Der aus Naissus stammende Konstantin (Constantinus) genoss als Sohn eines Kaisers die übliche Ausbildung eines Soldaten und wurde später selbst als Usurpator zum Soldatenkaiser. Die Tetrarchie war mit der Machtergreifung des Sohnes von Constantius Chlorus stark ins Wanken geraten und musste von Galerius, dem ranghöchsten Augustus, nach dem Tod des Constantius mühsam wiederhergestellt werden. Doch zahlreiche Usurpationsversuche sollten die Tetrarchie aus dem Gleichgewicht bringen und damit ihr Scheitern besiegeln. In der Folgezeit kam es zu innerpolitischen Konflikten, die die Wirtschaft des Reiches lähmten und die Stabilität gefährdeten. Die gegensätzlichen religiösen Entwicklungen im Reich gestalteten sich zu Glaubenskrisen zwischen den verbliebenen Kaisern. Bündnisse wurden geschmiedet und Kriege ausgefochten. Das entscheidende Bündnis zur Wiederherstellung der politischen Ordnung war das des Konstantin mit Licinius, einem weiteren Soldatenkaiser aus Thrakien. In meiner Hausarbeit werde ich dabei besonders auf die Entstehung dieses Bündnisses eingehen und dessen Verlauf untersuchen. Ein Kernpunkt wird dabei die spätere religiöse Disharmonie der beiden Kaiser einnehmen. Wie kam es zum Bruch des Bündnisses und welche Faktoren waren ausschlaggebend? In den späten Quellen wird Konstantin als Held und sein Widersacher Licinius als Verräter am Glauben und als „Monster“ dargestellt. Die frühen Quellen jedoch zeichnen ein ganz anderes Bild. Auch Konstantin der Große war eine mystische Figur, die einerseits als erster christlicher Kaiser gefeiert, andererseits aber als machtgieriger Tyrann beschrieben wird. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Beschreibungen? Ich werde an dieser Stelle besonders einen kritischen Blick auf die Quellen von Laktanz, Eusebius von Caesarea und auf die des Zosimus werfen. Letzterer hinterlässt als heidnischer Historiker, einen der wenigen Anhaltspunkte für ein anderes Konstantinbild. Als letzten Punkt werde ich die Konflikte des Konstantin mit Licinius beleuchten, die letztendlich zum Fall des Kaisers im Osten führten und die Alleinherrschaft des ersten christlichen Kaisers besiegeln sollten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Gedanken
2. Entstehung und Verlauf der “Dyarchie”
2.1 Die Mailänder Vereinbarung
2.2 Die Rückkehr zum Zweikaisertum
3. Die Konflikte zwischen den Kaisern und die Auflösung der “Dyarchie”
3.1 Die machtpolitischen Konflikte
3.1.2 Der erste Krieg der beiden ehemals Verbündeten
3.2 Der Weg zur Auflösung der “Dyarchie”
3.2.1 Religionspolitische Konflikte
3.3 Die Erringung der Alleinherrschaft für Konstantin
4. Abschließende Gedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und religiöse Dynamik zwischen Konstantin dem Großen und Licinius, die mit der gemeinsamen "Dyarchie" begann und in einem Machtkampf um die Alleinherrschaft im römischen Reich gipfelte.
- Entstehung und Zerfall des Bündnisses zwischen Konstantin und Licinius.
- Analyse machtpolitischer Konflikte und militärischer Auseinandersetzungen.
- Untersuchung der religiösen Disharmonie und der Rolle des Christentums.
- Quellenkritische Betrachtung antiker Historiker wie Laktanz, Eusebius und Zosimus.
- Bewertung der Alleinherrschaft Konstantins als Konsequenz politischen Kalküls.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die machtpolitischen Konflikte
Nach der Niederlage des Maximinus Daia mussten die verschiedenen Herrschaftsbereiche neu bestimmt werden. In diesem Zusammenhang schlug Konstantin Licinius einen Handel vor. Das Herrschaftsgebet des Maximianus, also das Gebiet des Schwiegervaters des Konstantin, sollte wiederhergestellt werden. Beide Kaiser hätten dafür einen Teil ihrer Gebiete wieder abgeben müssen. Für Licinius war diese “neutrale” Pufferzone ein ernsthaftes Problem, da die ausgewählte Person für diese Aufgabe Bassianus war, der Mann von Konstantins Halbschwester Anastasia. Das war ein sicheres Zeichen für Konstantins wachsenden Willen zur Alleinherrschaft, was sich mit dem Titel “maximus Augustus” andeutete(vgl. Clauss 1996, S.44).
Der Versuch Konstantins ohne militärischen Einsatz sein Hoheitsgebiet zu vergrößern scheiterte am Widerstand des Licinius. Bassianus hatte ebenfalls einen Bruder mit dem Namen Senecio, der im Gebiet des Ostkaisers lebte. So schaffte es Licinius, Bassianus über Senecio zu einem Komplott gegen Konstantin zu ermutigen. Die Ermordung des Westkaisers scheiterte allerdings und nun zeigte sich der christliche Herrscher von einer anderen Seite, er ging nicht den Weg der Milde und ließ Bassianus rücksichtslos hinrichten. Auch Senecio sollte dieses Schicksal ereilen, so forderte Konstantin die Auslieferung des Mittäters, doch Licinius schmetterte diese Forderung ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Gedanken: Einführung in die historische Ausgangslage der Tetrarchie und Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Konstantin und Licinius.
2. Entstehung und Verlauf der “Dyarchie”: Betrachtung der Bündnisbildung nach dem Tod des Galerius und der Konsolidierung der Macht durch Konstantin und Licinius.
2.1 Die Mailänder Vereinbarung: Analyse der Vereinbarung zur religiösen Gleichstellung und der begrenzten Übereinstimmung der Kaiser in dieser Frage.
2.2 Die Rückkehr zum Zweikaisertum: Darstellung der militärischen Erfolge des Licinius gegen Maximinus Daia und der Festigung der Allianz.
3. Die Konflikte zwischen den Kaisern und die Auflösung der “Dyarchie”: Überblick über die schleichende Entfremdung der Kaiser durch politische und religiöse Spannungen.
3.1 Die machtpolitischen Konflikte: Untersuchung der internen Machtkämpfe und des Scheiterns diplomatischer Bemühungen um eine Pufferzone.
3.1.2 Der erste Krieg der beiden ehemals Verbündeten: Analyse der militärischen Auseinandersetzung von 316 und deren Auswirkungen auf die Machtbalance.
3.2 Der Weg zur Auflösung der “Dyarchie”: Beschreibung der dynastischen Ambitionen Konstantins und der zunehmenden Instabilität des gemeinsamen Systems.
3.2.1 Religionspolitische Konflikte: Erörterung der religiösen Instrumentalisierung durch beide Kaiser als Teil ihrer machtpolitischen Strategien.
3.3 Die Erringung der Alleinherrschaft für Konstantin: Dokumentation des endgültigen militärischen Triumphes Konstantins und des Falls des Licinius.
4. Abschließende Gedanken: Fazit zur Bedeutung des Bündnisses und der Rolle des machtpolitischen Kalküls für den Aufstieg Konstantins zum Alleinherrscher.
Schlüsselwörter
Konstantin der Große, Licinius, Dyarchie, Tetrarchie, Römische Geschichte, Spätantike, Machtpolitik, Mailänder Vereinbarung, Christentum, Heidentum, Soldatenkaiser, Maxentius, Maximinus Daia, Alleinherrschaft, Quellenkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Beziehung zwischen Konstantin dem Großen und Licinius, vom gemeinsamen Regierungsbündnis ("Dyarchie") bis hin zum endgültigen Machtkampf, der in der Alleinherrschaft Konstantins mündete.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der politischen Instabilität nach der Tetrarchie, der Bedeutung religiöser Entwicklungen für Machtansprüche und der kritischen Auswertung antiker Quellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie sich aus einem ursprünglich strategischen Bündnis ein tödlicher Konflikt entwickelte und inwiefern machtpolitisches Kalkül dabei eine größere Rolle spielte als religiöse Differenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode unter Anwendung von Quellenkritik, wobei Texte antiker Historiker wie Laktanz, Eusebius und Zosimus einander gegenübergestellt werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärischen und diplomatischen Ereignisse, beginnend bei der Mailänder Vereinbarung über den ersten Krieg zwischen den Kaisern bis hin zur finalen Schlacht und dem Ende des Licinius.
Welche Begriffe charakterisieren den Inhalt am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie "Dyarchie", "Konstantin der Große", "Machtpolitik", "Quellenkritik" und "Spätantike" zusammenfassen.
Warum spielt die Person des Licinius eine so zentrale Rolle?
Licinius wird als notwendiger Partner und späterer Gegenspieler betrachtet, dessen Untergang maßgeblich durch Konstantins wachsendes Streben nach einer dynastischen Alleinherrschaft vorangetrieben wurde.
Welche Bedeutung haben die religiösen Konflikte laut dem Autor?
Der Autor argumentiert, dass die religiöse Disharmonie eher als Instrument der Machtpolitik diente und die Instrumentalisierung des Christentums bzw. Heidentums aus der Notwendigkeit der Selbstbehauptung gegenüber dem jeweiligen Rivalen resultierte.
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- Stefan Behm (Author), 2006, Konstantin der Große und Licinius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89336