Analyse des Einsatzes eines Rollenspiels im Zusammenhang des Unterrichtens von kommunikativem Sprechen

Ein Projekt in der Klasse 3g des Lyzeums Nr. 3


Praktikumsbericht / -arbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Wieso sollte kommunikatives Sprechen unterrichtet werden?
2.2 Eine Möglichkeit zur Durchführung des Unterrichtens von kommunikativem Sprechen: Das Rollenspiel

3.1 Die Situation am Lyzeum Nr. 3 in X., Oberschlesien
3.2 Die Klasse 3g

4.1 Das Rollenspiel „Lunar Holiday Resort“
4.2 Die Ausführung des Rollenspiels „Lunar Holiday Resort“

5. Reflexion

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
a. Unterrichtsskizze „Lunar Holiday Resort/ 1. Stunde“
b. Unterrichtsskizze „Lunar Holiday Resort/ 2. Stunde“

Einleitung

Der Lehrplan des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein für die Sekundarstufe I schreibt vor, Schülerinnen und Schüler zu „weitgehend selbständigem Sprachhandeln zu befähigen“. Die englische Sprache soll in „möglichst vielen realen Kommunikationssituationen“ angewendet werden und „die eigene fremdsprachliche Kompetenz durch Leistungsbereitschaft und persönlichen Einsatz“ gesteigert werden.[1] In dieser Studie wird analysiert, inwieweit der Einsatz eines Rollenspiels hilft, diese Ziele zu erreichen. Kann ein im Unterricht durchgeführtes Rollenspiel eine reale Situation nachahmen, Eigeninitiative der Schüler fördern und die sprachliche Kompetenz der Schüler gewinnbringend erweitern?

2. Wieso sollte kommunikatives Sprechen Unterrichtet werden?

Zu Beginn soll geklärt werden, wieso das Üben von kommunikativem Sprechen in einer Fremdsprache im Unterricht so wichtig ist. Allem voraus gibt es den Schülern eine Chance, mögliche Gesprächssituationen des wahren Lebens im Klassenzimmer zu proben. Hierdurch werden die Schüler selbstsicherer im Umgang mit der Fremdsprachen. Sie bekommen ein Gefühl dafür wie es sich anfühlt, in einer fremden Sprache zu kommunizieren. Auch der weitere Lernprozess kann auf gut durchgeführten sprachlichen Aktivitäten aufgebaut werden, da sie sowohl Lehrern als auch Schülern Rückmeldung darüber geben, inwiefern die Fremdsprache beherrscht wird. Auf der einen Seite können Lehrer erkennen, wie gut die Klasse vorankommt bzw. welche Probleme noch bestehen. Auf der anderen Seite finden Schüler heraus, wie sie mit der Fremdsprache umgehen können und was noch zu verbessern ist.[2] Wenn etwas Neues im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts beigebracht wird, fließt dies nicht automatisch in den Wortschatz der Schüler ein. Oft braucht es eine Zeit bis die Schüler anfangen, es von sich aus zu benutzen.[3] Je öfter also kommunikatives Sprechen unterrichtet wird, desto größer werden die Chancen, dass die Schüler ihre angeeigneten Kenntnisse benutzen.

Der Sprechanreiz sollte sorgfältig ausgewählt werden, um das Interesse der Schüler zu erwecken. Durch ein ansprechendes Thema fühlen sich alle Beteiligten motiviert, etwas zum Unterricht beizutragen. Je klarer der Grund für den Sprechanlass ist, umso stärker sind die Schüler motiviert Es sollte darauf geachtet werden, dass das Vokabular zum Thema bekannt ist und dem Level der Schüler entspricht.[4] Nachdem der Lehrer ein entsprechendes Thema präsentiert hat, beschäftigen sich die Schüler mit einer Aufgabe, während der Lehrer sie beobachtet und sich zur Arbeit der Klasse Notizen macht. Die bei der Arbeit entstandenen Probleme werden dann, nachdem das Projekt vollendet wurde, aufgegriffen und bearbeitet.[5] In einer erfolgreichen Sprechübung sprechen vor allem die Schüler und der Lehrer nimmt sich stark zurück. Die Sprechanteile der Schüler sind im Idealfall gleichmäßig verteilt und der Unterricht wird nicht von wenigen Schülern dominiert.

Natürlich kann es auch zu Problemen bei Sprechaktivitäten kommen, da Sprechen den Redner einem Publikum aussetzt. Vor allem ungeübte Schüler haben oft Angst vor der Klasse zu sprechen. Sie befürchten ausgelacht zu werden und Fehler zu machen. Ist die Klasse sehr groß, können sich diese stilleren Schüler schnell verstecken. Ferner kommt es dazu, dass immer die selben Schüler sprechen. Um diesen Problemen vorzubeugen, kann zum Beispiel Gruppenarbeit eingesetzt werden. Dies erhöht den Sprechanteil und involviert Schüler, die zu gehemmt sind, um vor der gesamten Klasse zu sprechen. Zwar ist es dem Lehrer so nicht möglich, die Schüler die ganze Zeit zu überwachen und es kann dazu kommen, dass die Schüler in ihrer Muttersprache sprechen. Doch ist der positive Effekt, dass mehr Schüler als in einer großen Gruppe sprechen, überwiegend.[6]

Nichtsdestotrotz sollte die Konversation auf einem einfacheren Level geführt werden, als es normalerweise in intensiven Lernabschnitten getan wird. Der Wortschatz sollte leicht und bekannt sein, um ein flüssiges Sprechen ohne starkes Zögern zu ermöglichen. Hierdurch bekommen die Schüler ein positives Sprachgefühl und erhalten Vertrauen in ihre eigene Sprachkompetenz.

2.1 Eine Möglichkeit zur Durchführung des Unterrichtens von kommunikativem Sprechen: Das Rollenspiel

In dieser Studie soll vordergründig das Rollenspiel und sein Betrag zum Unterrichten des kommunikativen Sprechens betrachtet werden. Ein Rollenspiel basiert auf Aufgaben, die Anlass zur Diskussion geben und auf ein Ziel hinarbeiten. Dieses Ziel soll innerhalb einer oder verschiedener Gruppe durch die Interaktion der Mitglieder erreicht werden.[7]

In Rollenspielen und spielen die Schüler eine Situation nach, die außerhalb des Klassenraumes angesiedelt ist. Sie stellen sich eine imaginäre Begebenheit vor und müssen dementsprechend handeln. Ihnen wird ein Auftrag gegeben oder ein Problem vorgestellt. In manchen Fällen werden den Schülern auch bestimmte Rollen zugeschrieben. In Simulationen sprechen und reagieren die Schüler jedoch als sie selbst und nur die dem Schüler oder der Gruppe aufgetragene Aufgabe ist fiktiv. Dies sind sehr effektive Techniken, um Situationen des realen Lebens zu spielen und so eine Probe für den Ernstfall zu haben. Wichtig ist, dass die Schüler den für das Thema wichtigen Wortschatz beherrschen und die Aufgaben klar und deutlich gestellt werden.[8]

Es ist sinnvoll, Rollenspiele nicht mit der gesamten Klasse durchzuführen, da sich der Sprechanteil der einzelnen Schüler verringern würde. Zwar ist es wie schon erwähnt schlecht möglich, die Gruppen gleichzeitig zu überwachen, doch trauen sich vor allem die schwächeren Schüler eher innerhalb von kleinen Gruppen zu sprechen, ohne den Druck eines großen Publikums im Rücken zu haben.

Während des Rollenspiels besteht die Aufgabe des Lehrers darin, sich zurückzuhalten, die Arbeit der Schüler nur zu beobachten und aufkommende Fragen zu klären oder bei der Vokabelfindung zu helfen. Er geht herum, achtet darauf dass die Fremdsprache gesprochen wird und macht sich Notizen über guten bzw. schlechten Gebrauch der Fremdsprache. Der Lehrer notiert wichtige Fehler oder wann die Schüler Probleme hatten, sich verständlich zu machen. Bevor er die gravierendesten Probleme nennt, werden die Schüler selbst zu ihren Schwierigkeiten während der Arbeit befragt. In diesem Zusammenhang kann es dazu kommen, dass die Schüler sich gegenseitig korrigieren. So können sie selbst Fehler finden und zusammen nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen. Erst zum Ende des Rollenspiels gibt der Lehrer Rückmeldung, welche Fehler besonders häufig gemacht wurden. Der Lehrer braucht so nicht einzelne Schüler anzusprechen und sie auf ihre Probleme hinzuweisen, sondern kann generell von gemachten Fehlern sprechen. Somit fühlt sich keiner der Schüler diskriminiert. Würde jeder Fehler während des Sprechens korrigiert werden, würde dies den kommunikativen Fluss zerstören und das eigentliche Ziel der Aufgabe wäre verfehlt.[9] Es sollte darüber hinaus nicht vergessen werden zu erwähnen, wann die Fremdsprache besonders gut eingesetzt haben.

3.1 Die Situation am Lyzeum Nr. 3 in X., Oberschlesien

Das sechswöchige Praktikum, in dessen Rahmen diese Studie betrieben wurde, fand in der Stadt X. in Oberschlesien statt. Diese besondere Situation gehört im Zusammenhang dieser Studie betrachtet, da Schüler in Deutschland eine andere Mentalität besitzen können, was sich auf den Unterricht auswirken mag.

In X. lebt ein größer Teil der deutschen Minderheit in Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in diesem Gebiet zur Errichtung einer polnischen Verwaltung, in deren Folge der öffentliche Gebrauch der deutschen Sprache verboten wurde. Verstöße gegen dieses Verbot wurden mit Geldstrafen oder auch Einweisungen in Arbeitslager geahndet. Im Jahr 1945 wurde in sämtlichen Gebieten, die unter der polnischen Verwaltung standen, der Deutschunterricht verboten und die deutsche Sprache somit regelrecht unterdrückt.[10] Während in Niederschlesien und Pommern der Deutschunterricht Ende der sechziger Jahre wieder eingeführt wurde, behielt das Gebiet Oberschlesien, in dem die meisten ehemals deutschsprachigen Menschen lebten, das Verbot bis zum Umbruch bei. Als auch hier 1988/1989 der Unterricht der deutschen Sprache wiederaufgenommen wurde, fehlten ausgebildete Deutschlehrer. Die erste Fremdsprache blieb weiterhin Russisch und als zweite Fremdsprache wurde Englisch eingeführt.[11] Mitglieder der deutschen Minderheiten begannen nun damit, Unterricht in der Muttersprache, also Deutsch, zu fordern. Im Jahr 1991 wurde schließlich ein Gesetz erlassen, welches den Unterricht in der Muttersprache und in der eigenen Geschichte veranlasste. In X. selbst erging im Jahr 2000 der Beschluss, ein zweisprachiges Gymnasium für die deutsche Minderheit zu errichten. An dieser Schule wird verstärkt die deutsche Sprache unterrichtet.[12]

Es war geplant, das sechswöchige Praktikum an eben diesem Lyzeum Nr. 2 zu absolvieren. Anstelle dessen wurde das Praktikum jedoch am Lyzeum Nr. 3 durchgeführt, an dem kein bilingualer Unterricht in Deutsch und Polnisch stattfindet. Schüler, die der deutschen Minderheit angehören, sind an dieser Schule eine Seltenheit. Zwar wird auch vereinzelt Deutsch sowie Französisch, Latein und Russisch unterrichtet, aber der Schwerpunkt dieser Schule liegt auf der Vermittlung der englischen Sprache. Die Schüler haben bis zu neun Stunden Englisch in der Woche und es gibt spezielle Klassen, in denen Mathematik, Physik und Biologie ebenfalls eine Stunde in der Woche auf Englisch unterrichtet wird. Für diesen Unterricht kommen eigens Dozenten der Universität, da der Gebrauch der englischen Sprache nicht allen Lehrern des Lyzeums Nr. 3 geläufig ist.

In Polen werden Schüler mit ca. sieben Jahren eingeschult. Regulärer Englischunterricht beginnt in der 5. Klasse, aber es gibt auch Projekte von Kindergärten und Schulen, in denen der Englischunterricht früher aufgenommen wird. Daneben gibt es auch Schulen, in denen Englisch eine untergeordnete Rolle spielt, weil z.B. Deutsch die erste Fremdsprache ist (wie am Lyzeum Nr. 2). Nach der sechsjährigen Grundschule können die Schüler für drei Jahre das Gymnasium und danach für weitere drei Jahre das Lyzeum besuchen. Die Schüler des Gymnasiums sind angehalten, Schuluniformen zu tragen, was jedoch nur von wenigen, meist den jüngsten Schülern praktiziert wird. Dieser beschriebene Schulweg entspricht dem Prinzip des deutschen Gymnasiums und wird mit einer Reifeprüfung beendet. In der Regel folgt hierauf der Besuch einer Hochschule. Schüler die nicht das Gymnasium bzw. Lyzeum besuchen, gehen auf verschiedene Schulen, die sie auf einen späteren Beruf hin ausbilden.

Schüler, die erst mit der 1. Klasse des Lyzeums auf das Lyzeum Nr. 3 kommen, und noch keine Kenntnisse der englischen Sprache haben, bekommen eine Frist von einem halben Jahr, um den Stoff privat aufzuholen. Andernfalls müssen sie die Schule wieder verlassen. Während der Hospitation fiel nicht auf, dass auf die schwächeren Schüler Rücksicht genommen wurde. Im Gegenteil, der Unterricht orientierte sich vorwiegend an den stärkeren.

[...]


[1] Ministerium für Bildung 20ff.

[2] Harmer 87-88

[3] Harmer 95

[4] Ur 121-122

[5] Harmer 95

[6] Ur 121

[7] Ur 123-124

[8] Ur 132-133

[9] Harmer 93

[10] Urban 154

[11] Urban 155

[12] Urban 157

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Analyse des Einsatzes eines Rollenspiels im Zusammenhang des Unterrichtens von kommunikativem Sprechen
Untertitel
Ein Projekt in der Klasse 3g des Lyzeums Nr. 3
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Schulpädagogik)
Veranstaltung
Schulpraktikum
Note
1.7
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V89626
ISBN (eBook)
9783638043892
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Einsatzes, Rollenspiels, Zusammenhang, Unterrichtens, Sprechen, Schulpraktikum
Arbeit zitieren
Wiebke Seitz (Autor), 2002, Analyse des Einsatzes eines Rollenspiels im Zusammenhang des Unterrichtens von kommunikativem Sprechen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89626

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