In seiner zwischen 1910 und 1920 entstandenen Herrschaftssoziologie entwickelte Max Weber drei Typen legitimer Herrschaft: Die legale Herrschaft, die traditionelle Herrschaft und die charismatische Herrschaft. Herrschaft bedeutet dabei bei Weber „die Chance, Gehorsam für einen bestimmten Befehl zu finden“1. Alle drei Typen beruhen „auf verschiedenen Motiven der Fügsamkeit“2. Zudem wird eine Herrschaft auch durch „Rechtsgründe, Gründe ihrer Legitimität, innerlich gestützt“3. Insgesamt gibt es drei Legitimitätsgründe „von denen – im reinen Typus – jeder mit einer grundverschiedenen soziologischen Struktur des Verwaltungsstabes und der Verwaltungsmittel verknüpft ist“4.
In dieser Hausarbeit soll auf Grundlage Webers dreier Typen legitimer Herrschaft die Leitfrage herausgearbeitet werden, welchem Herrschaftstyp das politische System der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Zu diesem Zweck soll in Punkt zwei zunächst auf die verschiedenen Motive der Fügsamkeit eingegangen werden, um dann die drei reinen Typen legitimer Herrschaft mitsamt ihrer Legitimitätsgründe vorzustellen. Daran anschließend soll dann in Punkt drei versucht werden, Webers drei Typen auf die Bundesrepublik Deutschland anzuwenden. Als Ergebnis soll hierbei nicht nur herausgefunden werden, welchem reinen Typ von Herrschaft die Bundesrepublik am ehesten entspricht, sondern es soll auch herausgefunden werden, ob in Deutschland vielleicht auch eine Mischform verschiedener Typen vorliegt, denn Weber schreibt in seinem Aufsatz „Politik als Beruf“: „die reinen Typen finden sich freilich in der Wirklichkeit selten. Aber es kann heute auf die höchst verwickelten Abwandlungen, Übergänge und Kombinationen dieser reinen Typen nicht eingegangen werden.“5 Weber selbst geht also vor allem von Mischformen seiner Typen aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft
2.1 Vorbemerkung
2.2.1 Die legale Herrschaft
2.2.2 Die traditionelle Herrschaft
2.2.3 Die charismatische Herrschaft
3. Die Anwendung der Herrschaftstypen auf die Bundesrepublik Deutschland
3.1 Die Bundesrepublik Deutschland - Eine rein legale Herrschaft?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das politische System der Bundesrepublik Deutschland auf Basis der von Max Weber entwickelten Theorie der drei Typen legitimer Herrschaft. Ziel ist es zu analysieren, ob das bundesrepublikanische System primär der legalen Herrschaft entspricht oder ob Mischformen, insbesondere durch charismatische Elemente, existieren.
- Grundlagen der Herrschaftssoziologie nach Max Weber
- Charakterisierung von legaler, traditioneller und charismatischer Herrschaft
- Analyse des Grundgesetzes als Legitimationsgrundlage
- Bedeutung von Spitzenkandidaten und Parteiprogrammen im Wahlkampf
- Diskussion über die Rolle des Charismas in der parlamentarischen Demokratie
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die legale Herrschaft
Der reinste Typus der legalen Herrschaft ist die bürokratische Herrschaft. Für Weber ist der Legitimationsgrund dieser Herrschaft „die Fügsamkeit gegenüber formal korrekt und in der üblichen Weise zustande gekommene Satzungen“, durch die „beliebiges Recht geschaffen und [bestehendes beliebig] abgeändert werden könne". Der Herrschaftsverband dieses Systems wird entweder gewählt oder bestellt. Der Verwaltungsstab besteht aus Beamten. Die Gehorchenden sind „Verbands-Mitglieder", wobei generell alle dem Gesetz unterstellt sind: sowohl die Herrschenden als auch die Bürger richten sich nach ihm. Dementsprechend wird auch nicht befehlenden Personen aufgrund ihrer natürlichen Autorität gehorcht, sondern ausschließlich aufgrund einer „gesatzten Regel, die dafür maßgebend ist, wem und inwieweit ihr zu gehorchen ist". Der Typus des Befehlenden ist der Vorgesetzte, dessen Herrschaftsrecht durch Gesetz legitimiert ist. Allerdings nur in seinem eigenen, ebenso gesetzlich festgelegten Kompetenzbereich. Die Ämter sind hierarchisch gegliedert. So steht der Vorgesetzte in seinem Kompetenzbereich geschulten Fachbeamten vor, die vom Staat angestellt sind und deren Gehalt sich nach dem Rang ihres Amtes und nicht nach dem Maß der Arbeit bemisst. Es herrscht eine streng rationale Pflichtausübung vor, denn die Beamten arbeiten nach dem Ideal „'sine ira et studio', ohne allen Einfluss persönlicher Motive oder gefühlsmäßiger Einflüsse, frei von Willkür und Unberechenbarkeiten, insbesondere ohne Ansehen der Person streng formalistisch nach rationalen Regeln und - wo diese Versagen - nach sachlichen Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten zu verfügen".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Max Webers Theorie der legitimen Herrschaft und Darlegung der Leitfrage zur Anwendung auf das politische System der Bundesrepublik Deutschland.
2. Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft: Systematische Vorstellung der drei Herrschaftstypen nach Max Weber unter Berücksichtigung der Kriterien Legitimationsgrund, Verwaltungsstab und Herrschaftsverband.
3. Die Anwendung der Herrschaftstypen auf die Bundesrepublik Deutschland: Untersuchung, inwieweit die bundesrepublikanische Ordnung als legale Herrschaft klassifiziert werden kann, inklusive einer Analyse der verfassungsrechtlichen Grundlagen.
3.1 Die Bundesrepublik Deutschland - Eine rein legale Herrschaft?: Kritische Hinterfragung des rein legalen Charakters unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von politischen Spitzenkandidaten und dem Einfluss von Charisma auf Wahlentscheidungen.
4. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage mit dem Ergebnis, dass die Bundesrepublik eine legale Herrschaft darstellt, jedoch charismatische Aspekte in der politischen Praxis eine Rolle spielen.
Schlüsselwörter
Max Weber, Legitime Herrschaft, Legale Herrschaft, Traditionelle Herrschaft, Charismatische Herrschaft, Bundesrepublik Deutschland, Grundgesetz, Bürokratie, Herrschaftssoziologie, Politische Führung, Wahlverhalten, Politische Legitimität, Parteiensystem, Politikverdrossenheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische System der Bundesrepublik Deutschland aus der soziologischen Perspektive von Max Weber, um den vorherrschenden Herrschaftstyp zu bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die drei reinen Typen legitimer Herrschaft nach Max Weber und deren Anwendung auf die Strukturen der modernen parlamentarischen Demokratie in Deutschland.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet, ob das politische System der Bundesrepublik Deutschland als eine legale, traditionelle oder charismatische Herrschaft im Sinne Max Webers einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der Weber'sche Idealtypen auf die empirischen Gegebenheiten des deutschen politischen Systems angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der Definition der drei Herrschaftstypen werden das Grundgesetz, die Rolle der Beamten, die Besetzung politischer Ämter und der Einfluss von Spitzenkandidaten auf Wahlen kritisch beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Herrschaftssoziologie, legale Herrschaft, Legitimitätsglauben, bürokratische Ordnung und parlamentarisches Führertum definiert.
Warum kann man die Bundesrepublik nicht als rein legale Herrschaft bezeichnen?
Obwohl das System rechtlich auf formalen Satzungen basiert, zeigen Analysen, dass die Personalisierung von Politik und das Charisma von Spitzenkandidaten einen Einfluss ausüben, der über rein bürokratische Abläufe hinausgeht.
Welche Rolle spielt die Politikverdrossenheit in der Untersuchung?
Die Politikverdrossenheit wird als tagespolitischer Kontext genannt, der die Frage aufwirft, ob die Legitimität des politischen Systems bei den Bürgern dauerhaft gesichert bleibt.
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- Fabian Ellermann (Author), 2007, Die Bundesrepublik Deutschland: Eine legale, traditionelle oder charismatische Herrschaft im Sinne Max Webers?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89169