Aus einer genauen Beschäftigung mit verschiedenen musikwissenschaftlichen
Ansätzen innerhalb der letzten ungefähr 150 Jahre resultiert folgende Erkenntnis:
Die Musikwissenschaft gibt es nicht!
Zwar wird sie als Disziplin weitestgehend in ähnliche Teilgebiete unterteilt; so
assoziiert man beispielsweise heute mit dem Begriff der Musikwissenschaft Fächer
wie Musikgeschichte, Akustik, Hörpsychologie, Instrumentenkunde, Biografik oder
Musikästhetik. Bei all dieser terminologischen Einheitlichkeit wird allerdings die
Frage, was Musikwissenschaft eigentlich sei und was sie bezwecke, von höchst
verschiedenen Standpunkten aus beantwortet, was folglich zu teils völlig konträren
Ergebnissen führt.
Metaphorisch könnte man sagen, dass jeder Musikwissenschaftler sein eigenes Bild
von seinem Fachgebiet vor Augen hat und, je nach Prioritätensetzung, andere
Farbabstufungen wählt, um gewisse Farbtöne besonders ins Licht zu setzen und
andere abzudunkeln.
Das Verdienst einer solchen inhaltlichen Divergenz besteht nun darin, dass je nach
persönlichem Ansatzpunkt neue Erkenntnisse für die Wissenschaft gewonnen
werden, von denen wiederum die nächsten Generationen profitieren können.
Von Guido Adler stammt beispielsweise die bis heute weit verbreitete Einteilung der
Musikwissenschaft in einen historischen und einen systematischen Teil;
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Kapitel I: Der Musikwissenschaftsentwurf von Guido Adler
a) Angaben zur Person
b) Thesen zur Musikwissenschaft
c) Zusammenfassung
Kapitel II: Der Musikwissenschaftsentwurf von Hermann Kretzschmar
a) Angaben zur Person
b) Thesen zur Musikwissenschaft
c) Zusammenfassung
Kapitel III: Gegenüberstellung und Vergleich
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die musikwissenschaftlichen Ansätze von Guido Adler und Hermann Kretzschmar kritisch gegenüberzustellen. Dabei soll untersucht werden, welche Aspekte bei den beiden Wissenschaftlern im Vordergrund stehen, wo Übereinstimmungen existieren und worin ihre charakteristischen methodischen Unterschiede in der Konzeption der Musikwissenschaft als Disziplin liegen.
- Vergleich der musikwissenschaftlichen Entwürfe von Guido Adler und Hermann Kretzschmar
- Analyse der Einteilung in historische und systematische Musikwissenschaft bei Adler
- Untersuchung des hermeneutischen Anspruchs und des pädagogischen Ansatzes bei Kretzschmar
- Diskussion über die Rolle der Musikgeschichte und deren Verhältnis zur Ästhetik
- Reflexion über die wissenschaftstheoretische Grundfrage zur Definition der Musikwissenschaft
Auszug aus dem Buch
Kapitel I: Musikwissenschaftsentwurf von Guido Adler
Der österreichische Musikwissenschaftler Guido Adler wurde am 1. November 1855 als Sohn eines Arztes in Mähren geboren. 1875 schloss er seine Ausbildung am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde ab; einer seiner Lehrer war Anton Bruckner.
Anstatt jedoch Komposition zu studieren, entschied er sich zunächst für ein Jurastudium, das er 1878 abschloss; nach etwa dreimonatiger Tätigkeit im rechtswissenschaftlichen Bereich widmete er sich erneut der Musik, indem er vorrangig musikhistorische Studien betrieb.
5 Jahre nach seiner Promotion im Jahr 1880 wurde er Nachfolger von Eduard Hanslick; 1898 begründete er schließlich das Musikwissenschaftliche Institut an der Wiener Universität, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1927 leitete; durch diese Verdienste um sein Fachgebiet wird er auch als „Begründer der Wiener Musikwissenschaft“ bezeichnet.
Die Gesellschaft der Musikfreunde ernannte Adler zum Ehrenmitglied; aufgrund der antisemitischen Einstellung wurde diese Ernennung in den Jahren des zweiten Weltkriegs allerdings zurückgezogen und bis heute nicht wieder erneuert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung hinterfragt das Verständnis der Musikwissenschaft als einheitliche Disziplin und begründet die Notwendigkeit, unterschiedliche Ansätze am Beispiel von Adler und Kretzschmar zu untersuchen.
Kapitel I: Der Musikwissenschaftsentwurf von Guido Adler: Dieses Kapitel analysiert Adlers Einteilung der Musikwissenschaft in historische und systematische Bereiche und zeigt seine Priorisierung der Musikgeschichte auf.
Kapitel II: Der Musikwissenschaftsentwurf von Hermann Kretzschmar: Hier wird Kretzschmars hermeneutischer Ansatz beleuchtet, der die Einheit von Musikwissenschaft, Erziehung und praktischer Musikausübung in den Mittelpunkt stellt.
Kapitel III: Gegenüberstellung und Vergleich: Dieses Kapitel stellt die grundlegenden Unterschiede und wenigen Gemeinsamkeiten der beiden Positionen heraus, insbesondere hinsichtlich ihrer methodischen Herangehensweise und Zielgruppen.
Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die Vielfalt der wissenschaftlichen Perspektiven – illustriert an Adler und Kretzschmar – für die Lebendigkeit und stetige Weiterentwicklung der Musikwissenschaft essenziell ist.
Schlüsselwörter
Musikwissenschaft, Guido Adler, Hermann Kretzschmar, Musikgeschichte, Systematische Musikwissenschaft, Hermeneutik, Musikerziehung, Musikästhetik, Wissenschaftstheorie, Musikalisierung, Methodik, Musikforschung, Musiktheorie, Kunstwissenschaft, Fachgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der musikwissenschaftlichen Fachgeschichte und vergleicht die unterschiedlichen theoretischen Entwürfe von Guido Adler und Hermann Kretzschmar.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Definition der Musikwissenschaft, das Verhältnis von Musikgeschichte zu Ästhetik sowie die Rolle der Musikwissenschaft an Universitäten und in der gesellschaftlichen Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Adler und Kretzschmar das Fach konzipierten und wo ihre methodischen sowie inhaltlichen Schwerpunkte und Differenzen liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der primäre Quelltexte der beiden Wissenschaftler analysiert und ihre theoretischen Grundannahmen gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Adlers Systematik, die Erläuterung von Kretzschmars hermeneutischem Dreieck (Inhalt, Empfänger, Sender) sowie eine abschließende Synopse beider Positionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den Namen der beiden Protagonisten sind Begriffe wie Hermeneutik, Musikgeschichte, Systematische Musikwissenschaft und die Einheit von Kunst und Wissenschaft zentral.
Wie unterscheidet sich Adlers Blick auf die Musikgeschichte von dem Kretzschmars?
Adler betrachtet die Musikgeschichte als die fundamentale Basis und Grundlage der Musikwissenschaft, während Kretzschmar sie eher als ein Mittel zum ästhetischen Zweck begreift.
Welche Rolle spielt die Hermeneutik in Kretzschmars Entwurf?
Kretzschmar nutzt die Hermeneutik als Werkzeug, um Musik verständlich zu machen und eine Verbindung zwischen dem Werk, dem Hörer und der gesellschaftlichen Bildung herzustellen.
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- Uta Schmidt (Author), 2006, Positionen der Musikwissenschaft im Vergleich: Guido Adler und Hermann Kretzschmar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89423