Als Anbieter einer verderblichen Leistung werden Hoteliers durch ein starres Kapazitätsangebot verbunden mit Nachfrageschwankungen, Stornierungen und No-Show‘s herausgefordert. Ein unbelegtes Zimmer kann nicht gespeichert werden und die Beherbergungsleistung verfällt nach dem Vorübergehen der Nacht. Eine Ermittlung der optimalen Zimmerraten unter diesen Bedingungen stellt Hoteliers folglich vor große Herausforderungen.
In der Literatur wird die Ermittlung der Verkaufspreise im Zeitverlauf für ein Produkt, dessen Nachfrage zufällig und dessen Angebot festgelegt ist als Problem der dynamischen Preisgestaltung (DP) bezeichnet. Nach dieser Definition sehen sich neben Hotels auch Fluggesellschaften mit einem DP-Problem konfrontiert. Die Luftfahrt widmete sich dem DP-Problem als erste Branche, als in den 80er Jahren die ersten Fluggesellschaften im Revenue Management (RM) von starren Preisen zu dynamischen, sich täglich und wöchentlich ändernden, Preisen wechselten.
Indem Unternehmen Preisänderungen vornehmen, kann die Nachfrage kurzfristig gefördert oder eingeschränkt sowie freie Kapazitäten reguliert werden. Infolgedessen kann eine geeignete DP im Hotel-RM sowohl zur Maximierung der Auslastung eines Hotels als auch zu einer Umsatzmaximierung beitragen. Um von dieser Möglichkeit zu profitieren, setzten Hotels in den vergangenen Jahren zunehmend die bestehenden Strategien der DP aus der Luftfahrt ein oder entwickelten diese weiter.
Kimes (2008) zufolge besitzen heutzutage nahezu alle Hotelketten ein eigenes umfangreiches Informationssystem, das sie für RM-Zwecke nutzen. Dennoch kam die empirische Forschung zu einer Online-Preisgestaltung im Tourismus erst in den vergangenen Jahren in Gange und der tatsächliche Umfang einer DP in der Hotellerie ist in der Literatur umstritten. Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Ansätze einer DP für die Hotellerie sich in der Literatur finden und inwieweit das Hotel-RM bislang derlei Modelle nutzt. Es erfolgt eine eingehende Literaturanalyse, um daraus Empfehlungen für das Hotel-RM und die zukünftige Forschung abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition und Einordnung
3 Vorgehensweise
4 Überblick vorangegangener Forschung
4.1 Modelle und Simulationen
4.1.1 Befunde von Simulationen, Tests & Fallstudien
4.1.2 Schätzung der Nachfrage
4.2 Empirische Studien
4.2.1 Eigenschaften der Stichprobe
4.2.2 Datenherkunft
4.2.3 Angefragte Buchungstage & Anfragezeitpunkte
4.2.4 Abhängige & Unabhängige Variablen
4.2.5 Analyseansatz
5 Zentrale Erkenntnisse & Diskussion
5.1 Einsatz Dynamischer Preisgestaltung in der Hotellerie
5.2 Einfluss Hotelspezifischer Charakteristika
5.3 Wirkung Dynamischer Preisgestaltung auf den RevPAR
5.4 Preistrends in der Dynamischen Preisgestaltung
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Forschungsstand zur Anwendung dynamischer Preisgestaltungsmodelle (DP) in der Hotellerie, identifiziert bestehende Forschungslücken und leitet aus der Literatur Empfehlungen für das Hotel-Revenue-Management sowie für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen ab.
- Grundlagen der dynamischen Preisgestaltung im Hotel-Revenue-Management
- Analyse und Vergleich verschiedener Simulations- und Testmodelle
- Einflussfaktoren wie Hotelgröße, Sterne-Kategorie und Geografie auf die Preisstrategien
- Wirkungsweise der Preisvariabilität auf den RevPAR und die Hotelauslastung
- Identifikation von Trends bei Buchungszeiträumen und Preisnachfragen
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Befunde von Simulationen, Tests & Fallstudien
Modelle und Simulationen, die die Leistung ihrer entwickelten DP-Modelle nicht mit realen Informationen testen (z.B. Badinelli (2000); Vives & Jacob (2019a); Vives & Jacob (2019b)), können die Ergebnisse verschiedener Hotels zwar nicht vergleichen, aber dennoch aufschlussreiche Befunde liefern. Demnach führt Tabelle 2 alle Befunde von Simulationen, Tests & Fallstudien im Rahmen der betrachteten empirischen und theoretischen Modelle zusammen. Aus den in Tabelle 2 aufgeführten Befunden wird ersichtlich, dass jeder der Autoren sein vorgeschlagenes Modell als effizient erachtet.
Gemäß der von Aziz et al. (2011, S. 181), Bayoumi, Saleh, Atiya & Aziz (2013, S. 282) und Zhang & Weatherford (2017, S. 32 ff.) vollzogenen Tests, führen deren entwickelte DP-Modelle jeweils zu einem Umsatzanstieg, gemessen am Revenue Available Room (RevPAR). Der RevPAR drückt den durchschnittlichen Umsatz pro verfügbarem Zimmer aus und wird in der Hotellerie häufig als Leistungsindikator verwendet, da er einen direkten Vergleich zwischen Hotels unterschiedlicher Größe ermöglicht. Der RevPAR berechnet sich aus der OCC multipliziert mit der Average Daily Rate (ADR) (Phillips, Barnes, Zigan, & Schegg, 2016, S. 240). Die Veränderungen des RevPAR werden in den Studien durch einen Vergleich der originalen Hoteldaten mit den Ergebnissen der Simulation mit Echtdaten ermittelt. Eine eingehende Diskussion des Einflusses der DP auf den RevPAR eines Hotels erfolgt in Kapitel 5.3.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik starrer Kapazitäten und variabler Nachfrage ein und leitet die zentrale Forschungsfrage zur Verbreitung und Nutzung von DP-Modellen in der Hotellerie ab.
2 Definition und Einordnung: Dieses Kapitel definiert DP als Kombination verschiedener Preisstrategien im Revenue Management und grenzt sie von statischen Preismodellen ab.
3 Vorgehensweise: Das Kapitel beschreibt die methodische Auswahl der Literatur und die Fokussierung auf für das Hotel-Revenue-Management relevante Forschungsaspekte.
4 Überblick vorangegangener Forschung: Hier werden bestehende Simulationsmodelle sowie empirische Studien hinsichtlich ihrer Datenherkunft, Stichproben und Analyseansätze strukturiert ausgewertet.
5 Zentrale Erkenntnisse & Diskussion: In diesem Teil werden die Ergebnisse der Literaturrecherche zusammengeführt, insbesondere hinsichtlich der Einsatzbereiche, Einflussfaktoren und Auswirkungen auf den RevPAR.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Forschungslücke im empirischen Bereich und gibt Ausblicke auf notwendige zukünftige Studien.
Schlüsselwörter
Dynamische Preisgestaltung, Revenue Management, Hotellerie, RevPAR, Nachfrageprognose, Preisvariabilität, Buchungszeitraum, Preistrends, Hotel-Performance, Preisstrategie, Marktanpassung, Kapazitätsauslastung, Kundensegmentierung, Umsatzoptimierung, Empirische Forschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Modellen zur dynamischen Preisgestaltung im Hotel-Revenue-Management und analysiert deren Effektivität sowie Verbreitung anhand existierender Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die mathematische und strategische Modellierung von Zimmerpreisen, die Identifikation von Einflussfaktoren auf Preisänderungen und die Bewertung des Erfolgs von DP-Modellen anhand von Kennzahlen wie dem RevPAR.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Forschungsstand zur dynamischen Preisgestaltung in der Hotellerie aufzuarbeiten, Lücken in der aktuellen Literatur zu identifizieren und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der empirische Studien und theoretische Modelle zur dynamischen Preisgestaltung verglichen und ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über bisherige Forschungsmodelle (Simulationen) und eine detaillierte Auswertung empirischer Studien hinsichtlich ihrer methodischen Eigenschaften, Datenquellen und Analyseansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dynamische Preisgestaltung, Revenue Management, RevPAR, Nachfrageprognose und Umsatzoptimierung definiert.
Warum ist die Wahl der Stichprobe in den untersuchten Studien problematisch?
Die untersuchten Studien weisen sehr unterschiedliche geografische Schwerpunkte und Hotelgrößen auf, was den direkten Vergleich der Ergebnisse und eine allgemeine Verallgemeinerung erschwert.
Welche Rolle spielt der RevPAR in dieser Analyse?
Der RevPAR dient als zentraler Leistungsindikator, um den wirtschaftlichen Erfolg von DP-Modellen vergleichbar zu machen, indem er sowohl die Auslastung (OCC) als auch die Durchschnittsrate (ADR) berücksichtigt.
Wie wirkt sich die Hotelgröße auf die dynamische Preisgestaltung aus?
Die Literatur zeigt hier uneinheitliche Ergebnisse; während einige Studien einen stärkeren Einsatz von DP bei größeren Häusern feststellen, bleibt die Signifikanz dieses Einflusses ein umstrittener Forschungsaspekt.
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- Vanessa Seez (Author), 2020, Dynamische Preisgestaltung in der Hotellerie. Forschungsüberblick, Managementempfehlungen und Anregungen für zukünftige Forschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899605