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Entfremdung im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin

Eine Gedichtanalyse

Title: Entfremdung im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin

Bachelor Thesis , 2007 , 38 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sofia Doßmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Entscheidung für eine Migration kann sehr unterschiedliche Gründe haben. I.d.R. handelt es sich um eine durch äußere Umstände erzwungene oder notwendige statt einer durchweg freiwilligen Entscheidung. Durch die Migration werden Menschen einer Vielzahl an Stressoren ausgesetzt: bedrohliche Lebensumstände, fragliche Zukunftsorientierung, Identitätskrisen, Entwurzelung, Trennungen etc.

Das Potential eines Traumas ist unter diesen Umständen groß, wenn solche Erlebnisse nicht verarbeitet werden und selbst wenn man vermeintlich gut darauf vorbereitet ist, kann man sich den schleichend einsetzenden Prozessen zur Neujustierung des Selbst kaum entziehen. Wer bin ich in meiner alten Heimat, wer will ich in meiner neuen Heimstätte sein, wer werde ich sein? Diese Fragen umreißen nur grob, welche Art von Identitätsumbrüchen unweigerlich stattfinden muss.


Nach dem Stress-Modell der Migration von Slutzki kommt es bei Migranten nicht unmittelbar während oder nach der Migration zu Belastungserscheinungen. Oft entwickeln Migranten erst nach einer Phase der Euphorie - Slutzki spricht in diesem Fall von Überkompensation - psychische und körperliche Krankheitssymptome.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung in die Thematik und Herangehensweise

II. Der Begriff der ENTFREMDUNG

a) Entfremdung bei Georg Friedrich Wilhelm Hegel

b) Entfremdung bei Karl Marx

c) Entfremdung bei Sigmund Freud

d) Der Zionismus

e) Migration

III. Das Entfremdungsphänomen im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin

1. politische und gesellschaftliche Entfremdung

2. Entfremdung im Glaube/ zu Gott

a) Hinwendung zu Gott

b) Abwendung von Gott

3. sprachliche Entfremdung

4. geographische Entfremdung

IV. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der Entfremdung im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin unter besonderer Berücksichtigung der traumatischen Erfahrungen des Autors durch Flucht, Migration und den Nationalsozialismus sowie dessen Verhältnis zum Glauben und zu seiner Identität.

  • Analyse des literarischen Werks im Kontext der Flucht vor dem Nationalsozialismus.
  • Untersuchung der psychologischen und soziologischen Dimensionen des Entfremdungsbegriffs.
  • Die Spannung zwischen der zionistischen Ideologie und der Migrationsrealität.
  • Die Entwicklung des Gottesbildes im Angesicht von Grausamkeit und Leid.

Auszug aus dem Buch

3. sprachliche Entfremdung

„Ich fühlte mich zunächst schrecklich fremd im Lande Israel. Ich verstand die Sprachen nicht, die hier gesprochen wurden: Hebräisch und Jiddisch, Arabisch und Englisch. Ganz heimisch ist man ja doch wohl nur in seiner Muttersprache[…]“47

Hiermit verdeutlicht Ben-Chorin, dass die historische Landnahme des Gelobten Landes keineswegs identisch mit dem Gefühl der Heimat sein muss und macht damit den Gegensatz Region vs. Sprache auf, um somit auch die linguistische Ebene innerhalb des Entfremdungsprozesses „zur Sprache zu bringen“. Die schreckliche Fremde zeigt demnach auch, wie sehr sich die Erwartungshaltung gegenüber dem Gelobten Land einer tatsächlichen phänomenalen Ebene des wirklichen Alltagsbildes widerspricht. Die Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Migrationsrealität ist offensichtlich divergent, so wie es sich in seinem Werk leise manifestiert.

Und doch heißt es im Magazin der FAZ von 1999: das, was er in seinem Leben am meisten bereute sei, kein hebräischer Dichter geworden zu sein. Diese Feststellung assoziiert eine weitere Form der philosophisch reflektierten Persönlichkeitsentfremdung, wie wir sie bei Sören Kierkegaard finden, welcher von sich in einem künstlerisch- philosophisch verstandenen Sinne selbst sagte, dass sein Ich täglich das Ich grüße, welches er sein wolle. Und es drückt den Willen zu einer ganzheitlichen Integration aus, was impliziert, dass diese offensichtlich gescheitert zu sein scheint. Wird das auch werkimmanent zu spüren sein?

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung in die Thematik und Herangehensweise: Die Einleitung beleuchtet die psychologischen Belastungen durch Migration und führt in das Werk Schalom Ben-Chorins als Fallbeispiel für ein Migrations-Trauma ein.

II. Der Begriff der ENTFREMDUNG: Dieses Kapitel definiert Entfremdung aus philosophischer, marxistischer und psychoanalytischer Sicht und grenzt den Begriff für die nachfolgende Gedichtanalyse ein.

III. Das Entfremdungsphänomen im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin: Im Hauptteil werden die Gedichte Ben-Chorins systematisch hinsichtlich politischer, religiöser, sprachlicher und geographischer Entfremdungsmomente untersucht.

IV. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie Ben-Chorin durch das Schreiben seine Identität und Weltanschauung rekonstruiert, was schließlich in einem Rückzug von der Lyrik hin zur theologischen Vermittlung mündet.

Schlüsselwörter

Entfremdung, Schalom Ben-Chorin, Migration, Zionismus, Nationalsozialismus, Lyrik, Identität, Exil, Heimat, Glaube, Traumgeographie, Trauma, Muttersprache, Judentum, Literaturanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Entfremdung im lyrischen Werk des deutsch-jüdischen Schriftstellers Schalom Ben-Chorin vor dem Hintergrund seiner Flucht und Migration.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Felder sind die Auswirkungen von politischer Verfolgung, der Konflikt zwischen Wunschvorstellung und Realität im Exil sowie die Veränderung des Gottesglaubens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, anhand von Gedichtanalysen zu belegen, wie Ben-Chorin das Migrations-Trauma verarbeitet hat und wie sich sein Verhältnis zu Deutschland und seinem jüdischen Glauben verändert hat.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Gedichtanalyse unter Einbeziehung philosophischer und psychoanalytischer Konzepte zum Entfremdungsbegriff.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der politischen/gesellschaftlichen Situation, den Wandel des Gottesbildes sowie die sprachliche und geographische Entfremdung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Entfremdung, Exil, Identitätssuche und das Spannungsfeld zwischen Heimat und Fremde.

Wie verändert sich das Verhältnis des Autors zum Zionismus laut der Analyse?

Die Analyse zeigt, dass der Autor durch die ernüchternde Realität in Palästina seine zionistische Idealvorstellung korrigieren muss, was zu einer neuen, komplexen Identitätsfindung führt.

Welche Rolle spielt das Motiv des "Traums" in der Untersuchung?

Das Traum-Motiv dient als Brücke zwischen den verlorenen Orten der Kindheit in Deutschland und der neuen Lebensrealität, wodurch der Autor versucht, die Grenzen der Realität aufzuheben.

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Details

Title
Entfremdung im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin
Subtitle
Eine Gedichtanalyse
College
University of Tubingen
Course
Deutsche Literatur im Exil bis 1945
Grade
1,3
Author
Sofia Doßmann (Author)
Publication Year
2007
Pages
38
Catalog Number
V89816
ISBN (eBook)
9783638038706
ISBN (Book)
9783640522866
Language
German
Tags
Chorin Deutsche Exil Israel Literatur Migration Entfremdung Zionismus Entfremdung zu Gott Entwurzelung Heimat Stress-Modell Slutzki Euphorie Nationalsozialismus Deutschland Muttersprache mütterliche Sprache In dieser Zeit Das Mal der Sendung Migrationswunsch Migrationsrealität Der elfte Gesang des Süßkind von Trimberg jüdische Schriftsteller Einem Emigranten Zweikampf Die Taube Gebet in der Seder-Nacht Starb denn der Mensch Herabkunft der Engel Elegie Novemberprogrome Nach dem Progrom Gott Gottes Tatenlosigkeit Ich lebe in Jerusalem Palästina Diaspora Meine Sprache Immer werde ich dich lieben Gefallene Heimat Traumgeographie Tel Aviv Judentum Juden jüdisch Lyrik Gedicht Gedichtanalyse Emigration Wut Verzweiflung Exilliteratur Ben-Chorin Schalom Ben-Chorin Brückenbauer Fritz Rosenthal Fritz Rosenthal Der Mann der Friede heißt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sofia Doßmann (Author), 2007, Entfremdung im lyrischen Werk von Schalom Ben-Chorin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89816
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