1.Einleitung
Seit Jahrzehnten schon wirbt die Türkei um die Gunst Europas. Jedoch ist es immer nur bei einer assoziierten Partnerschaft geblieben. Eine engere Verbin-dung wurde seitens der Union stetig abgelehnt. Mit der Entscheidung der Euro-päischen Kommission auf dem Gipfel von Helsinki 1999, die Türkei in den Sta-tus eines Beitrittskandidaten zu erheben, trat eine Wende ein. Die Debatte um einen möglichen Türkei-Beitritt wurde zunehmend offensiver geführt und spal-tete die Union in zwei Lager. Zahlreiche Texte und Bücher wurden verfasst, welche sich mit den Argumenten für einen Beitritt befassten. Ebenso viele wur-den auch seitens der Gegner veröffentlicht.
Im Folgenden soll demnach der Versuch einer Zusammenfassung unter-nommen werden. In Hinblick auf die Fragestellung, ob die Türkei ein Vollmit-glied der Europäischen Union werden soll oder nicht, werden die beiden jewei-ligen Positionen vorgestellt. Da es beiderseits viele Argumente gibt, werden hier nur die wesentlichsten und debattenbestimmenden aufgeführt. Zudem ist aus Platzgründen und der Übersicht halber eine Eingrenzung erforderlich. Im An-schluss an diese Erörterung wird dann anhand der vorgetragenen Argumente – für oder gegen einen Beitritt – eine Empfehlung stehen. Diese ist selbstverständ-lich nur eine Momentaufnahme, da die Türkei-Debatte aktueller denn je ist und somit jederzeit neue Aspekte mit einfließen können. Ebenso ist die Entwicklung auch von den beiden Partner, der EU und der Türkei, abhängig. Damit das Ver-stehen dieser Problematik überhaupt gelingt, wird vorab die Entwicklung der EU- Türkei Beziehungen seit der Unterzeichnung des Abkommens von Ankara im Jahr 1963 zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der EU- Türkei Beziehungen
2.1 Die Entwicklung der Beziehungen bis zum Status eines Beitrittskandidaten
2.2 Die Entwicklung der Beziehungen bis heute
3 Die Positionen zum Türkei-Beitritt
3.1 Für einen EU-Beitritt der Türkei
3.2 Gegen einen Türkei-Beitritt
4 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik eines möglichen EU-Beitritts der Türkei unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung ihrer Beziehungen zur Europäischen Union sowie der gegensätzlichen politischen Argumentationslinien. Das primäre Ziel ist es, die komplexen Aspekte dieser Debatte zusammenzufassen und eine fundierte Einschätzung über die Zukunftsfähigkeit einer Vollmitgliedschaft zu treffen.
- Historischer Abriss der europäisch-türkischen Beziehungen seit 1963
- Analyse der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Reformprozesse in der Türkei
- Gegenüberstellung der Pro- und Contra-Argumente im Beitrittsprozess
- Diskussion sicherheitspolitischer und geostrategischer Auswirkungen
- Bewertung der assoziierten Partnerschaft als Alternative zur Vollmitgliedschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Für einen EU-Beitritt der Türkei
Mit der Aufnahme der Türkei in die Europäische Union sehen die Befürworter den Versuch, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen, als erfolgreich durchgeführt. Die Türkei könnte somit eine Vorbildfunktion für ihre islamischen Nachbarstaaten sein und zeigen, dass Demokratie und Islam miteinander vereinbar sind. Die geostrategische und sicherheitspolitische Rolle der Türkei in dieser Region ist ebenso von Bedeutung für die EU, da man sich dadurch eine Befriedung des Mittleren Osten erhofft. Durch einen Beitritt der Türkei würden die Grenzen der EU direkt an diese Krisenregion angrenzen und somit könne ein Dialog mit Hilfe der Türkei besser gelingen.
Die Angst vor der islamisch geprägten Türkei ist aus Sicht der Befürworter unbegründet, da der Staat schon seit mehreren Generationen eine laizistische Ordnung (= Trennung von Staat und Religion) hat und der moderne politische Islam im parlamentarischen Umfeld entstanden ist und somit nicht auf der Tradition von Gewalt und Terror begründet ist. Hinzu kommt, dass der Islam schon heute die drittgrößte Religion in Westeuropa ist. Ebenso setzt sich die momentane Regierung (AKP) für die Integration in das europäische System und den gesellschaftlichen Aufstieg ein. Dies ist an den drastischen Reformen innerhalb des Landes deutlich zu sehen. Vor allem die Abschaffung der Todesstrafe, das Verbot der Folter und die Stärkung der Rechte der Minderheiten zeigen den Willen der Türkei. Dies hat auch die Kommission bestätigt, als sie die politischen Kriterien von Kopenhagen als hinreichend erfüllt ansah. Auch wurde schon im 20. Jahrhundert das europäische Recht übernommen (deutsches Handels- und Wirtschaftsrecht, das Schweizer Zivilrecht und das italienische Strafrecht). Auch wenn der europäische Standart noch längst nicht erreicht ist, so ist die Türkei doch schon auf einem guten Weg dorthin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bemühung der Türkei um eine europäische Integration ein und benennt das Ziel der Arbeit, die Argumente für und gegen einen Beitritt zu erörtern.
2 Die Entwicklung der EU- Türkei Beziehungen: Das Kapitel zeichnet den Verlauf der Beziehungen von den Anfängen 1959 über das Assoziationsabkommen von 1963 bis hin zur Erlangung des Status als Beitrittskandidat und den darauffolgenden Reformprozessen nach.
2.1 Die Entwicklung der Beziehungen bis zum Status eines Beitrittskandidaten: Hier werden die frühen Phasen der Annäherung, geprägt durch das Abkommen von Ankara und spätere politische Rückschläge durch Militärputsche und Krisen, analysiert.
2.2 Die Entwicklung der Beziehungen bis heute: Dieser Abschnitt behandelt die Zeit nach 1999, inklusive der Reformpakete der Regierung Erdoğan, der Anpassung an die Kopenhagener Kriterien und der Aufnahme offizieller Beitrittsverhandlungen.
3 Die Positionen zum Türkei-Beitritt: Einleitend wird die anhaltende Brisanz und Komplexität der Debatte dargelegt, welche die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung der beiden gegensätzlichen Lager unterstreicht.
3.1 Für einen EU-Beitritt der Türkei: Die Befürworter betonen die Vorbildfunktion der Türkei für islamische Staaten, den geostrategischen Nutzen für die EU und die Fortschritte bei den internen Reformen.
3.2 Gegen einen Türkei-Beitritt: Die Gegenseite führt kulturelle Bedenken, wirtschaftliche Belastungsfaktoren sowie das langsame Tempo bei der Umsetzung von Menschenrechts- und Minderheitenreformen an.
4 Schlussfolgerung: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass eine Vollmitgliedschaft nicht zwingend erforderlich ist und eine assoziierte Partnerschaft eine sinnvolle Alternative zur weiteren Zusammenarbeit darstellt.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, Beitritt, Beitrittskandidat, Zollunion, Kopenhagener Kriterien, Reformpolitik, AKP, Laizismus, Geopolitik, Assoziationsabkommen, Mitgliedschaft, Integration, Demokratisierung, Westanbindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historisch gewachsenen und komplexen Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union sowie die daraus resultierende Debatte über einen möglichen EU-Beitritt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Neben der historischen Entwicklung stehen die politische, wirtschaftliche und kulturelle Debatte um die Beitrittsfähigkeit sowie die geostrategische Bedeutung der Türkei im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Gegenüberstellung der Argumente von Befürwortern und Gegnern eines Beitritts, um abschließend eine Einschätzung zur weiteren Zukunftsgestaltung dieser Partnerschaft zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird hier angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analysierenden Literaturaufarbeitung, die bestehende politische Argumente und historische Dokumente synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Beziehungen seit 1963 sowie eine strukturierte Auswertung der Pro- und Contra-Argumente zur EU-Mitgliedschaft.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie EU-Beitrittsperspektive, Reformprozesse, Kopenhagener Kriterien, Zollunion und geostrategische Sicherheit definiert.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Militärs bei den Reformen?
Die Autorin hebt besonders die Reform des Nationalen Sicherheitsrates hervor, durch die der Einfluss des Militärs formal eingeschränkt und unter zivile Kontrolle gestellt wurde.
Warum hält die Autorin eine Vollmitgliedschaft letztlich für nicht zwingend?
Aufgrund der wirtschaftlichen und finanziellen Herausforderungen sowie der bereits existierenden Zollunion argumentiert die Autorin, dass eine assoziierte Partnerschaft eine stabilere und sinnvollere Alternative darstellt.
- Quote paper
- Friederike Wagner (Author), 2007, Die EU-Türkei Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89101