1) Einleitung
Um den Begriff Entfremdung sinnvoll verwenden zu können, muß man ihn zunächst allgemein beschreiben. Dabei wird anfangs die Entfremdung von der Arbeit aus den verschiedenen Arten der Entfremdung herausisoliert und auf die Telearbeit angewandt. In diesem Zusammenhang wird deutlich, daß es bei der Telearbeit zu einer entfremdeten Kooperation kommen kann, welche anscheinend durch Kommunikationsmedien und damit zentral auch durch Kommunikation selbst verursacht wird. Daraus ergibt sich ein neues Entfremdungsfeld: Die Entfremdung der Kommunikation.
Im folgenden fasse ich die einzelnen Kapitel der Diplomarbeit inhaltlich zusammen.
Im ersten Kapitel definiere ich zunächst das Wort Entfremdung. Dabei gehe ich zuerst auf die Weitläufigkeit des Begriffes ein und danach auf die verschiedenen Formen von Entfremdung. Es folgt eine Definition von Entfremdung, welche sich an M. SEEMANN anlehnt. Mit ihrer Hilfe bearbeite ich anschließend einen ausführlichen Entfremdungsbeispielstext von ZUREK, welcher als Muster für den späteren Umgang mit dem Thema Telearbeit dienen soll.
Im zweiten Kapitel geht es um die Telearbeit, und es wird zunächst die Entstehungsgeschichte des Begiffs Telearbeit beschrieben. Danach wird die Telearbeit in Zahlen dargestellt, was einen allgemeinen Überblick über die Dimension des Arbeitsfeldes vermittelt. Dabei wird allerdings deutlich, daß auch der Begriff “Telearbeit“ relativ ungenau ist. Deshalb werden im Anschluß die verschiedenen Formen von Telearbeit beschrieben. Berücksichtigt werden dabei die Aspekte von Arbeitszeit, Arbeitsort, Ausstattung der Arbeitsstätte außerhalb der Firma mit Informations- und Kommunikationstechnik und die Rechtsform des Arbeitsverhältnisses.
Das dritte Kapitel handelt von der Entfremdung (von Arbeit) im Tätigkeitsbereich der Telearbeit, und der Entfremdungsbegriff nach SEEMANN wird auf das Arbeitsfeld übertragen. Dazu wird mit Textquellen verfahren wie im Beispielsentfremdungstext von ZUREK im Kapitel 1.4.1. , d. h. es wird überprüft, ob sich die Begriffe Normlosigkeit, Machtlosigkeit, Selbstentfremdung, Sinnlosigkeit und Isolation in der Literatur direkt oder indirekt wiederfinden lassen. Im Verlauf dieser Überprüfung zeigt sich ein ganz neues Entfremdungsfeld: Die Entfremdung der Kommunikation. Aus diesem neuen Entfremdungsfeld ergibt sich schließlich die Forschungsfrage: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?
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Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Die Entfremdung
2.1) Das Problem der Definition des Begriffs der Entfremdung
2.2) Formen der Entfremdung (E.)
2.3) Formen des wissenschaftlichen Erforschens von Entfremdung
2.3.1) Objektive Entfremdung
2.3.2) Subjektive Entfremdung
2.4) Definition von Entfremdung
2.4.1) Die Bedeutung der Entfremdung nach Seemann (unterstützt durch die Definition von Hamberger)
3) Die Telearbeit
3.1) Die Entstehungsgeschichte des Begriffs Telearbeit
3.2) Telearbeit in Zahlen
3.3) Formen der Telearbeit
3.3.1) Aspekt der Arbeitszeit
3.3.2) Aspekt des Arbeitsortes
3.3.3) Aspekt der Ausstattung der Arbeitsstätte außerhalb der Firma mit IuK-Technik
3.3.4) Aspekt der Rechtsform des Arbeitsverhältnisses bei Telearbeit
4) Entfremdung (von Arbeit) im Feld der Telearbeit
4.1) Die Anwendung des Entfremdungsbegriffs nach Seemann auf die Telearbeit
4.2) Begriffsdefinition: Virtuell
5) Kommunikation
5.1) Die menschliche Kommunikation nach Paul Watzlawick
5.2) Psychologische Vorgänge in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun
5.3) Computervermittelte Kommunikationsmodelle
5.3.1) Kanalreduktionsmodell
5.3.2) Filtertheorien
5.3.3) Das Modell der rationalen Medienwahl
5.3.4) Normative Medienwahl
5.3.5) Das Modell der sozialen Informationsverarbeitung
5.3.6) Die Modelle der Imagination und der Konstruktion
5.3.7) Die Theorie der sozialen Präsenz
5.4) Zusammenfassung
6) Videokonferenzen
6.1) Technische Eigenschaften von (ISDN-basierten) Videokonferenz-systemen
6.2) (Offizielle) Vorteile von Videokonferenzen
6.3) Vorläufiges Fazit zum Thema Videokonferenz
6.4) Vorläufiger Ausblick zum Thema Videokonferenzen
7) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation
7.1) Zur Ungenauigkeit des Begriffs der Kommunikation
7.2) Die Entfremdung der Kommunikation – Einleitung
7.3) Die Verdinglichung des Dialogs
7.4) Die ideale Sprechsituation
7.5) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation
7.5.1) Entfremdungssymptome in der Kommunikation
7.5.2) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die Verdinglichung
7.5.3) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die Verdinglichung des Dialoges von Kleining
7.5.4) Die Pathologie der Normalität
7.5.5) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation und die ideale Sprechsituation
7.5.6) Theoretische inhaltliche Überschneidungen zwischen Fromms Theorie des nekrophilen Charakters und dem Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation
7.5.7) Fazit zum Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation
8) Anmerkungen zu und Kritik an den computervermittelten Kommunikationsmodellen
8.1) Das Kanalreduktionsmodell
8.2) Filtertheorien
8.3) Das Modell der rationellen Medienwahl
8.4) Normative Medienwahl
8.5) Das Modell der sozialen Informationsverarbeitung
8.6) Die Modelle der Imagination und der Konstruktion
8.7) Die Theorie der sozialen Präsenz
9) Fallvignette
9.1) Gedankengänge der Geschäftsleitung zum Praktikumthema (zu Beginn des Praktikums)
9.2) Erstellung des Einzelinterviewleitfadens und Auswertung
9.3) Hintergrund der Verbesserungsvorschläge (4) A und B
9.3.1) Vorschlag 4 A)
9.3.2) Vorschlag 4 B)
9.4) Vorschlag 5
10) Mitarbeitergespräche
10.1) Unterschiedliche Gesprächsanlässe
10.2) Gezielt vorbereitetes Mitarbeitergespräch
10.2.1) Inhalte des Mitarbeitergesprächs
10.3) Das Modell des “Mitarbeitergespräches“
10.4) Das Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräch:
10.4.1) Zielvereinbarungsgespräche
10.4.2) Das Kooperationsgespräch
10.4.3) Das Personalentwicklungsgespräch
10.4.4) Varianten des Mitarbeitergesprächs
10.5) Wo werden Mitarbeitergespräche am meisten benötigt?
11) Schlußwort in Bezug auf den Beispieltext zur Entfremdungs von Zurek
12) AUSBLICK
13) Literaturverzeichnis
14) Anhang
14.1) Anhang A - Notfalldatei
14.2) Anhang B - Beispieltranscript eines vollständigen Interviews
14.3)Anhang C - Transkription zu Erstellung des Einzelinterviewleitfadens Frage B1
14.4) Anhang D - Transcription zur Notfalldatei
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Diplomarbeit untersucht, ob virtuelle Kommunikationsmedien die zwischenmenschliche Entfremdung im Arbeitskontext fördern. Ausgehend von klassischen Theorien zur Entfremdung und modernen Kommunikationsmodellen wird die zentrale Forschungsfrage bearbeitet, inwieweit computervermittelte Kommunikation – insbesondere Videokonferenzen – zu einer Qualitätseinbuße in menschlichen Beziehungen führt.
- Analyse des Entfremdungsbegriffs nach Melvin Seemann im Kontext der Telearbeit.
- Gegenüberstellung von klassischer Face-to-Face-Kommunikation und computervermittelten Modellen.
- Kritische Untersuchung von Videokonferenzen hinsichtlich technischer Limitierungen und kommunikativer Verzerrungen.
- Entwicklung eines eigenständigen Modells der "perfekten (unentfremdeten) Kommunikation".
- Empirische Fallvignette zur Verbesserung der betrieblichen Kommunikationsqualität durch Mitarbeitergespräche.
Auszug aus dem Buch
Die Verdinglichung des Dialogs
KLEINING schrieb 1995 zur Verdinglichung des Dialogs. Auch wenn er das Wort nicht direkt gebraucht, so behandelt sein Text dennoch die Entfremdung von Kommunikation. Er schreibt von Tugenden des Dialogs, welche sicherstellen, daß ein Dialog weniger oder nicht verdinglicht (entfremdet) ist. Er schreibt dazu:
(1) Ihre die der Dialoge Fähigkeit, von Teilen zum Ganzen, oder vom Besonderen zum Allgemeinen voranschreiten, so, daß sich das Ganze aus den Teilen bildet, die Teile aber auch umgekehrt durch das Ganze neues Gewicht erhalten, also Überwindung der Fragmentierung. Etwa auf der sozialen Ebene: Die Sprecher, als Individuen, besprechen ein Thema, durch das Gespräch entsteht eine Gemeinsamkeit, die Vergemeinschaftung, etwas Ganzes und Allgemeines, was gleichzeitig wieder die Teile, die Individualität der Individuen, bestätigt.
(2) Die Fähigkeit, die Vereinzelung der Teile und die Starrheit der Verhältnisse als bewegt und dadurch veränderbar zu erkennen, also Überwindung der Statik. Zum Beispiel: Das Thema im Gespräch zu entfalten, dabei die Veränderung der Sprecher zu erreichen, wie die den Dialog führende Gruppe. (3) Die Fähigkeit, hinter dem Faktischen das Mögliche zu begreifen, das Gegebene als eine Lösung unter mehreren. (4) Da im “Fragen“ auch das “Hinterfragen“ angelegt ist, gehört das Kritikpotential des Dialogs zu seinen Tugenden. Aus all dem ergibt sich (5) die Fähigkeit des Dialogs zur Entdeckung, zur Aufdeckung von Strukturen “hinter“ der Erscheinung, zu ihrer Transzendierung.“ (KLEINING 1995, S. 258)
Unverdinglichte bzw. nur etwas verdinglichte Gespräche beziehen sich, so KLEINING weiter, auf die Dialogteilnehmer und ihre Beziehung zueinander. Unter dem Zwang der Dinge wird diese Beziehung zueinander negativ beeinflußt. Der Dialog bezieht sich nicht mehr auf den Menschen, sondern orientiert sich an der Sache (ebenda, S. 255).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die den Zusammenhang zwischen virtueller Kommunikation und Entfremdung untersucht.
2) Die Entfremdung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Entfremdung wissenschaftlich und betrachtet verschiedene theoretische Ansätze, insbesondere die von Seemann.
3) Die Telearbeit: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung der Telearbeit, inklusive ihrer Entstehungsgeschichte, Formen und der technologischen Ausstattungen.
4) Entfremdung (von Arbeit) im Feld der Telearbeit: Der Entfremdungsbegriff wird hier konkret auf das Arbeitsfeld der Telearbeit übertragen und mit vorhandener Literatur verknüpft.
5) Kommunikation: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über menschliche Kommunikationstheorien (Watzlawick, Schulz von Thun) und verschiedene Modelle computervermittelter Kommunikation.
6) Videokonferenzen: Die Arbeit analysiert Videokonferenzsysteme als modernes Kommunikationsmedium und prüft deren Vor- und Nachteile gegenüber persönlicher Interaktion.
7) Das Modell der perfekten (unentfremdeten) Kommunikation: Der Autor entwickelt hier sein eigenes theoretisches Modell, das als Maßstab für entfremdete Kommunikation dient.
8) Anmerkungen zu und Kritik an den computervermittelten Kommunikationsmodellen: Eine kritische Reflexion der zuvor vorgestellten theoretischen Modelle unter Berücksichtigung des Mediums Videokonferenz.
9) Fallvignette: Der Autor schildert eigene Erfahrungen aus einem Praktikum und leitet daraus praktische Verbesserungsvorschläge für die Unternehmenskommunikation ab.
10) Mitarbeitergespräche: Es wird die Bedeutung von strukturierten Mitarbeitergesprächen als Werkzeug zur Vermeidung von Entfremdung und Unzufriedenheit dargelegt.
11) Schlußwort in Bezug auf den Beispieltext zur Entfremdungs von Zurek: Ein reflektierendes Schlusswort zum bürokratischen Führungsstil und dessen Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen.
Schlüsselwörter
Entfremdung, Kommunikation, Telearbeit, Videokonferenzen, Verdinglichung, computervermittelte Kommunikation, Arbeitspsychologie, soziale Isolation, Rationalisierung, Führung, Mitarbeitergespräche, Medienwahl, soziale Präsenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob virtuelle Kommunikationsformen, insbesondere Videokonferenzen in der Telearbeit, zu einer Entfremdung zwischen Menschen führen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffen der Entfremdung, der Entwicklung moderner Telearbeitsformen, Modellen zwischenmenschlicher und computervermittelter Kommunikation sowie der Praxis des Mitarbeitergesprächs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Einfluss technischer Kommunikationsmedien auf die menschliche Beziehungsebene zu klären und ein eigenes Modell für "perfekte (unentfremdete) Kommunikation" zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden theoretischen Literaturanalyse, der Entwicklung eines eigenen theoretischen Modells sowie einer Fallvignette mit empirischen Elementen (Interviews) aus einem Praktikumskontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Entfremdung, die Analyse von Telearbeit, die Diskussion von Kommunikationsmodellen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Qualität von Videokonferenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Entfremdung, Kommunikation, Telearbeit, Videokonferenzen, Verdinglichung und computervermittelte Kommunikation sind die zentralen Kernbegriffe.
Welche spezifische Rolle nimmt das "Modell der perfekten Kommunikation" ein?
Es dient als theoretischer Gegenentwurf zur Realität, um aufzuzeigen, dass jegliche menschliche Kommunikation von einem idealen Zustand entfernt ist und somit als "entfremdet" bezeichnet werden kann.
Warum ist die Fallvignette für die Gesamtarbeit relevant?
Sie überbrückt die Distanz zwischen reiner Theorie und praktischer Umsetzung, indem sie konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation und Konfliktlösung in einem Betrieb aufzeigt.
- Arbeit zitieren
- Kolja Karl (Autor:in), 2002, Kommunikation und Entfremdung: Fördert virtuelle Kommunikation die Entfremdung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8983