parteiausschluss und Verbannung auf die Insel Lipari vor Sizilien für 5 Jahre. Durch Protektion kommt er aber nach einem Jahr frei und lebt unter Hausarrest in der Toskana und auf Ischia.

In der Nachkriegszeit wandte sich Malaparte dem Kommunismus zu, was ihn aber nicht davon abhielt vor seinem Tod 1957 dem Katholizismus beizutreten. Berühmt ist seine Villa auf Capri, die CASA MALAPARTE, die noch heute durch ihren Baustil beeindruckt.1

2 Der politische Auftritt während des italienischen Faschismus und der Nachkriegszeit.

Nach dem ersten Weltkrieg tritt Malaparte in den diplomatischen Dienst ein und wird 1919 Attaché der italienischen Gesandtschaft in Warschau. Er sympathisiert zunächst unübersehbar mit dem italienischen Faschismus und wurde bereits 1921 Mitglied des Partitio Nazionale Facista und war 1922 Teilnehmer des Marsches auf Rom. Er wird Gründungsmitglied der Zeitschrift 1900-Novecento , die sich die Erneuerung und Entprovinzialisierung der italienischen Kultur zur Aufgabe gemacht hatte. Der Faschismus wurde dabei als eine mögliche Zukunftsperspektive mit einbezogen. 1927 machte Malaparte eine politische Kehrtwende; er verlässt die Redaktion und wechsele zur sog. Strapaese- Bewegung, die das entgegengesetzte Programm verfolgte und das provinzielle Volkstum als Ursprung und Mitte der italienischen Kultur auffasste. Mit seinem Buch „VIVA Caporetto (erscheint später unter dem Titel: „la rivolta die santi maledetti“), in dem er seine Kriegserlebnisse aus dem 1. Weltkrieg beschreibt, löst er mit seiner Sicht der Dinge Proteste bei den Faschisten aus und wird infolge dessen aus dem diplomatischen Dienst entlassen. Immer mehr führt seine publizistische Tätigkeit zur Konfrontation mit seinen ehemaligen Gesinnungsgenossen und gipfelt in seiner Verurteilung in die Verbannung. Er kann im Hausarrest aber seine Arbeit unter Pseudonym fortsetzen, da einflussreiche Freunde das Schlimmste für ihn vermeiden ( u.a. Graf Ciano/Außenminister und Mussolini-Schwiegersohn).

Ab 1938 ist er Korrespondent und Kriegsberichterstatter in Äthiopien, auf dem Balkan und in Finnland und Russland. Dort entsteht sein Werk: Die Wolga entspringt in Europa, veröffentlicht 1943. Mit diesem Buch macht er sich die italienischen und deutschen Faschisten zum Feind. Nach dem „Seitenwechsel der Italiener“ wird er Verbindungsoffizier der Amerikaner zur italienischen Armee. Hier entsteht sein Buch „Die Haut“. Nach dem 2. Weltkrieg wendet sich Malaparte dem Kommunismus zu, hat große Erfolge mit seinen Büchern und stirbt an Lungenkrebs nach seiner Rückkehr aus China am 19. Juli 1957 in Rom als Katholik.2

3 Das literarische Werk :

3.1 Überblick ( Auszug).

1921- Der Aufstand der verdammten Heiligen.

1927- Adventure di un capitano di suventura

1931- Sodoma e Gomorra

1936- Fughe in prigione

1937- Sangue

1940- Eine Frau wie ich (Donna come me)

1940- Die Wolga entspringt in Europa ( Il Volga nasce in Europa)

1943- Kaputt

1946- Don Camaleo

1947- Il sole é cieco

1949- Die Haut (la pelle)

1949- Geschichte vom Morgen ( Soria di domani)

1956- Verdammte Toskaner ( Maledetti toscani)

1957- Verflixte Italiener ( Raconti Italiani) posthum

3.2 Roman: „Die Haut“.

In seinem Roman „Die Haut“ verarbeitet Malaparte, wie auch in einem Teil seiner anderen Werke, Autobiographisches mit zeitgeschichtlichen Ereignissen. In diesem Roman geht es um seine Erlebnisse und um Geschehen nach der Kapitulation Italiens im Sommer 1943.

Im Mittelpunkt steht die Stadt Neapel und der Auftritt der „Befreier“, der Amerikaner, und das Verhältnis der italienischen Bevölkerung zu ihnen. Sie kommen am 1. Oktober 1943 als Befreier nach Neapel. Und mit Ihnen kommt „ die Pest “. „ Das besondere an dieser neuen Seuche war, das sie nicht den Körper zerstörte, sondern die Seele.“ (…) „Es war eine Art moralische Pest, vor dem es anscheinend keinerlei Schutz gab.“

Als Verbindungsoffizier der Italiener begleitet Malaparte die amerikanischen Truppen durch die Stadt Neapel und wird zum Fremdenführer durch ein Labyrinth aus Gassen und Häusern, in dem alles zur Ware wird: Frauen kommen aus allen Landstrichen um sich zu prostituieren, Knaben werden für ein Kaugummi zu Strichjungen, es gibt Preise für „Negerfleisch“ ( das bedeutet einem Neger so viel Geld abzunehmen als möglich, ihn durch Bars, Osterias und Bordelle zu schleppen) ; es gibt Preise für „Mädchenfleisch“, die höher sind als die für Lammfleisch und Preise für das Besichtigen einer echten Jungfrau (man darf sie auch anfassen). Jeder verkauft jeden; der als naiv und gesund typisierte Amerikaner trifft auf ein, in seinen Grundfesten verrottetes , dekadentes Europa, das sich ihm (scheinbar) rückhaltlos unterwirft. Malaparte folgt den Invasoren auch bei ihrem Einzug in Rom, wo sie bei der Bevölkerung begeistert empfangen werden. Titelgebend für den Roman und sinnbildend ist dann eine Szene, in dem ein Mann auf eine Panzerkolonne zuläuft und ruft: „Viva America“. Er rutscht aus und wird von einem Panzer überrollt und plattgewalzt.

Originaltext: „ Einige Juden kamen und begannen das Profil dieses toten Mannes aus dem Staub herauszuschälen (...) langsam, langsam (…) wie man die Ecken eines Teppichs anhebt. Es war ein Teppich aus Menschenhaut und das Muster war ein feines Knochengerüst, ein Spinngewebe aus zerquetschten Knochen (…) Als der Teppich aus Menschenhaut ganz aus dem Straßenstaub gelöst war, gabelte ihn einer der Juden am Kopfende auf die Spitze einer Schaufel und zog mit dieser Fahne ab. (…) Ich sagte, das ist die Fahne Europas dort, das ist unsere Fahne(…) es steht geschrieben, dass dies die Fahne unseres Vaterlandes ist, unseres wahren Vaterlandes. Eine Fahne aus Menschenhaut. Unser wahres Vaterland ist unsere Haut.“ 3

3.3 Roman : „ Kaputt“.

Curzio Malapartes Roman „Kaputt“ ist ein überbordendes, grelles Kriegsgemälde. Es nimmt Bezug auf seine Zeit als Kriegsberichterstatter in den Jahren 1942/43 in Osteuropa. Auch hier fließt Autobiographisches ein und vermischt sich mit Zeitgeschichtlichem und Dichtung. Abwechselnd nimmt der Erzähler die Gräuel an den Fronten von Finnland, Russland, der Ukraine sowie Jugoslawiens und Rumäniens in den Blick. Er schildert Pogrome, das Warschauer Ghetto, Judentransporte in Viehwaggons und den Alltag der Soldaten und kontrastiert das Geschehen mit Beschreibungen der glanzvollen politischen Zusammenkünfte. Seine Ungeheuerlichkeit bezieht der Roman aus dem Gegensatz der verschiedenen Wirklichkeiten: die Nazis tafeln in den Gemächern des polnischen Adels, Damast-Tischtücher, teures Porzellan, Silberbesteck, üppige Speisen sind selbstverständlich. Der Hausherr in der Szene, Generalgouverneur Frank , gibt eine eindringliche Chopininterpretation zum Besten und stellt sein vergeistigtes Wesen und seine feinsinnige Seele zur Schau. Gegenstand des Tischgespräches ist die Überlegenheit des deutschen Wesens. Szenenwechsel ins Warschauer Ghetto und in russische Kriegsgefangenenlager, wo man mit Abscheu den Kannibalismus der Kriegsgefangenen bestaunt.

Kolportage, überhitzte, drastische Darstellungen und ein kalter Realismus stürzen den Leser von einem Extrem ins andere. Durch sein Erscheinungsjahr 1944 hatte der Roman durch seine unmittelbare Zeugenschaft und die ungefilterten Schilderungen des Frontgeschehens auch einen dokumentarischen Wert. Man braucht nicht sonderlich zu erwähnen, das Malaparte und sein Roman nicht gut in Hitlerdeutschland ankam. Auch nach dem Krieg wurde der Roman sehr kontrovers diskutiert.4

3.4 Vorwort Malapartes an die deutschen Leser zu „Kaputt“- Selbstdarstellung und Selbstrechtfertigung aus Unsicherheit?

Im Vorspann seines Romans „Kaputt“ in der deutschen Übersetzung richtet sich der Autor in einem „Vorwort“ mit dem Titel :“ Brief an die deutschen Leser“ direkt an sein lesendes Publikum—und dies auf immerhin zwölf Seiten. Was hatte ihn dazu veranlasst---den sonst so Selbstsicheren? Ihn, der einen besonderen Hang zur Selbstinszenierung hatte—darauf wird noch gesondert eingegangen. Oder war sogar dieses Vorwort ein Teil seiner Selbstinszenierung. Auf jeden Fall: So wollte er gesehen werden!

Rom, April 1951.

Auszug:

„ Die Frage, die ich mir jetzt, wo „Kaputt“ in deutscher Ausgabe erscheinen soll, häufig selbst stelle, ist diese: Wie wird mein Buch in Deutschland aufgenommen werden? Ehe ich versuche, eine Antwort vorwegzunehmen, möchte ich darstellen, welches Echo das Buch in der übrigen Welt gehabt hat.“

Das stellt er nun im Folgenden detailliert dar; im Großen und Ganzen ein großer Erfolg.

Er bemerkt aber auch:

Es war natürlich, dass die Menschen heuchlerischer Gesinnung, die auch in den ebenfalls im Kriege hart erprobten alliierten Nationen nicht fehlten, sich beeilten, gegen mein Buch und gegen mich als Angehörigen eines der Völker d er Achse, ihren Hass auf Hitler und Mussolini auszutoben . „Kaputt „ wurde als das Werk eines italienischen Schriftstellers, wie das Buch eines Feindes aufgenommen. Die erbittertsten Gegner waren, wer weiß weshalb, Juden. Und doch verteidige ich in meinem Buch die Juden gegen ihre Henker, nicht nur in der Gesinnung menschlicher Sympathie, sondern im Geiste christlicher Zusammengehörigkeit; und viele der echtesten und aufwühlensten Seiten in „Kaputt „ sind eben jene, wo ich berichte, was ich bei dem fürchterlichen Pogrom von Jassy in Rumänien unternahm, um Hunderte und aber Hunderte von Juden unter Einsatz des eigenen Lebens aus dem Massaker zu retten. Doch auch die Juden sind, ich muss es leider sagen, nicht weniger undankbar und parteiisch als der Großteil der Menschen anderer Rassen und Religionen.“ (….)“ in Frankreich, wo ich viele Freunde hatte und wo allen meine Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus bekannt war und wo alle wussten, welche Verfolgungen durch den Faschismus ich erlitten hatte, sogar dort war ich den dümmsten und ungerechtesten Anschuldigungen ausgesetzt.“ Und weiter: (…) „ Wie wird also dieses mein Buch jetzt in Deutschland aufgenommen werden? Es wird nicht nur als das aufgenommen werden, was es wirklich ist, nämlich ein antinazistisches Buch, sondern auch als das, was es nicht ist, nämlich ein antideutsches Buch.“

Im Weiteren versucht Malaparte dann zu belegen, dass er immer gegen Faschismus und Nationalsozialismus gewesen ist und begründet es damit—kurz gesagt—dass er von beiden Regimen verfolgt bzw. benachteiligt wurde. Es folgt dann eine längere Abhandlung seiner Rolle als Kriegsberichterstatter im Osten. Danach berichtet er über die Widrigkeiten, die ihn in Italien nach Kriegsende erwarteten. Dann lässt er sich breit über einen deutschen Vorwurf aus, er habe den italienischen Faschismus verraten--- mit den entsprechenden Entgegnungen. Am Ende des Vorwortes geht es dann noch einmal um die dezidierte Feststellung, dass sein Werk „Kaputt“ in keinem Falle deutschfeindlich sei.

Wozu nun die langatmigen Erklärungen? Offensichtlich war sich Malaparte bewusst, dass er in weiten Teilen kritisch gesehen wurde und ihm nicht Alle seine „opportunistischen“ Wendungen haben durchgehen lassen. Hinzu kommt, so ist zu vermuten, dass er dem deutschen Leser und Beobachter zumindest in Teilen Vorbehalte gegen seine Person unterstellte, da er seine deutsche Abstammung durch die Namensänderung ins Italienische quasi „verleugnete“.5

4 Die „Nachkriegssicht“ Malapartes auf Deutschland.

Curzio Malaparte war zeitlebens ein Reisender. So ließ er es sich nicht nehmen, Deutschland nach dem Krieg mehrere Besuche abzustatten, nicht zuletzt um herauszufinden, wie sich Deutschland und die Deutschen verändert haben. Sein Deutschlandbild vor dem 2. Weltkrieg war kein Gutes; es war auch von Vorurteilen und Stereotypen geprägt. Nachzulesen in seinem Roman „“i tedeschi“. So hat er seine Reisebetrachtungen von 1946 in einer Art literarisches Reisetagebuch mit dem Titel:

„Ein Blick auf das Deutschland von heute: Sie leben in den Wäldern“ verarbeitet.

Stuttgart im Juni:

Der erste Eindruck, wenn man durch das Ruhrgebiet und die anderen Industriegebiete des Rheinlandes fährt, ist, das wieder mit Hochdruck gearbeitet wird. Die Schornsteine der Fabriken rauchen, die Züge fahren, Autoschlangen winden sich über die asphaltschwarzen Straßen zu den in der trübsinnigen Landschaft verstreuten Betrieben, durch eine feuchte Luft voller Rauch und Kohlenstaub, lang mit klagendem Ton, den Vibrationen der Stahlplatten gleich, die von Hämmern geschlagen werden“. (…) „Die Straßen der Stadt, die großenteils zerstört sind ( die Trümmer, dieser verstreute Knochenhaufen aus Beton und verrostetem und verbogenen Eisen, wirken wie das Material niedergerissener Barrikaden, die kläglichen Überreste einer gescheiterten Revolution; und die gescheiterte Revolution ist der deutsche Krieg, der verlorene Krieg , oder ist es nicht doch der Krieg der Alliierten, der gewonnenen Krieg?) , die Straßen der Stadt, auch diejenigen im Zentrum , wirken nicht überfüllt, sind keineswegs so belebt, wie es der Bevölkerungsdichte entsprechen würde. Wo also versteckt sich das Volk in Deutschland?“ (…) „ Das deutsche Volk muss man, besonders in den Gegenden, die am stärksten unter den Bombenangriffen der Alliierten gelitten haben, in den Wäldern, auf dem Land und auf den Bergen suchen, wohin es sich zurückgezogen hat, um vor dem Hunger, den Trümmern und dem Wanderrattenleben in den Kellern und den Luftschutzkellern zu fliehen, an den es sich niemals wird gewöhnen können. Der Wald lebt seit jeher auf dem Grund der deutschen Seele; der berühmte „Dämonismus“ dieser geheimnisvollen Nation nährt sich von wilder Einsamkeit im Dunkel der jahrhundertealten Wälder.“ 6

Und 1953 bemerkt Malaparte: „Die Deutschen sind anders geworden.

Köln:

„ Das deutsche Volk hat sich grundlegend verändert. Es ist nicht mehr das was es einmal war. Und vor allem, es ist nicht mehr das, was es vor zehn, zwanzig Jahren gewesen ist. Und ich will gleich sagen, dass es sich nicht zum Schlechteren verändert hat, sondern zum Besseren. Wer sich eine Meinung von den Deutschen zur Zeit Hitlers gebildet hat, wäre heute verblüfft und würde seinen Augen nicht trauen.“

(…) „Die Deutschen haben sich nicht nur in ihrem Aussehen verändert, (in der Art sich zu kleiden, beispielsweise: der amerikanische Einfluss und die Angewohnheit, die für viele eine Notwendigkeit ist, gebrauchte amerikanische Militärkleidung, Overalls, Lederjacken, Arbeitshosen aus grauem oder khakifarbenem Leinen oder nach amerikanischem Schnitt zu tragen ist auch hier zu bemerken, wie in allen Ländern Europas) sondern ich würde sagen, vor allem in ihrem Charakter. Sie haben einen Gutteil jener Härte verloren, die der Grundzug ihres Wesens zu sein schien. Sie sind zunächst einmal höflicher, liebenswürdiger geworden. Vielleicht kann man wieder von jener „deutschen Liebenswürdigkeit“ sprechen, welche die Ausländer wegen des Hauchs von Romantik, den sie darin zu erkennen glaubten, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, so sehr beeindruckt hatte, allen voran Voltaire?“ (…) „Das deutsche Volk hat gelernt zu lächeln, vielleicht weil es gelernt hat zu weinen.“

[...]


1 Internetzugriff vom 13.12.15: www.histo-couch.de/curzio-malaparte.html

2 Internetzugriff am 13.12.15: www.lyrikwelt.de/rezensionen

3 Ebd.

4 Inernetzugriff vom 28.12.15: www.deutschlandradiokultur.de/kaputt.

5 Malaparte, Curzio: Kaputt, Frankfurt, 1982, Seiten7-19.

6 Welge Jobst: Curzio Malaparte zwischen Erdbeben---Streifzüge eines europäischen Exzentrikers—Texte von Curzio Malaparte, Frankfurt a.M., 2007, Seite 257-265.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Curzio Malaparte. Künstlerisches Werk als Zeugnis und Waffe des Faschismus
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Benito Mussolini und der italienische Faschismus
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V890866
ISBN (eBook)
9783346181251
ISBN (Buch)
9783346181268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
curzio, faschismus, künstlerisches, malaparte, waffe, werk, zeugnis
Arbeit zitieren
Ullrich Michael Rasche (Autor), 2016, Curzio Malaparte. Künstlerisches Werk als Zeugnis und Waffe des Faschismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/890866

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