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Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes

Título: Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes

Tesis (Bachelor) , 2015 , 40 Páginas , Calificación: 1,1

Autor:in: Jan Niklas Weinhagen (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
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Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Venedig im Spiegel zeitgenössischer Quellen auf den Schwarzen Tod reagierte und welches Bild der Krankheit sich daraus konstruieren lässt. Nicht unter Abgrenzung, sondern in Ergänzung stellte sich die Stadt einerseits in die Tradition antiker Autoritäten, modifizierte die Seuchentheorien aber andererseits um die empirischen Beobachtungen.

Ebenso schlossen sie die generelle strafmetaphysische Interpretation der Seuche als Strafe Gottes nicht aus, was zur Folge hatte, dass sich die städtisch gelenkte Seuchenbekämpfung auch gegen moralische Miss-stände richtete. Das daraus entstandene Bild vom Schwarzen Tod existierte bis weit über den letzten Pestausbruch in Venedig 1631 hinaus und bildete die Grundlage für ihren einzigartigen universalen Kampf gegen die Geißel Gottes.

Zu Beginn werden der aktuelle Forschungsstand und die Quellenlage exponiert. Die Einleitung zum Hauptteil umfasst eine Darstellung wichtiger Ereignisse am "Vorabend" des Pestausbruches und eine kurze Zusammenfassung vom Verlauf des Schwarzen Todes von März bis zum Spätsommer 1348. Dabei soll ein Ausblick auf die Entwicklung der Gesundheitsbehörden gegeben werden. Dem schließt sich die Frage nach einer Rezeption vorangegangener Pestausbrüche an und, inwiefern der Schwarze Tod von den Zeitgenossen als etwas Neues wahrgenommen wurde.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Forschungsstand

1.2. Quellenlage

2. Der Schwarze Tod erreicht Venedig

2.1. Der Schwarze Tod als mortalitas inaudita

2.2. Vorherrschende Seuchentheorien in Venedig

2.3. Das Handeln der Ärzteschaft von Venedig

2.4. Was konnte man sehen? Das zeitgenössische klinische Bild der Krankheit

3. Die Venezianische Herrschaftsstruktur

3.1. Empirische Beobachtungen und Pragmatismus – Maßnahmen der Gesundheitsbehörden

4. Der Schwarze Tod als Strafe Gottes – Die Rolle des Klerus

5. Venedig und der Schwarze Tod – Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Venedig im Spiegel zeitgenössischer Quellen auf den Ausbruch des Schwarzen Todes reagierte und welches Bild der Krankheit daraus konstruiert werden kann. Dabei wird analysiert, wie die Stadtverwaltung in einem Spannungsfeld zwischen antiken medizinischen Traditionen, christlicher Straftheologie und einem zunehmend empirisch geprägten Pragmatismus agierte, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

  • Wahrnehmung und mediale Konstruktion der Pest als "mortalitas inaudita"
  • Die Rolle der Ärzteschaft und der Wissenswandel im vormikrobiologischen Zeitalter
  • Verwaltungsgeschichtliche Aspekte und staatliche Seuchenbekämpfung
  • Religiöse Deutungsmuster im Kontrast zur städtischen Handlungspraxis

Auszug aus dem Buch

2.2. Vorherrschende Seuchentheorien in Venedig

Das Wissen der gebildeten Menschen, allen voran der Ärzte dieser Zeit, um die Pathophysiologie und den exakten Übertragungsmodus war verschwindend gering. Man versuchte unter Berücksichtigung des pandemischen Charakters und der hohen Ansteckungsgefahr diese Seuche in zeitgenössische Erklärungsmodelle zu integrieren. Die Pest selbst galt seit Hippokrates als eine Verdorbenheit der atmosphärischen Luft, die nur sekundär im Menschen eine Pest hervorruft. Galen gestaltete den Pestbegriff des Hippokrates aus, indem er ihn den epidemischen und pestartigen gemeinsamen Krankheiten zuwies, die sich dadurch auszeichnen, dass sie innerhalb einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Ortes viele Menschen gleichzeitig befallen und tödlich verlaufen.

Der eigentliche Pestverlauf bildete nach Avicenna - dessen Krankheitslehren allein schon wegen ihrer zeitlichen Nähe maßgeblich das spätmittelalterliche Seuchenverständnis geprägt haben - eine Fäulnis der spiritus im Herzen, die für die Abwehrkraft des Körpers zuständig sind. Daraus entsteht eine naturwidrige Wärme, die sich im Körper verteilt und zum Pestfieber führt. Grund für diese Fäulnis ist ein schlechter Wandel in der Wesenheit des Körpers durch eine Veränderung der Qualitäten und der jeweiligen Krankheitsdispositionen. Ein Stoff, sei es die atmosphärische Luft oder der Körper, wird durch „schlechte Teilchen“ von außen verdorben. Es handelt sich dabei um Miasmata, krankheitsverursachende Luftverschmutzungen, deren Ursprung mannigfach ist. Avicenna räumte den himmlischen Kräften, den Fixsternen und Planeten, eine maßgebliche Rolle bei deren Entstehung bei. Darüber hinaus bilden auch ein feuchtschwüles Klima, warme Südwinde, die stehende Luft über Gewässern und Sümpfen, der Atem Erkrankter, sowie Tierkadaver, unbestattete Leichen auf Schlachtfeldern und die Fäulnis aus Luft und Wasser unterhalb der Erde diese „schlechten Teilchen“, die wiederum das Pestfieber im Körper entstehen lassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den historischen Kontext des Pesteinbruchs in Venedig dar und umreißt die methodische Herangehensweise sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit.

2. Der Schwarze Tod erreicht Venedig: Dieses Kapitel analysiert das Eintreffen der Pandemie, die medizinischen Theorien zur Krankheitsentstehung sowie die spezifischen Symptome und das Handeln der damaligen Ärzteschaft.

3. Die Venezianische Herrschaftsstruktur: Das Kapitel beleuchtet, wie die politischen Institutionen Venedigs auf die Krise reagierten und welche pragmatischen Maßnahmen zur Gesundheitsfürsorge ergriffen wurden.

4. Der Schwarze Tod als Strafe Gottes – Die Rolle des Klerus: Hier wird untersucht, wie die Pest religiös gedeutet wurde und inwieweit der Klerus in die städtische Seuchenpolitik eingebunden war.

5. Venedig und der Schwarze Tod – Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der Rationalisierungsprozesse in Venedig als Vorläufer moderner Gesundheitsdienste.

Schlüsselwörter

Schwarzer Tod, Venedig, Pest, Medizingeschichte, Seuchentheorien, Miasmata, Straftheologie, Gesundheitsbehörden, 1348, Mortalität, Epidemiologie, Lorenzo de Monacis, Quarantäne, Mittelalter, Stadtverwaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Reaktionen der Stadt Venedig auf den Ausbruch der Pest im Jahr 1348 und die Konstruktion des Krankheitsbildes im zeitgenössischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Arbeit behandelt die medizinischen Erklärungsmodelle der Zeit, das politische und administrative Handeln der venezianischen Behörden sowie die religiöse Interpretation des Massensterbens.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, wie Venedig im Spiegel zeitgenössischer Quellen reagierte und welches Bild der Krankheit sich aus der Kombination von antiker Tradition, empirischem Pragmatismus und religiösem Glauben konstruieren lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse historischer Dokumente, wie Chroniken, Edikte des Großen Rates und zeitgenössische Pesttraktate, um das historische Geschehen zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ankunft des Schwarzen Todes, die Analyse ärztlicher Handlungsweisen, die Erläuterung der venezianischen Herrschaftsstruktur und deren praktische Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung sowie die Rolle des Klerus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Schwarzer Tod, Venedig, Seuchengeschichte, städtische Gesundheitsfürsorge, Miasma-Theorie und die gesellschaftliche Reaktion auf die Pandemie.

Welche Bedeutung hatte das Erdbeben von Friaul 1348 für das Bild der Pest?

Viele Zeitgenossen interpretierten das Erdbeben als ein unheilvolles Vorzeichen (Prodigium) und als einen direkten Auslöser oder Verstärker der Pest, da sie einen Kausalzusammenhang zwischen Naturkatastrophen und dem Ausbruch der Seuche vermuteten.

Wie unterscheidet sich die venezianische Pestbekämpfung von anderen oberitalienischen Städten?

Venedig zeichnete sich durch eine früh etablierte, behördlich gelenkte Seuchenbekämpfung aus, die versuchte, rationale Maßnahmen mit dem damals herrschenden medizinischen Wissen zu verbinden, wobei der staatliche Apparat die Führung behielt.

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Detalles

Título
Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes
Universidad
University of Münster
Calificación
1,1
Autor
Jan Niklas Weinhagen (Autor)
Año de publicación
2015
Páginas
40
No. de catálogo
V899379
ISBN (Ebook)
9783346212306
ISBN (Libro)
9783346212313
Idioma
Alemán
Etiqueta
bild geißel gottes kampf schwarzen venedigs
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Jan Niklas Weinhagen (Autor), 2015, Venedigs Bild vom Schwarzen Tod. Der universale Kampf gegen die Geißel Gottes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899379
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