Die Arbeit befasst sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Höherentwicklung in Natur und Gesellschaft, das heißt der Entwicklung von niederen zu höheren Bewegungsformen der Materie. Höherentwicklung wird entsprechend dem Dritten Dialektischen Grundgesetz nach Friedrich Engels als doppelte Negation gedeutet. Der progressive Verlauf in der Bioevolution und in der Menschheitsgeschichte wird somit durch ein rhythmisches Schwingungsmuster zwischen dialektischen Gegensätzen beschrieben.
Die in der Arbeit entwickelte Modellvorstellung wurde zwar zu DDR-Zeiten unter dem Einfluss der zugrunde gegangenen realsozialistischen Kultur entwickelt. In der Gegenwart könnten diese Ideen jedoch bedeutsam werden im Diskurs über das vom chinesischen Philosophen Zhao Tingyang entwickelte Konzept Tianxia über die Zukunft einer neuen Weltordnung. Methodologisch basiert die Untersuchung vorwiegend auf Analogien. Durch Vergleiche zwischen den verschiedenen Stufen und Phasen wird versucht, ähnliches zu finden. Diese Methode der vergleichenden Analyse hat in der Biologie eine lange Tradition.
Bei Analogiebetrachtungen ist es manchmal unumgänglich, den Inhalt bestimmter Begriffe zu erweitern bzw. metaphorische Redewendungen zu gebrauchen. Mit stark erweitertem Bedeutungsinhalt wird hier z.B. der Begriff der „Kenntnis“ gebraucht. Die Darstellung beginnt mit der Charakterisierung des Negationsparameters.
Darauf folgt eine Beschreibung des Periodisierungsverfahrens. Sie beginnt mit der Vielzellerevolution, weil hier das empirische Belegmaterial weniger lückenhaft ist. Bei den Ausführungen zur Gesellschaftsentwicklung werden die bestehenden Analogien durch Thesen zu den einzelnen Negationsphasen noch einmal rekapituliert und teilweise präzisiert. Das abschließende Kapitel zieht Schlussfolgerungen zur Methodologie der ökologischen Systemforschung, bei denen es insbesondere um die komplexe Gestaltung ökologisch-ökonomischer Systeme geht.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Einleitung
Kapitel 2: Stochastisch-kinetische und deterministische Systemdynamik
Kapitel 3: Vielzellerevolution (Meiotische Stufe)
Erste Negation: Wachstumsvielzeller:
Zweite Negation: Einfaches Verhalten:
Dritte Negation: Instinktverhalten:
Vierte Negation: Lernen:
Fünfte Negation: Abstraktion:
Sechste Negation: Sprache:
Kapitel 4: Einzellerevolution (Replikative Stufe)
Ausgangsqualität: Polymere Replikatoren:
Kapitel 5: Die zeitliche Überlappung gegensätzlicher Evolutionstrends:
Begriffsbestimmungen:
Einführung eines geeigneten Zeitmaßstabes:
Definition einer Maßeinheit für Progressivität:
Die zeitliche Trennung evolutiver Trends:
Festlegung der Phasengrenzen:
Kapitel 6: Soziokulturelle Evolution (Anthropogene Stufe)
Ausgangsqualität: Tradierte Übermittlung von Wissen.
Erste Negation: Vorindustrielle Klassengesellschaften
Zweite Negation: Industrielle Revolution
Dritte Negation: Globale Zentralisation der Informationssysteme
Vierte bis sechste Negation:Extraterrestrische Intelligenz
Kapitel 7: Steuerung ökologisch-ökonomischer Systeme.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Gesetzmäßigkeiten der Höherentwicklung in Natur und Gesellschaft zu identifizieren, indem sie das Phänomen der Evolution durch das dritte dialektische Grundgesetz nach Friedrich Engels – die doppelte Negation – interpretiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern sich progressive Entwicklung durch ein rhythmisches Schwingungsmuster zwischen deterministischer und stochastisch-kinetischer Systemdynamik beschreiben lässt und ob dieses Modell auf verschiedene Komplexitätsebenen von der Zell- bis zur Gesellschaftsebene anwendbar ist.
- Dialektische Interpretation der biologischen und soziokulturellen Höherentwicklung.
- Analyse der Systemdynamik als Oszillation zwischen aggregativen und segregativen Phasen.
- Untersuchung der Analogiebildung zwischen biologischen Evolutionsprozessen und gesellschaftlicher Wissensakkumulation.
- Methodologische Ableitung von Steuerungsmöglichkeiten für komplexe ökologisch-ökonomische Systeme.
Auszug aus dem Buch
Die zeitliche Trennung evolutiver Trends
Abb. 4 A zeigt eine mögliche Form der Abhängigkeit des Progressionsniveaus von der Zeit. Die den sechs Negationen äquivalenten Entwicklungstendenzen sind als getrennte Kurven eingezeichnet. Da Phasenumwandlungen in der Natur oft als sigmoidale Abhängigkeiten erscheinen, wurde diese Kurvenform gewählt. Die genaue Form der Kurven (z. B. ihre Steilheit im Wendepunkt) ist hier ohne Bedeutung, denn es geht hier nur darum, die Einteilung der Progression in qualitativ exakt voneinander abgrenzbare Phasen begrifflich zu präzisieren.
Wichtig sind aber die Anfangs- und Endpunkte der Kurven. Verbal ausgedrückt bedeutet die Darstellung, dass der Zeitpunkt des „Einfrierens“ einer bestimmten progressiven Tendenz mit dem Startpunkt der progressiven Tendenz der übernächsten Negationsphase zusammenfiel. Zur gleichen Zeit hatte die Geschwindigkeit der zwischen beiden liegenden Progressionstendenz ihren Maximalwert erreicht. Aus Abb. 4 B gehen diese Zusammenhänge noch deutlich hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung führt in die dialektisch-materialistische Auffassung der Höherentwicklung als doppelte Negation ein und legt den theoretischen Rahmen der Arbeit fest.
Kapitel 2: Stochastisch-kinetische und deterministische Systemdynamik: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Systemtypen und erörtert Paul Weiss' Prinzip des Schichtendeterminismus sowie die Dialektik zwischen System und Teilen.
Kapitel 3: Vielzellerevolution (Meiotische Stufe): Das Kapitel analysiert die Evolution der Vielzeller durch eine Abfolge von sechs Negationsphasen, von der Vielzelligkeit bis hin zur Sprache.
Kapitel 4: Einzellerevolution (Replikative Stufe): Hier wird untersucht, inwiefern die Zellevolution einem ähnlichen Periodisierungsschema wie die Vielzellerevolution folgt, basierend auf dem Modell der Evolutionsspirale.
Kapitel 5: Die zeitliche Überlappung gegensätzlicher Evolutionstrends: Es wird die Frage behandelt, wie sich aggregative und segregative Trends zeitlich zueinander verhalten, unter Verwendung eines relativen Zeitmaßstabes.
Kapitel 6: Soziokulturelle Evolution (Anthropogene Stufe): Das Kapitel überträgt das in der Biologie entwickelte Modell auf die soziokulturelle Entwicklung des Menschen, von der Urgemeinschaft bis zur extraterrestrischen Intelligenz.
Kapitel 7: Steuerung ökologisch-ökonomischer Systeme: Dieses Kapitel zieht Schlussfolgerungen für die theoretische Fundierung einer bewussten Natur- und Gesellschaftsbeherrschung unter Berücksichtigung der systemtheoretischen Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Höherentwicklung, Dialektik, Negation der Negation, Systemdynamik, Synergetik, Kybernetik, Bioevolution, Soziogenese, Anthropogenese, dissipative Strukturen, Schichtendeterminismus, Selbstorganisation, Wissensakkumulation, Informationsableitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gesetzmäßigkeiten der Höherentwicklung in Natur und Gesellschaft unter Anwendung des dritten dialektischen Grundgesetzes, der Negation der Negation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die biologische Evolution, die soziokulturelle Entwicklung des Menschen, Systemtheorie sowie die Steuerung ökologisch-ökonomischer Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass progressive Entwicklung als ein rhythmisches Schwingungsmuster zwischen stochastisch-kinetischer und deterministischer Systemdynamik verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Methode der Analogiebildung zwischen verschiedenen strukturellen Ebenen sowie auf die systemtheoretische und dialektisch-materialistische Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Vielzellerevolution, die Einzellerevolution und die soziokulturelle Evolution in jeweils sechs Phasen, gegliedert nach ihrer stochastisch-aggregativen oder deterministisch-segregativen Natur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Höherentwicklung, Dialektik, Systemdynamik, Synergetik, Kybernetik und Selbstorganisation charakterisiert.
Was versteht der Autor unter dem "Einfrieren" evolutionärer Prozesse?
Das Einfrieren beschreibt den Zustand, in dem ein mechanistischer Grundbaustein (wie der genetische Code) seine optimale Form erreicht hat und in der weiteren Evolution stabil bleibt, um als Grundlage für komplexere Ebenen zu fungieren.
Wie unterscheidet sich die anthropogene Stufe von den biologischen Stufen?
Während die biologische Evolution über Populationen und Generationen hinweg erfolgt, vollzieht sich die anthropogene Evolution durch einen gesellschaftlichen Wissensspeicher, der die biologische Stammesgeschichte in ihrem Tempo überholt.
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- Dr. Reinhard Heerkloss (Autor), 1987, Biogenese, Anthropogenese und Extraterrestrische Intelligenz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899473