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Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus

Eine Untersuchung von zwei Ideologien im Dritten Reich anhand der Ideologierezeption von Jürgen Habermas

Title: Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Dunkel (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die Machtergreifung Hitlers in Deutschland am 30. Januar 1933 bestätigte die Vermutung, die in der marxistischen Interpretation des Verhältnisses von Ökonomie und Politik von Lenin geäußert wird. Es zeigte sich deutlich,
„daß der politische Überbau über der neuen Ökonomik, über den monopolistischen Kapitalismus … die Wendung von der Demokratie zur politischen Reaktion (ist). Der freien Konkurrenz entspricht die Demokratie. Dem Monopol entspricht die politische Reaktion.“
Der Monopolkapitalismus der Weimarer Republik wurde auch im Nachhinein lange Zeit als wichtige Ursache für die Entstehung des Dritten Reiches verantwortlich gesehen.
Jedoch wurde die Debatte über das Verhältnis von Kapital zu deutschem Faschismus in den 1970er Jahren durch die Untersuchung „Faschismus und Kapitalismus in Deutschland“, von Henry Ashby Turner Jr., neu entfacht. Turner räumt in seiner Untersuchung zwar ein, dass der Nationalsozialismus „[…] unleugbar ein Kind des kapitalistischen Systems […]“ sei, allerdings stellt er eine Kontingenz des Faschismus ähnlich der anderen existierenden Ideologien fest:
„[…] überdies entstammt nicht nur der Nationalsozialismus, sondern auch jede andere vom modernen Europa ausgehende politische Bewegung, die liberale Demokratie ebenso wie der Kommunismus, dem gleichen kapitalistischen System.“
Als Ergebnis seiner Forschung entdeckt Turner, dass die Großunternehmer Hitler keinesfalls vor der Machtübernahme unterstützt haben. Turner war damit gewillt, die Mär vom spendablen Großunternehmer zu widerlegen. Dies gelang ihm mit der Feststellung, dass die Großunternehmer nicht die NSDAP, sondern – wenn diese denn spendeten – zumeist andere Parteien im rechten Spektrum (bevorzugt die DNVP) mit finanzieller Hilfe begünstigten.
Ziel dieser Arbeit ist die Diskussion über das Verhältnis zweier Ideologien nach dem Modell von Jürgen Habermas. Die zu untersuchenden Ideologien sind dabei der Nationalsozialimus zum einen und der Geist des Kapitalismus zum anderen.
Ausgehend davon, dass nach der Ideologierezeption Habermas‘ eine Koexistenz zweier herrschenden Ideologien nicht möglich ist, soll das Verhältnis dieser zueinander untersucht werden. Daran anknüpfend lässt sich auch die Ausgangsthese formulieren:

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus?

2. Die Ideologierezeption von Jürgen Habermas

3. Kapitalismus und Geist des Kapitalismus – Definition nach Max Weber

4. Faschismus im Dritten Reich

5. Faschismus als Kontingenzphänomen im ideologischen Konflikt?

6. Nationalsozialismus statt Geist des Kapitalismus

Zielsetzung & Themen der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Nationalsozialismus und dem von Max Weber geprägten Begriff des „Geist des Kapitalismus“ auf Basis der Ideologietheorie von Jürgen Habermas, um zu klären, ob und wie diese Ideologien im Dritten Reich koexistierten oder konkurrierten.

  • Analyse der Ideologierezeption nach Jürgen Habermas
  • Definition des Kapitalismus und des „Geist des Kapitalismus“ bei Max Weber
  • Untersuchung der nationalsozialistischen Programmatik und deren Verhältnis zur Wirtschaft
  • Diskussion des Faschismus als kontingentes Phänomen innerhalb ideologischer Konflikte

Auszug aus dem Buch

3. Kapitalismus und Geist des Kapitalismus – Definition nach Max Weber

Wenn zwei Ideologien im Zusammenspiel bzw. Wettstreit untersucht werden sollen, so stellt es sich als eine besondere Schwierigkeit dar, den herkömmlichen Kapitalismusbegriff – stete Kapitalakkumulation – als eine ideologische Formation zu begreifen. Der Kapitalismus ist keine solche Formation. Er kann kein Bewusstsein formen, ist keine Ideologie. Fernand Braudel beschreibt den Kapitalismus, indem er frei nach Wallerstein feststellt:

„Der Kapitalismus ist die Erfindung einer ungleichen Welt; um sich entwickeln zu können, braucht er die Komplizenschaft der internationalen Wirtschaft. Er ist das Produkt der autoritären Organisation einer Region, die sich offenbar zu sehr ausgedehnt hat.“

Auch fällt es Braudel schwer, den Beginn der Entstehung des Kapitalismus zu datieren. Vielmehr wird deutlich, dass es Kapitalismus schon immer gab, wenn Braudel fragt:

„[…] gibt es dann überhaupt eine Gesellschaft, die keine Kapitalgüter akkumuliert und die sie nicht regelmäßig für ihre Arbeit nutzt bzw. sie ständig durch diese Arbeit erneuert und fruchtbar macht?“

Max Weber beantwortet diese Frage bereits mehr als siebzig Jahre früher, als er feststellt, dass es Kapitalismus „[…] in China, Indien, Babylon, in der Antike und im Mittelalter gegeben […]“ hat. Um den Kapitalismus möglichst treffend zu definieren, trennt Braudel die Begriffe Kapital und Kapitalist klar voneinander. Der Kapitalismus lässt sich dann zwischen diesen Begriffen eingrenzen:

„Das Kapital […] umfasst die leicht identifizierbare Masse der finanziellen Ressourcen, die ständig eingesetzt werden; ein Kapitalist ist ein Mann, der die Verwertung des Kapitals in dem ununterbrochenen Produktionsprozeß […] dirigiert oder zu dirigieren versucht; und der Kapitalismus ist […] die Art und Weise, in der – meist aus wenig altruistischen Gründen – dieser ständige Verwertungsprozeß vorangetrieben wird.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus?: Einleitung in die Forschungsfrage und Darstellung der marxistischen sowie revisionistischen Debatte um das Verhältnis von Kapitalismus und Nationalsozialismus.

2. Die Ideologierezeption von Jürgen Habermas: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Habermas, insbesondere die Unterscheidung zwischen zweckrationalem Handeln und Interaktion zur Definition von Ideologie.

3. Kapitalismus und Geist des Kapitalismus – Definition nach Max Weber: Differenzierung zwischen Kapitalismus als Organisationsform und dem „Geist des Kapitalismus“ als ideologisches Konstrukt.

4. Faschismus im Dritten Reich: Analyse der NSDAP-Programmatik hinsichtlich ihrer antikapitalistischen Rhetorik und der Verknüpfung mit antisemitischen Motiven.

5. Faschismus als Kontingenzphänomen im ideologischen Konflikt?: Diskussion über das kontingente Verhältnis von Nationalsozialismus und Kapital sowie die Verdrängung konkurrierender Ideologien im Machtapparat.

6. Nationalsozialismus statt Geist des Kapitalismus: Fazit zur Ausgangsthese, wonach der Nationalsozialismus eine eigenständige Ideologie bildete, die den „Geist des Kapitalismus“ in der Mobilisierung der Massen verdrängte.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Geist des Kapitalismus, Jürgen Habermas, Max Weber, Ideologie, Kapitalismus, Faschismus, Zinsknechtschaft, Machtinteressen, Modernisierung, Leistungsideologie, Politische Ökonomie, Kontingenz, NSDAP, Herrschaftslegitimation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von zwei verschiedenen Ideologien – dem Nationalsozialismus und dem „Geist des Kapitalismus“ – im Deutschland des Dritten Reiches, wobei sie sich auf die ideologietheoretischen Modelle von Jürgen Habermas stützt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die Ideologietheorie nach Habermas, die soziologische Kapitalismus-Definition nach Max Weber sowie die Analyse der nationalsozialistischen Weltanschauung und ihres Verhältnisses zur Wirtschaft.

Was ist die primäre Forschungsfrage oder das Ziel?

Das Ziel ist es zu prüfen, ob der „Geist des Kapitalismus“ im Dritten Reich als Ideologie existierte, die das Bewusstsein der Massen beeinflusste, oder ob er durch die NS-Ideologie verdrängt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Untersuchung arbeitet primär ideologiekritisch und historisch-analytisch, indem sie Schriften von Habermas, Weber und anderen Theoretikern auf das Beispiel des Nationalsozialismus anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte von Habermas und Weber, führt diese mit historischen Dokumenten (wie dem NSDAP-Programm) zusammen und diskutiert das kontingente Verhältnis zwischen Faschismus und Kapitalismus.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Ideologie, Kapitalismus, Machtlegitimation, Nationalsozialismus und das Primat der Politik.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen dem Kapitalismus und dem „Geist des Kapitalismus“?

Der Kapitalismus wird als organisierte Form des Wirtschaftens definiert, während der „Geist des Kapitalismus“ als ethisch gefärbtes Ideologie-Korpus verstanden wird, das eine bestimmte Lebensführung rechtfertigt.

Welche Rolle spielte der „linke Flügel“ der NSDAP in der Argumentation des Autors?

Der Autor führt den antikapitalistischen Flügel der NSDAP an, um zu zeigen, dass die Partei mit einer eigenen Ideologie agierte, die sich bewusst vom Kapitalismus abgrenzen wollte, auch wenn diese Position später zugunsten der Machtkonsolidierung aufgegeben wurde.

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Details

Title
Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus
Subtitle
Eine Untersuchung von zwei Ideologien im Dritten Reich anhand der Ideologierezeption von Jürgen Habermas
College
Martin Luther University
Grade
1,0
Author
Martin Dunkel (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V89371
ISBN (eBook)
9783638035149
ISBN (Book)
9783638931755
Language
German
Tags
Nationalsozialismus Geist Kapitalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Dunkel (Author), 2007, Nationalsozialismus vs. Geist des Kapitalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89371
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