Das Wirtschaftsleben der Yamana


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Wirtschaftsformen

3. Das Wirtschaftsleben der Yamana
3.1. Die Umweltbedingungen
3.2. Fischen und Jagen
3.3. Sammeln
3.4. Die Arbeitsteilung
3.5. Besitz, Distribution und Tausch

4. Fazit – Die Yamana, eine Wildbeuterkultur

5. Literatur

1. Einleitung

Die Yamana lebten auf den Inseln an der Südspitze von Argentinien und Chile, zwischen dem Beagle-Kanal und Kap Horn, und galten als das südlichste aller indigenen Völker.[1] Zusammen mit den benachbarten Selk´nam, oder Ona, und den Halakwulup, oder Alakaluf, wurden sie auch Feuerlandindianer genannt.[2] Diese Bezeichnung hatten die ersten europäischen Seefahrer aufgrund ihrer Beobachtungen gewählt. Von ihren Schiffen aus sahen sie die Feuer der Bevölkerung an den Ufern und auf deren Rindenkanus, auf denen sie sich hauptsächlich aufhielten und fortbewegten. Der Name Yamana bedeutet „menschliches Wesen[3] oder „Volk[4]. Der britische Missionar Thomas Bridges prägte zeitweise den Begriff Yaghan. So wurde jedoch in erster Linie eine Region im Siedlungsgebiet der Yamana bezeichnet. Die Yamana hatten ein ethnozentrisches Weltbild und grenzten sich mit ihrem Namen sowohl von ihren Nachbarvölkern den Selk´nam und den Halakwulup, wie auch von Tieren oder geistigen Wesen ab.[5] Ähnliche Phänomene findet man auf der ganzen Welt, so zum Beispiel auf der Südhalbkugel bei Stämmen der australischen Aborigines, aber auch in der Arktis bei den Inuit. Die Yamana lebten in fünf voneinander, aufgrund der geografischen Begebenheiten, abgeschlossenen und eigenständigen Dialektgruppen. Der erste Europäer, der mit den Yamana in Kontakt kam, war 1624 der holländische Seefahrer Jaques l´Hermite. Das Interesse seiner Flotte galt in erster Linie der Erschließung neuer Handelsstraßen, die Lebensweise der Einheimischen interessierte ihn weniger. Dennoch liegen von dieser Erkundungsfahrt einfache Berichte über die Yamana vor. Der Logbuchführer Johannes Waalbeek hatte die Beobachtungen des Vizeadmirals Schapenham schriftlich festgehalten.[6] Bereits im Jahr 1520 war der portugiesische Entdecker und Namensgeber der Magellanstraße, Fernando de Magallanes, und nach ihm weitere europäische Seefahrer vor Ort gewesen. Doch diese hatten alle keinen nachweisbaren Kontakt zu Einheimischen. Im 18. und 19. Jahrhundert folgten weitere Berichte von Seefahrern wie James Cook, Philip Parker King und Robert Fitz-Roy sowie von dem Naturwissenschaftler und Ethnologen Johann Reinhold Forster samt Sohn Georg.[7] Im 19. Jahrhundert kamen die ersten britischen Missionare nach Feuerland. Der erste Versuch, eine Missionsstation aufzubauen scheiterte, jedoch konnte 1855 auf der Isla Keppel eine Station etabliert werden. Eine weitere entstand im Jahr 1869 in der Siedlung Ushuaia. Bereits 1916 wurde die letzte Station geschlossen - es gab kaum mehr lebende Yamana. Die Europäer, aber auch die argentinische Regierung, hatten die einheimische Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten, das Aufzwingen einer für die Yamana ungewohnten Ernährungs- und Lebensweise sowie Genozid stetig dezimiert. Der österreichische Geistliche und Anthropologe Martin Gusinde reiste insgesamt viermal nach Feuerland. Seine ausführlichen ethnologischen Forschungsergebnisse hat er in drei Monografien über die Selk´nam, die Yamana und die Halakwulup festgehalten.

In dieser Proseminararbeit soll das Leben der Yamana unter wirtschaftsethnologischen Aspekten betrachtet werden. Dies beinhaltet sowohl die Wirtschaftsform an sich, wie auch die Umweltbedingungen, das Klima, die Flora und Fauna, sowie die Werkzeuge und Techniken, die ihnen zum Nahrungserwerb zur Verfügung standen. Zunächst möchte ich die Entwicklung der Wirtschaftsformen allgemein darstellen, um im Folgenden die Wirtschaftsweise der Yamana einzuordnen und die typischen Merkmale dieser Wirtschaftsführung bei den Yamana herausarbeiten. Hierbei sollen auch die Eigentums- und Besitzverhältnisse, die Distribution der Nahrung und Ressourcen sowie die Arbeitsteilung innerhalb der Familie und in der Gruppe dargestellt werden.

2. Die Entwicklung der Wirtschaftsformen

Im Verlauf der letzten zehntausend Jahre haben sich die Methoden der menschlichen Wirtschaftsführung zum Erwerb, Erhalt und Verteilen von Nahrung stetig weiterentwickelt - von zunächst einfachen zu sehr komplexen Systemen, vom Erwerb zur Produktion. Jedoch ist diese Entwicklung nicht überall auf der Welt konform abgelaufen und klimatische, kulturelle und technologische Unterschiede in den einzelnen Weltregionen brachten oft sehr spezielle Formen des Wirtschaftens hervor. Die erste von Menschen angewandte Form der Nahrungsbeschaffung war die generalisierte Nahrungssuche, die auch als Wildbeutertum bezeichnet wird. Eine Subsistenzwirtschaft, deren Betreiber vom Sammeln von Pflanzen und Fischen oder Jagen von Tieren leben, die meist in größerer Vielfalt vorhanden sind.[8] Kennzeichnend für solche Wildbeuterkulturen ist, dass sie oft unter extremen Klimabedingungen leben (wie zum Beispiel die Inuit in der Arktis oder die Fayu im tropischen Regenwald West-Guineas), ein hohes Maß an Mobilität aufweisen (die Nahrungsressourcen liegen oft an weit voneinander entfernten Plätzen), und aus zahlenmäßig eher kleinen Gesellschaften bestehen (die Ernährung für große Gruppen könnte nicht gewährleistet werden). Zudem besitzen Jäger- und Sammlergesellschaften aufgrund ihrer ständigen Mobilität meist nur einfache Werkzeuge und Geräte. Nahrungsmittel werden nicht konserviert.[9] Aus den Wildbeuterkulturen entwickelte sich schon früh eine spezialisierte Form des Fischens, Jagens und Sammelns. Die Inuit zum Beispiel jagen und fischen umwelt- und jahreszeitenbedingt nur wenige, verschiedene Tierarten wie Robben, Karibu, Wale und Lachse. Auch die Fangwerkzeuge und Hilfsmittel wie Boote sind spezifischer gefertigt. Konservierung ermöglicht es den spezialisierten Jägern und Sammlern, die Ernährung der Bevölkerung auch im Winter sicherzustellen.[10] Die nächste Entwicklungsstufe der menschlichen Wirtschaftsführung ist der extensive Bodenbau, der meist in Form von Brandrodungsfeldbau betrieben wird, aber auch Wanderfeldbau genannt wird, da die bearbeiteten Böden oft lange Erholungsphasen brauchen, und die Bevölkerung in dieser Zeit an anderen Orten siedelt. Das entscheidende Merkmal beim extensiven Bodenbau ist der Anbau von Pflanzen (z. B. Knollenfrüchte, Gemüse und Getreide) und die Bearbeitung des Bodens durch einfache Mittel wie zum Beispiel Stöcke. Um sich ausgewogen zu ernähren, müssen die Anwender dieser Wirtschaftsform zusätzlich fischen, jagen, Pflanzen und Früchte sammeln oder Vieh halten.[11] Aus der extensiven Anbauwirtschaft entwickelte sich der intensive Bodenbau, auch als Ackerbau bekannt. Diese Form des Kultivierens setzt das Domestizieren von Tieren und Pflanzen ebenso voraus, wie eine kontrollierte Form der Bewässerung und den Einsatz komplexer Techniken, wie zum Beispiel die des Pflügens. Beispiele für einen intensiven Bodenbau sind Reisterrassen, Kokosplantagen oder Oasen in der Wüste. Durch die sesshafte Form der Wirtschaftsführung bilden sich oft zahlenmäßig größere Bevölkerungen und vielschichtige Hierarchien und Sozialordnungen. Im Gegensatz zum intensiven Bodenbau, wie auch zu den Jäger- und Sammlergesellschaften, produziert diese Wirtschaftsform Überschüsse, die eingelagert, aber auch verkauft oder getauscht werden können.[12] Das Hirtentum, auch Pastoralismus genannt, bildet die nächste Stufe auf der Entwicklungsleiter der Wirtschaftsformen und wird von sesshaften Völkern oder Nomaden betrieben. Letztere ziehen mit ihren Herden umher, immer auf der Suche nach den besten Weide- und Wasserplätzen. Saisonal bedingter Nomadismus, sogenannter Seminomadismus, wird von den Nuer im Sudan praktiziert. Jedoch kommt keine Hirtenkultur ohne zusätzliche Bodenbewirtschaftung aus. Denn, wie oben bereits festgestellt, kann nur durch eine Mischung aus pflanzlichen und tierischen Produkten eine ausgeglichene und gesunde Ernährung garantiert werden.[13] Das vorläufige Ende der Entwicklung ist mit der industriellen Produktion und der Dienstleistungsgesellschaft erreicht.

[...]


[1] Vgl. Gallez, Paul 1977: Le rapport le plus ancien sur les Yamana (1624), in : Universität Wien (Hrsg.) : Wiener ethnohistorische Blätter, Bd. 14, Wien, S. 29

[2] Vgl. Gusinde, Martin 1937: Die Feuerlandindianer, Bd.2, Die Yamana. Vom Leben und Denken der Wassernomaden am Kap Hoorn, Verlag der Internationalen Zeitschrift „Anthropos“, Mödling bei Wien, S. 2

[3] Ebd.: S. 197

[4] Ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Gallez, Paul: a.a.O., S.30

[7] Vgl. Gusinde Martin 1937: a.a.O., S.45ff.

[8] Vgl. Rössler, Martin: Wirtschaftsethnologie, in: Beer, Bettina/Fischer, Hans (Hrsg.) 2006: Ethnologie. Einführung und Überblick, sechste überarb. Auflage, Dietrich Reimer Verlag, Berlin, S. 105f.

[9] Vgl. ebd.: S. 106

[10] Vgl. ebd.: S. 107

[11] Vgl. ebd.: S. 108

[12] Vgl. ebd.: S. 109

[13] Vgl. ebd.: S. 110

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Wirtschaftsleben der Yamana
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Die Feuerlandindianer
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V89722
ISBN (eBook)
9783638038607
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsleben, Yamana, Feuerlandindianer
Arbeit zitieren
Monika Nath (Autor:in), 2008, Das Wirtschaftsleben der Yamana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89722

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