Der Standort Deutschland gehört zu den führenden Standorten für Unternehmen weltweit und ist der attraktivste Investitionsstandort in Europa. Das Siegel „Made in Germany“ steht im Ausland nach wie vor für hohe Qualität und für zuverlässige Produkte. Internationale Manager schätzen den Standort Deutschland wegen seiner guten Infrastruktur, der Qualität von Forschung und Entwicklung, der gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie der Attraktivität des europäischen Binnenmarktes. Gleichzeitig kritisieren Unternehmer eine mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts, die teils überzogene Bürokratie und Regulierungsdichte sowie die hohen Arbeitskosten in Deutschland.
Gerade Unternehmen in Deutschland mit einem hohen Arbeitskostenanteil, zu denen auch produzierenden Unternehmen gehören, reagieren auf diese Wettbewerbsnachteile zum Teil mit einer Verlagerung von Produktionsstätten an attraktivere Standorte. Diese Abwanderungstendenzen sowie zunehmende Automatisierung von Prozessen führen auf dem Arbeitsmarkt zu dramatischen Konsequenzen: die Beschäftigung in Deutschland nahm im Zeitraum von 1970 bis 2004 um 18% ab. Dieser Arbeitsplatzabbau schreitet in Deutschland weiter fort. Umso mehr ist die Arbeitsplatzsicherheit für den einzelnen Bürger und Mitarbeiter von existenzieller Bedeutung.
Die vorliegende Master-Thesis verfolgt das Ziel, den beschriebenen Abwanderungstendenzen im produzierenden Bereich entgegenzuwirken und so Arbeitsplätze am Standort Deutschland zu sichern. Der Fokus der Betrachtungen liegt auf der großindustriellen Fertigung in der Lebensmittelindustrie, da der Autor aus diesem Bereich eigene Berufserfahrung einfließen lassen kann. Zudem handelt sich es bei der Lebensmittelindustrie um einen der größten Industriezweige gemessen an Umsatz und Beschäftigung.
In der vorliegenden Arbeit werden im ersten Schritt detailliert das Umfeld am Standort Deutschland analysiert und darauf aufbauend Strategien zur Sicherung des Unternehmensstandortes vorgestellt.
Weiterhin fokussiert sich die vorliegende Arbeit auf die Betrachtung der Ressource Personal und deren Beitrag zur Sicherung des Standorts Deutschland. Von besonderem Interesse sind hier die Mitarbeiter mit einer technisch-gewerblicher Tätigkeit, da diese einerseits den Großteil der Belegschaft einer Produktion ausmachen, andererseits auch bislang wenig Literatur zu dieser Zielgruppe vorliegt. Gleichzeitig kann der Autor auch hier auf eigene Praxiserfahrungen zurückgreifen. Es werden relevante Theorien zur Leistungsmotivation und deren praktische Anwendung in konkreten Motivationstools dargestellt.
Im Folgenden wird erläutert, wie motivierte Mitarbeiter zur Sicherung des Unternehmensstandorts Deutschland, und damit auch zur Sicherung ihres eigenen Arbeitsplatzes, beitragen können. Hierfür werden aus den vorgestellten Strategien diejenigen mit Bezug zur Ressource Personal dargestellt. Es wird herausgearbeitet, warum die Umsetzung der Strategien der Motivation und Unterstützung durch die Mitarbeiter bedarf und eine Hypothese aufgestellt, dass die oben dargestellten Motivationstools über die Beeinflussung der Motivation der Mitarbeiter zur Umsetzung der Strategien beitragen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse der Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie
2.1 PESTEL- Umfeldanalyse
2.1.1 Politische Aspekte
2.1.2 Ökonomische Aspekte, allgemein
2.1.3 Ökonomische Aspekte, Personal
2.1.4 Soziokulturelle Aspekte
2.1.5 Technologische Aspekte
2.1.6 Ökologische und rechtliche Aspekte
2.2 SWOT- Analyse
2.3 Strategien aus der SWOT- Analyse
2.4 Herausforderung der Umsetzung der Strategien
3 Theorien der Leistungsmotivation
3.1 Grundlagen der Motivation
3.1.1 Arbeitszufriedenheit
3.1.2 Intrinsische und Extrinsische Motivation
3.2 Motivationstheorien
3.2.1 Frühe Motivationstheorien
3.2.2 Moderne Motivationstheorien
3.3 Anwendung der Motivationstheorien
4 Motivationstools für Unternehmen
4.1 Extrinsische monetäre Tools
4.1.1 Entlohnungssysteme
4.1.2 Incentives
4.1.3 Variable Entgeltsysteme
4.1.4 Flexible Zusatzleistungen
4.2 Extrinsische nicht-monetäre Tools
4.2.1 Führen mit Zielen
4.3 Intrinsische Tools
4.3.1 Führungsverhalten
4.3.2 Ideenmanagement, Prämierung und Auszeichnung
4.3.3 Mitarbeitergespräch
4.3.4 Empowerment
4.3.5 Teamarbeit
5 Umsetzung der Strategien
5.1 Hebel 1 – Lohnkosten
5.1.1 Strategie
5.1.2 Motivationstool: Flexible Zusatzleistungen
5.2 Hebel 2 – Produktivität
5.2.1 Strategie
5.2.2 Motivationstool 1: Führen mit Ziele
5.2.3 Motivationstool 2: Teamarbeit
5.3 Hebel 4 – Innovation
5.3.1 Strategie
5.3.2 Motivationstool: Ideenmanagement, Prämierung und Auszeichnung
5.4 Hebel 5 – Qualität und Wissen
5.4.1 Strategie
5.4.2 Motivationstool: Führung und Mitarbeitergespräch
6 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master-Thesis untersucht die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland mit einem spezifischen Fokus auf die Lebensmittelindustrie. Ziel ist es, Strategien zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu entwickeln, wobei der Schwerpunkt auf der Ressource Personal und der gezielten Anwendung von Motivationstheorien liegt, um Mitarbeitern durch geeignete Tools zur Leistungssteigerung und aktiven Mitgestaltung von Veränderungsprozessen zu befähigen.
- Analyse des Wettbewerbsumfelds der Lebensmittelindustrie mittels PESTEL und SWOT.
- Erarbeitung von Strategien zur Kostenreduzierung und Leistungserhöhung.
- Wissenschaftliche Fundierung von Motivation im beruflichen Kontext durch diverse Motivationstheorien.
- Entwicklung und Kategorisierung einer Toolbox für unternehmerische Motivationstools.
- Anwendung der Konzepte auf spezifische "Hebel" zur Standortsicherung.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Intrinsische und Extrinsische Motivation
Man unterscheidet zwischen intrinsischer, „von innen her“ kommender Motivation und extrinsischer, „von außen her“ kommender Motivation.
Vereinfacht gesagt, ist man intrinsisch motiviert, wenn bereits der Weg oder auch das Ziel selbst motiviert und nicht die Belohnung, die man beim Erreichen des Zieles erhält. Extrinsische Motivation wird hingegen z.B. durch das Gehalt oder auch durch das Lob erzielt, das in Abhängigkeit zum erreichten Ziel erteilt wird. Der Idealzustand bei der intrinsischen Motivation wird als Flow bezeichnet.52 Der Mensch geht dann in der Bearbeitung seiner Aufgabe vollständig auf und die Aufmerksamkeit ist ganz von der Tätigkeit angezogen. Die Herausforderung ist es also, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass ein Flow-Effekt so oft wie möglich erzeugt wird. Nach Csikszentmihalyi (1999) entsteht eine optimale Flow- Konstellation, wenn eine subjektiv bedeutsame Tätigkeit den eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten entsprechend als Herausforderung erlebt wird.
Wenn intrinsische Motivation zur Arbeit antreibt und extrinsische Belohnungen ebenfalls motivierend wirken, dann könnte angenommen werden, dass sich beide Motivationsarten verstärken. Das Gegenteil ist der Fall: Extrinsische Motivation scheint intrinsische aufzuheben.53
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Ausgangslage des Produktionsstandorts Deutschland, thematisiert den zunehmenden Wettbewerbsdruck und definiert das Ziel der Arbeit, Arbeitsplätze durch den Einsatz von Motivationstools im produzierenden Bereich zu sichern.
2 Analyse der Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie: In diesem Kapitel wird das Branchenumfeld detailliert untersucht, wobei mittels PESTEL-Analyse Rahmenbedingungen bewertet und in einer SWOT-Analyse strategische Handlungsfelder zur Wettbewerbsfähigkeit abgeleitet werden.
3 Theorien der Leistungsmotivation: Dieses Kapitel liefert den wissenschaftlichen Rahmen, indem es grundlegende Konzepte zur Arbeitsmotivation sowie klassische und moderne Motivationstheorien analysiert, um das menschliche Verhalten im Arbeitsumfeld erklärbar zu machen.
4 Motivationstools für Unternehmen: Hier wird eine Toolbox entwickelt, die theoretische Erkenntnisse in praktische Führungs- und Entlohnungsinstrumente übersetzt und diese in extrinsische sowie intrinsische Tools unterteilt.
5 Umsetzung der Strategien: Das letzte Kapitel führt die vorangegangenen Analysen zusammen und zeigt konkret auf, wie durch die Anwendung der erarbeiteten Motivationstools strategische Hebel wie Lohnkosten, Produktivität und Qualität in der betrieblichen Praxis umgesetzt werden können.
6 Abschlussbetrachtung: Die Abschlussbetrachtung reflektiert die erzielten Ergebnisse, bestätigt die Hypothese zur Wirksamkeit der Motivationstools und betont die fortwährende Herausforderung für Führungskräfte bei der praktischen Anwendung.
Schlüsselwörter
Produktionsstandort Deutschland, Lebensmittelindustrie, Leistungsmotivation, Mitarbeiterführung, Entlohnungssysteme, Wettbewerbsfähigkeit, Motivationstheorien, Personalmanagement, Prozessoptimierung, Arbeitszufriedenheit, Strategieumsetzung, Fachkräftemangel, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Unternehmenserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sicherung des Produktionsstandortes Deutschland vor dem Hintergrund zunehmender Abwanderungstendenzen und der Notwendigkeit, Arbeitsplätze durch eine gezielte Steigerung der Mitarbeitermotivation zu halten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zu den Schwerpunkten zählen die ökonomische Analyse der Lebensmittelindustrie, die fundierte Auseinandersetzung mit psychologischen Motivationstheorien sowie die Entwicklung einer konkreten "Toolbox" für Führungskräfte.
Was ist die primäre Forschungsfrage oder das Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie durch den gezielten Einsatz von Motivationstools bei Mitarbeitern in der Produktion strategische Maßnahmen zur Standortsicherung unterstützt und Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus einer PESTEL- und SWOT-Analyse des Marktumfeldes, der Auswertung wissenschaftlicher Literatur zu verschiedenen Motivationstheorien und einer darauf aufbauenden praxisorientierten Strategieentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Wettbewerbsfaktoren der Lebensmittelindustrie, eine theoretische Aufarbeitung verschiedener Motivationsmodelle sowie eine umfangreiche Toolbox mit praktischen Instrumenten zur Personalführung und Anreizgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wettbewerbsfähigkeit, Leistungsmotivation, Standort Deutschland, Motivationstools, Lebensmittelindustrie, Entlohnungssysteme und Personalmanagement charakterisiert.
Warum spielt die Lebensmittelindustrie in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Die Lebensmittelindustrie dient als Fallbeispiel, da sie einer der größten Industriezweige in Europa ist und der Autor eigene Praxiserfahrungen aus diesem Bereich einfließen lassen kann.
Wie bewertet der Autor die Wirkung von extrinsischer auf intrinsische Motivation?
Der Autor stellt fest, dass extrinsische Motivation die intrinsische Motivation "korrumpieren" kann und das Gegenteil einer Verstärkung eintritt, was bei der Gestaltung von Entgeltsystemen berücksichtigt werden muss.
Welche Rolle spielen die "Hebel" bei der Strategieumsetzung?
Die sechs Hebel (z. B. Lohnkosten, Produktivität, Innovation) dienen als Kategorisierungssystem, um die strategischen Ziele in konkrete, durch den Einsatz von Motivationstools beeinflussbare operative Maßnahmen zu übersetzen.
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- Dipl.-Ing., MBA Heiko Dahmer (Author), 2007, Produktionsstandort Deutschland - Durch leistungsmotivierte Mitarbeiter Wettbewerbsfähigkeit sichern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89921