Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes


Bachelorarbeit, 2015

40 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand
1.2. Quellenlage

2. Der Schwarze Tod erreicht Venedig
2.1. Der Schwarze Tod als mortalitas inaudita
2.2. Vorherrschende Seuchentheorien in Venedig
2.3. Das Handeln der Ärzteschaft von Venedig
2.4. Was konnte man sehen? Das zeitgen össische klinische Bild der Krankheit

3. Die Venezianische Herrschaftsstruktur
3.1. Empirische Beobachtungen und Pragmatismus – Maßnahmen der Gesundheitsbehörden

4. Der Schwarze Tod als Strafe Gottes – Die Rolle des Klerus

5. Venedig und der Schwarze Tod – Zusammenfassung und Ausblick

6. Bibliographie
6.1. Quellen
6.2. Darstellungen
6.3 Internetquellen

1 . Einleitung

„Quid plura? Tota civitas erat unum sepulcrum.“ 1 In seinem Bericht ließ Lorenzo de Monacis eine der bedeutendsten Metropolen seiner Zeit, Venedig, metaphorisch zu einem Massengrab werden. Der Schwarze Tod2 gelangte Mitte des 14. Jahrhunderts vom zentralasiatischen Balkaschsee nach Europa. Dadurch kam es über das damalige Welthandels-System zu einer mikrobiologischen Vereinigung Europas mit Asien3 und die Pest führte als „Krankheit par excellence“4 zu einem bis dahin unbekanntem Massensterben. Francesco Petrarca berichtete seinem Bruder in einem Brief, wie sehr er das Jahr 1348 bedauere, welches nicht nur ihm der Freunde, sondern die Welt ihrer Völker beraubt habe.5

Während die übrigen Länder Westeuropas dem Schwarzen Tod „mit einer gewissen Mi-nimalerfahrung“ 6 gegenübertraten, wurde Italien völlig unvorbereitet getroffen. Venedig, das mit bis zu 120 000 Einwohnern zu den größten Städten Europas gehört hatte, verlor durch den Schwarzen Tod mehr als die Hälfte seiner Einwohner.7 Obgleich das öffentli-che Leben zeitweise zusammenbrach und Panik sowie Hoffnungslosigkeit das Handeln und Fühlen der meisten Menschen bestimmte, ist besonders in der Löwenstadt der Ver-lauf der Pest ausführlich dokumentiert worden. Die Quellen sind von keiner literarischen Die Pest von 1348 wurde von den Zeitgenossen nie als Schwarzer Tod bezeichnet. Diese Bezeichnung erfuhr als Krankheit im Spätmittelalter zunehmend eine Spezifikation, wobei sie allerdings ihre ursprüng-liche Bedeutung als Krankheit überhaupt nicht verlor. Schwarz wurde im Mittelalter mit dem Bösen und Furchtbaren verbunden. Erst im 16. Jahrhundert prägten dänische und schwedische Chronisten den Namen „Schwarzer Tod“. Unter dem Eindruck der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert veröffentliche der deutsche Arzt J.F.K. Hecker 1832 seinen vielbeachteten Aufsatz über die Pest von 1348/49 mit dem Titel „Der schwarze Tod“, der ins Englische übersetzt und mehrfach nachgedruckt wurde. Elizabeth Cartwright Pen-rose führte den Begriff in den angelsächsischen Kulturkreis ein, da sie in ihrem Schulbuch zur englischen Geschichte die Pest von 1349 ebenfalls als Schwarzen Tod bezeichnet hatte, vgl. dazu Bulst, N., Der „Schwarze Tod“ im 14. Jahrhundert, in: M. Meier (Hrsg.), Die Pest, Stuttgart 2005, S. 145f.

Klasse wie der Dekamerone eines Boccaccio.8 Der umfassende Bericht von Lorenzo de Monacis bietet zusammen mit Augenzeugenberichten, Säuleninschriften, Darstellungen amtlich bestellter Chronisten, den Anordnungen des Großen Rates und des Senats sowie mit dem dokumentierten Durchgreifen der Savi ein eindrucksvolles Bild der Serenissima, die im Kampf gegen die Pest nicht nur auf die antiken Seuchentheorien der Mediziner und göttlichen Beistand vertraute, sondern vielmehr auf einen von Behörden gelenkten und auf empirischen Beobachtungen beruhenden Pragmatismus. Deren oberstes Ziel blieb es die darauffolgenden 300 Jahre, die Bevölkerung vor weiteren Ansteckungen zu schützen.9

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Venedig im Spiegel zeitgenössi-scher Quellen auf den Schwarzen Tod reagierte und welches Bild der Krankheit sich da-raus konstruieren lässt. Nicht unter Abgrenzung, sondern in Ergänzung stellte sich die Stadt einerseits in die Tradition antiker Autoritäten, modifizierte die Seuchentheorien aber andererseits um die empirischen Beobachtungen. Ebenso schlossen sie die generelle strafmetaphysische Interpretation der Seuche als Strafe Gottes nicht aus, was zur Folge hatte, dass sich die städtisch gelenkte Seuchenbekämpfung auch gegen moralische Miss-stände richtete. Das daraus entstandene Bild vom Schwarzen Tod existierte bis weit über den letzten Pestausbruch in Venedig 1631 hinaus und bildete die Grundlage für ihren einzigartigen universalen Kampf gegen die Geißel Gottes.

Zu Beginn werden der aktuelle Forschungsstand und die Quellenlage exponiert. Die Ein-leitung zum Hauptteil umfasst eine Darstellung wichtiger Ereignisse am „Vorabend“ des Pestausbruches und eine kurze Zusammenfassung vom Verlauf des Schwarzen Todes von März bis zum Spätsommer 1348.10 Dabei soll ein Ausblick auf die Entwicklung der Ge-sundheitsbehörden gegeben werden.11 Dem schließt sich die Frage nach einer Rezeption vorangegangener Pestausbrüche an und, inwiefern der Schwarze Tod von den Zeitgenos-sen als etwas Neues wahrgenommen wurde.12

Der Hauptteil widmet sich gänzlich dem zeitgenössischen Bild des Schwarzen Todes. Dabei bilden die Darstellungen Monacis aufgrund ihrer Fülle an Informationen in jedem Teilabschnitt das Fundament, welches es im historischen Kontext unter Verwendung wei-terer Quellen zu ergänzen und deuten gilt. Zunächst werden geläufige Erklärungsmodelle zur Ätiologie und Nosologie der Krankheit dargestellt und vor diesem Hintergrund die Berichte aus Venedig ausgewertet.13 Daran schließt sich eine Ausführung über das Han-deln der Ärzte an, wobei ein besonderes Augenmerk auf deren Ohnmacht und der damit einhergehende Autoritätsverlust liegt. Ein kurzer Exkurs über die Regierungsstruktur Ve-nedigs leitet über zu dem Bild der Seuche, das sich aus den Maßnahmenkatalog der Stadt-behörden generieren lässt.14 Im vorletzten Kapitel wird die Frage behandelt, inwiefern die Vorstellung von der Pest als eine Strafe Gottes verbreitet war und welche religiösen Gegenmaßnahmen ergriffen wurden.

Das Ende fasst die Ergebnisse zu einem Gesamtbild der Pest zusammen und gibt einen Ausblick auf die Fragen, die sich aus den Beobachtungen ergeben haben.

1.1. Forschungsstand

Grundsätzlich gilt bei der Annäherung an mittelalterliche Seuchenbilder das Postulat, dass es unmöglich ist, in der Form einer anachronistischen Rückprojizierung durch antike Schriftquellen auf moderne Krankheiten zu schließen.15 Die mittelalterlichen Beschrei-bungen beschränken sich auf die Wahrnehmungen der Zeitgenossen. Die Verfasser me-dizinischer Fachliteratur blieben lange Zeit den vorgegebenen Denkschemata gemäß der Lehren anerkannter antiker und mittelalterlicher Autoritäten wie Hippokrates, Galen, Pto-lomäus, Avicenna, Averroes oder Albertus Magnus verhaftet. Erschwerend tritt hinzu, dass die finalen Krankheitsbilder von Infektionskrankheiten untereinander große Ähn-lichkeiten aufweisen, weshalb der Begriff pestis oft als Topos verwendet wurde und er neben Seuchen auch gesellschaftliche Übel bezeichnete.16 Darüber hinaus verzerrt die biologische Evolution von Krankheitserregern und die damit einhergehende Pathomor-phose die retroperspektive Diagnose.

Im Jahre 2011 gelang es allerdings einem internationalen Forscherteam um Kirsten Bos von der McMaster University das Pestgenom zu entschlüsseln. Yersinia Pestis war für den Schwarzen Tod verantwortlich. Das Urbakterium entstand ungefähr 1282 und traf als virgin soie epidemic auf eine Bevölkerung, deren Immunsystem ohnehin durch Hungers-nöte, Kälteeinbrüche und vorangegangener Infektionskrankheiten geschwächt war.17 18 Dadurch ist es möglich, zeitgenössische Angaben zum Wesen der Krankheit mit größerer Sicherheit zu deuten.

Der Forschungsstand über den Schwarzen Tod von Venedig 1348 und besonders über dessen Wahrnehmung ist umfangreich. Für die städtischen Maßnahmen, die gleichzeitig zu den wichtigsten Quellen gehören, sei besonders auf den Aufsatz von Mario Brunetti „ Venezia durante le peste del 1348 “ hingewiesen, in dem die lateinischen Texte abge-druckt sind.19 Für das Verständnis antiker Seuchentheorien wurde primär die Dissertation Josef Wittmans konsultiert.20 Aus dem deutschsprachigen Raum heben sich auf diesem Gebiet Gundolf Keil und Klaus Bergdolt als Koryphäen hervor. Wichtigste und um-fangreichste Sammelkataloge sind: „Die Pest“ von Micha Meier, der alle Forschungs-bereiche zum diesem Thema abdeckt, und der Ausstellungskatalog: „ Venezia e la peste “ von 1979.

1.2. Quellenlage

Die erste Pestwelle von Venedig gilt als außergewöhnlich gut dokumentiert. Die wich-tigste Quellensammlung ist der zwölfte Band der Rerum Italicarum Scriptores des Ludo-vico Antonia Muratori. Darin liefert der Bericht des Cancelliere Lorenzo de Mona-cis den Leitfaden für die Hausarbeit und gleichzeitig den detailliertesten Bericht von der Pest aus dem 14. Jahrhundert.21 Der Vorteil an seinen Ausführungen ist, dass sie sich fast lückenlos durch andere Dokumente, wie der fortgeführten Chronik des Raphainus Caresinis, der des Francesco de Grazia oder der Venetiarum Historia von Cessi und Bennato, rekonstruieren lassen.22 Haeser liefert in seinen Werkreihen „Geschichte der epidemischen Krankheiten“ zahlreiche Editionen, unter anderem von der Chirurgia Magna des Guy de Chauliac, dem ein umfassendes und zeitgenössisches klinisches Bild der Krankheit zu verdanken ist.23 Unverzichtbar für diese Arbeit ist außerdem die Quel-lensammlung von Klaus Bergdolt,24 die neben dem Pestconsilium des Gentile da Foligno zahlreiche weitere Pestconsilia und Beschlüsse des Großen Rates in deutscher Übersetzung bietet. Auch finden sich darin zahlreiche Chroniken und Berichte, die einen Zusammenhang zwischen Naturereignissen und dem Ausbruch der Seuche sehen, wobei die Nuova Chronica des Villani diesem Phänomen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Die Inschrift des Scuola della Carita ist in Originalsprache im Ausstellungskatalog „Ve-nezia e la peste“ abgedruckt und gehört neben einer weiteren der Bruderschaft San Giovanni und einigen Brunnenstiftungen zu den einzigen nicht literarischen Zeugnissen über den Schwarzen Tod.25

2. Der Schwarze Tod erreicht Venedig

Im vierzehnten Jahrhundert litt Venedig nach einer langen Blütezeit zunehmend unter weitreichenden Krisen. Nach dem Zusammenbrechen vieler Banken setzte eine enorme Teuerungswelle ein, die im Jahre 1343 zu einer enormen Schuldenlast von etwa 423.000 Dukaten führte.26 Auf politischer Ebene stand Venedig sowohl im Inneren als auch von außen unter Druck. Bereits 1310 kündigte der Putschversuch des Baiamonte Tiepolo weitreichende Spannungen an.27 Erschwerend traten von außen der ständige Konflikt mit Genua und die neue Bedrohung durch Mailand und Verona hinzu. Ein Klimawechsel, der seit Beginn des 14. Jahrhunderts eingesetzt hatte, führte zu zahlreichen Missernten und verschärfte somit die Ernährungskrise.28 Darauf folgte eine starke Landflucht aus der Ter-raferma nach Venedig.29 Die Folgen des Erdbebens von Friaul am 25. Januar 1348 führten dann dazu, dass die Flüchtlinge weiter als obdachlose Bettler in der Stadt blieben, da das Beben dort weniger Schaden angerichtet hatte.30 Dadurch spitzten sich die hygienischen Missstände zu, die ohnehin in dichtbevölkerten Städten ein großes Problem darstellten, da diese einen idealen Nährboden für die Verbreitung und Festsetzung von Infektions-krankheiten, besonders für die mit einer geringen Inkubationszeit, boten.31 Die Weichen für eine Katastrophe waren somit gestellt.

„Corpi morti, corpi morti!“ riefen die Ruderer von den Barken, auf denen sie die unzäh-ligen Pestopfer zu den Todesinseln fuhren.32 Für den Dogen Andrea Dandolo war die Stadt im Begriff zu sterben.33 Aus Caffa erreichten wohl schon im Herbst 1347 zwölf genuesische Galeeren Italien, wobei die Matrosen, die als göttliche Strafe eine solche Krankheit in ihren Knochen trugen, die italienischen Städte nacheinander verseucht hat-ten.34 Nach zeitgenössischen Quellen wütete der Schwarze Tod in Venedig von März bis August erstmals mit einer solchen Gewalt, dass Monacis in Anbetracht der hohen Mor-talität die Prognose wagte, die gesamte Gemeinde wäre verwaist gewesen, wenn die Seu-che im Juni und Juli ebenso wie im April gewütet hätte.35 Schon bald kam es in Venedig zu einem zeitweisen Aussetzen aller städtischen Institutionen, der Jurisdiktion und der Die venezianische Stadtverwaltung versuchte im Vorfeld durch Getreidetransporte, den prekären Versor-gungssituation entgegenzuwirken: Dum Civitas penuiria frumenti urgerentur, [ ] ad partes Siciliae, quae inde conduxerunt maximan quntitatem bladorum, vgl. Monacis, Chronica [(1758) vollständiger Titel vgl. Anm. 1] S. 310.

Exekutive. Die Kommunen an der Levante standen vor einer nicht zu bewältigenden Her-ausforderung, die schnell zu einem „Politikum ersten Ranges“ 36 wurde, da ein Pestaus-bruch, besonders für eine Handelsmetropole wie Venedig, eine Intensivierung aller be-stehenden sozialen, ökologischen und politischen Probleme bedeutete.37 Im Jahre 1348 wurde die ineffektive hippokratisch-galenischen Schulmedizin in ganz Oberitalien durch das Wirken städtischer Gesundheitsbehörden ergänzt.38 Dingens sieht in der Wechsel-wirkung von Pest und Staat die Entdeckung der Gesundheitsfürsorge als öffentliche Auf-gabe. In den Metropolen entwickelten sich Gesundheitsmagistrate, bestehend aus Medi-zinern und Vertretern des städtischen Patriziats, deren Aufgabe die Pestbekämpfung wurde. In Venedig gründete Francesco Foscari 1423 erstmals eine Quarantänestation, das Lazzareto vecchio, dem 1468 das noch heute stehende Lazzaretto nuevo folgte. Die vierte Pestwelle führte letztendlich 1485 zur Gründung der Magistrato della sanità, die sich ausschließlich auf die Pestbekämpfung spezialisierte.39 Die Anfänge dieser von der Ob-rigkeit gelenkten Seuchenbekämpfung entwickelten sich 1348 und liefern neben gale-nisch - hippokratischer Theorie und christlicher Endzeitvorstellung ein weiteres Bild vom Schwarzen Tod.40

Zunächst soll aber dessen Neuigkeitscharakter dargestellt und der Frage nachgegangen werden, inwiefern vorangegangene Seuchen spätmittelalterliche Vorstellungen prägen konnten.

2.1. Der Schwarze Tod als mortalitas inaudita

Der europäische Kontinent wurde 1348 nicht zum ersten Mal von der Pest erschüttert. Die Justinianische Pest brach 541 in Ägypten aus und blieb bis zum achten Jahrhundert auf endemischem Niveau in ganz Europa.41 Beschränkt man sich auf die zeitgenössische Wahrnehmung beider Seuchen, lassen sich viele Gemeinsamkeiten feststellen. Neben den ähnlichen Beschreibungen zur Ätiologie und Nosologie der Krankheit,42 wurden auch Naturkatastrophen und -erscheinungen im Vorfeld der Seuche als unheilvolle Prodigia interpretiert und für den Ausbruch der Justinianischen Pest verantwortlich gemacht.43 Auch war die Interpretation der Pest als Strafe Gottes im kollektiven Bewusstsein tief verankert. Evagrius konkludierte leidvoll: Die Zukunft liegt im Dunkeln. Sie wird sich entwickeln, wie es Gott gefällt, der auch die Ursache kennt.44 Dieses straftheologische Denken ließ damals eine neue Frömmigkeitspraxis mit dem Ziel einer gemeinschaftlichen Katastrophenbewältigung entstehen, als zum Beispiel 590 Papst Gregor der Große ein Bildnis Marias in einer Prozession durch Rom trug und so das Sterben beendet haben soll.45 Knapp hundert Jahre später entstand der Kult des wichtigsten Pestpatrons, der des hl. Sebastian. Römischen Aristokraten ließen ihn als Strafe dafür, Menschen zum Chris-tentum bekehrt zu haben, mit Pfeilen durchbohren.46 Im vierten Jahrhundert wurde er in Das gemeinsame klinische Bild lässt sich nach der neusten Forschung dadurch erklären, dass sowohl an der Justinianischen Pest als auch am Schwarzen Tod eine aggressive Variante von Yersinia Pestis maßgeblich beteiligt war.

Siehe dazu: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0049803 (zuletzt aufgerufen am 16.12.2015). der Basilica Apostolorum bei Catacumba beigesetzt.47 Der Kult verbreitete sich und Se­bastian blieb auch während des Schwarzen Todes der wichtigste Intercessor gegen die Pest.48

Monacis profiliert sich in seiner Chronik als Geschichtsschreiber und Kenner klassischer Literatur. In seinem Bericht folgt auf das große Erdbeben und dem Ausbruch der Seuche zunächst ein Katalog von verschiedenen mortalitates, die zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Gebieten und Gemeinden gewütet haben.49 Das unpersönliche legitur, am besten übersetzt mit „man liest“, gibt keinen Hinweis darauf, auf welche Quelle Mo-nacis zurückgegriffen hat und evoziert den Eindruck, dass ein solches Wissen zumindest in der oberen Gesellschaftsschicht verbreitet gewesen sein dürfte und der Schwarze Tod diesen vorangegangenen Seuchen hätte zugeordnet werden können. Am Ende dieser Auf-zählung erwähnt Monacis die Pest in Rom unter Papst Gregor dem Großen, die heute als die Justinianische Pest bekannt ist. Diese pestis inguinaria sei, wie alle Seuchen von die-sem Zeitpunkt an, nur in vereinzelten Ausbrüchen und an verschiedenen, voneinander entfernten Orten und in langen zeitlichen Abständen aufgetreten, sofern sie denn über-haupt ausbrach. Mit einem gewissen Staunen las man von ihr wie über ein Wunder.50 Nun aber entstanden allgemeine mortalitates, die Monacis schlimmer einschätzt, da sie die ganze Welt ergriffen haben. Weder die Ursachen noch die Medizin sind die gleichen ge-blieben. An ihrer Stelle traten hingegen Unterschiedlichkeiten in den Bedingungen und der Beschaffenheit der Orte.51 Schon vor dem Seuchenkatalog hebt Monacis diese zwei zentralen Eigenschaften des Schwarzen Todes hervor. Auf das Beben folgt eine tanta, & tam generalis mortalitas per universum mundum, quanta numquam audita fuit,52 über die zu sprechen nicht vom Thema wegführe, quia exempla caret.53 Schließlich geben einige Quellen auch Auskunft über den geografischen Ursprung der Pest, den sie um das Jahr 1345 in den Gebieten der Tartaren vermuteten und von dort aus die gesamte Welt er-fasste.54

Diesem Neuigkeitscharakter leistete außerdem die Tatsache Vorschub, dass sich die Er-innerung an die Justinianische Pest bis zum Schwarzen Tod nicht im kollektiven Gedächt-nis hielt. Verschlossen in Klosterbibliotheken waren die wenigen Berichte frühbyzantini-scher Chronisten, wie der des Prokop oder des Evagrius, meist wenigen Klerikern vorbe-halten. Eine ausgeprägte und institutionalisierte Schreibkultur wie die des Spätmittelal-ters hatte es noch nicht gegeben.55 Auch war das Interesse der Humanisten und Historiker des 14. Jahrhunderts an dem Medium Aevum, für Petrarca eine Zeit des „kontinuierlichen Abstiegs“, 56 wenig ausgeprägt. Somit gestaltet sich trotz einiger Parallelen die Frage da-nach, inwiefern frühere Seuchenausbrüche auf das kollektive Bewusstsein während des Spätmittelalters eingewirkt haben, sehr schwierig.57 Die große Mehrheit aller zeitgenös-sischen Quellen aus Italien unterstreicht den Neuheitscharakter des Schwarzen Todes.58 Die ihr zugewiesene Eigenschaft „ inaudita “ wurde zunehmend zu einem epitheton cons-tans, sodass sie als nie zuvor vernommene Seuche die gesamte Welt erfasste und mit ihrer Überlieferungsdichte verdeutlicht, dass „um 1350 etwas Außergewöhnliches geschehen sein muss, das die Aufmerksamkeit aller in eine Richtung lenkte.“59

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick der Seuchentheorien des 14. Jahrhunderts den venezianischen Vorstellungen zur Ätiologie der Seuche vorangestellt werden.

[...]


1 De Monacis, L. (1758): Laurentii de Monacis Venetii Cretae Cancellarii Chronicon de rebus Venetiis a. u. c. ad annum MCCCLIV, in: L.A. Muratorius (Hrsg.), Rerum Italicarum Scriptores, Bd. 8, Venedig 1758, S. 314.

2 Jankrift, K. P., Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 85.

3 Zimmermann, V., Krankheit und Gesellschaft. Die Pest, Sudhoffs Archiv 72 (1988), S. 3. Gemeint ist damit das Zusammenrücken Asiens mit Europa durch die Konsolidierung der mongolischen Machtverhält-nisse und die Erschließung neuer Handelswege, die später als Pestrouten fungierten.

4 Bergdolt, K., Der Schwarze Tod. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters, München 2011, S. 9. Für den Ursprung und Verlauf der Pest von Asien bis nach Osteuropa siehe S. 33–38.

5 Petrarca, F., Le Familiari, a cura di V. Rossi (Hrsg.), Bd.2, Florenz 1968, Ndr. 1997, (Edizione nationale delle opere di Francesco Petrarca, V-XI) S. 176: sed millesimimi trecentesimum quadragesimum octavum […] annum esse quem lugeo, qui non solum nos amicis, sed mundum omnem gentibus spoliavit.

6 Vgl. Bergdolt, Der Schwarze Tod [(2011) vollständiger Titel vgl. Anm.4] S. 50. Zum Beispiel eilten Beobachtungen aus Italien über die Kontagiösität der Krankheit ihr selbst über dem Brennerpass voraus, sodass sich seit dem 14. Jahrhundert von Prag ausgehend Ansätze zur Standarisierung der Pestbekämpfung konstatieren lassen.

7 Karsten, A., Kleine Geschichte Venedigs, München 2008, S. 71.

8 Mueller, R., Aspetti sociali ed economici della peste a Venezia nel Medioevo, in: Venezia e la peste (Ausstellungskatalog), Marsilio-Venedig 1979, S. 71.

9 Bergdolt, K., Die Pest 1348 in Venedig, in: Würzburger Medizinhistorische Mitteilungen 8 (1990), S. 237.

10 Die Arbeit wird nur Ereignisse berücksichtigen, die einzig auf Venedig Auswirkungen hatten. Für die „Mentalitätskrise der Vierzigerjahre“ und die europäischen Konflikte, denen in der retroperspektivischen Wahrnehmung der Pest als Strafe Gottes eine große Bedeutung beigemessen wurde vgl. Bergdolt, Der Schwarze Tod (2011) S. 151–162.

11 Besonders an dieser Stelle wird der empirisch fundierte Pragmatismus in der Seuchenbekämpfung Ve-nedigs den Schwerpunkt ausmachen, da schon Monacis der Vorstellung von einer ansteckenden Krankheit anderen Erklärungsmodellen den Vorzug gab und sich diese Vorstellung im Handeln der Stadtbehörden widerspiegelt.

12 Bergdolt, Der Schwarze Tod (2011) S. 17.

13 Im Mittelpunkt stehen dabei die Erklärungsmodelle Avicennas und das Pesthauchmodell des Gentile da Foligno. Vor allem der Vermutung, dass das Erbeben von Friaul am 25. Januar 1348 das Sterben verursacht habe, gilt es im Spiegel zeitgenössischer Quellen und auf sprachlicher Ebene nachzugehen, vgl. dazu Pal­mer, R.J., L´azione della Repubblica nel controllo della peste, in: Venezia e la peste (Ausstellungskatalog), Marsilio - Venice 1979, S. 24.

14 Es werden sich einige Überschneidungen mit dem ersten Kapitel nicht vermeiden lassen. Das Handeln der Gesundheitsbehörden lässt sich nur in direkter Anlehnung an die Seuchentheorien und Pestconsilia nachvollziehen und ihr innovativer Pragmatismus ausreichend hervorheben.

15 Vgl. Jankrift, Krankheit [(2012) vollständiger Titel vgl. Anm. 2] S. 78f.

16 Vgl. Bulst, Der „Schwarze Tod“ [(2005) vollständiger Titel vgl. Anm. 2] S. 147f.

17 http://www.nature.com/nature/journal/v478/n7370/full/nature10549.html (zuletzt aufgerufen am 16.12.2015)

18 Aus Platzgründen wird an dieser Stelle auf eine Beschreibung des aktuellen klinischen Bildes verzichtet und auf das auch für Nichtmediziner verständliche Werk von Hugo Kupferschmidt verwiesen: Die Epi-demiologie der Pest: der Konzeptwandel in der Erforschung der Infektionsketten seit der Entdeckung des Pesterregers im Jahre 1894, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1993, besonders die Seiten 7–9.

19 Brunetti, M.: Venezia durante le peste del 1348, Ateneo Veneto XXII, 2,1 (1909), S. 290–311 und 2,2 (1909), S. 5–42.

20 Wittmann, J., Pest, Pocken und Masern im lateinischen Canon Medicinae des Avicenna, Diss., Mün-chen 1994.

21 Carile A., 'De Monacis, Lorenzo', in LexMA, 10 vols (Stuttgart: Metzler, 1977 -1999), vol. 3, cols 692-693, in Brepolis Medieval Encyclopaedias - Lexikon des Mittelalters Online. De Monacis hat seinen Bericht 1428 endgültig redigiert.

22 Bergdolt, Die Pest in Venedig [(1990) vollständiger Titel vgl. Anm. 9] S. 231.

23 Haeser, H., Geschichte der epidemischen Krankheiten, Jena 1982, reprografischer Nachdruck der drit-ten völlig umgearbeiteten Auflage, Jena 1971 (Lehrbuch der Geschichte der Medizin und der epidemischen Krankheiten III).

24 Bergdolt, K., Die Pest 1348 in Italien. 50 zeitgenössische Quellen. Mit einem Nachwort von Gundolf Keil, Heidelberg 1989.

25 Für die Übersetzung vgl. Bergdolt, Die Pest in Venedig (1990) S. 241f. Die Pestinseln aus dieser Zeit sind verschwunden.

26 Feldbauer, P. u.a., Venedig 800 – 1600. Die Serenissima als Weltmacht, Wien 2010 (Historische Skiz-zen zur Europäisierung Europas und der Welt 18), S. 147f.

27 Dieser Komplott unzufriedener Patrizier richtete sich gegen den Dogen und die Machtakkumulation des Großen Rates. Rädelsführer war wohl eher Marco Querini, Schwiegervater des Bajamonte, vgl. dazu Dum-ler, H., Venedig und die Dogen, Düsseldorf - Zürich 2001, S. 162–164.

28 Vgl. Zimmermann, Krankheit und Gesellschaft [(1988) vollständiger Titel vgl. Anm. 3] S. 3. Bereits in den Jahren 1315-1317 kam es zu gravierenden Versorgungsengpässen, da die landwirtschaftlichen Erträge nicht proportional zum Wachstum der Bevölkerung gesteigert werden konnten.

29 Vgl. Mueller, R., Aspetti sociali [(1979) vollständiger Titel vgl. Anm. 8] S. 71.

30 Vgl. Monacis, Chronica (1758) S. 311: quod terraemotus minus nocent in urbe Veneta.

31 Vgl. Jankrift, Krankheit (2012) S. 78. Mit einer Inkubationszeit von einem bis sechs Tagen für die Beulenpest und einer von bis zu zwei Tagen für die Lungenpest stellte die Infektionskrankheit eine enorme Bedrohung für die Städte dar.

32 Vgl. Dumler, H., Dogen [(2001) vollständiger Titel vgl. Anm. 27] S. 174.

33 Vgl. Mueller, R.G.: Aspetti sociali (1979) S. 71; vgl. Dumler, Dogen (2001) S. 174f.

34 Michaelis Platiensis Historia Sicula a anno 1337 ad annum 1361, in: A. Corradi (Hrsg.), Annali delle epidemie occorse in Italia dalle prime memorie fino al 1850, parte prima, Gamberini e Parmegghini, Bolo­gna 1863, S. 193: mense Octobris anno dominice incernationis 1347 […] duodecim galee Januensium, divinam fugentes ulcionem […] applicuerunt in portum civitatis Messane, talem secum morbum ossibus infixum deferentes. Besonders anschaulich beschreibt Gabriel de Mussis in seinem Werk „ Historia de morbo sive mortalitate quae fuit anno Domini 1348 “, wie sich die Seuche in den Gebieten verbreitete, wo die Matrosen an Land gingen. Schließlich werden sie von den „krankmachenden Ausdünstungen“ begleitet, vgl. Bergdolt, Die Pest 1348 (1989) S. 19–32, hier 22. Der lat. Text ist abgedruckt bei Haeser, H., Ge-schichte der epidemischen Krankheiten, Jena 1881, reprografischer Nachdruck der dritten völlig umgear-beiteten Ausgabe, Jena 1971 (Lehrbuch der Geschichte und der Medizin der epidemischen Krankheiten II) S. 17–23.

35 Vgl. Monacis, Chronica (1758) S. 315: Creditum fuit, quod si tam atrociter saevisset de mense Junii et Julii sicuti de mense Aprilis, quod civitas omnino vacua remansisset.

36 Bergdolt, K., Pest, Stadt, Wissenschaft – Wechselwirkungen in oberitalienischen Städten vom 14. bis 17. Jahrhundert, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 15 (1992), S. 202.

37 Vgl. Bergdolt, Pest, Stadt, Wissenschaft [(1992) vollständiger Titel vgl. Anm. 35] S. 202f. Die Angst vor einer Massenhysterie führte häufig zum Verkünden einer harmloseren Diagnose, da man im Spätmit-telalter viele Infektionskrankheiten kannte, die im Anfangsstadium der Beulenpest ähneln und mit einer Sepsis enden.

38 Ergänzt insofern, als dass die städtischen Regierungen Pestgutachten über Ursache, Prophylaxe und Be-handlungsmöglichkeiten bei Ärzten in Auftrag gaben, wie das Consiium contro pestiferum morbum ad ducem Venetorum von Bartolomeo di Santa Sofia 1435 an den Dogen von Venedig.

39 Heller, K., Venedig. Recht, Kultur und Leben in der Republik 697 – 1797, Böhlau 1999, S. 583. Diese behördlich gelenkte und kontinuierliche Seuchenbekämpfung mag auch dazu geführt haben, dass nach 1530 die Pest nur dreimal in Venedig ausbrach, eine außerordentlich kleine Zahl im Vergleich zu den Städten nördlich der Alpen, vgl. dazu Palmer, controllo della peste [(1979) vollständiger Titel vgl. Anm. 13] S. 109.

40 Dingens, M., Pest und Staat. Von der Institutionsgeschichte zur sozialen Konstruktion?, in: M. Dingens und T. Schlich (Hrsg.), Neue Wege in die Seuchengeschichte, Stuttgart 1995 (Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Beiheft 6) S. 74f. Für die komplexen behördlichen Maßnahmen verloren die Ursachenbeschrei-bungen der Ärzte zunehmend an Relevanz.

41 Vgl. Jankrift, Krankheit (2012) S. 83–85.

42 Besonders Prokop schildert ausführlich die Symptome und den Verlauf der Krankheit, die viele Paralle-len zur Nosologie des Schwarzen Todes aufweisen, vgl. Prokopios, The wars of Justinian, trans. H.B. Dewing, revised and modernized, with an introduction and notes, by Anthony Kaldellis, Hackett Publishing 2014, 2, 22f.

43 Mischa, M., „Hinzu kam noch die Pest…“ Die sogenannte Justinianische Pest und ihre Folgen, in: Ders., Die Pest, Stuttgart 2005, S. 88f. Mit dem Jahr 500, in dem viele die Endzeit mit der Wiederkehr Christi erwarteten, folgten zahlreiche Naturkatastrophen in kurzen Abständen aufeinander. Allein Antiochia musste von 525-528 drei schwere Erdbeben und Brandkatastrophen erleiden. Prokop berichtet ferner von einer Kometenerscheinung im Jahr 539 und den Mutmaßungen, die während der Justinianischen Pest dar-über angestellt wurden, inwiefern dieser Komet mit der Pest in Zusammenhang steht. Ein unbekannter Autor aus Bologna berichtet aus dem Jahr 1350 im Corpus Chronicorum Bononiensium ebenfalls von dunk-len Prodigia, wie Regengüssen aus Würmern, Feuerbällen und drei Meteoriten. Vgl. dazu Bergdolt, Die Pest in Italien 1348 [(1989) vollständiger Titel vgl. Anm. 24] S. 95-97. Im Original: Sorbelli, A., Corpus Chronicorum Bononiensium, in: G. Carducci und V. Fiorini (Hrsg.), Rerum Italicarum Scriptores, Raccolta degli Storici Italiani dal Cinquecento al milleceinquecento, Bd. XVIII, 1. Cittá di Castello 1908-1909. II, S. 583–585.

44 Vgl. Bergdolt, Der Schwarze Tod (2011) S. 15.

45 Vgl. Bulst, Schwarze Tod (2005) S. 146.

46 Leven, K. H., Von Ratten und Menschen – Pest, Geschichte und das Problem der Retroperspektive, in: Mischa Meier (Hrsg.), Die Pest, Stuttgart 2005, S. 16f. Die Art seines Martyriums prädestinierte ihn zum Schutzheiligen, der mit seinem Körper die Menschen vor den Pestpfeilen bewahrte. Das Motiv der Pest-pfeile selbst existierte bereits in der Antike und obgleich die Darstellung seines Martyriums erst im 15. Jahrhundert populär wurde, lässt sich die metaphorische Interpretation von Pestpfeilen als himmlische Strafe bereits im siebten Jahrhundert feststellen.

47 Scorza Barcellona, F., 'Sebastian, hl.', in LexMA, 10 vols (Stuttgart: Metzler, 1977 -1999), vol. 7, cols 1658-1659, in Brepolis Medieval Encyclopaedias - Lexikon des Mittelalters Online.

48 Der Kult des heiligen Rochus spielte für die Jahre 1348/49 keine Rolle, vgl. dazu Bergdolt, Der Schwarze Tod (2011) S. 160.

49 Vgl. Monacis, Chronicon (1758) S.311f. : Legitur diversas fuisse mortalitates, diversisque temporibus in diversis civitatibus , & regionibus .

50 Vgl. Monacis, Chronicon (1758) S. 312: Livus scribit aliquas Romae fuisse, ibi etiam fuit pestis in guinaria tempore Beati Papae Gregor [] Hae erant […] particular es in locis diversi […] saecula prae-teribant intaca […] miracula legebantur.

51 Vgl. Monacis, Chronicon (1758) S. 312: nunc autem generales [mortalitates] per totum orbem, quod magis tremendum est, factae sunt, nec causae nunc erant pares, nec medicinae […] varietates, conditiones , situsque locorum .

52 Vgl Monacis, Chronicon (1758) S. 311.

53 Ebd. S. 311. Die fulminante Sterblichkeit wird unter Punkt 2.4 ausführlich behandelt werden und sei hier nur erwähnt.

54 Um nur zwei Beispiele zu nennen vgl. Monacis, Chronicon (1758) S. 313: Haec de partibus Sithiae sive Tartariae descendens per contagia totam corrumpit […] universum Occidentem; Dandolo, A. - Caresinis, R., Andreae Danduli Venetorum ducis Chronicon Venetum : a pontificatu Sancti Marci ad annum usque 1339 ; succedit Raphaini Caresini continuatio usque ad annum 1387, in: L. A. Muratorius (Hrsg.), Rerum italicarum scriptores ab anno aerae christianae 500 ad 1500, quorum potissima pars nunc primum. Andreae Danduli Venetorum ducis Chronicon Venetum, Bd. 12, Mailand 1728, S. 419: Anno Domini MCCCXLV inguinaria Pestis, incipiens in partibus Tartaorum […] ad universum Orbem cantagiose extendens.

55 Vgl. Bergdolt, Schwarze Tod (2011) S. 16f.

56 Bergdolt, K., Arzt, Krankheit und Therapie bei Petrarca. Die Kritik an Medizin und Naturwissenschaf-ten im italienischen Frühhumanismus, Weinheim 1992, S. 5.

57 Da zeitgenössische Quellen rar und verschlossen waren und über 90 Prozent der Gesellschaft aus Anal-phabeten bestand, ist die Frage danach vielleicht sogar überflüssig. Ein bedeutender Unterschied besteht nämlich darin, dass die Medizin im Mittelalter stark an Autorität gewonnen hatte und zahlreiche Versuche unternahm, dem Schwarzen Tod entgegenzutreten, was sich in einer Flut von Pestliteratur niederschlug. Dieser Kampf lässt sich bei aller Vorsicht für die Medizin der Spätantike nicht nachweisen, vgl. Keil, G., Pest im Mittelalter: die Pandemie des „Schwarzen Todes“ von 1348 bis 1351, in: W. Buckl (Hrsg.), Das 14. Jahrhundert Krisenzeit, Regensburg 1995 (Eichstätter Kolloquium 1) S. 95f.

58 Zum Beispiel beschreibt Guy de Chauliac, wie er auf illa ingenti et inaudita mortalitate blickt, die 1348 Avignon erreicht hatte, und Gabriel de Mussis vom Zusammenbrechen der orientalischen Länder unter einer morbe inexplicabili und eine morte subita, dazu siehe Haeser, H., Geschichte der epidemischen Krankheiten III [(1882) vollständiger Titel vgl. Anm. 23] S. 157, 175.

59 Die Pest war für die Zeitgenossen nicht nur ein Novum sondern auch eine Zäsur, was sich darin zeigt, dass ihre Ausbrüche gezählt wurde, vgl. dazu Keil, G., Pest im Mittelalter [(1995) vollständiger Titel vgl. Anm. 57] S.95; Bulst, Schwarze Tod (2005) S. 146.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,1
Autor
Jahr
2015
Seiten
40
Katalognummer
V899379
ISBN (eBook)
9783346212306
ISBN (Buch)
9783346212313
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, geißel, gottes, kampf, schwarzen, venedigs
Arbeit zitieren
Jan Niklas Weinhagen (Autor), 2015, Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899379

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