Die Wirtschaft in Deutschland ist geprägt durch die immer schneller voranschreitende Globalisierung. Allein im Jahr 2006 flossen Direktinvestitionen von insgesamt 90,8 Milliarden Euro ins Ausland. Immer mehr Unternehmen wollen sich durch den Gang ins Ausland neue Absatzmärkte erschließen oder in den Genuss von niedrigen Lohnkosten und Steuervergünstigungen im Ausland kommen. Eine Möglichkeit der Direktinvestition im Ausland stellt, neben der Gründung einer Tochtergesellschaft, die Errichtung einer Betriebsstätte dar. Der Betriebsstätte kommt aus ertragsteuerlicher Sicht, als ein Konstrukt zur zwischenstaatlichen Ertrags- und Vermögensabgrenzung innerhalb des internationalen Einheits-unternehmens, eine besondere Bedeutung zu. Ein wichtiger Teilaspekt dieser Ertrags und Vermögensabgrenzung ist die Frage der Kapitalausstattung der Betriebsstätte. Die Höhe des Fremdkapitals hat unmittelbaren Einfluss auf die zurechenbaren Zinsaufwendungen und damit mittelbar auch auf die Höhe der beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte im Betriebsstättenstaat. Im Zuge dieser Untersuchung sollen, soweit der Rahmen dies erlaubt, die steuergestalterischen Möglichkeiten die sich aus der Variation des Verhältnisses von Dotationskapital und Fremdkapital ergeben können dargestellt, und die Regelungen die diese Möglichkeiten beschränken vorgestellt werden. Sowohl die deutsche Finanzverwaltung als auch die OECD haben Regeln und Methoden zur Bestimmung einer angemessenen Kapitalausstattung der Betriebsstätte entwickelt. Ziel dieser Untersuchung ist es dem Leser einen Überblick über die in Deutschland geltenden Regelungen zur Kapitalausstattung der Betriebsstätte zu liefern und auf eventuelle Unterschiede zu den von der OECD vertretenen Methoden hinzuweisen. Die Untersuchung wird sich dabei sowohl in Bezug auf die Regelungen der deutschen Finanzverwaltung als auch der OECD auf die allgemein gültigen Methoden beschränken. Die speziellen Bestimmungen für die Kapitalausstattung der Betriebsstätten von Finanz- und Versicherungsunternehmen werden im Folgenden nicht behandelt.
Die Untersuchung beginnt mit der Abgrenzung der Betriebsstätte im internationalen Steuerrecht. Im Rahmen dieses Abschnitts wird auf den Begriff der Betriebsstätte sowie die Grundzüge der Besteuerungskonzeption eingegangen. Aufbauend darauf folgt der Hauptteil zur Kapitalausstattung der Betriebsstätte. Dabei wird im ersten Abschnitt zunächst die Frage des Finanzierungsbedarfs der Betriebsstätte diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Kapitalausstattung der Betriebsstätte
1.1 Motivation
1.2 Gang der Untersuchung
2. Abgrenzung der Betriebsstätte im internationalen Steuerrecht
3. Kapitalausstattung der Betriebsstätte
3.1 Finanzierungsbedarf
3.1 Bedeutung der Kapitalausstattung für die steuerliche Erfolgsabgrenzung
3.3 Dotationskapital
3.3.1 Methoden zur Ermittlung des Dotationskapitals
3.3.2 Negatives Dotationskapital
3.3.3 Unangemessene Dotationskapitalausstattung
3.4 Fremdkapital
4. Abschließende Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die steuerliche Relevanz der Kapitalausstattung von Betriebsstätten im Kontext internationaler Unternehmensstrukturen, mit dem Ziel, die geltenden Regeln und Methoden zur Bestimmung von Dotations- und Fremdkapital zu erläutern und kritisch zu hinterfragen.
- Methoden zur Ermittlung des Dotationskapitals (Fremdvergleich, Kapitalspiegeltheorie).
- Einfluss der Kapitalstruktur auf die steuerliche Erfolgsabgrenzung.
- Unterscheidung und steuerliche Behandlung von Fremdkapitalarten.
- Gegenüberstellung der Auffassungen der OECD und der deutschen Finanzverwaltung.
- Problematik internationaler Qualifikationskonflikte und Doppelbesteuerung.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Methoden zur Ermittlung des Dotationskapitals
Nachdem der Finanzierungsbedarf der Betriebsstätte ermittelt ist, wird in einem zweiten Schritt das Dotationskapital bestimmt. Wie im vorangegangen gezeigt, hat der Umfang des Dotationskapitals erhebliche Bedeutung für die Besteuerung der Betriebsstätte, da eine Verrechnung von Zinsen für das Eigenkapital zu Lasten der Betriebsstätte nicht möglich ist. Bei der Entscheidung über die Kapitalstruktur der Betriebsstätte, kommt der unternehmerischen Entscheidung des Stammhauses besondere Bedeutung zu. Der unternehmerischen Entscheidung werden dabei aber insofern Grenzen gesetzt, als dass die Kapitalausstattung der Betriebsstätte nicht im Widerspruch zu kaufmännischen oder wirtschaftlichen Erfordernissen stehen darf. Es bedarf also Methoden zur Konkretisierung der angemessenen Ausstattung einer Betriebsstätte mit Dotationskapital. Bei den Methoden zur Bestimmung des Dotationskapitals kann zwischen folgenden Methoden unterschieden werden:
a) Direkte Methoden (Fremdvergleich)
b) Kapitalspiegeltheorie
c) Gesetzliche Regelungen
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Kapitalausstattung der Betriebsstätte: Einführung in die Globalisierung und die Bedeutung der Kapitalausstattung für die Erfolgs- und Vermögensabgrenzung von Betriebsstätten.
2. Abgrenzung der Betriebsstätte im internationalen Steuerrecht: Erläuterung der nationalen und internationalen Definitionen des Betriebsstättenbegriffs sowie der Besteuerungskonzeption.
3. Kapitalausstattung der Betriebsstätte: Analyse des Finanzierungsbedarfs und der steuerlichen Auswirkungen der Kapitalstruktur sowie detaillierte Betrachtung von Dotations- und Fremdkapital.
4. Abschließende Würdigung: Zusammenfassende kritische Betrachtung der Methoden und der Diskrepanzen zwischen nationaler Finanzverwaltung und OECD-Empfehlungen.
Schlüsselwörter
Betriebsstätte, internationale Unternehmensbesteuerung, Kapitalausstattung, Dotationskapital, Fremdkapital, Finanzierungsbedarf, OECD-Musterabkommen, Selbstständigkeitsfiktion, Erfolgsabgrenzung, Doppelbesteuerung, Fremdvergleich, Kapitalspiegeltheorie, Stammhaus, steuerliche Gewinnabgrenzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerliche Kapitalausstattung von Betriebsstätten im Rahmen internationaler Unternehmensstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Finanzierungsbedarf von Betriebsstätten sowie die korrekte steuerliche Zuordnung von Eigen- (Dotationskapital) und Fremdkapital.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die in Deutschland geltenden Regelungen zur Kapitalausstattung zu geben und auf Unterschiede zur OECD-Auffassung hinzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und dem Vergleich steuerrechtlicher Regelungen, ergänzt durch die Veranschaulichung an einem Beispielfall.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Finanzierungsbedarfs, Methoden der Dotationskapitalermittlung sowie die Differenzierung und steuerliche Behandlung verschiedener Fremdkapitalarten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Betriebsstätte, Kapitalausstattung, Dotationskapital, Fremdkapital und internationale Doppelbesteuerung.
Welche Rolle spielt das Dotationskapital für das Betriebsstättenergebnis?
Da Zinsen auf Eigenkapital steuerlich nicht abzugsfähig sind, beeinflusst die Höhe des Dotationskapitals maßgeblich das zu versteuernde Ergebnis.
Warum ist die Kapitalspiegeltheorie problematisch?
Sie ignoriert oft die funktionsspezifischen Unterschiede zwischen Stammhaus und Betriebsstätte und wird daher nur in Ausnahmefällen als geeignet angesehen.
Welche Konsequenz hat eine unangemessene Dotationskapitalausstattung?
Entspricht das Dotationskapital nicht den Anforderungen, nimmt die Finanzverwaltung eine steuerliche Korrektur vor.
Wann ist ein Gewinnaufschlag bei durchgeleitetem Fremdkapital zulässig?
Ausnahmen von der Regel, dass kein Gewinnaufschlag verlangt werden darf, gelten für Kreditinstitute, bei denen die Durchleitung eine eigenständige Tätigkeit darstellt.
- Quote paper
- Benjamin Pompe (Author), 2007, Kapitalausstattung einer Betriebsstätte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89610