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Lesbische Frauen im Angestelltenverhältnis und ihr Umgang mit dieser Lebensform am Arbeitsplatz

Title: Lesbische Frauen im Angestelltenverhältnis und ihr Umgang mit dieser Lebensform am Arbeitsplatz

Thesis (M.A.) , 2004 , 184 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Annett Losert (Author)

Sociology - Relationships and Family
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„Arbeit ist das halbe Leben.“ Auch wenn die meisten Menschen nicht die Hälfte ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen, zeugt dieses Sprichwort doch von der Wichtigkeit der Arbeitssituation innerhalb unseres Lebens. Weit über die Notwendigkeit des Geldverdienens hinaus ist der Arbeitsplatz jedoch auch ein Ort sozialer Kontakte. Menschen unterschiedlichster Herkünfte, Eigenschaften und Fähigkeiten treffen dort aufeinander und gehen nicht nur voneinander isoliert ihren Aufgaben nach. Soziale Interaktionen finden statt, der Austausch über Privates spielt innerhalb des Kolleginnen- und Kollegenkreises eine große Rolle. Wie in anderen Bereichen unseres Lebens wirken auch am Arbeitsplatz gesellschaftliche Normen und Werte.

Eine unhinterfragte Norm ist dabei die Vorannahme, dass alle Menschen heterosexuell seien. Was geschieht aber, wenn Menschen, die sich selbst als nicht-heterosexuell definieren, in ihrem Arbeitsalltag mit dieser Norm der Heterosexualität konfrontiert werden? Ausgehend von der Annahme, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, ein wichtiges Identitätsmerkmal (hier die lesbische Identität) am Arbeitsplatz außen vor zu lassen, beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit der Frage, wie lesbische Frauen ihren Umgang mit der eigenen Lebensform am Arbeitsplatz wahrnehmen.

Zunächst setze ich mich unter einer wissenschaftshistorischen Perspektive mit der Frage auseinander, wie sich Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft des Themas Homosexualität am Arbeitsplatz angenommen haben.
Anhand der Analyse von zehn themenzentrierten Interviews möchte ich anschließend im Hauptteil meiner Arbeit aufzeigen, welche Handlungsspielräume sich lesbische Frauen schaffen, um mit ihrer Lebensform am Arbeitsplatz umzugehen. Wie bewerten sie den Einfluss der lesbischen Identität auf den Lebensbereich Arbeit? Gibt es Zusammenhänge zwischen dem Umgang mit dem eigenen Lesbischsein im Privatleben und am Arbeitsplatz? Dabei ist es mir besonders wichtig, die Erzählungen der Interviewten verstehend zu analysieren und ihre Perspektiven in den Vordergrund zu stellen.

Abschließend setze ich meine Ergebnisse in einen theoretischen Kontext und möchte mit Diversity Management ein neueres Konzept vorstellen, das zukünftig erheblichen Einfluss auf das Thema Homosexualität am Arbeitsplatz haben könnte.
Da ich ohne ihre Bereitschaft zu intensiven Gesprächen diese Arbeit nicht hätte schreiben können, danke ich an dieser Stelle meinen Interviewpartnerinnen für ihr großes Engagement.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

I Homosexualität am Arbeitsplatz

2 Gewerkschaftliche und politische Auseinandersetzung mit dem Thema

2.1 Kurzer geschichtlicher Überblick

2.2 Aktuelle politische Entwicklungen

2.3 Ein Antidiskriminierungsgesetz für Lesben und Schwule

3 Die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas

3.1 Die lesbische Perspektive als Leerstelle

3.2 Das Arbeitsleben als Teilgebiet in Studien über Homosexualität

3.3 Zahlen und Erkenntnisse aus ausgewählten Studien

3.4 Zwischenfazit

II Zur Studie

4 Methodische Überlegungen und Durchführung der Studie

4.1 Vorüberlegungen und Interviewleitfaden

4.2 Feldzugang und Untersuchungsgruppe

4.3 Durchführung der Interviews

4.4 Die Auswertung der Interviews

5 Die Ergebnisse im Überblick

5.1 Die Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe

5.2 Lesbische Identität

5.3 Umgang mit der Lebensform im Privatleben

5.4 Umgang mit der Lebensform am Arbeitsplatz

5.4.1 Offenheit gegenüber den Kolleginnen und Kollegen

5.4.2 Offenheit gegenüber den Vorgesetzten

5.5 Umgang mit der Lebensform an früheren Arbeitsplätzen

5.6 Befürchtungen und erlebte Vorbehalte

5.7 Allgemeine Einstellung zu Homosexualität am Arbeitsplatz

5.8 Zwischenfazit

6 Drei Beispiele: Wege des Umgangs mit der Lebensform am Arbeitsplatz

6.1 Emma: „`n kleiner aber feiner Kreis, die wissen das, und das reicht mir dann auch so“

6.1.1 „Versteckt, nicht drüber nachgedacht, nicht wahr haben wollen“

6.1.2 „…das mach ich irgendwie aus’m Bauch heraus“

6.1.3 „…dass es mich persönlich verletzt, das möchte ich vermeiden“

6.1.4 „Aber ich würde da niemals etwas Privates von mir erzählen“

6.2 Franka: „Wenn ich gedacht habe: ´So Leute, jetzt könnt Ihr mich mal fragen, dann erzähl ich euch jetzt alles gleich`, dann hat nie einer gefragt“

6.2.1 „Mama hat recht, ich bin mit ner Frau zusammen“

6.2.2 „…die wussten es nicht, obwohl ich da meine erste Freundin hatte“

6.2.3 „Also ich trag nicht jedem gleich mein … Leben auf ´n Schoß“

6.3 Herdis: „Ob sie’s hören wollen oder nicht, alle wissen es“

6.3.1 „…und da fing das dann an mit 19, ich war ´n echter Spätzünder“

6.3.2 „Also ich hab’s ja am Anfang auch noch gar nicht erzählt“

6.3.3. „… denen hab ich das dann auch einfach erzählt“

6.3.4 „..je lockerer man damit umgeht, desto weniger Probleme hat man“

6.4 Zwischenfazit

III Die Ergebnisse im Kontext theoretischer Sichtweisen

7 Lesbische Identität(en)

8 Heteronormativität am Arbeitsplatz

9 Quantitative und qualitative Ergebnisse im Zusammenhang

IV Ausblick

10 Diversity Management als neuer Umgang mit Verschiedenheiten

10.1 Was ist Diversity Management?

10.2 Die drei Ansätze des Diversity Management

10.3 Die Bedeutung von Diversity Management für das Thema Homosexualität am Arbeitsplatz

11 Fazit

12 Literatur

13 Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie lesbische Frauen ihren Umgang mit der eigenen Lebensform am Arbeitsplatz wahrnehmen und welche Handlungsspielräume sie sich schaffen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Frauen mit der unhinterfragten Norm der Heterosexualität im beruflichen Alltag konfrontiert werden und welche Strategien sie wählen, um ihre Identität im Arbeitskontext zu positionieren.

  • Wissenschaftshistorische Perspektive auf Homosexualität am Arbeitsplatz
  • Analyse von zehn themenzentrierten Interviews zur persönlichen Handlungsgestaltung
  • Zusammenhänge zwischen lesbischem Leben im privaten und beruflichen Umfeld
  • Befürchtungen und tatsächliche Erfahrungen mit Diskriminierung
  • Diversity Management als theoretischer Kontext und Zukunftskonzept

Auszug aus dem Buch

6.1.1 „Versteckt, nicht drüber nachgedacht, nicht wahr haben wollen“

Emma ist zum Zeitpunkt des Interviews 35 Jahre alt. Sie wächst mit einem jüngeren Bruder bei ihren Eltern in Norddeutschland auf. Als Kind und Jugendliche macht Emma sehr viel Sport. Unter anderem spielt sie in einer Handballmannschaft. In diesem Zusammenhang erkennt sie im Alter von ca. 13 Jahren, dass sie ihre Mitspielerinnen sehr interessant findet.

Und wenn man sich dann da so ´n bisschen dabei ertappt, wie man denn so die anderen Mitspielerinnen […] beim Duschen beobachtet, […] dann fragt man sich auch erst mal: hä, hm, irgendwie ist das ja auch ´n bisschen merkwürdig so. Und dann hatten wir irgendwann mal ne Trainerin … und für die hab ich dann irgendwie so ´n bisschen, ja hab ich dann an sich schon sehr stark geschwärmt. […] Das macht wohl irgendwie so jeder in, in so ner gewissen Lebensphase durch, und dann fragt man sich, ja, ist das irgendwie nur ´n Spleen, oder … geht das wieder vorbei oder ich weiß das nicht, was. […] Aber ansonsten … tja … Versteckt, nicht drüber nachgedacht irgendwie, nicht wahr haben wollen, immer mal wieder drüber nachgedacht, aber … keine Ahnung. (8/21)

In der Pubertät erkennt Emma, dass sie nicht wie andere Mädchen Jungen toll findet, sondern eher den Anblick ihrer Mitspielerinnen vorzieht. Sie empfindet das zunächst nur als „merkwürdig“ und auch als sie für ihre Trainerin schwärmt, erklärt sie sich das damit, dass dies eine normale Erfahrung in einer gewissen Lebensphase (Pubertät) sei. Emma fragt sich zwar, wie sie diese Gefühle einordnen soll – als „Spleen“ oder vorübergehende Phase – , setzt sich aber im Jugendalter nicht weiter damit auseinander. Sie will ein mögliches Anderssein nicht wahr haben, versucht, nicht darüber nachzudenken und versteckt sich davor. Bis zum Alter von 18 Jahren versucht Emma, ihre Ahnungen, dass sie lesbisch sein könnte, zu unterdrücken. Sie geht Beziehungen zu Männern ein, wie das die Freundinnen in ihrem Alter auch tun.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie lesbische Frauen ihren Umgang mit ihrer Lebensform am Arbeitsplatz wahrnehmen und welche Handlungsstrategien sie dabei entwickeln.

I Homosexualität am Arbeitsplatz: Der erste Teil bietet einen Überblick über die gewerkschaftliche sowie politische Auseinandersetzung mit dem Thema und analysiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Bearbeitung.

II Zur Studie: Dieser Teil beschreibt die methodischen Überlegungen zur Durchführung der qualitativen Studie, stellt die zehn Interviewpartnerinnen vor und fasst die zentralen Ergebnisse der Befragungen zusammen, inklusive detaillierter Fallbeispiele.

III Die Ergebnisse im Kontext theoretischer Sichtweisen: Hier werden die gewonnenen Ergebnisse auf theoretischer Ebene reflektiert, insbesondere hinsichtlich der lesbischen Identitätskonstruktionen und der herrschenden Heteronormativität am Arbeitsplatz.

IV Ausblick: Der abschließende Teil stellt das Konzept des Diversity Managements vor und diskutiert dessen Potenzial als neuer Ansatz zur Gestaltung von Vielfalt im Arbeitsumfeld.

Schlüsselwörter

Lesbische Identität, Arbeitsplatz, Coming Out, Handlungsspielräume, Diskriminierung, Heteronormativität, Diversity Management, qualitative Forschung, Identitätspolitik, Berufsleben, Vorbehalte, Arbeitsklima, Biografieanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Lebenswirklichkeit und den Umgang lesbischer Frauen mit ihrer sexuellen Identität innerhalb ihres Arbeitsumfelds.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung umfasst die historische Entwicklung gewerkschaftlicher und politischer Positionen zu Homosexualität, die wissenschaftliche Erforschung lesbischer Lebensweisen im Job sowie die praktische Analyse individueller Handlungsstrategien.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die vielfältigen Wege aufzuzeigen, wie lesbische Frauen ihren Arbeitsalltag gestalten und wie sie – jenseits von Opferrollen – aktiv Handlungsspielräume in einem heteronormativ geprägten Umfeld nutzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Anhand von zehn themenzentrierten Interviews werden individuelle Lebensrealitäten erhoben, ausgewertet und durch vergleichende Fallanalysen in einen theoretischen Kontext gestellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Interviews zu Themen wie das persönliche Coming Out, den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, erlebte Diskriminierung sowie Befürchtungen im Berufsleben.

Welche Rolle spielt Diversity Management in der Arbeit?

Im Ausblick wird Diversity Management als ein Konzept vorgestellt, das über klassische Minderheitenpolitik hinausgeht und durch die Anerkennung von Vielfalt das Potenzial hat, Homosexualität als einen selbstverständlichen Teil der Belegschaft zu etablieren.

Warum ist der Begriff "Bauchsache" für Emma so wichtig?

Emma betont, dass ihre Entscheidung über ein Outing im Betrieb nicht rein rational, sondern intuitiv ("aus dem Bauch heraus") erfolgt, basierend auf dem Vertrauen zum Gegenüber und dem individuellen Betriebsklima.

Wie verhält sich Franka in Bezug auf ihre Offenheit am Arbeitsplatz?

Franka ist unentschlossen; sie wünscht sich zwar mehr Offenheit, scheut jedoch den aktiven Schritt des Outings und hofft stattdessen auf die Initiative ihrer Kollegen durch gezielte Nachfragen.

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Details

Title
Lesbische Frauen im Angestelltenverhältnis und ihr Umgang mit dieser Lebensform am Arbeitsplatz
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Soziologie)
Grade
1,0
Author
Annett Losert (Author)
Publication Year
2004
Pages
184
Catalog Number
V89703
ISBN (eBook)
9783638036467
ISBN (Book)
9783638935821
Language
German
Tags
Lesbische Frauen Angestelltenverhältnis Umgang Lebensform Arbeitsplatz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annett Losert (Author), 2004, Lesbische Frauen im Angestelltenverhältnis und ihr Umgang mit dieser Lebensform am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89703
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