Wer führte die Krönung Ludwigs IV. durch? Warum war das römische Volk mit der Krönung eines Exkommunizierten einverstanden? Inwieweit orientierte sich die Kaiserkrönung an einem Kaiserkrönungsordo? Ist die zweite Krönung durch den erhobenen Gegenpapst Nikolaus V. ein Beweis dafür, dass die Kaiserkrönung vom 17. Januar 1328 ohne Beteiligung des Papstes ungültig war?
Die Forschung findet unterschiedliche Antworten auf diese Fragen, welche in dieser Hausarbeit näher beleuchtet werden.
Diese Hausarbeit legt ihren Fokus allein auf die Kaiserkrönung am 17. Januar 1328.
Ludwig befand sich vom März 1324 bis zu seinem Tod 1347 im Kirchenbann. Auf die Exkommunikation antwortete Ludwig bereits im Mai 1324 mit der Sachsenhäuser Appellation, in welcher er Papst Johannes XXII. die Rechtmäßigkeit seines Pontifikats absprach. Ludwig begann eine etwa sechs Jahre dauernde „Radikalpolitik“, die während seines Italienzuges (Januar 1327 bis Januar 1330 ) in der Absetzung des Papstes am 18. April 1328 ihren Höhepunkt erreichte. Die folgende Einsetzung des Gegenpapstes Nikolaus V. am 12. Mai und die Krönung zum Kaiser durch Nikolaus V. werden in dieser Hausarbeit nicht ausführlich thematisiert. Lediglich die Frage, ob Ludwigs Kaiserkrönung vom 17. Januar 1328 aufgrund der Abwesenheit des Papstes ungültig war, wird in dieser Hausarbeit erörtert werden.
In der Forschung herrscht Uneinigkeit über die Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwigs im Januar 1328. Berufen wird sich in der Literatur in erster Linie auf entsprechende Abschnitte innerhalb der Nuova Cronica Giovanni Villanis, einem italienischen Historiker des 13. und 14. Jahrhunderts. Zuletzt wurden die Quellen von Ludwigs Kaiserkrönung in der Dissertation Frank Godthardts an der Universität Hamburg im Wintersemester 2007/2008, welche in überarbeiteter Fassung vorliegt , analysiert. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Rolle des römischen Volkes in vielen historischen Werken überschätzt wurde.
Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass dem römischen Volk anlässlich der Kaiserkrönung Ludwigs, an welcher Papst Johannes XXII. nicht beteiligt war, eine gewisse Rolle zukam.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.
2.1 Aktive Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.
2.1.1 Die Nuova Chronica Giovanni Villanis.
2.1.2 Die Chronica Ludovici imperatoris quarti
2.2 Passive Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.
2.2.1 Thesen von Heinz Thomas und Michael Menzel
2.2.2 These von Frank Godthardt
3. Schlussbetrachtungen
4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellenverzeichnis.
4.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Kontroverse um die Beteiligung des römischen Volkes an der Kaiserkrönung Ludwigs IV. im Januar 1328. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob das römische Volk eine tatsächlich aktive, konstitutive Rolle bei der Krönung einnahm oder ob es sich lediglich um eine passive Anwesenheit im Rahmen eines modifizierten Krönungsritus handelte, um die Abwesenheit des Papstes zu kompensieren.
- Analyse zeitgenössischer Chroniken (Giovanni Villani vs. Chronica Ludovici imperatoris quarti)
- Untersuchung der Rolle des römischen Adels, insbesondere Sciarra Colonnas
- Bewertung der Legitimität der Krönung aus Sicht der kaiserlichen Partei
- Kritische Auseinandersetzung mit der neueren Forschung (u.a. Frank Godthardt, Heinz Thomas)
- Einordnung der Krönung in den Kontext der Auseinandersetzung zwischen Ludwig dem Bayern und der Kurie
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Nuova Chronica von Giovanni Villani
Vor allem die Nuova Chronica Giovanni Villanis wird in der Literatur als wesentliche Quelle für den Ablauf der Kaiserkrönung Ludwigs herangezogen.
Der Guelfe Villani schreibt ausdrücklich, dass Ludwigs Krönung „secondo l’ordine dello ’mperio“ vor sich ging. Abgesehen von dem im antiken Brauch vorgesehenen Segen, der fehlenden Bestätigung des abwesenden Papstes und der Abwesenheit des sich aus Rom entfernten Pfalzgrafen des Lateran, dem die Aufgabe der Verwahrung der Kaiserkrone vor und nach der Krönung zuteil wurde, sei nach Villani kein Mangel anlässlich der Krönung feststellbar gewesen. Ludwig habe im Angesicht der schwierigen Umstände den üblichen Krönungsordo bestmöglich befolgen wollen. Daher sei er mit Vertretern des römischen Volkes unter der Führung des „Capitano del popolo“ Scierra Colonna am Sonntagmorgen den 17. Januar in die Kirche Sankt Peter eingezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik der Kaiserkrönung von 1328 ein und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle des römischen Volkes.
2. Die Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und analysiert die verschiedenen Interpretationen der Krönungsbeteiligung anhand zeitgenössischer Quellen und aktueller Forschungsthesen.
2.1 Aktive Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.: Untersucht die Sichtweise, dass die Krönung durch das Volk ein neues, aktives Element darstellte, gestützt durch Berichte von Villani und anderen Quellen.
2.1.1 Die Nuova Chronica Giovanni Villanis.: Analysiert die detaillierte Beschreibung des guelfischen Historikers Villani, der die Krönung aus einer papstfreundlichen Perspektive betrachtet.
2.1.2 Die Chronica Ludovici imperatoris quarti: Untersucht den Bericht einer anonymen, kaiserfreundlichen Quelle, die das Ereignis als triumphale Bestätigung Ludwigs darstellt.
2.2 Passive Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwig IV.: Diskutiert neuere Forschungsergebnisse, die das Volk eher in einer passiven oder symbolischen Rolle sehen.
2.2.1 Thesen von Heinz Thomas und Michael Menzel: Erläutert die Argumentation, dass die Krönung primär durch Bischöfe und nicht durch das Volk erfolgte.
2.2.2 These von Frank Godthardt: Stellt Godthardts umfassende Quellenanalyse vor, die die Bedeutung der päpstlichen Krönungstradition betont und die Rolle der „Syndici“ einordnet.
3. Schlussbetrachtungen: Fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die These einer reinen „Volkskrönung“ als historischer Irrtum einzustufen ist.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten mittelalterlichen Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf.
4.1 Quellenverzeichnis.: Detaillierte Auflistung der verwendeten Quelleneditionen.
4.2 Literaturverzeichnis: Auflistung der herangezogenen wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Ludwig der Bayer, Kaiserkrönung, 1328, Römisches Volk, Giovanni Villani, Sciarra Colonna, Papst Johannes XXII., Kaiserkrönungsordo, Italienzug, Politische Legitimation, Kirchenbann, Konsekratoren, Mittelalterliche Geschichte, Gegenpapst Nikolaus V., Licet iuris
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Umständen der Kaiserkrönung Ludwigs des Bayern am 17. Januar 1328 in Rom und der spezifischen Frage, welche Rolle das römische Volk bei diesem Akt spielte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die zeitgenössische Wahrnehmung der Krönung in unterschiedlichen Chroniken, das Verhältnis von Kaiser und Kurie im 14. Jahrhundert sowie die moderne historiographische Bewertung dieses Ereignisses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Hausarbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der in manchen Quellen suggerierten „aktiven Volkskrönung“ und der in der neueren Forschung vertretenen These einer eher passiven oder lediglich symbolischen Rolle der Römer zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine quellenkritische Analyse, indem er gegensätzliche zeitgenössische Berichte (guelfisch vs. ghibellinisch) gegenüberstellt und diese mit modernen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden die Berichte von Giovanni Villani und der Chronica Ludovici imperatoris quarti sowie die Thesen namhafter Historiker wie Heinz Thomas, Michael Menzel und Frank Godthardt detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Ludwig der Bayer, Kaiserkrönung 1328, römisches Volk, päpstlicher Konflikt, historische Legitimation und Quellenkritik.
Welche Rolle spielte Sciarra Colonna bei der Krönung laut der Forschung?
Während frühere Darstellungen ihn als „Koronator“ sahen, interpretiert die neuere Forschung seine Funktion eher als die eines Pfalzgrafen, der lediglich repräsentative Aufgaben wahrnahm, während die geistliche Krönung durch Bischöfe erfolgte.
Warum wurde Ludwig der Bayer im Mai 1328 ein zweites Mal gekrönt?
Dies deutet darauf hin, dass die erste Krönung durch das Volk oder Vertreter in Abwesenheit des Papstes als unzureichende Legitimation empfunden wurde, weshalb eine Krönung durch den von ihm selbst ernannten Gegenpapst Nikolaus V. angestrebt wurde.
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- Lukas Palutzki (Autor), 2019, Die Rolle des römischen Volkes bei der Kaiserkrönung Ludwigs IV. 'des Bayern', Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899390