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Individualisierung und Neue Stämme

Michel Maffesoli und “The Time of the Tribes”

Titel: Individualisierung und Neue Stämme

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: M.A. Christopher Knapp (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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“Individualisierung” ist eines jener Worte, die auch außerhalb ihrer ursprünglichen akademischen Heimat häufig Verwendung finden. Ob als verkaufsförderndes Argument in der Produktwerbung, Fragebogenthema einer Jugendlichenzeitschrift oder Stammtischprognose für kommende Generationen, in Gesprächen oder Texten aus diversen Bereichen ist dieses Wort nicht mehr wegzudenken. Wie so häufig im alltäglichen Sprachgebrauch, wird unter diesem Wort jedoch verschiedenes verstanden; von der positiv konnotierten Individualisierung im Sinne eines “Herausbildens von Persönlichkeit”, die gerne in der Werbung Verwendung findet, bis hin zu Verwendungen des Wortes im kritischen Zusammenhang schwankt der Gebrauch des Wortes “Individualisierung” beträchtlich. Der Soziologe Markus Schroer merkt dazu an (Schroer 2000: 13): „In der Öffentlichkeit ist Individualisierung dabei schnell zur Generalformel avanciert, mit der man verschiedenartigste soziale Probleme erklären kann. Erklärt ist damit zwar nicht eines der angesprochenen Probleme, aber man verfügt zumindest über eine Formel, einen Hinweis, wo das Problem zu suchen ist. Individualisierung bedeutet in diesem Zusammenhang unübersehbar Egoismus, Vereinzelung, Yuppisierung, moralische Verwahrlosung.”
Aber auch in den auf klare Begrifflichkeiten angewiesenen Sozialwissenschaften ist das Wort selten klar definiert, häufig unterschiedlich konnotiert und als Konzept umstritten. Eine soziologische Arbeit kommt alleine in den Werken sechs klassischer Soziologen wie Simmel oder Durkheim auf nicht weniger als 24 verschiedene Dimensionen des Begriffes (Kippele 1998 in Kron 2000: 8), und selbst die „Gallionsfiguren der Individualisierungsdiskussion” (Kron 2000: 7), Ulrich Beck und seine Ehefrau Elisabeth Beck-Gernsheim sehen Individualisierung als als vielgestaltiges und unscharfes Phänomen (Kron 2000: 7). Unklarheit der Begriffe, Verschiedenartigkeit der Ansätze und wenig eindeutige empirische Studien verleiten Thomas Kron, den Herausgeber eines Sammelbandes zu dem Thema (Kron 2000), zu der höhnischen Schlussfolgerung, dass das Positive im “Individualisierungs-Tohuwabohu” (Kron 2000: 8) systemtheoretisch betrachtet zumindest zur Autopoiesis, zur Selbstgenerierung des Systems Wissenschaft beiträgt und dem einen oder anderen Autoren ermöglichen würde, seine Individualität durch karrierefördernde Beiträge zum Thema “Individualisierung” unter Beweis zu stellen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 „The Time of the Tribes“ - Darstellung

1.1 Michel Maffesoli: Hintergrund und Methodik

1.2 Der grundliegende Dualismus von „The Time of the Tribes“

1.3 Schlüsselkonzepte in „Time of the tribes“

1.3.1 Individuen und Personen

1.3.2 Stämme und Funktionen

1.3.3 Puissance und Power

1.3.4 Kultur und Zivilisation

2 Diskussion: Individualismus oder Massenstämme

2.1 Der Individualisierungsprozeß nach Beck und Beck-Gernsheim

2.2 Diskussion und Ausblick: Stämme oder Individualisierung

3 Nachwort

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich kritisch mit Michel Maffesolis Konzept der „Neostämme“ in seinem Werk „The Time of the Tribes“ auseinander, stellt dieses den Individualisierungstheorien von Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim gegenüber und untersucht, ob sich diese Ansätze als komplementär zueinander erweisen.

  • Kritische Analyse postmoderner Gesellschaftskonzepte bei Michel Maffesoli.
  • Kontrastierung des Konzepts der „Neostämme“ mit dem soziologischen Individualisierungsparadigma.
  • Gegenüberstellung der Begriffe „Puissance“ und „Power“ zur Beschreibung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
  • Untersuchung der Identitätsbildung in der modernen Gesellschaft zwischen Isolation und Gemeinschaftsbildung.
  • Vergleichende Einordnung der theoretischen Positionen von Maffesoli und dem Ehepaar Beck.

Auszug aus dem Buch

1.3.2 Stämme und Funktionen

Diese Konformitätssuche der Massengesellschaft artikuliert sich (im Gegensatz zu der gesellschaftlichen „Funktion“ des „modernen“ Individuums) aber laut Maffesoli in der Postmoderne einer neuartigen Form, nämlich in Form der “Stämme”, die er andernorts (Maffesoli 1996: 75) auch mit “mass-tribes” („Masssenstämme“) bezeichnet. Als Untergruppierungen innerhalb der menschlichen Masse (im weitesten Sinne) sind die Stämme das Kernkonzept seines Buches. Menschen sind seiner Ansicht nach Maffesoli (1996: 74) nicht aus dem sozialen Umfeld heraus herausgelöst zu betrachten; die persona, die Rolle oder Maske, kann sich nur in Beziehung zu anderen entfalten (Maffesoli 1996: 10). Im nun beginnenden Zeitalter der Postmoderne weicht die Idee der Individualität (oder der Identifikation mit den sozialen und politischen Kategorien der Moderne wie „Proletariat“ oder „Bourgeoisie“) einem Zugehörigkeitsgefühl zu variierenden sozialen Gruppen: „The rational era is built on the principle of individuation and of seperation, where the empathetic period is marked by the lack of differentation, the loss in a collective subject, in other words, what i shall call neo-tribalism“ (Maffesoli 1996: 11).

Wie alle anderen seiner „Minikonzepte“ ist auch das Konzept der „Stämme“ nicht klar definiert und findet sich auch bei anderen Soziologen wieder (Shields 1996: x). Grundsätzlich sind die Stämme horizontale Sozialstrukturen und verdanken ihre Existenz der Kraft der sozialen Anziehung, unserer Suche nach denen, die uns ähneln (Maffesoli 1996: 13). Zur weiteren Charakterisierung zieht Maffesoli (1996: 12) den Begriff der Weberschen „Emotionalen Gemeinschaft“ heran. Dieses Konzept sieht solch „emotionale Gemeinschaften“ als horizontale Sozialstrukturen neben großen sozialen Institutionen stehen und läßt sich mit „changeable composition“, „ill-defined nature“, „local flavour“ , „lack of organisation“ und „routinization“ umreißen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 „The Time of the Tribes“ - Darstellung: Dieses Kapitel führt in Maffesolis postmoderne Theorie ein, erläutert seine phänomenologische Methodik und definiert zentrale Konzepte wie die „Neostämme“.

2 Diskussion: Individualismus oder Massenstämme: Hier werden Maffesolis Thesen kritisch den Individualisierungstheorien von Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der heutigen Gesellschaftsanalyse aufzuzeigen.

3 Nachwort: Das Nachwort bietet eine persönliche Reflexion des Autors über die sprachliche und methodische Beschaffenheit von Maffesolis Werk und dessen praktische Nachvollziehbarkeit.

Schlüsselwörter

Individualisierung, Michel Maffesoli, Neostämme, Postmoderne, Soziologie, Massengesellschaft, Identität, Puissance, Power, Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim, Soziale Strukturen, Emotionale Gemeinschaften, Gesellschaftstheorie, Geselligkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das soziologische Werk von Michel Maffesoli und dessen Theorien zur postmodernen Gesellschaft im Vergleich zum klassischen Individualisierungskonzept.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Begriffe Individualität, Massenstämme (Neo-Tribalismus), gesellschaftliche Machtstrukturen (Puissance vs. Power) und die Transformation sozialer Bindungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist es, Maffesolis These der Identitätsbildung in „Neostämmen“ zu explizieren und diese mit der Individualisierungstheorie von Beck/Beck-Gernsheim zu vergleichen, um aufzuzeigen, dass diese Ansätze eher komplementär als gegensätzlich sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die soziologische Konzepte textanalytisch gegenüberstellt und vergleichend diskutiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Maffesoli-Theorie sowie eine kritische Diskussionsrunde, in der er den Theorien von Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim gegenübergestellt wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Individualisierung, Neostämme, Postmoderne, Maffesoli, soziale Identität und Gesellschaftsanalyse sind die bestimmenden Begriffe.

Wie definiert Maffesoli den Übergang von der Moderne zur Postmoderne?

Maffesoli beschreibt den Übergang als eine Bewegung weg von einer mechanischen, durch starre Institutionen geprägten Moderne hin zu einer Ära der „Geselligkeit“, in der sich das Individuum in flüchtigen, emotionalen „Stämmen“ organisiert.

Welchen Unterschied sieht der Autor zwischen der „Power“ des Staates und der „Puissance“ der Masse?

„Power“ steht für die institutionalisierte Herrschaft der Politik und Eliten, während „Puissance“ die organische Kraft und den Widerstandswillen des Volkes bzw. der sozialen Gemeinschaft bezeichnet.

Kommen die Ansätze von Maffesoli und Beck zu gänzlich anderen Ergebnissen?

Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass beide Ansätze die Auflösung klassischer Sozialstrukturen und die damit verbundene Krise des Einzelnen identifizieren, Maffesoli jedoch eine zusätzliche Perspektive auf die daraus resultierenden neuen Identitätsformen anbietet.

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Details

Titel
Individualisierung und Neue Stämme
Untertitel
Michel Maffesoli und “The Time of the Tribes”
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Publizisik /Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Globalisierung und Gesellschaftstheorie (Hauptseminar)
Note
1,7
Autor
M.A. Christopher Knapp (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V89795
ISBN (eBook)
9783638041942
ISBN (Buch)
9783640858293
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Individualisierung Neue Stämme Globalisierung Gesellschaftstheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Christopher Knapp (Autor:in), 2002, Individualisierung und Neue Stämme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89795
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