Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Romanistik - Italianistik

Liebe und Wahnsinn – Über den Wandel ritterlich-höfischer ’Paradigmen’ im Kontext epochaler Strukturierungen in "Orlando Furioso"

Titel: Liebe und Wahnsinn – Über den Wandel ritterlich-höfischer ’Paradigmen’ im Kontext epochaler Strukturierungen in "Orlando Furioso"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Joern Bilkenroth (Autor:in)

Romanistik - Italianistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Selbst im postmodernen und aufgeklärten 21. Jahrhundert gilt Orlando Furioso als ein Klassiker italienischer Literatur. Eine tradierte Kanonzugehörigkeit ist dafür nicht mehr ausreichendes Kriterium. Offenbar hat sich der Text bis in die Gegenwart vor dem Leser bewährt. Daraus entsteht die Neugierde nach den besonderen Momenten des Textes zu suchen, die den Leser damals wie heute zu begeistern vermögen. Dies macht einen Vergleich von Vergangenem und Gegenwärtigem notwendig. Um Zeiträume vergleichen zu können, hat die Wissenschaft das Verfahren epochaler Strukturierungen entwickelt, welches auch hier zur Anwendung kommt. Methodisch ist es ein nachordnendes Verfahren. Demnach sind Versuche Gegenwärtiges epochalisieren zu wollen von unabgeschlossenem Charakter und erscheinen spekulativ. Eindeutiger wirken Beschreibungen der Vergangenheit.
So ist es das Ziel dieser Arbeit Besonderheiten des OF im sozio-kulturellen Zusammenhang seiner Entstehungszeit herauszustellen und zu beschreiben. Da die Zeit um 1500 eine Zeit des Wandels und grundlegender Veränderungen ist, ist diese Zeit in sich bereits markant (II.1). Es ist deshalb sinnvoll zu zeigen, in welcher besonderen Weise im OF sich dieser Drang zur Veränderung äussert. Es wird im Text nach Neu-Schreibungen bestehender Kontexte gesucht. Die Diskussion um epochale Strukturierungen (II.2) führt zur Entwicklung vorbildlicher Parameter, um diese Prozesse adäquat abzubilden.
In der Literaturgeschichte Volker Kapps ist zu lesen, dass Ariost mit den Erzähltechniken mittelalterlicher Literatur spielt . Ist dies zutreffend, so ist es wahrscheinlich, dass mittelalterliche Liebesdarstellungen nicht mehr eindeutig auf dahinter stehende Liebeskonzeptionen verweisen, weil der verbindliche Bezugsrahmen fehlt. Eine Bestätigung der hier negativ formulierten These Rüdiger Schnells bedeutete, dass Liebesdarstellungen im OF nicht verlässlich auf einzelne Liebeskonzeptualisierungen rückführbar seien. Somit obläge es dem Leser wie er einzelne Darstellungen deutet und versteht .

Arbeitshypothese ist, dass der eben angenommene Lösungsprozess zwischen Darstellung, Konzeption und Ordnungsrahmen im OF vollzogen und dem Leser die Verantwortung für das Verstehen des Textes zugeführt wird. Um dies zu prüfen wird folgendermaßen verfahren:
Die Analyse der Figurenkonstellationen und –konzeptionen behandelt den Verlust eines eindeutigen Bedeutungsrahmen für die Liebesdarstellungen und –konzeptionen (III.1) im OF. Dafür sind mögliche Differenzen zwischen veränderten diskursbildenden Merkmalen des Textes und gattungsspezifischen Erwartungen der höfischen Epik herauszustellen. In III.2 wird gezeigt, ob und in welcher Weise es dem Leser verbleibt Bedeutungszuweisungen selbst zu erschaffen. In welcher Weise dabei gattungsspezifische Diskurse berührt und/oder gewandelt werden ist festzuhalten. Davon ausgehend können epochenspezifische Aussagen getroffen werden, die sich mit epochalem Wandel bzw. Epochenschwellen im OF auseinandersetzen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

II ORLANDO FURIOSO ZWISCHEN MITTELALTER UND NEUZEIT

II.1 Zum Begriff der Renaissance

II.2 Grenzen und Möglichkeiten epochaler Strukturierungen – Von Epochen zu Epochenschwellen

II.2.1 Epochen

II.2.2 Epochenschwellen

III LIEBE UND WAHNSINN – ZUM WANDEL HÖFISCH-RITTERLICHER STRUKTUREN IM OF

III.1 Liebeskonzeptionen im Orlando Furioso

III.1.1 Angelica

III.1.2 Angelica und Sacripante

III.1.3 Angelica und Orlando

III.1.4 Orlando

III.2 Wahnsinn und Heilung Orlandos

III.2.1 Entwicklung Orlandos zum Wahnsinn

III.2.2 Kennzeichen des Wahnsinn Orlandos

III.2.3 Kennzeichen der Heilung Orlandos

III.3 Zusammenfassung

IV INTERPRETATION – KÖRPERLICHKEIT, GEDÄCHNIS UND EMANZIPATION

V FAZIT – DIALOGISZITÄT ALS MERKMAL EPOCHALER ZUORDNUNG

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel ritterlich-höfischer Strukturen im Werk Orlando Furioso vor dem sozio-kulturellen Hintergrund der Zeit um 1500. Das zentrale Ziel ist es, durch die Analyse von Figurenkonstellationen und Liebeskonzeptionen aufzuzeigen, wie Ariost tradierte Gattungserwartungen durchbricht und dem Leser eine neue, emanzipierte Rolle bei der Sinnstiftung zuweist, wobei die Konzepte von Epoche und Epochenschwelle methodisch leitend sind.

  • Analyse der Transformation ritterlicher Rollenbilder
  • Untersuchung von Liebe und Wahnsinn als epochenstrukturierende Elemente
  • Erforschung der Verschränkung von Körperlichkeit und Identitätsverlust
  • Rolle des Lesers als Gedächtnis und Dialogpartner im Text
  • Konzeptualisierung von Epochenschwellen in der Literaturgeschichte

Auszug aus dem Buch

III.1.2 Angelica und Sacripante

In der Interaktion Angelicas und Sacripantes konkretisiert sich letztgenannter Prozess über ein sich wandelndes Verhältnis der Geschlechter. Von Beginn an ist Sacripante eine durch den weiblichen Blick Angelicas in Szene gesetzte Figur (I,39: „/ Se glié amico o nemico non comprende:/ tema e speranza il dubbio cuor le scuote;/ e di quella aventura il fine attende/“). Angelica verfolgt sein Liebesklagen. Diese Situation des einsam Liebesleidenden mitten in der Einsamkeit der Natur entspricht der um 1500 teilweise noch vorbildlichen petrarkistischen Liebestopik. Deren Vorbildlichkeit wird im folgenden aber gebrochen. So beklagt sich Sacripante weniger über die verlorene Unschuld Angelicas an sich (I,41: „/ che debbo far, poi ch’io son giunto tardi,/ e ch’altri a côrre il frutto è andato prima?“/), als über dessen Konsequenzen. Es ist vor allem die Unmöglichkeit der sinnlich-sexuellen Erfüllung seines Liebesbegehrens, die ihn schmerzt, und der für ihn offensichtlichen Untreue Angelicas ihm gegenüber. Dieses selbstbezogene Handeln des Mannes im Kontext höfisch-ritterlicher Liebestopik, aus der Sicht des Objektes, der Frau, veranschaulicht, betont dessen Unmoral und etabliert die Frau gleichzeitig als Primat des Textes. Denn es ist hier die weibliche Perspektive durch die der Leser der Erzählung folgt. Aber auch auf der Handlungsebene bestimmt Angelica was passiert.

Angelica wird Sacripante gegenüber als überlegen inszeniert. So bedient sich Angelica der Verliebtheit und Begierde Sacripantes (I,51: „/ ma alcuna finzione, alcuno inganno/ di tenerlo in speranza ordisce e trama;/ tanto ch’a quel bisogno se ne serva,/ poi torni all’uso suo dura e proterva.“). Angelica handelt ihm gegenüber souverän und kann zu keinem Zeitpunkt ’Opfer’ seines Liebeswerbens werden. Eine gegenseitige Zuneiung besteht nicht. Damit ist Sacripante im OF der erste von der Liebe unwiderruflich und wahrhaft enttäuschte Ritter. Das offensichtlich gewordene Wesen seiner Liebe ist sexuelle Lust. Selbst eine gewaltsame Bemächtigung des Körpers Angelicas als letztes Mittel der Trieberfüllung, mißlingt.

Zusammenfassung der Kapitel

II ORLANDO FURIOSO ZWISCHEN MITTELALTER UND NEUZEIT: Das Kapitel untersucht den historischen Kontext der Entstehungszeit des Werkes und führt die methodischen Begriffe Epoche sowie Epochenschwelle ein, um die Veränderungen um 1500 abzubilden.

III LIEBE UND WAHNSINN – ZUM WANDEL HÖFISCH-RITTERLICHER STRUKTUREN IM OF: Hier werden anhand der zentralen Figuren Angelica, Sacripante und Orlando die Destabilisierung ritterlicher Liebeskonzeptionen und der Zerfall tradierter Machtstrukturen analysiert.

IV INTERPRETATION – KÖRPERLICHKEIT, GEDÄCHNIS UND EMANZIPATION: Dieses Kapitel betrachtet die Rolle des Körpers im Wahnsinn Orlandos und arbeitet heraus, wie der Text den Leser als optionales Gedächtnis emanzipiert.

V FAZIT – DIALOGISZITÄT ALS MERKMAL EPOCHALER ZUORDNUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und definiert die Dialogiszität zwischen Text und Leser als epochemachendes Prinzip des Orlando Furioso.

Schlüsselwörter

Orlando Furioso, Ludovico Ariosto, Renaissance, Epochenschwelle, Höfische Epik, Liebeskonzeption, Wahnsinn, Körperlichkeit, Gattungstransformation, Geschlechterrollen, Dialogiszität, Angelica, Orlando, Literaturwissenschaft, Identitätsverlust

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie im Epos Orlando Furioso traditionelle ritterlich-höfische Strukturen durch einen Wandel in den Liebesdarstellungen und durch die Inszenierung von Wahnsinn hinterfragt und aufgelöst werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Übergang von der mittelalterlichen zur neuzeitlichen Epoche, die Dekonstruktion männlicher Ritterideale durch die weibliche Perspektive und die Rolle des Lesers bei der Interpretation des Textes.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Besonderheiten des Werkes im sozio-kulturellen Zusammenhang seiner Zeit zu identifizieren und zu zeigen, wie durch den Bruch mit Gattungskonventionen neue Sinnbildungsräume für den Leser entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt das Verfahren der epochalen Strukturierung (Epochenbegriff und Epochenschwelle) sowie eine detaillierte textimmanente Analyse von Figurenkonstellationen und intertextuellen Bezügen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zur Renaissance und zu Epochenschwellen diskutiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Liebeskonzeptionen und des Wahnsinns von Orlando.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Orlando Furioso, Epochenschwelle, Renaissance, ritterliche Liebeskonzeption, Wahnsinn und Dialogiszität.

Warum ist die Figur Angelica so entscheidend für die Argumentation des Autors?

Angelica fungiert als Katalysator, die durch ihr Handeln und ihre Flucht die ritterlichen Machtstrukturen entlarvt und den Untergang des traditionellen ritterlichen Liebesbildes einleitet.

Wie verändert sich Orlandos Status von der Ordnung zur Anarchie?

Orlando wandelt sich vom Inbegriff des ehrenhaften Ritters zum Orlando Furioso, indem sein Scheitern bei der Liebeserfüllung zu einer Spaltung von Geist und Körper führt, die ihn in einen rein animalisch-körperlichen Zustand des Wahnsinns treibt.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Liebe und Wahnsinn – Über den Wandel ritterlich-höfischer ’Paradigmen’ im Kontext epochaler Strukturierungen in "Orlando Furioso"
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Joern Bilkenroth (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V89343
ISBN (eBook)
9783638026628
ISBN (Buch)
9783638926300
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe Wahnsinn Wandel Kontext Strukturierungen Orlando Furioso
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Joern Bilkenroth (Autor:in), 2006, Liebe und Wahnsinn – Über den Wandel ritterlich-höfischer ’Paradigmen’ im Kontext epochaler Strukturierungen in "Orlando Furioso", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89343
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  28  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum