Trajans Legitimationen für den ersten dakischen Krieg


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen

3. Das römisch-dakische Verhältnis bis Domitian

4. Legitimationen für Trajans Krieg gegen Dakien
4.1 Decebalus verstieß gegen Wortlaut und Geist des Friedensvertrages von 89 n. Chr
4.2 Decebalus erregte Trajans persönlichen Zorn
4.3 Trajan benötigte einen militärischen Erfolg
4.4 Die Beute des Krieges sollte Geld in die leere Staatskasse bringen
4.5 Rache für die Toten des domitianischen Krieges
4.6 Trajan wollte verhindern, dass ein Usurpator von den Dakern unterstützt wird

5. Zusammenfassung

6. Quellen

1. Einleitung

Bekanntermaßen führten die Römer nur gerechte Kriege. Das heißt, nur wenn sie oder ihre Verbündeten angegriffen wurden oder eine auswärtige Macht ihnen eine solche Schmach bereitete, dass Frieden an der Ehre des Nominis Romani gerührt hätte, griffen sie zu den Waffen. Diese gerechten Kriege blieben auch eine bemerkenswerte Konstante der Kaiserzeit, obwohl es die Kaiser aufgrund ihrer Stellung im Staat einrichten konnten, dass keine öffentliche Kritik an ihnen aufkam. Trotzdem waren sie bemüht, jeden Krieg als gerecht in den oben genannten Kriterien darzustellen.

Für den Krieg Kaiser Trajans gegen die Daker sind wir nur auf Fragmente der Quellen angewiesen. Daher sind die meisten heute für den Ersten Dakerkrieg genannten Legitimationen nur als Thesen anzusehen, die von der politischen Einstellung der Autoren oder ihren Meinungen zu Trajan oder den Dakern abhängen.

In dieser Hausarbeit sollen die wichtigsten Gründe und Anlässe für den Angriff Trajans auf Dakien genannt und auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft werden. Die Vorgeschichte soll dabei als historischer Hintergrund dienen, der für die Zeitgenossen, das Publikum der trajanischen Kriegspropaganda, bekannt war und darum wichtig für das Verständnis der Anlässe ist.

2. Quellen

Über den Kriegsverlauf des Ersten und Zweiten Dakischen Krieges sind wir heute im Großen und Ganzen auf Cassius Dio[1] angewiesen. Dieser lebte etwa zwischen 164 und 235 n. Chr., also fast 100 Jahre nach den Ereignissen. Das heißt, dass er auf Berichte der Zeitzeugen angewiesen war. Diese Berichte existieren heute oft nicht mehr. Es ist dabei zu beobachten, dass Cassius Dios Römische Geschichte durchaus glaubwürdig ist, allerdings sind die Quellen des Werkes oft weniger verlässlich.

Wahrscheinlich stützte er sich für die Dakerkiege unter anderem auf Trajans Bericht der Ereignisse, die, ähnlich Caesars Kommentaren zum Gallischen Krieg, nicht nur die Ereignisse schilderten, sondern auch als Rechtfertigung für den Krieg dienten[2]. Andere zeitgenössische Berichte, unter anderem von Trajans Leibarzt Statilius Kriton, könnten ebenfalls von Cassius Dio ausgewertet worden sein, sind heute aber ebenfalls als verloren zu betrachten.

Man sollte also die antiken Urteile hinterfragen und, so man kann, andere Überlieferungen zu Rate ziehen um ein ausgewogenes Bild zu erarbeiten. Zumindest die zweite Möglichkeit ist für den Ersten Dakischen Krieg nicht möglich, da nur Cassius Dios Bericht erhalten blieb. Und selbst dieser ist nicht einheitlich auf uns gekommen, sondern ist größtenteils nur in von byzantinischen Gelehrten, Johannes Xiphillinos ist der bekannteste von diesen, geschriebenen Exzerpten überliefert. Das 68. Buch zum Beispiel, das Trajans Herrschaft beschreibt, ist nur dadurch heute bekannt. Die Byzantiner dichteten zwar in der Regel nichts dazu, aber sie ließen dafür manches wichtige weg.

Die Quellen zur Vorgeschichte der Kriege, vor allem der Zeit Domitians sind reichlicher, aber für die eigentliche Kriegslegitimation Trajans nicht besonders relevant. Sie werden an den erforderlichen Stellen kurz skizziert werden und dienen vor allem dazu, die Glaubwürdigkeit des Cassius Dio zu hinterfragen und auch, um einen Blick auf die Praxis der kaiserzeitlichen Außenpolitik zu bekommen.

3. Das römisch-dakische Verhältnis bis Domitian

Die Daker hatten durch kulturellen Transfer aus den hellenistischen Staaten im dritten und zweiten Jahrhundert v. Chr. eine hohe Kulturstufe erreicht[3], die sich in Geldwirtschaft, beeindruckenden Höhenburgen und nicht zuletzt dem Beginn einer Schriftlichkeit äußerte. Die Geisteskultur, beziehungsweise die nicht archäologisch nachweisbaren Leistungen der Daker, muss heute zum großen Teil als verloren angesehen werden, aber die wenigen aus verschiedenen Quellen zusammengetragenen Fragmente dieser Kultur lassen doch eine positive Bewertung dieser Leistungen der Daker zu. Doch neben diesen kulturellen Glanzleistungen steht auch eine kriegerische Haltung, die es den zivilisierteren Nachbarn im Süden, Griechen, Makedonen und Römern, unmöglich machte das anzuerkennen, da sie ständig von diesen „Barbaren“ bedroht waren. Im ersten Jahrhundert v. Chr. war der Höhepunkt der dakischen Macht erreicht, König Burebiste herrschte über ein riesiges Gebiet und konnte auch die römische Republik erfolgreich herausfordern[4]. Nach Burebistas Tod zerfiel sein Reich und statt eines Königs gab es ab da viele kleine Herrscher die von den Römern nicht umsonst reguli genannt wurden[5]. Kaiser Augustus eroberte die südlich der Donau gelegenen Gebiete und gliederte sie dem Imperium ein. Man kann wohl im Todesjahr des Augustus, 14 n. Chr., von einer unruhigen, aber im Großen und Ganzen gesicherten Grenze sprechen. Allerdings konnte sich diese Lage jederzeit ungünstig für Rom entwickeln, was, wie noch zu zeigen sein wird, auch passierte. Trotzdem konnte auch jeder weitere Widerstand gegen den Imperialismus der Caesaren, der nördlich der Donau ausbrach, durch Strafexpeditionen zerschlagen werden.

Selbst während des so genannten Vierkaiserjahres 69 n. Chr., als das Imperium vor der Selbstauflösung stand, schien die Macht der Daker gebrochen oder zumindest so in internen Fehden verstrickt, dass ein in dieser Zeit erfolgter Angriff, wahrscheinlich nur eine Plünderungsexpedition, schnell zurückgeschlagen wurde[6]. Daicoviciu setzt in diese Zeit den Aufstieg des König Scorilo, der mit einem Strategem[7] bei dem frühkaiserzeitlichen Schriftsteller Frontinus[8] als kluger Staatsmann geehrt wird. Laut Daicoviciu[9] einte dieser Scorilo die dakischen Stämme unter seinem Banner, was ihm umso leichter fiel, als dass er ein Erbe Burebistas und seine „Hauptstadt“ Sarmizegetusa ein herausragendes Kultzentrum war. Danach begann vermutlich der Sohn oder Bruder, zumindest ein enger Verwandter des Scorilo, Duras-Diurparneus, als sein Nachfolger im Jahre 85 n. Chr. einen Krieg gegen die Römer. Diesem folgte, während des Krieges ein weiterer Verwandter als König auf den Thron: Decebalus.

Strobel sieht diesen Aufstieg der Dynastie des Scorilo etwas anders[10]. Seiner Meinung nach waren die Daker bis in die 80er Jahre des ersten nachchristlichen Jahrhunderts weit davon entfernt sich einem König zu unterwerfen. Einzelne Adlige konnten durch Charisma oder Machtdemonstrationen Pakte zwischen mehreren Stämmen begründen um gemeinsame Feinde anzugreifen. Das tat Diurparneus, um seinem Angriff 85 die notwendige Schlagkraft zu geben. Bei Strobel ist er nicht nur kein Verwandter des Scorilo, sondern auch aus einem anderen Stamm und außerdem hatte er auch andere außenpolitische Vorstellungen, Krieg gegen Rom, anstatt der von Strobel für Decebalus apostrophierten Koexistenz. Die Verwandtschaftsverhältnisse der dakischen Adligen sind jedenfalls entgegen Daicovicius Ansicht als nicht eindeutig geklärt zu betrachten, zu unterschiedlich sind die zugrunde liegenden Quellen in ihren Intentionen[11].

Die Begründung für den Überraschungsangriff auf die Provinz Moesien gibt Iordanes in seiner Gotengeschichte aus dem 6. Jahrhundert: wegen der avaritiae, der Habgier, Domitians fühlten sich die Goten, man muss diesen Anachronismus hinnehmen, will man die Quelle zu Rate ziehen, bedroht und griffen an[12]. Der Quellenwert des Iordanes wurde oft bestritten, aber zumindest seine Gotengeschichte ist in letzter Zeit immer positiver bewertet worden[13].

Während nun wieder Daicoviciu einen geordneten Übergang der Macht von Duras-Diurparneus auf den vermutlich noch jungen Decebalus feststellen will[14], unterstellt Strobel eine mehr zufällige Machtkonzentration bei Decebalus nach dem Tode oder zumindest dem Ausscheiden aus dem Krieg des Diurparneus[15]. Dieser wurde vermutlich noch 86 besiegt, allerdings schweigen sich die Quellen darüber aus. Beide Versionen sind nicht eindeutig aus den Quellen zu belegen, allerdings hat Strobels These einen großen Vorteil bei der Interpretation von Cassius Dios Römischer Geschichte: Bei ihm taucht nirgends Diurparneus oder, in einer anderen Schreibweise, Dorpaneus auf, der aber bei Iordanes[16] und Tacitus[17] erwähnt wurde und damit als Zeitgenosse Domitians als sicher anzunehmen ist. Dieser Diurparneus ist vermutlich der Sieger über zwei römische Armeen während Decebalus im Krieg gegen Domitian eher kläglich abschnitt. Wenn nun Cassius Dios Gewährsmann, wie oben geschrieben war das vermutlich Trajan oder sein Umkreis, Decebalus diese beiden Siege zurechnet, hätte man schon eine plausible Legitimation, nämlich Rache, für den Krieg gegen Dakien gehabt. Aber dazu im nächsten Kapitel mehr.

[...]


[1] Birley, DNP 2. Sp. 1014 f.; Schwartz, RE III,2. Sp. 1684 – 1722.

[2] Strobel: Untersuchungen zu den Dakerkriegen. S. 19f.

[3] Daicoviciu: Dakien und Rom. S. 889 – 902.

[4] Ebd. S. 902 – 908.

[5] Ebd. S. 908 – 914.

[6] Daicoviciu: Dakien und Rom. S. 914; vergl. Strobel: Die Donaukriege. S. 37.

[7] Frontin. Strat. I,10,4.

[8] Sallmann, DNP 4. Sp. 677 f.; Kappelmacher, RE X,1. Sp. 591 – 606.

[9] Daicoviciu S. 913 f..

[10] Strobel: Die Donaukriege. S. 37 – 64.

[11] Iord. Get. XI - XII 73 - 74, XIII 76; vergl. Daicuviciu: Dakien und Rom. S. 913.

[12] Iord. Get. XIII 76.

[13] Zuletzt in: Croke: Jordanes and the immediate past. S. 473 – 475; Grundlagen: Schmidt, DNP 5. Sp. 1085 – 1087; Kappelmacher, RE IX,2. Sp. 1908 – 1920.

[14] Daicoviciu: Dakien und Rom. S. 915.

[15] Strobel: Die Donaukriege. S. 60 – 65.

[16] Iord. Get. XIII 76 – 78.

[17] Tac. hist. Fragm. 6 = Oros. VII,10,4.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Trajans Legitimationen für den ersten dakischen Krieg
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar, Fakultät für Geschichte Kunst und Orientwissenschaften)
Veranstaltung
Haupseminar: Traianus optimus Princeps
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V89467
ISBN (eBook)
9783638033404
ISBN (Buch)
9783638931502
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit insgesamt 17 Seiten etwas kurz, aber der Dozent fand die Arbeit insgesamt sehr gut. Ein Problem stellen die griechischen Quellen dar. Da ich des Altgriechischen nicht mächtig bin, musste ich mich auf die Übersetzungen verlassen. Die lateinischen Quellen sind aus den angegebenen Werken entnommen, jedoch von mir separat auf die korrekte Übersetzung geprüft worden.
Schlagworte
Trajans, Legitimationen, Krieg, Haupseminar, Traianus, Princeps
Arbeit zitieren
Lutz Kirchner (Autor), 2006, Trajans Legitimationen für den ersten dakischen Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89467

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