Der Femonationalismus in der Kultur, Politik und Ökonomie von Europa


Hausarbeit, 2018

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Femonationalismus als komplexe Intersektion
2.1 Zum Begriff Femonationalismus
2.1.1 Homonationalismus
2.1.2 Orientalismus und Dominanzkultur
2.2 Zum Begriff Intersektionalität

3 Die ökonomische Ebene - Integration, Geschlecht und Domestizierung
3.1 Nation und Geschlecht
3.2 MigrantInnen auf dem kapitalistischen Arbeitsmarkt

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Gegenwart komplexer Kulturkonflikte sowie vermeintlicher Flüchtlings- und Überfremdungskrisen bestimmt ein gegen den Islam gerichteter Kurs die politischen Debatten (vgl. Farris 2011: 321). Bei der umstrittenen Frage um die richtige Form der Integration spielt vor allem das Konzept einer europäischen Identität sowie westlicher Grundwerte eine entscheidende Rolle, allen voran die in Europa vermeintlich fortschrittlichen und emanzipierten Geschlechterverhältnisse, welche von muslimischen MigrantInnen laut Meinung vieler Islamkritiker nicht vertreten werden können (vgl. ebd.). Das „orientalische Patriarchat“ (Dietze 2017: 75) wird als generelle Bedrohung für Frauen dargestellt, weshalb oftmals sämtliche Sorgen und Ängste europäischer Anti-Islam-VerfechterInnen auf den muslimischen Mann als gemeinsamen Feind und ultimative Gefahr für Frauen, moralische Werte, Kultur und letztlich ganz Europa projiziert werden (vgl. Farris 2011: 321).

Unter der heterogenen und von unterschiedlich gesinnten Lagern vertretenen Anti-Islam-Politik haben im Umkehrschluss vor allem die weiblichen (Arbeits-)Migranten zu leiden, welche als Opfer ihrer eigenen Kultur abgestempelt werden (vgl. Farris 2011: 324). Migrantinnen aus dem globalen Süden oder dem sogenannten Orient gelten aufgrund der meist muslimisch geprägten Kultur in den Herkunftsländern als unterdrückt und im Gegensatz zur westlich-europäischen „Musterfrau“ als unemanzipiert (vgl. Dietze 2017: 76 f.). Frauenrechte und feministische Anliegen werden von AkteurInnen der rechtsnationalen bis neoliberalen Politik benutzt und für die jeweils eigene Agenda instrumentalisiert (vgl. Farris 2011: 322 f.). Diese Diskursformation, die von der britischen Politikwissenschaftlerin Sara R. Farris „Femonationalismus“ (ebd.: 322) genannt wird, ist ein Ausdruck von Kulturdominanz und westlicher Hegemonie, die auf kulturimperialistische Denkmuster aus der Kolonialzeit zurückführbar ist.

Diese Arbeit soll anhand einer intersektional ausgerichteten Analyse herausarbeiten, inwiefern europäische Integrationspolitik sowie ein neoliberaler Kurs dafür sorgen, dass eingewanderte muslimische Frauen in Europa eine komplexe Mehrfachunterdrückung erleben und was dabei die entscheidenden Faktoren und Verflechtungen sind. Im Anschluss an eine ausführliche Definition und Einordnung des Phänomens Femonationalismus soll im zweiten Schritt explizit auf dessen polit-ökonomische Perspektive eingegangen werden, indem die Situation von MigrantInnen auf dem europäischen Arbeitsmarkt beleuchtet wird. So soll herausgearbeitet werden, wie der Femonationalismus auch in neoliberaler Politik seine Effekte zeigt und warum Geschlecht in diesem Zusammenhang einen so entscheidenden Faktor darstellt.

2 Femonationalismus als komplexe Intersektion

2.1 Zum Begriff Femonationalismus

Der Begriff Femonationalismus geht auf die britische Soziologin und Politologin Sara R. Farris zurück und beschreibt die heterogene und intersektionale Instrumentalisierung von Frauenrechten und feministischen Interessen, sowohl durch rechtsnationale und neoliberale Parteien, als auch durch feministische AktivistInnen und Intellektuelle (vgl. Farris 2011: 321 f. und Farris 2017: 4). Hierbei findet, im Namen der Geschlechtergerechtigkeit, eine Stigmatisierung des muslimischen Mannes statt, welcher als grundlegende Gefahr für die in Europa herrschenden, vermeintlich fortschrittlichen und emanzipierten Geschlechterverhältnisse dargestellt wird (vgl. Farris 2017: 4). Hierbei wird das altbekannte Feindbild des misogynen und rückständigen muslimischen Patriarchats verstärkt und gezielt in den jeweiligen Kampagnen eingesetzt (vgl. ebd.). Das konstruierte Bild vom gesellschaftlich sowie kulturell fortschrittlichen und aufgeklärten Europa wird dabei zur Selbstidealisierung benutzt, um dieses dem sogenannten Orient mit seinen vermeintlich archaischen Gesellschaftsstrukturen gegenüberzustellen und in ihm ein genaues Feindbild zu sehen (vgl. Dietze 2017: 75). Sowohl nationalistische Parteien, als auch verschiedene feministische AkteurInnen bedienen sich dieses Feindbildes, allerdings auf unterschiedliche Weise, um ihre Agenda durchzusetzen (vgl. Farris 2017: 4). Die muslimische, vornehmlich mit Schleier bekleidete Frau wird in allen Fällen als Opfer ihrer eigenen Kultur dargestellt, welches über kaum eigene Handlungsmacht verfügt (vgl. Dietze 2017: 73). Zudem spielt im neoliberalen Kontext eine alles umgreifende, ebenfalls auf Gender ausgerichtete, polit-ökonomische Logik als weiterer Unterdrückungsfaktor für muslimische Migrantinnen eine entscheidende Rolle (vgl. Farris 2017: 4).

Dadurch, dass die Geschlechterfrage bzw. die Gleichberechtigung der Geschlechter einen wesentlichen Teil der Migrationsdebatte ausmacht, stellen sich jene Parteien als emanzipatorisch, feministisch und als VerteidigerInnen von Frauenrechten dar, obwohl jene Agenda in erster Linie lediglich der Stärkung von Islamophobie bzw. der eigenen wirtschaftlichen Agenda dienen soll und ein echtes Interesse an Frauenrechten nicht vorherrscht (vgl. Farris 2011: 321). An diesem Punkt kreuzen sich vermeintlich feministische Absichten mit rassistischen Denkmustern (vgl. ebd.). Im Streit um die Stellung des Islam als misogyn oder nicht, entzweien sich laut Farris auch feministische Intellektuelle und AktivistInnen, wobei die einen den Islam als frauenfeindlich und unterdrückend betrachten und es daher als nötig ansehen, diesen zu maßregeln. Die anderen vertreten eine relativistische Sicht auf den Islam und stufen es als rassistisch ein, den Islam verallgemeinernd als misogyn zu bewerten und betonen dabei zudem die Handlungsmacht muslimischer Frauen selbst. Letztere, zu denen sich auch Farris selbst zählt, plädieren für eine postkoloniale und differenzierte Betrachtungsweise (vgl. Farris 2011: 321).

2.1.1 Homonationalismus

Farris nimmt bei ihrer Darstellung Bezug auf das Konzept des Homonationalismus, welches zuvor von der Queer-Theoretikerin Jasbir Puar entworfen wurde und ein ähnliches Phänomen beschreibt, nur statt auf Frauenrechte, auf Homosexuellen- sowie Queer-Rechte bezogen und dabei vor allem auf US-amerikanische Verhältnisse angewandt wird (vgl. Puar 2007). Puar beschreibt die Selbstdarstellung der Vereinigten Staaten als besonders weltoffen und tolerant in Bezug auf die Situation sowie die Rechte von homosexuellen und queeren Menschen. Diese Selbstdarstellung beruht auf dem tief verwurzelten amerikanischen Exzeptionalismus, wobei sich die USA stets als Speerspitze der humanitären Entwicklung und des gesellschaftlichen Fortschritts stilisiert, als sogenannte city upon a hill. Dies führt innerhalb der Vereinigten Staaten zu verstärktem Nationalismus1 und einer selbst kreierten Vorbildfunktion der Vereinigten Staaten für andere Nationen. Puar entlarvt jene Selbstdarstellung als Heuchelei, da die eigentliche Situation von Queeren und Homosexuellen auch in den USA nach wie vor nicht einfach ist. Die angeblich so offene Art der frei ausgelebten Sexualität unterliegt weiterhin gewissen Normkonformitäten konservativer Wert- und Familienvorstellungen, was bedeutet, dass etwa Homosexuelle nur dann wirklich toleriert sind, wenn sie ein konservatives, patriotisches Leben führen und ihre Homosexualität nur privat ausleben (vgl. Puar 2007: 2 f.).

Im Gegensatz zu Farris‘ Konzept des Femonationalismus wird für Puar der Homonationalismus hervorgebracht durch eine Kollusion, also einem bewussten Bündnis zwischen Nationalismus bzw. nationalistischer und patriotischer Rhetorik und den Homosexuellen und Queeren selbst (vgl. Farris 2011: 322 f.). Jene Kollusion entsteht durch eine gemeinsame Opposition gegen den Islam und islamistische Terroristen, welche als homophob und rückwärtsgewandt dargestellt werden und damit die direkten Feinde der amerikanischen Zivilisation verkörpern sollen (vgl. ebd.).

Was also bei Farris der instrumentalisierte Feminismus verkörpert, ist bei Puar jene Kollusion, die beide den Islam jeweils diffamieren und eine gegen den Islam gerichtete Politik rechtfertigen. Allerdings handelt es sich laut Farris beim Femonationalismus nicht wie bei Puars Homonationalismus um eine Kollusion, da es kein bewusstes Bündnis zwischen rechtsnationalen Parteien und FeministInnen darstellt (vgl. Farris 2011: 322 f.). Denn auch wenn viele FeministInnen ebenfalls gegen den aus ihrer Sicht misogynen Islam sind, so sind ihre Beweggründe doch grundverschieden von denen rechtsnationaler Parteien. Zudem haben eben jene Parteien und Gruppierungen feministische Vorstellungen von Gleichberechtigung für sich beansprucht und instrumentalisiert, ohne dass FeministInnen deren weitere politischen Kampagnen unterstützt hätten (vgl. ebd.: 323). Beide Konzepte verwenden jedoch die Vorstellung eines gemeinsamen Feindbildes in Form des muslimischen Mannes zum einen sowie die einer selbstkreierten Hegemoniestellung zum anderen. Beides soll im Folgenden genauer erklärt werden.

2.1.2 Orientalismus und Dominanzkultur

Bei der Stigmatisierung muslimischer MigrantInnen sowie der Konstruktion des Eigenen und des Fremden spielen postkoloniale Aspekte, wie etwa der von Edward Said beschriebene Orientalismus eine Rolle. Hierbei wird das gefühlt Fremde und weit Entfernte noch zusätzlich künstlich überverfremdet, um sich kulturell abzugrenzen und moralisch sowie kulturell erhaben fühlen zu können. So wird etwa das Bild einer rückständigen arabischen Welt entworfen, welches auf tief verwurzelten kolonialen Denkmustern basiert (vgl. Said 2009). Ein eurozentristischer Blick auf den Nahen Osten in seiner Kultur und Gesellschaft führt zu einem Gefühl kultureller Überlegenheit des Westens gegenüber dem aus ihrer Sicht rückständigen Orient (vgl. ebd.).2 Jenes Hegemonieselbstverständnis dient der Legitimation unterschiedlicher Hierarchieverhältnisse sowie kolonialistischer Interventionen, wie die von Frantz Fanon beschriebene „Unterwanderung“ (Fanon 1969: 22) der französischen Okkupanten in Algerien. Auch hier ging es in erster Linie um die Frauen, die entschleiert und damit instrumentalisiert werden sollten. Was offiziell als Befreiung der algerischen Frau durchgesetzt wurde, war jedoch laut Fanon insgeheim eine Waffe, die algerische Bevölkerung zu destabilisieren, um sie besser kontrollieren zu können (vgl. ebd.: 22 f.).

Ein vom Orientalismus produziertes Denkmuster ist in diesem Zusammenhang die Existenz eines „orientalische[n] Patriarchat[s]“ (Dietze 2017: 75), welches die Frauen unterdrücke und kontrolliere (vgl. ebd.). Jenes vermeintliche Patriarchat dient bereits seit der Kolonialzeit dazu, die arabischen und nordafrikanischen Gesellschaften zu diffamieren und ihnen eine misogyne Geschlechterordnung sowie archaische gesellschaftliche Zustände vorzuwerfen, die der säkulare und aufgeklärte Okzident längst überwunden habe (vgl. Dietze 2017: 76). Damit soll der Zustand der eigenen, westlichen Gesellschaft im Vergleich zum sogenannten Orient als aufgeklärt, emanzipiert und vorbildlich aufgewertet werden (vgl. ebd.: 73). Eine zentrale Rolle im Orientalismusdiskurs spielt auch hier die Verschleierung sowie die gesamtgesellschaftliche Stellung der muslimischen Frau, welche in diesem Zusammenhang instrumentalisiert sowie medial als Opfer ihrer eigenen Kultur inszeniert wird (vgl. ebd.: 73 f.). Dies dient, gerade auch für viele feministische Gruppierungen, der Produktion eines klaren Feindbildes in Form des muslimischen Mannes (vgl. ebd.: 76 f.).

So stellt sich der Westen in eine hegemoniale Position und verfestigt koloniale dichotomische Denkmuster von einem fortschrittlichen Europa einerseits und einem rückständigen Orient andererseits (vgl. Dietze 2017: 75). Dieses Phänomen wird oftmals mit dem Begriff der Dominanzkultur beschrieben, bei dem also ein Selbst- und ein Fremdbild entworfen werden, um die eigene Kultur zum einen von anderen abzugrenzen und zum anderen diese im Vergleich zu jenen als überlegen darzustellen. Die Psychologin und Pädagogin Birgit Rommelspacher beschrieb die Dominanzkultur wie folgt, wobei sie auf die unterschiedlichen Ebenen von Dominanz- und Hegemonieerzeugung eingeht:

„In einer Dominanzkultur zu leben bedeutet, ständig zu expansiven Bemächtigungstendenzen ermuntert zu werden. Dabei stützen sich gegenseitig die christliche Tradition, ein expansives Wirtschaftssystem und das Herrschaftsverhältnis zwischen Männern und Frauen. Ihnen allen ist der Versuch gemeinsam, durch Differenzen verursachte Spannungen qua Hierarchisierung zu überwinden. […] Um also die Dominanz aufrechtzuerhalten und die Privilegien abzusichern, mußte ein Selbst- und Fremdbild konstruiert werden, das die Ungleichheit rechtfertigte. Das Selbstbild mußte ständig bestätigen, daß man ein Recht auf die überlegene Position hatte. Die anderen wurden dementsprechend degradiert und zu Unwürdigen gemacht.“ (Rommelspacher 1994: 18-21).

Bei dieser Definition wird deutlich, dass eine Dominanzkultur ständiger Selbstbestätigung unterliegt, um fortzubestehen. Zudem zeigt Rommelspachers Darstellung, auf welche Weise in vielfältigen gesellschaftlichen Machtverhältnissen mit Hierarchisierungen agiert wird, um die Stilisierung des Eigenen und des Fremden zu legitimieren und damit vermeintliche Kulturdifferenzen zu verdeutlichen.

2.2 Zum Begriff Intersektionalität

Unter Intersektionalität wird ein „Zusammendenken verschiedener Formen von Ungleichheit“ (Kerner 2011: 184) verstanden. Die klassische Trias bilden hierbei die Faktoren race, gender und class, welche zusammengedacht zu einer Mehrfachunterdrückung führen, also „konkrete Herrschaftsverhältnisse“ (Winker/Degele 2009: 37) darstellen, die miteinander verwoben sind und ungleiche Machtverhältnisse erzeugen (vgl. ebd.: 12).

Geprägt wurde der Begriff, nach dem englischen Wort „intersection“ (dt.: Verkehrskreuzung), von Kimberle Crenshaw als eine Form der Diskriminierung, welche nicht auf Geschlecht als isolierte Machtdimension zurückzuführen ist, sondern auf einem aus den beiden sich kreuzenden Faktoren Rasse und Geschlecht resultierenden Machtungleichheits- und Unterdrückungsverhältnis basiert (vgl. Crenshaw 1989: 149). Der schwarze Feminismus gilt somit als Ursprung des Intersektionalitätsbegriffs, denn afroamerikanische Frauen konnten sich in dem in ihren Augen weißen Feminismus der Mittelschicht nicht wiederfinden und sahen ihre Anliegen darin nicht vertreten, da sie nicht bloß aufgrund ihres Geschlechts Unterdrückung erfuhren, sondern zusätzlich durch ihre Herkunft bzw. Hautfarbe (vgl. Crenshaw 1989).

Bevor weitere Analysedimensionen, wie eben Klasse im Sinne des sozialen Status oder auch Körper (vgl. Winker/Degele 2009: 37) miteinbezogen wurden, standen also zu Beginn die Kategorien Rasse und Geschlecht im Mittelpunkt, welche doppelt benachteiligend wirken. Hierbei soll erwähnt werden, dass es sich bei keiner dieser beiden um „biologische[…] Tatsachen, sondern soziale Konstruktionen“ (ebd.: 47) handelt, denn mit gender ist das soziale Geschlecht gemeint, nicht das biologische Geschlecht sex. Das soziale Geschlecht äußert sich in einer Gesellschaft durch konkrete Alltagshandlungen und Verhaltensweisen (doing gender), welche den dualistischen Geschlechtern männlich und weiblich zugeschrieben werden (vgl. Bednarz-Braun/Heß-Meining 2004: 39 f.). So wird eine Dichotomie der Geschlechter erzeugt, die das kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Denken und Handeln beeinflusst und aufgrund seiner Heteronormativität seit langem in der Kritik steht (vgl. Lutz/Amelina 2017: 17 f. und Wastl-Walter 2010: 24 f.).

Der Begriff wurde in den Folgejahren noch um zahlreiche weitere Strukturkategorien erweitert, wie etwa sexuelle Orientierung, Religion/Weltanschauung oder auch Alter und muss stets im jeweiligen Kontext gedacht werden (vgl. Kerner 2011). Zum Beispiel wird in vielen aktuellen Migrations- und Multikulturalismusdiskursen, seitdem der Begriff Rasse nach dem Zweiten Weltkrieg als verpönt gilt, dieser durch den Begriff der Kultur ersetzt; übernimmt aber im Diskurs die gleiche Funktion wie einst der Rasse-Begriff, bei dem es stets darum geht, das „Eigene“ von dem „Fremden“ abzugrenzen und es vor ihm zu schützen (vgl. Lutz/Amelina 2017: 25 und Ha 2012: 91). In jedem Fall handelt es sich um sich um mehrere, sich überschneidende Kategorien, welche hierarchischen Mustern unterliegen, also auf Unterdrückung auf der einen Seite und Privileg auf der anderen Seite basieren. Das Intersektionalitätskonzept versucht, Geschlecht nicht mehr isoliert zu denken, sondern andere Herrschaftsdimensionen in die Analyse miteinzubeziehen. Denn einzeln gedacht sind jene Kategorien unzureichend, um komplexe Unterdrückungsmechanismen und Machtverhältnisse erkennen und erklären zu können (vgl. Kerner 2011).

[...]


1 Hier und im Folgenden soll Nationalismus im Sinne Farris‘ als „Mythos einer gemeinsamen ethnischen Abstammung“ (Farris 2011: 323) sowie damit einhergehender Fremdenfeindlichkeit verstanden werden.

2 Vgl. hierzu auch das Konzept des Othering in der Kultur- und Sozialanthropologie. Jenes Phänomen beschreibt die Distanzierung der Gruppe, derer man sich selbst zugehörig fühlt, von anderen Gruppen sowie die damit einhergehende Verfremdung anderer Gruppen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Femonationalismus in der Kultur, Politik und Ökonomie von Europa
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Kultur, Religion, Geschlecht: Positionen und Kontroversen
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V899476
ISBN (eBook)
9783346199102
ISBN (Buch)
9783346199119
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Femonationalismus, Politik, Gender, Geschlecht, Politische Ökonomie, Feminismus, Nationalismus, Intersektionalität, Kultur, Orientalismus, Othering, Homonationalismus, Migration
Arbeit zitieren
Anna-Maria Lenz (Autor), 2018, Der Femonationalismus in der Kultur, Politik und Ökonomie von Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899476

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