Die Dopingkontrollsysteme der WADA und NADA. Probleme und Alternativen


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition Doping

3 Die Organisationen
3.1 WADA
3.2 NADA

4 Das Doping Kontrollsystem
4.1 Historie und Entwicklung
4.2 Probleme der Kontrolle

5 Ausblick

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In den Letzen zwei bis drei Jahrzehnten hatte die multiple Instrumentalisierung des Sports, durch die zunehmende Kommerzialisierung, Politisierung und Medialisierung sowie die damit zusammenhängende Anspruchsinflationierung gravierende Auswirkungen für den Umgang mit Doping und den gesellschaftlichen Doping-Diskurs (Bette & Schimank, 1999). Seit längerem versucht die internationale Staatengemeinschaft, Doping als eine zentrale Fehlentwicklung des Sports zu bekämpfen (Coenen, 2010). Der Kampf gegen Doping wird nicht nur von Sportorganisationen, sondern auch von politischen Entscheidungsträgern geführt. Typischerweise lässt sich deshalb beim Umgang mit Doping von einem dualen System sprechen, in dem zivilgesellschaftliche Akteure und staatlich-hoheitlichen Instanzen Einfluss nehmen.

Wichtige Rechtsakte sind das Übereinkommen des Europarats von 1989 und das Übereinkommen der UNESCO von 2005. Zum Ausdruck kommt dies in den jeweiligen – nicht immer leicht durchschaubaren – Anti-Doping-Systemen auf nationaler Ebene mit einer Verschränkung von Anti Doping-Vorschriften der nationalen bzw. internationalen Sportfachverbände, sportartübergreifenden Regeln der World Anti-Doping Agency (WADA) sowie Gesetzen und Verordnungen (Wagner, 2009).

Viele europäische Staaten haben für die Dopingbekämpfung bereits Gesetze erlassen oder sind dabei, entsprechende Regelungen festzulegen. Hinzu kommen die inzwischen erheblich verschärften (sportrechtlichen) Regeln der nach nationalem Recht zuständigen Sportorganisationen. Gleichwohl verhindert eine Reihe von Unzulänglichkeiten eine wirksame Doping-Kontrolle. Die Probleme reichen von der Auswahl der Athleten über die Art der Kontrolle und die Qualität der Durchführung, der Festlegung der Analysemethoden und dem Ergebnismanagement bis hin zur Sanktionierung (Thevis et al., 2008). An dieser Stelle setzt die Thematik dieser Arbeit an. Es soll analysiert werden wie die NADA und die WADA Doping Kontrollen durchführen und inwiefern diese problematisch beziehungsweise verbesserungswürdig im Hinblick auf einen möglichst fairen Leistungssport und gesundheitlich Schadenfreien Sport allgemein sind. Es folgt ein Ausblick über die bevorstehenden Veränderungen im Dopingkontrollsystem und über die sich entwickelnde präventive Arbeit.

2 Definition Doping

Vorab stellt sich die Frage: Was ist Doping? Ein Dopingverstoß liegt vor, wenn eine der verbotenen Substanzen im Körper des Athleten gefunden wird, der Athlet eine verbotene Technik benutzt oder der Sportler eine Dopingkontrolle verweigert (Bette & Schimank, 2006). Bislang wurden zahlreiche Versuche unternommen, Doping zu definieren, wobei sich immer wieder Probleme bei der juristischen Eingrenzung und einer verständlichen Formulierung ergaben (Adolphsen, 2003). Auch die Übersetzungsschwierigkeiten auf internationaler Ebene, die unter Umständen weitere unerwünschte Interpretationsmöglichkeiten zuließen, tragen zu der außerordentlichen Komplexität des Sachverhalts bei. Die ersten Doping-Definitionen, die primär einen ethischen Anspruch verfolgten, litten daher in erster Linie an mangelnder Praktikabilität (Pawlenka, 2010). Ein Beispiel für eine Definition mit hohem ethisch-moralischen Anspruch ist die Definition des Europarats von 1963 (Komitee für außerschulische Erziehung):

„Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers als Doping angesehen werden.“

Diese Definition bleibt für eine Dopingregel und ihre Kontrolle jedoch uneffektiv, da sie Sachverhalte, die einen kontrollierbaren Regelverstoß darstellen, nicht eindeutig und klar definiert. Die ersten Listen wurden 1967 von internationalen Fachverbänden aufgestellt. Die Substanzen Amphetamin und Anabolika beherrschen seit Ende der fünfziger und sechziger Jahre die Dopingdefinition (Clasing, 1992). Durch die im Laufe der Zeit immer fortschreitende Entwicklung neuer Substanzen und Methoden, wie z.B. der Einsatz von Testosteron, Wachstumshormonen (wie z.B. Tetrahydrogestrinon (THG)), Erythropoietin (EPO) und Gendoping führte zu einer umfassenderen Problematik. Eine zunehmende Praxisorientierung wird deutlich in den vom Hauptausschuss des DSB konzipierten Rahmenrichtlinien von 1970, die bis heute etliche Male aktualisiert wurden. Wesentliches Merkmal des Dopings ist demnach:

[...] der Versuch der Leistungssteigerung durch die Anwendung (Einnahme, Injektion oder Verabreichung) von Substanzen der verbotenen Wirkstoffgruppen oder durch die Anwendung verbotener Methoden“.

Die pragmatische Definition des Dopings, verabschiedet von der Medizinischen Kommission des IOC, galt bis Ende 2003 und lautete: „Doping ist die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden“. Diese Regeln hatten fast alle internationalen Sportfachverbände in ihre Dopingbestimmungen einfließen lassen bzw. vollständig übernommen. Als Folge der Weltkonferenz gegen das Doping 1999 wurde ein unabhängiges Anti-Doping-Regelwerk (Welt- Anti- Doping Code) geschaffen und eine Welt-Anti-Doping Agentur (WADA) eingerichtet (Wagner, 2009). Die WADA hat versucht, die Doping-Definition neu zu formulieren und gibt dabei erstmals ein relativ umfangreiches Regelwerk ab. Seit dem 01.01.2004 gilt die Doping-Definition der WADA, womit das bisherige Reglement des IOC erweitert wurde. Die verschiedenen Abschnitte der Definition sind im Artikel 1 und 2 des WADC festgehalten.

3 Die Organisationen

Um auf die Probleme und Gefahren des Dopings aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit dahingehend zu alarmieren, wurden Organisationen wie die WADA und die NADA ins Leben gerufen.

3.1 WADA

Die WADA – World Anti Doping Agency -, ist eine weltweit fungierende Anti-Doping- Organisation. Sie verbindet fast alle Sportverbände und steht mit diesen in enger Kooperation (Wagner, 2009). Die WADA soll das Recht der Sportler auf Teilnahme an dopingfreiem Sport und fairen Wettbewerben schützen. Dadurch werden weltweit Gesundheit, Fairness und Chancengleichheit gefördert. Außerdem hat die WADA die Aufgabe, internationale und nationale Dopingprogramme harmonisch zu organisieren und zur Prävention sowie zur Aufklärung von Verstößen gegen die Bestimmungen beizutragen (Wagner, 2009).

Auch Dopingkontrollen sind nach Genehmigung durch die zuständige nationale Organisation durchzuführen. Des Weiteren steht vor allem die Forschung und Entwicklung neuer Testmethoden und Kontrollverfahren auf dem Programm der WADA (DOSB, 2008). Hinzu kommt ein Code, der die Grundgedanken des Sports, den Sportsgeist, wahren soll. Diese Ideale heißen: Ethik, Fairness, Ehrlichkeit, Gesundheit, Hochleistung, Mut, Charakter und Erziehung, Teamgeist, Spaß und Freude, Einsatzbereitschaft und Engagement, Anerkennung von Regeln und Gesetzen, Respekt gegenüber der eigenen Person und anderen, Gemeinschaftssinn sowie Solidarität. Zudem stellt die WADA Vereinbarungen mit den internationalen Sportfachverbänden für die Durchführung von Trainingskontrollen für die Weltspitze her und kümmert sich um die Weiterentwicklung des Antidopingcodes und Harmonisierung der Antidopingregeln sowie um die Förderung der Forschung zur Dopingproblematik (Wagner, 2009). Fördern muss die WADA dabei auch die Entwicklung von nationalen Antidopingagenturen und die internationale Doping Prävention. Die Beobachtung der Kontrolldurchführung bei wichtigen internationalen Sportereignissen und die Einrichtung von Schiedsgerichten werden ebenfalls von der WADA instrumentalisiert (Wagner, 2009).

3.2 NADA

Zu der internationalen WADA kommen weitere nationale Anti-Doping-Agenturen. In Deutschland ist dies die NADA. Der Gedanke, dass eine unabhängige Institution unbestechlich und rigoros Doping auf nationaler Ebene bekämpfen möge, führte in Deutschland zur Gründung der NADA (Feiden & Blasius, 2008). Sie verfolgt ähnliche Ziele wie die WADA und arbeitet mit dieser zusammen. Sie hat die internationalen Bestimmungen und den Code anzunehmen und durchzusetzen, mit anderen Organisationen zu kooperieren und die Förderung von Dopingkontrollen mit anderen nationalen Organisationen zu organisieren (DOSB, 2008). Kernaufgaben der NADA sind die Umsetzung eines einheitlichen Doping- Kontroll-Systems für Deutschland, die Erteilung medizinischer Ausnahmegenehmigungen und Beantwortung von Medikamentenanfragen, die Erarbeitung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport, Bildungsträgern und sonstigen Institutionen und die Umsetzung des WADA- Codes in einen NADA- Code sowie die Schaffung eines unabhängigen Sportschiedsgerichts und die (Rechts-)Beratung für Verbände und Athleten .

Das Regelwerk der NADA umfasst jedoch nicht nur die Vorschriften des WADA-Codes und der, für die praktische Arbeit der NADA relevanten "International Standards" der WADA, sondern versucht auch die bereits im deutschen Sport existierenden, sportartenübergreifenden Anti-Doping-Regelwerke mit einzubeziehen (DOSB, 2008). Dementsprechend wurden die "Rahmenrichtlinien" der gemeinsamen Anti-Doping Kommission von DSB und NOK und auch das "Dopingkontrollsystem" so weit wie möglich in den NADA- Code übernommen. Der NADA- Code wurde in seiner ersten Version vom Vorstand der NADA Ende Oktober 2004 verabschiedet (Feiden & Blasius, 2008).

4 Das Doping Kontrollsystem

4.1 Historie und Entwicklung

Mit der Fusion vom NOK und dem Deutschen Sportbund (DSB) zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), gelang eine historische Einigung des Sports (DOSB, 2008). Somit ließ sich das Thema Doping erst recht nicht mehr unter den Teppich kehren. Denn nur drei Tage nach der Gründung des DOSB führte die ‚Operación Puerto’ von Polizei und Staatsanwaltschaft in Spanien zur Aufdeckung eines international agierenden Dopingnetzwerks um den Arzt Eufemiano Fuentes (DOSB, 2008). Über 200 Profisportler aus verschiedenen Sportarten soll er systematisch mit Dopingmitteln und Methoden versorgt haben. Die deutsche Öffentlichkeit war vor allem durch die schwerwiegenden Indizien der Verstrickung des deutschen Sportlers Jan Ullrich geschockt (Feiden & Blasius, 2008). Die große Medienpräsenz des Themas Doping machte deutlich, dass Doping viel größere Ausmaße annimmt, als sich viele eingestehen wollten.

Die 2005 veröffentlichte Studie "Zur Häufigkeit des Dopings im Leistungssport" unter der Federführung des Trierer Sportwissenschaftlers Eike Emrich ergab, dass zwischen 25,8 und 48,1 Prozent aller deutschen Kaderathleten bereits zu Dopingmitteln gegriffen haben. Zur Überwachung des Dopingverbots wurde ein Dopingkontrollsystem eingerichtet. Die Basis dafür bilden die Dopingbestimmungen und Verfahrensrichtlinien der einzelnen Fachverbände und natürlich der NADA-Code (Pitsch, Emrich & Klein, 2005).

Bei den Kontrollen werden die Wettkampfkontrolle (in Competition testing) und die Vorwettkampfkontrolle (precompetition testing) von der Trainingskontrolle (out of competition) unterschieden (Moston & Engelberg, 2017). Der Ablauf ist jedoch meist der Gleiche. Die Durchführung von Wettkampfkontrollen liegt in der Verantwortung des Veranstalters des Wettkampfes (Thevis et al., 2008).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Dopingkontrollsysteme der WADA und NADA. Probleme und Alternativen
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V899574
ISBN (eBook)
9783346188366
ISBN (Buch)
9783346188373
Sprache
Deutsch
Schlagworte
WADA, NADA, Doping, Analyse, Dopingkontrolle, Hausarbeit, Politik
Arbeit zitieren
Alwin Reinik (Autor:in), 2019, Die Dopingkontrollsysteme der WADA und NADA. Probleme und Alternativen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899574

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Dopingkontrollsysteme der WADA und NADA. Probleme und Alternativen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden