Mit dem Begriff „Erzählen“ wird vor allem der mündliche Sprachgebrauch assoziiert, was zur Folge hat, dass das schriftliche Erzählen oftmals vernachlässigt wird. Insbesondere im Alltag bleibt die Tatsache, dass das Erzählen auch als schriftlicher Prozess vollzogen werden kann, nebensächlich und wird hauptsächlich im Kontext der Schule thematisiert, was damit zusammenhängt, dass das schriftliche Erzählen in höherem Maße gewissen Regeln und strukturellen Merkmalen zu unterliegen scheint und demzufolge bewusster gelehrt und gelernt werden muss. [...]
Ausgehend von der Annahme, dass das schriftliche Erzählen als eine komplexe Tätigkeit einer besonderen didaktischen und methodischen Aufbereitung aus schulischer Sicht bedarf, wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, wie das schriftliche Erzählen im Sprachbuch für die Grundschule thematisiert wird. Während im ersten Kapitel zunächst erzähltheoretische Grundlagen für die nachfolgende Untersuchung geliefert werden, bezieht sich das zweite Kapitel bereits intensiver auf den schulischen Kontext, indem zum einen Vorgaben des Niedersächsischen Kerncurriculums zum schriftlichen Erzählen dargelegt werden und zum anderen erforderliche Kenntnisse und Fertigkeiten für diese Tätigkeit aufgezeigt werden. Im dritten Kapitel werden schließlich einzelne Sprachbuchseiten sowohl unter didaktischen als auch methodischen Aspekten untersucht und hinsichtlich der Frage, ob sie für das Lehren und Lernen des schriftlichen Erzählens hilfreich sind, bewertet. Inhalt des vierten Kapitels wird letztendlich die Darbietung eigenständig erstellter Sprachbuchseiten zum schriftlichen Erzählen sein, die insbesondere eine didaktische und methodische Begründung einschließt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Erzähltheoretische Grundlagen
1.1. Eingrenzung des Erzählbegriffs
1.2. Das narrative Schema
2. Anforderungen an eine didaktisch-methodische Auseinandersetzung mit dem schriftlichen Erzählen
2.1. Das Erzählen als Bestandteil des Niedersächsischen Kerncurriculums
2.2. Erforderliche Kenntnisse und Fertigkeiten für das Erzählen
3. Didaktisch-methodische Untersuchung des schriftlichen Erzählens im Sprachbuch
3.1. Das Sprach-Lese-Buch Piri: Umgang mit dem schriftlichen Erzählen
3.2. Didaktische und methodische Untersuchung einzelner Sprachbuchseiten
3.2.1. Piri 3: „Timos Drachen“
3.2.2. Piri 3: „Ein Pilz als Sonnenschein“
3.2.3. Piri 4: „Eine Bildergeschichte“
3.3. Resümee zu Piri 3 und Piri 4 in Bezug auf das schriftliche Erzählen
4. Erstellen alternativer Sprachbuchseiten zum schriftlichen Erzählen
4.1. Überlegungen für Alternativseiten zum schriftlichen Erzählen
4.2. Alternative Sprachbuchseiten: didaktisch-methodische Begründung der Aufgabenstellungen
4.2.1. Planung einer Erzählung
4.2.1. Schreiben einer Einleitung
4.3. Ausblick auf die folgenden Sprachbuchseiten
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die didaktische und methodische Aufbereitung des schriftlichen Erzählens in Sprachbüchern der Grundschule. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwieweit aktuelle Lehrwerke wie "Piri" den Anforderungen des Niedersächsischen Kerncurriculums gerecht werden und Schülern die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Textproduktion vermitteln können.
- Analyse theoretischer Grundlagen des Erzählbegriffs und narrativer Schemata.
- Untersuchung der Anforderungen an das schriftliche Erzählen im schulischen Kontext.
- Kritische didaktische Evaluation spezifischer Sprachbuchseiten aus den Bänden Piri 3 und Piri 4.
- Entwicklung und Begründung eigener, didaktisch optimierter Alternativseiten zum schriftlichen Erzählen.
Auszug aus dem Buch
1. Erzähltheoretische Grundlagen
Eine didaktische sowie methodische Auseinandersetzung mit dem Thema des schriftlichen Erzählens kann prinzipiell nur dann erfolgen, wenn ein allgemeines Verständnis und somit eine Basis darüber vorhanden ist, was unter dem Begriff des „schriftlichen Erzählens“ verstanden wird. Aus diesem Grund werden zunächst einige theoretische Vorüberlegungen zum Erzählen dargelegt, die sich jedoch auf jene Grundlagen beschränken, die für die nachfolgenden Kapitel von Bedeutung sind, da eine Ausführung des gesamten Erzählbegriffs aufgrund seines weiten Spektrums den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.
1.1. Eingrenzung des Erzählbegriffs
Der Auseinandersetzung mit dem schriftlichen Erzählen im Sprachbuch wird zunächst die Klärung und Eingrenzung des Erzählbegriffs vorausgehen. Ganz allgemein gesagt, wird beim Erzählen ein reales oder fiktives Geschehen entweder schriftlich oder mündlich dargestellt, wobei der Adressat und der damit verbundene Zweck des Erzählens eine wesentliche Rolle spielen, was Beck & Hofen folgendermaßen erläutern:
„Erzählen im weitesten Sinne umfaßt [sic] jegliche Form mündlichen oder schriftlichen Darstellens, bei dem ein wirkliches oder erdachtes inneres oder äußeres Geschehen in Sprache gefaßt [sic] wird i. d. R. mit dem Ziel, einen tatsächlich vorhandenen oder auch nur vorgestellten Hörer bzw. Leser anzusprechen, ihn in das Erleben einzubeziehen, zu erfreuen, mitunter auch zu informieren. Soweit literarisch ausgeprägt, begegnen wir erzählender Dichtung als einer der drei großen literarischen Gattungen (Epik, Lyrik, Dramatik) in allen Kulturen und zu allen Zeiten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erzähltheoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert die Basis für die Arbeit, indem es den Begriff des Erzählens eingrenzt und das für das schriftliche Erzählen relevante narrative Schema theoretisch herleitet.
2. Anforderungen an eine didaktisch-methodische Auseinandersetzung mit dem schriftlichen Erzählen: Hier werden die curricularen Vorgaben des Landes Niedersachsen analysiert und die für Grundschüler erforderlichen Teilkompetenzen und Fertigkeiten für das schriftliche Erzählen definiert.
3. Didaktisch-methodische Untersuchung des schriftlichen Erzählens im Sprachbuch: Das Kapitel bietet eine kritische Evaluation der Sprach-Lese-Bücher Piri 3 und Piri 4 hinsichtlich der didaktischen Umsetzung des schriftlichen Erzählens auf ausgewählten Beispielseiten.
4. Erstellen alternativer Sprachbuchseiten zum schriftlichen Erzählen: In diesem Kapitel werden eigene Alternativseiten entworfen und didaktisch begründet, um aufzuzeigen, wie das Lehren und Lernen des schriftlichen Erzählens methodisch besser strukturiert werden kann.
Schlüsselwörter
Schriftliches Erzählen, Sprachbuch, didaktische Untersuchung, Piri, narratives Schema, Kerncurriculum, Grundschule, Schreibdidaktik, Erzählstruktur, Lernprozess, Textproduktion, Bildungsstandards, Aufsatzunterricht, Methodenkompetenz, Planung einer Erzählung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das schriftliche Erzählen in aktuellen Sprachbüchern für die Grundschule didaktisch und methodisch aufbereitet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen narrativer Strukturen, die Anforderungen des Niedersächsischen Kerncurriculums an die Schüler und die praktische Umsetzung dieser Anforderungen in Lehrwerken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die gegenwärtige Darstellung des schriftlichen Erzählens in Sprachbüchern oft zu oberflächlich ist, und Möglichkeiten für eine didaktisch fundierte Verbesserung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine didaktische Analyse, bei der sie zunächst theoretische Modelle (narratives Schema) aufstellt und diese anschließend als Maßstab für die Untersuchung ausgewählter Sprachbuchseiten verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl bestehende Sprachbuchseiten (Piri 3 und Piri 4) kritisch evaluiert als auch selbst entwickelte Alternativseiten für den Unterricht entworfen und begründet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schriftliches Erzählen, Sprachbuch, didaktische Untersuchung, Piri, narratives Schema, Kerncurriculum, Schreibdidaktik und Erzählstruktur.
Warum wird das Sprachbuch "Piri" als Beispiel gewählt?
Das Lehrwerk Piri wird gewählt, da es ein weit verbreitetes, aktuelles Lehrwerk ist, an dem sich die Problematik der eher unsystematischen Behandlung des schriftlichen Erzählens beispielhaft demonstrieren lässt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Unterrichtspraxis?
Die Autorin folgert, dass schriftliches Erzählen eine komplexe Tätigkeit ist, die kleinschrittig und systematisch durch bewusste Planung und gezielte Aufgabenstellungen im Unterricht angeleitet werden muss.
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- Kirstin Kannwischer (Author), 2008, Das schriftliche Erzählen als Thema im Sprachbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89874