Konstantin der Große und Licinius

"Dyarchen" und Widersacher


Hausarbeit, 2006

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

2. Entstehung und Verlauf der “Dyarchie”
2.1 Die Mailänder Vereinbarung
2.2 Die Rückkehr zum Zweikaisertum

3. Die Konflikte zwischen den Kaisern und die Auflösung der “Dyarchie”
3.1 Die machtpolitischen Konflikte
3.1.2 Der erste Krieg der beiden ehemals Verbündeten
3.2 Der Weg zur Auflösung der “Dyarchie”
3.2.1 Religionspolitische Konflikte
3.3 Die Erringung der Alleinherrschaft für Konstantin

4. Abschließende Gedanken

Literaturverzeichnis:

Quellenverzeichnis:

1. Einleitende Gedanken

Der aus Naissus stammende Konstantin (Constantinus) genoss als Sohn eines Kaisers die übliche Ausbildung eines Soldaten und wurde später selbst als Usurpator zum Soldatenkaiser. Die Tetrarchie war mit der Machtergreifung des Sohnes von Constantius Chlorus stark ins Wanken geraten und musste von Galerius, dem ranghöchsten Augustus, nach dem Tod des Constantius mühsam wiederhergestellt werden. Doch zahlreiche Usurpationsversuche sollten die Tetrarchie aus dem Gleichgewicht bringen und damit ihr Scheitern besiegeln. In der Folgezeit kam es zu innerpolitischen Konflikten, die die Wirtschaft des Reiches lähmten und die Stabilität gefährdeten. Die gegensätzlichen religiösen Entwicklungen im Reich gestalteten sich zu Glaubenskrisen zwischen den verbliebenen Kaisern. Bündnisse wurden geschmiedet und Kriege ausgefochten. Das entscheidende Bündnis zur Wiederherstellung der politischen Ordnung war das des Konstantin mit Licinius, einem weiteren Soldatenkaiser aus Thrakien. In meiner Hausarbeit werde ich dabei besonders auf die Entstehung dieses Bündnisses eingehen und dessen Verlauf untersuchen. Ein Kernpunkt wird dabei die spätere religiöse Disharmonie der beiden Kaiser einnehmen. Wie kam es zum Bruch des Bündnisses und welche Faktoren waren ausschlaggebend? In den späten Quellen wird Konstantin als Held und sein Widersacher Licinius als Verräter am Glauben und als „Monster“ dargestellt. Die frühen Quellen jedoch zeichnen ein ganz anderes Bild. Auch Konstantin der Große war eine mystische Figur, die einerseits als erster christlicher Kaiser gefeiert, andererseits aber als machtgieriger Tyrann beschrieben wird. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Beschreibungen? Ich werde an dieser Stelle besonders einen kritischen Blick auf die Quellen von Laktanz, Eusebius von Caesarea und auf die des Zosimus werfen. Letzterer hinterlässt als heidnischer Historiker, einen der wenigen Anhaltspunkte für ein anderes Konstantinbild. Als letzten Punkt werde ich die Konflikte des Konstantin mit Licinius beleuchten, die letztendlich zum Fall des Kaisers im Osten führten und die Alleinherrschaft des ersten christlichen Kaisers besiegeln sollten.

2. Entstehung und Verlauf der “Dyarchie”

Galerius´ Tod 311 hatte einen Konflikt zwischen Licinius und Maximinus Daia (Sohn des Maxentius) zur Folge. Das nun freie Herrschaftsgebiet wollten die beiden verbliebenen Kaiser im Osten für sich beanspruchen. Dies hatte zur Folge, dass sich Maximinus Daias Truppen aus Syrien und Licinius´ Heer aus Pannonien am Bosporus aufeinander trafen. Fortan sollte das die Grenze des geteilten östlichen Reiches werden. Späte christliche Quellen berichten, dass die Familie des Galerius aus Angst vor Licinius´ Versuch die kaiserliche Linie auszurotten zu Maximinus Daia floh. Dieser verheiratete Candidianus, einen der Söhne des Galerius, mit seiner Tochter und machte somit deutlich, dass er die Tradition der Tetrarchie weiterführen wollte. Maxentius suchte als Herrscher über den italischen Raum die militärische Verbindung zu Maximinus Daia. Hingegen wollte Licinius seine politische Macht halten, indem er seinen Verbündeten in Konstantin sah. Um diese Verbindung zu stärken, entschloss sich Konstantin seine Halbschwester Constantia mit Licinius zu verloben. Die Heirat wurde zunächst aufgeschoben, sodass sich Konstantin Maximinus Daia als zweiten möglichen Verbündeten offen halten konnte. Sein Blick war vorerst auf Rom, seine unmittelbare Nachbarschaft gerichtet. 312 entschied sich der Kaiser für eine militärische Offensive gegen Maxentius und damit für ein Unterfangen, an dem schon Severus und Galerius 307 gescheitert waren. Mit Italien, dem eigentlichen Kernland des Reiches und der Kornkammer Roms (Africa) hatte Konstantin einen schweren Weg zu beschreiten. Eine mögliche Ursache hierfür war das Niederreißen der Konstantinstatuen in Rom. Italien selbst war unter Maxentius ausgebaut worden, die Städte Verona, Segusio/Susa, Turin und Aquileia wurden in dieser Zeit als unüberwindbare Festungen gefeiert. Konstantin selbst setzte auf die Stärke seiner Truppen, die Schnelligkeit ihrer Bewegungen sollte den Überraschungseffekt auf der Seite des Konstantin wähnen. So waren bald die ersten Erfolge zu verzeichnen. "Überfallartig errungene Siege in Sura und Turin[…]" (Brandt 2006, S.43) zeigten gute Fortschritte auf feindlichem Territorium. Doch das Beispiel von Verona zeigt den dafür notwendigen Kraftaufwand, die ein solcher Feldzug mit sich brachte. Verona konnte erst nach langer Belagerung eingenommen werden. Grundsätzlich verfolgte Konstantin eine Politik der Milde, wenn sich der Gegner bereit erklärte zu kapitulieren. Aber wenn er wie im Falle Veronas Widerstand leistete, konnte man mit dem Zorn des Eroberers rechnen(vgl. Clauss 1996: S.34). Zwar stand nun der Weg nach Rom offen, jedoch wusste Konstantin, dass Rom nicht ohne weiteres einzunehmen war, das hatte die lange Belagerung von Verona aufgezeigt. Schlechte Zeichen für einen nahen Sieg waren auch die erfolgreiche Instandsetzung der Aurelianischen Mauer, sowie die geradezu endlosen Getreidevorräte in der römischen Hauptstadt. Wenige Kilometer vor der Stadt ließ Konstantin das Lager aufschlagen. Trotz der militärisch schlechten Lage mussten die Truppen bereit sein. Sie brauchten eine Motivation, wie sie nur Gotteszeichen geben konnten. Mit der Vision vor der Schlacht an der Milvischen Brücke hatte Konstantin eine solche Motivation gefunden. In späteren Jahren sollten zahlreiche Berichte und Interpretationen zu dieser Vision folgen. Diese sind nicht Thema der Hausarbeit, da die Quellenvielfalt nicht den verfügbaren Rahmen dieser Ausarbeitung darstellt. Es sei nur darauf hingewiesen, dass Laktanz in seiner Berichterstattung, die das Christogram XP beinhaltet, erwähnt, dass in der folgenden Schlacht die Schilder der Soldaten des soeben "bekehrten" Konstantin dieses Zeichen trugen.

Dieser Umstand, dass das Heer nun göttliche Unterstützung hatte, machte aber noch nicht den Sieg aus. Maxentius begann einen folgenschweren Fehler und machte einen Ausfall aus seiner Stadt. Die beiden Heere standen sich letztendlich am 28.10.312 an der Milvischen Brücke gegenüber. Was Maxentius dazu trieb, die Stadt zu verlassen, bleibt ein nicht zu lösendes Rätsel. Möglicherweise wollte er eine längere Belagerung abwenden. Dem steht die Tatsache entgegen, dass er eine solche ohne weiteres mehrere Jahre überstanden hätte. Vielleicht fühlte er sich zu überlegen. Weitere christliche Deutungen gehen von falschen heidnischen Orakeln oder innerstädtischen Unruhen aus. Heute kann der genaue Verlauf, der zu diesen Entscheidungen geführt hat, nicht mehr genau rekonstruiert werden. Man weiß nur, dass Maxentius im Laufe der Schlacht in den Tiber geschleudert wurde und dort wohl ertrank. Nach dem glorreichen Sieg, den Konstantin dank dieser Fehlentscheidung feiern konnte, zog der neue Herrscher mit einem Triumphmarsch durch Rom. Dieser Sieg sollte auf dem Konstantinbogen für immer festgehalten werden. Besonders auffällig an diesem Bogen ist die zentrale Rolle des Sol, den man wohl hier als höchste Gottheit ansehen muss(vgl. Clauss 1996: S.33 ff). Konstantin war schnell darauf bedacht seinen Gott zu ehren. Seit dem Ende des Jahres 312 förderte Konstantin so das Christentum zunehmend. So stifteten er und seine

Familienmitglieder unter anderem zahlreiche Kirchen. Was hauptsächlich seine Motivation ausmachte, kann nicht eindeutig geklärt werden. Sei es nun politisches Kalkül oder die Bekenntnis zum Christentum? Zu dieser Zeit war die Gemeinde der Christen zwar nicht sehr groß und sie hatten auch nirgends eine Mehrheit, aber sie waren weit verbreitet und es gab einen deutlichen Wachstumstrend. Unter diesen Umständen kann der Eindruck entstehen, dass der politische Machtzuwachs schon damals eine willkommene Entwicklung für den jungen Kaiser darstellte. Die Ausbreitung der Christen in den römischen Provinzen kann wahrscheinlich auf die Empfänglichkeit der damaligen Bürger für östliche “Erlöserreligionen” hindeuten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Konstantin der Große und Licinius
Untertitel
"Dyarchen" und Widersacher
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V89336
ISBN (eBook)
9783638026611
ISBN (Buch)
9783638937252
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstantin, Große, Licinius, Christentum, Antike, Rom, Kaiser
Arbeit zitieren
Stefan Behm (Autor), 2006, Konstantin der Große und Licinius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89336

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