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Die Rentenreform 2001 - Ein Paradigmenwechsel im deutschen System der Alterssicherung?

Title: Die Rentenreform 2001 - Ein Paradigmenwechsel im deutschen System der Alterssicherung?

Bachelor Thesis , 2007 , 82 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bachelor of Arts Bastian Linsen (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

„Deswegen ist diese Reform die größte Sozialreform, die in der Nachkriegsgeschichte gemacht wurde“ (Walter Riester in der Frankfurter Rundschau vom 27.01.2000).
„Jeder siebte Deutsche hält „Riester“ für ein Computerprogramm zur Pensionsberechnung“ (Rheinische Post vom 07.11.2006).

Walter Riester, der ehemalige Arbeitsminister in der ersten Regierung Gerhard Schröders, würde die erste Äußerung mit großer Wahrscheinlichkeit auch heute noch so tätigen, über das Ergebnis der Umfrage jedoch zumindest die Stirn runzeln. Und dennoch kann man sich vorstellen, dass die Ambivalenz von „Jahrhundertreform“ auf der einen und „mangelnder Bekanntheit“ auf der anderen Seite eine weit verbreitete Wahrnehmung in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre sechs nach Inkrafttreten eines Rentenreformwerkes ist, dessen Name für alle Ewigkeit mit seinem „politischen Vater“ in Verbindung gebracht werden wird: Die Riester-Rente. Während das Ergebnis der Umfrage eher ein Fall für Regierungsberater und PR-Strategen darstellt, so ist die Frage nach einer „Jahrhundertreform“ durchaus dafür geeignet, einer näheren wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen zu werden.

Die Tatsache, dass Akteure im politischen System zur Anpreisung ihrer Tätigkeiten bzw. zur Diffamierung der Opposition des Öfteren zu einer Hyperbel greifen, kann nicht davon abhalten, zu fragen, warum es die damalige Regierung als unumgänglich ansah, die „größte Sozialreform“ im Nachkriegsdeutschland auf den Weg zu bringen. War das 1889 durch das Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung geschaffene System deutscher Alterssicherung, welches durch die Rentenreform 1957 seinen auf die gesetzliche Rentenversicherung (gRV) fixierten, „öffentlichen, umlagefinanzierten, lohn- und beitragsbezogenen“ (Hinrichs 2000, S. 291) Charakter bekam und zum Sinnbild des bundesrepublikanischen Sozialstaats wurde, Mitte der 90-er Jahre des vorherigen Jahrhunderts am Ende?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Policy-Change 1., 2. oder 3. Ordnung? – Zum theoretischen Analyserahmen des Reformprozesses nach Hall

3. Historische Entwicklung des deutschen Alterssicherungssystems und seiner zentralen Policy Prinzipien bis 1997 – Von Bismarck zu Kohl

3.1. Phase 1 - Von der Gründung bis zu Adenauer

3.2. Phase 2 – Von der Rentenreform 1957 bis Mitte der 70-er Jahre

3.2.1. Die Begründung zentraler Policy Prinzipien in der zweiten Phase

3.2.2. Fazit

3.3. Die dritte Phase bis 1997 – Reformen 1. und 2. Ordnung

3.4. Zusammenfassung

4. Der Zeitraum von 1997 bis 2001 – Ein Paradigmenwechsel in der deutschen Alterssicherungspolitik

4.1. Die Reformmaßnahmen der Jahre 1997 bis 1999

4.2. Die Riester - Reform 2001 und Folgegesetze

4.3. Die einzelnen Ebenen des Paradigmenwechsels

4.4. Zusammenfassung

5. Heureka, ein Paradigmenwechsel! – Wie konnte es dazu kommen?

5.1 Sieben Faktoren auf dem Weg zum Paradigmenwechsel

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die These eines Paradigmenwechsels im deutschen System der Alterssicherung infolge der Rentenreform 2001. Dabei wird das Ziel verfolgt, anhand des theoretischen Instrumentariums von Peter Hall wissenschaftlich einzuordnen, ob die Reform einen Wandel dritter Ordnung (Paradigm Shift) darstellt und inwieweit dies die Behauptung der Reformunfähigkeit des deutschen Sozialstaates in Frage stellt.

  • Analyse des theoretischen Analyserahmens nach Hall (Reformen 1., 2. und 3. Ordnung).
  • Historische Aufarbeitung der Policy Prinzipien der deutschen Alterssicherung seit 1889.
  • Untersuchung der Rentenreform 2001 und ihrer Folgen als potenzieller Paradigmenwechsel.
  • Identifikation der Faktoren, die einen Paradigmenwechsel begünstigen.
  • Diskussion über den Wandel von der Rentenversicherungspolitik zur Alterssicherungspolitik.

Auszug aus dem Buch

3.1. Phase 1 - Von der Gründung bis zu Adenauer

Das durch das Gesetz, betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung im Jahre 1889 geschaffene Alterssicherungssystem war nicht die Konzeption, welche Bismarck ursprünglich ersonnen hatte. Ihm schwebte eine aus Steuergeldern finanzierte Staatsbürgerrente vor (vgl. Schmähl 2004, S. 381f.). Stattdessen setzte man auf einen nach heutiger Terminologie bezeichneten „Multi-Pillar-Approach“, einer Verteilung der Einkommen im Alter auf verschiedene Säulen: Die beitragsfinanzierte Sozialversicherungsrente, welche sich an der individuellen Einkommenssituation auf dem Arbeitsmarkt orientierte, wurde ergänzt durch eine staatliche Säule in Form eines steuerfinanzierten Grundbetrages. Hinzu kamen partiell gewährte Betriebsrenten sowie die finanzielle Unterstützung durch die Familie (vgl. Nullmeier/ Rüb 1993, S. 95 und Hinrichs 2003, S. 5 Ms).

Finanziert wurde die Rente durch ein Abschnittsdeckungsverfahren. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollte bei einem konstanten Beitragssatz ein gewisser Vermögensbestand akkumuliert werden. Eine Anpassung der Bestandsrenten an steigende Lebenshaltungskosten war nicht vorgesehen. Ebenfalls war die Höhe der gewährten Renten so gering, dass in größeren Städten erhebliche Versorgungslücken im Vergleich zum vorherigen Arbeitseinkommen entstanden. Diese Tatsachen zeigen deutlich das Policy Prinzip auf, welches hinter der gewählten Konzeption stand: Armutsvermeidung bzw. die Gewährung einer Teilrente, um eine Einschränkung der Erwerbsarbeit im Alter zu ermöglichen (vgl. Döring 2000, S. 169 f.). Die parametrische Ausgestaltung der oben genannten Instrumente war dementsprechend niedrig gewählt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Rentenreform 2001 und Fragestellung nach deren Tragweite als "Jahrhundertreform" anhand wissenschaftlicher Kriterien.

2. Policy-Change 1., 2. oder 3. Ordnung? – Zum theoretischen Analyserahmen des Reformprozesses nach Hall: Erläuterung des Hall'schen Instrumentariums zur Analyse von Reformen und Paradigmenwechseln in der Politik.

3. Historische Entwicklung des deutschen Alterssicherungssystems und seiner zentralen Policy Prinzipien bis 1997 – Von Bismarck zu Kohl: Detaillierte Darstellung der drei Phasen der historischen Entwicklung, die als Referenz für die Analyse des Paradigmenwechsels dienen.

4. Der Zeitraum von 1997 bis 2001 – Ein Paradigmenwechsel in der deutschen Alterssicherungspolitik: Untersuchung der Reformmaßnahmen ab 1997 und der Riester-Reform 2001 hinsichtlich ihrer Einstufung als Paradigmenwechsel.

5. Heureka, ein Paradigmenwechsel! – Wie konnte es dazu kommen?: Analyse der sieben Faktoren, die den Paradigmenwechsel im deutschen Alterssicherungssystem befördert und ermöglicht haben.

6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, Bestätigung des Paradigmenwechsels und Ausblick auf die zukünftige Richtung der Alterssicherung.

Schlüsselwörter

Rentenreform 2001, Alterssicherung, Paradigmenwechsel, Peter Hall, Riester-Rente, Sozialstaat, Generationengerechtigkeit, Beitragsstabilität, Reformpolitik, Lebensstandardsicherung, Alterssicherungspolitik, Kapitaldeckung, Politikfeldanalyse, Rentenversicherung, Sozialversicherungsparadigma

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, ob die deutsche Rentenreform des Jahres 2001 als ein fundamentaler Paradigmenwechsel im Alterssicherungssystem zu bewerten ist, indem sie diesen Reformprozess auf Basis der Theorie von Peter Hall untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung, die theoretische Einordnung von politischen Reformen (nach Hall) und die Auswirkungen der Rentenreform 2001 auf das deutsche Alterssicherungssystem.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, ob die Rentenreform 2001 einen Wandel dritter Ordnung (Paradigmenwechsel) vollzogen hat und ob die häufig behauptete generelle Reformunfähigkeit des deutschen Sozialstaates damit widerlegt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt das von Peter Hall entwickelte "begrifflich-methodische Instrumentarium", um Reformen anhand ihrer Tragweite (1., 2. oder 3. Ordnung) zu klassifizieren und den Wandel dominanter Policy-Prinzipien nachzuweisen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die historische Basis (vor 1997) erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Reformschritte ab 1997 bis zur Riester-Reform 2001. Abschließend werden die spezifischen Faktoren beleuchtet, die diesen Paradigmenwechsel ermöglichten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Rentenreform 2001, Paradigmenwechsel, Alterssicherungspolitik, Generationengerechtigkeit, Beitragsstabilität und Sozialversicherungsprinzip.

Was bedeutet der Begriff "Jahrhundertreform" im Kontext der Arbeit?

Der Begriff wird kritisch hinterfragt. Der Autor prüft, ob die politische Bezeichnung der Reform als "Jahrhundertreform" wissenschaftlich haltbar ist und ob sie tatsächlich eine Abkehr von alten Paradigmen markiert.

Warum spielt die Einführung der Riester-Rente für die Analyse eine zentrale Rolle?

Die Riester-Rente gilt als Herzstück der Reform und dient als Indikator für den Wandel vom "One-Pillar-Approach" hin zu einem System, das private und betriebliche Vorsorge stärker in den Fokus rückt.

Welche Rolle spielt die Rentenformel bei der Analyse des Wandels?

Die Veränderungen der Rentenformel dienen als empirischer Beleg für den Wandel: Während sie früher der Lebensstandardsicherung diente, wird sie nach 2001 verstärkt genutzt, um die Beitragssatzstabilität zu sichern.

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Details

Title
Die Rentenreform 2001 - Ein Paradigmenwechsel im deutschen System der Alterssicherung?
College
Bielefeld University  (Fakultät für Soziologie)
Grade
1,0
Author
Bachelor of Arts Bastian Linsen (Author)
Publication Year
2007
Pages
82
Catalog Number
V89376
ISBN (eBook)
9783638026710
ISBN (Book)
9783638924405
Language
German
Tags
Rentenreform Paradigmenwechsel System Alterssicherung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Bastian Linsen (Author), 2007, Die Rentenreform 2001 - Ein Paradigmenwechsel im deutschen System der Alterssicherung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89376
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