Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Vom Umgang mit Außenseitern und Randgruppen

Die Entstehung des Scharfrichters und seiner Aufgaben sowie seine Einordnung in die Gesellschaft des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit

Title: Vom Umgang mit Außenseitern und Randgruppen

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 30 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Wiebke Seitz (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Gesellschaft des Mittelalters war vom Verhältnis verschiedener Gruppen zueinander geprägt. Neben Rittern und Fräulein, Mönchen und Nonnen sowie Ratsherren und Handwerkern gab es verschiedene Randgruppen, die als unehrlich galten. Einer dieser Außenseiter war der Vollstrecker der Todsstrafe, der Scharfrichter. Sein Einfluss auf heutige Assoziationen kann nicht gering sein, da beim Thema Mittelalter oft zuerst an Folterinstrumente gedacht wird. Dieser Gedanke ist etwas verzerrt, da Folterinstrumente vornehmlich in der frühen Neuzeit zum Einsatz kamen. Aus diesem Grund muss das Amt des Scharfrichters, seine Entstehung und seine Aufgaben zu verschiedenen Zeiten genauer betrachtet werden. In dieser Arbeit werde ich untersuchen, was Außenseiter des Mittelalters kennzeichnete. Wie sahen die Konzepte der Ehrlichkeit und der Unehrlichkeit aus und was bewirkten sie innerhalb der Bevölkerung? Welche Personen wurden ausgegrenzt? Im Speziellen betrachte ich den Scharfrichter von seiner Entstehung im späten Mittelalter bis zu seiner in der Neuzeit endenden Professionalisierung. Wie entwickelte sich sein Amt? Was waren seine Aufgaben und welche Personen nahmen sich ihrer an? In diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden, was für ein Selbstkonzept die Scharfrichter hatten und wie sie sich innerhalb der Gesellschaft organisierten und arrangierten. Abschließen behandle ich die Frage, welche Auswirkungen die Unehrlichkeit speziell auf den Scharfrichter hatte, und wie der Umgang mit ihm war. Bedeutete Unehrlichkeit im Mittelalter und in der frühen Neuzeit notwendiger Weise eine völlige Ausgrenzung und ein Leben in Isolation für den Scharfrichter?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehrlichkeit und Unehrlichkeit

2.1 Die Ehrlichkeit

2.2 Unehrlichkeit

2.2.1 Rechtliche Unehrlichkeit

2.2.2 Faktische Unehrlichkeit

3. Die Entstehung des Scharfrichteramtes

3.1 Das Strafrecht im Mittelalter und der frühen Neuzeit

3.2 Vollstrecker der Todesstrafe

3.2.1 Der Fronbote

3.2.2 Der Büttel

3.3 Namen für professionell Hinrichtende

4. Die Arbeit und Organisation der Scharfrichter

4.1 Der Strafvollzug

4.2 Nebentätigkeiten

4.3 Die Abdeckerei

4.3 Die Medizin

4.5 Die Organisation und Selbstkonzeption der Scharfrichter

5. Der Scharfrichter im sozialen Kontext

5.1 Die Unehrlichkeit des Scharfrichters

5.2 Die Haltung des Handwerks dem Scharfrichter gegenüber

5.3 Der Umgang mit dem Scharfrichter

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das soziale Phänomen der Unehrlichkeit im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, mit einem spezifischen Fokus auf die Rolle und Professionalisierung des Scharfrichters als Außenseiter der Gesellschaft.

  • Konzepte von Ehrlichkeit und Unehrlichkeit in der ständischen Gesellschaft.
  • Entwicklung und Professionalisierung des Scharfrichteramtes vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
  • Berufliche Organisation, Selbstbild und materielle Lebensgrundlagen des Scharfrichters.
  • Soziale Interaktion, Ausgrenzung und die Rolle von Nebentätigkeiten wie Abdeckerei und Medizin.
  • Einfluss regionaler Unterschiede auf die gesellschaftliche Akzeptanz des Scharfrichters.

Auszug aus dem Buch

4.1 Der Strafvollzug

Die Tätigkeit der Scharfrichter konzentrierte sich auf den Vollzug von Tortur und Urteil. Von ihm wurde die „Perfektion des Tötens“ verlangt. Aufgrund seiner großen Erfahrung hatte der Scharfrichter häufig Mitspracherecht über die Hinrichtungsart eines Verbrechers.

Es gab zwei Grade der Tortur. Im ersten Grad zeigte und erklärte der Scharfrichter dem zu Überführenden die Folterinstrumente. Durch diese Androhung erhoffte man sich ein schnelles Geständnis. Kam dies nicht Zustande, war der zweite Grad der Folter die Anwendung eben dieser Instrumente. Da es für den Inquisitionsprozess vorgeschrieben war, dass unter der Folter keine bleibenden Schäden entstehen durften, bestand die besondere Qualifikation und Fähigkeit der Scharfrichter darin zu wissen, „wann Daumen-, Beinschrauben und Schnüre zu versetzten waren, damit Sehnen und Knochen nicht beschädigt wurden; er mußte wissen, welchen Punkt die Ausspannung nicht überschreiten durfte, und schließlich mußte er wissen, ob bei einem Beklagten eine Folter ohne Gefahr für Leib und Leben überhaupt angewandt werden konnte“.

Die größte Kunst war eine Enthauptung durch das Schwert. Diese Art der Hinrichtung verlangte Kenntnisse der Anatomie, ein hohes technisches Können und Konzentrationsvermögen.

Das Rädern erforderte besondere Geschicklichkeit, da bisweilen die Zahl der Stöße, mit denen Knochen zu brechen waren und der Tod einzutreten hatte, im Urteil exakt vorgeschrieben waren. Beim Rädern von oben hatte der Delinquent durch den ersten Stoß auf die Brust zu sterben, bevor die anderen Knochen gebrochen wurden. Dies war beim Rädern von unten nicht gegeben, da hier mit den Beinen begonnen wurde. Die gebrochenen und manchmal noch lebenden Körper wurden vom Scharfrichter in eigens dafür angefertigte Wagenräder gewunden und zur Abschreckung aufgestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Randgruppen im Mittelalter und führt in die Fragestellung zur Entstehung und den Aufgaben des Scharfrichters ein.

2. Ehrlichkeit und Unehrlichkeit: Dieses Kapitel definiert die Konzepte von Ehrlichkeit und Unehrlichkeit als zentrales System sozialer Ausgrenzung und gesellschaftlicher Stabilität.

3. Die Entstehung des Scharfrichteramtes: Hier wird die Entwicklung des Strafrechts und der Übergang von Laienvollstreckern hin zum spezialisierten Scharfrichteramt beschrieben.

4. Die Arbeit und Organisation der Scharfrichter: Das Kapitel analysiert die handwerklichen Aufgaben des Strafvollzugs sowie die ökonomischen Standbeine durch Abdeckerei und medizinische Tätigkeiten.

5. Der Scharfrichter im sozialen Kontext: Es wird untersucht, wie Scharfrichter sozial diskriminiert wurden, aber innerhalb ihrer eigenen Gruppe eine Form von Standesbewusstsein und Wohlstand entwickelten.

6. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass trotz des Makels der Unehrlichkeit keine absolute soziale Isolierung des Scharfrichters stattfand.

Schlüsselwörter

Scharfrichter, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Unehrlichkeit, soziale Ausgrenzung, Strafrecht, Tortur, Hinrichtung, Abdeckerei, Standesehre, Sozialgeschichte, Professionalisierung, Randgruppen, Ständegesellschaft, Chirurgie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die soziale Stellung und das Berufsbild des Scharfrichters im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das System der Ehrlichkeit und Unehrlichkeit, die Professionalisierung des Scharfrichterberufs sowie dessen Auswirkungen auf das soziale Ansehen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit der Scharfrichter tatsächlich ein isolierter Außenseiter war und wie sich sein Selbstverständnis entwickelte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse historischer Quellen, um die Entwicklung des Scharfrichteramtes interdisziplinär zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit dem Strafvollzug, den Nebentätigkeiten wie Abdeckerei und Medizin sowie der sozialen Organisation der Scharfrichter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Scharfrichter, Unehrlichkeit, Standesehre, soziale Ausgrenzung, Strafrecht, Professionalisierung.

Wie unterschied sich die Behandlung von Scharfrichtern in Nord- und Süddeutschland?

Die Arbeit stellt fest, dass Scharfrichter im Nordwesten oft eine höhere Akzeptanz genossen als im Süden, wo ihnen häufiger mit starker Verachtung begegnet wurde.

Welche Rolle spielte die medizinische Tätigkeit für den Scharfrichter?

Die Medizin wurde zu einem wesentlichen wirtschaftlichen Standbein, das bis zu 50 % des Einkommens ausmachte und den sozialen Aufstieg der Scharfrichter begünstigte.

Warum galt der Scharfrichter als „unehrlich“?

Die Unehrlichkeit resultierte primär aus dem berufsmäßigen Vollzug von Leib- und Lebensstrafen, was den Scharfrichter aus der „guten Gesellschaft“ ausschloss.

Excerpt out of 30 pages  - scroll top

Details

Title
Vom Umgang mit Außenseitern und Randgruppen
Subtitle
Die Entstehung des Scharfrichters und seiner Aufgaben sowie seine Einordnung in die Gesellschaft des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit
College
University of Flensburg  (Institut für Geschichte und ihre Didaktik)
Course
Konflikte und Krisen im Mittelalter
Grade
1.7
Author
Wiebke Seitz (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V89628
ISBN (eBook)
9783638036863
ISBN (Book)
9783638934510
Language
German
Tags
Umgang Außenseitern Randgruppen Konflikte Krisen Mittelalter Scharfrichter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wiebke Seitz (Author), 2003, Vom Umgang mit Außenseitern und Randgruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89628
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  30  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint