Das UG 2002 verlangt von den Universitäten den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems. Qualität, Qualitätsmanagement, Evaluierung – Begriffe, die verwirren und Ablehnung hervorrufen. Wie Expertenorganisationen – im Besonderen Kunstuniversitäten, die darüber hinaus noch zusätzliche Besonderheiten aufweisen – sich dieser Herausforderung stellen, welche Möglichkeiten genutzt werden und wie damit auch das Ineinandergreifen der Lenkungssysteme (Universitätsrat - Rektorat – Senat; Leistungsvereinbarung und Zielvereinbarung) transparent gestaltet werden kann, wurde analysiert und daraus Thesen abgeleitet worauf hierbei zu achten ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Rahmenbedingungen Österreichischer Akademien und Universitäten
1.1 Die rechtliche Stellung in der Gesellschaft - universitäre Autonomie
1.2 Expertenorganisation Universität
1.3 Besonderheiten von Kunstuniversitäten
1.4 Dienstleistungsorganisationen
1.5 Systemsteuerung - Steuerung universitärer Systeme?
1.5.1 Leistungs- und Zielvereinbarungen als Steuerungsinstrumente
2 Kontroversen in der Diskussion um QM-Systeme für Kunstausbildungsstätten
3 Anforderungsprofil von Kunstuniversitäten an QM-Systeme
3.1 Implizite und explizite Qualitätsanforderungen
3.2 Zweck eines Qualitätsmanagementsystems
4 Gängige Qualitätsmanagementmodelle
4.1 EN ISO 9000er-Familie
4.2 EFQM-Modell
4.3 CAF - Modell
4.4 Alternative Qualitätsmanagementsystem-Zugänge:
4.5 (T)QM an Universitäten
4.6 Internal Quality Assurance in Higer Music Education
5 Erklärung und Thesen
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Rahmenbedingungen österreichischer Kunstuniversitäten im Kontext der gesetzlich geforderten Einführung von Qualitätsmanagementsystemen. Dabei wird analysiert, wie sich die Autonomie der Kunstuniversitäten und ihre Ausprägung als Expertenorganisationen mit den Anforderungen moderner Managementmodelle vereinbaren lassen, um ein adäquates Qualitätsverständnis zu entwickeln.
- Strukturelle Rahmenbedingungen durch das Universitätsgesetz (UG 2002)
- Charakteristika von Kunstuniversitäten als Experten- und Dienstleistungsorganisationen
- Systemsteuerung und die Rolle von Leistungs- und Zielvereinbarungen
- Kritische Analyse gängiger Qualitätsmanagementmodelle (ISO, EFQM, CAF)
- Entwicklung von Thesen zur Optimierung der Qualitätsmanagement-Implementierung
Auszug aus dem Buch
1.2 Expertenorganisation Universität
Die traditionelle universitäre Ordnung – so Nickel – ist eine „selbstregulative Ordnung“ mit „hoher Autonomie“ und „kollegial-demokratischer Entscheidungsfindung“ bei einer „flachen Hierarchie.“ „Intrinsische Motivation und Identifikation“ treiben viele der Protagonisten an ihren Häusern an, was die „Unplanbarkeit künstlerisch-kreativer Prozesse“ egalisiert und die fehlende „Input-Output-Relation“ neutralisiert. Um eine derart partizipative Steuerungs- und Lenkungsordnung zu entwickeln und aufrecht zu erhalten, müssen bestimmte Bedingungen vorliegen. Pasternack beschreibt diese wie folgt:
Die Angehörigen von Expertenorganisation sind charakterisiert durch aufwendige Ausbildung, hohen Spezialisierungsgrad, sehr eigenständigen Umgang mit Wissen und die Lieferung sehr komplexer, nicht trivialer Produkte. Infolgedessen ist die wesentliche sachliche Bedingung, um die Expertentätigkeit ausüben zu können, hohe individuelle Autonomie. Dies korrespondiert mit organisationalen Notwendigkeiten: Das wichtigste Produktionsmittel der Organisation ist das Wissen, und dieses befindet sich in der Hand der Experten; die Leistungsfähigkeiten des Experten und der Expertin stellen das Kapital der Organisation dar; schließlich werden die zentralen Organisationsdienstleistungen sehr oft direkt für Klienten erbracht, was bedingt, daß dies in Form personaler Beziehungen geschieht – mit entsprechenden Anforderungen an Fertigkeiten und Kompetenzen der Organisationsmitglieder. Aus all dem resultieren eine starke Stellung des Experten in der Organisation sowie der Umstand, dass Leitungsentscheidungen meist mit der fachlichen Arbeit verknüpft sind. Zugleich ist die Expertenorganisation durch den Widerspruch gekennzeichnet, dass ExpertInnen einerseits an ihrer jeweiligen (innovativen) Profession orientiert und andererseits gegenüber ihrer (trägen) Organisation eher gleichgültig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Rahmenbedingungen Österreichischer Akademien und Universitäten: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Neuerungen durch das UG 2002, welche die Universitäten in die Autonomie entlassen und sie als Expertenorganisationen mit spezifischen Anforderungen an die Steuerung positionieren.
2 Kontroversen in der Diskussion um QM-Systeme für Kunstausbildungsstätten: Hier werden die durch Begriffe wie Qualität und Qualitätssicherung verursachten Missverständnisse und die daraus resultierende Skepsis im künstlerischen Umfeld thematisiert.
3 Anforderungsprofil von Kunstuniversitäten an QM-Systeme: Dieses Kapitel definiert die spezifischen Bedürfnisse der Kunstuniversitäten, die ein maßgeschneidertes Qualitätsmanagement erfordern, um Kreativität nicht einzuschränken.
4 Gängige Qualitätsmanagementmodelle: Eine detaillierte Betrachtung verschiedener Modelle wie ISO 9000, EFQM und CAF im Kontext ihrer Anwendbarkeit auf Kunstuniversitäten.
5 Erklärung und Thesen: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Analyseergebnisse in sieben Thesen zur praktischen Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements an österreichischen Kunstuniversitäten.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Kunstuniversitäten, Universitätsgesetz 2002, Expertenorganisation, Qualitätssicherung, Leistungsvereinbarung, Autonomie, Systemsteuerung, EFQM-Modell, ISO 9000, künstlerische Forschung, Organisationsentwicklung, Hochschulmanagement, Prozessorientierung, Hochschulautonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Einführung und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen an österreichischen Kunstuniversitäten vor dem Hintergrund des Universitätsgesetzes 2002.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Rahmenbedingungen für Kunstuniversitäten, die theoretischen Anforderungen an ein Qualitätsmanagement in künstlerischen Institutionen sowie die kritische Analyse bekannter Managementmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den gesetzlichen Forderungen nach Qualitätsmanagement und der besonderen Struktur von Kunstuniversitäten als Expertenorganisationen zu beleuchten und Wege für eine praxisnahe Umsetzung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer intensiven Literaturanalyse und der Aufarbeitung theoretischer Ansätze zur Organisationsführung und Systemtheorie, ergänzt durch die Analyse von Zielvereinbarungen und Expertenmeinungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systemsteuerung universitärer Organisationen, die Besonderheiten des künstlerischen Lehrbetriebs sowie die Eignung standardisierter QM-Modelle wie ISO 9000 oder EFQM für diesen spezifischen Kontext.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Qualitätsfähigkeit, Expertenorganisation, Systemsteuerung, Leistungsvereinbarung, Autonomie und das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und formaler Qualitätssicherung charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst das UG 2002 die Kunstuniversitäten?
Das UG 2002 verpflichtet alle Universitäten zur Einführung eines Qualitätsmanagementsystems, lässt jedoch die methodische Ausgestaltung offen, was den Universitäten einerseits Spielraum bietet, andererseits aber zu Unsicherheiten in der Umsetzung führt.
Warum ist das Qualitätsmanagement an Kunstuniversitäten besonders herausfordernd?
Aufgrund der Unplanbarkeit künstlerischer Prozesse, der hohen Bedeutung individueller Expertise und der Ablehnung standardisierter Kontrollinstrumente gestaltet sich die Übertragung industrieller QM-Modelle auf den künstlerischen Bereich als hochgradig komplex.
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- Ing. Mag.(FH), MSc Wolfgang Pölz (Author), 2007, Rahmenbedingungen österreichischer Kunstuniversitäten bei der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89903