Ziel der Arbeit ist es, anhand eines ausführlichen Literaturüberblicks die Nutzung der Prozesskostenrechnung im Krankenhauscontrolling zu diskutieren. Dabei werden zunächst deren Grundzüge dargestellt. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Herausarbeitung der Rahmenbedingungen des deutschen Krankenhauswesens und die sich daraus ergebenden Besonderheiten für die Anwendung der Prozesskostenrechnung.
Für jeden Menschen hat das Zitat spätestens dann Gültigkeit, wenn er selbst oder nahestehende Personen Krankheiten erleiden, die eine umfangreiche medizinische Versorgung erfordern. Demnach ist es naheliegend, dass die Gesundheitsausgaben in Deutschland sehr hoch sind und einen erheblichen Anteil am Bruttoinlandsprodukt ausmachen. Laut Statistischem Bundesamt beliefen sich diese im Jahr 2016 auf 356,5 Milliarden Euro und stellten somit 11,3 % des Bruttoinlandsproduktes dar.
Daher wurde jeder neunte Euro für Gesundheit ausgegeben. Etwa 29% der Gesundheitsausgaben entfielen hierbei auf die Vergütung von Krankenhausleistungen, da die Gesamtkosten der Krankenhäuser insgesamt 101,7 Milliarden Euro umfassten.2 Im Wesentlichen bestanden diese aus Personalkosten in Höhe von 61,1 Milliarden Euro, Sachkosten in Höhe von 37,9 Milliarden Euro, Aufwendungen für den Ausbildungsfonds in Höhe von 1,4 Milliarden Euro sowie sonstigen Aufwendungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro.
Die Personalkosten, deren Anteil bei 60% an den Gesamtkosten lag, können in Bezug auf den einzelnen Behandlungsfall als Gemeinkosten angesehen werden. Grund hierfür ist die Tatsache, dass im Krankenhausbereich ein Arzt bzw. eine Pflegekraft für mehrere Patienten gemeinsam Leistungen erbringt und in der Regel kein Akkordlohn, sondern ein Zeitlohn gezahlt wird.
Seit der Einführung des G-DRG-Systems im Jahr 2003 spielt insbesondere die verursachungsgerechte Verrechnung der Gemeinkosten in Krankenhäusern eine sehr wichtige Rolle. Die Ursache hierfür ist, dass durch dieses System die Vergütung für die Patientenbehandlung vorgegeben wird und somit eine Steuerung des wirtschaftlichen Erfolgs über die Kosten erfolgen muss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundzüge der Prozesskostenrechnung
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Aufbau und Vorgehensweise
2.3 Aufgaben und Ziele
2.4 Anwendungsbereiche
3 Rahmenbedingungen des deutschen Krankenhauswesens
3.1 Charakteristika der Krankenhausunternehmung
3.2 Historische Entwicklung der Gesetzeslage zur Krankenhausfinanzierung
3.3 G-DRG-System – Fallpauschalen in der stationären Versorgung
4 Literaturüberblick zum Einsatz der Prozesskostenrechnung im Krankenhauscontrolling
4.1 Darstellung der Ansätze zur Integration der Prozesskostenrechnung
4.2 Prozesskostenrechnung als Ausgangspunkt des Prozessmanagements
4.3 Kritische Würdigung der Prozesskostenrechnung
4.3.1 Chancen und Nutzen
4.3.2 Grenzen und Defizite
4.4 Time-Driven Activity-Based-Costing als Weiterentwicklung der Prozesskostenrechnung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit diskutiert mittels eines umfassenden Literaturüberblicks die Nutzung der Prozesskostenrechnung im Kontext des Krankenhauscontrollings. Dabei wird analysiert, inwieweit dieses Instrument zur verursachungsgerechten Gemeinkostenverrechnung und Steuerung in der komplexen Krankenhausorganisation beitragen kann.
- Grundlagen und historische Entwicklung der Prozesskostenrechnung
- Besonderheiten des deutschen Krankenhauswesens und der Finanzierung durch das G-DRG-System
- Ansätze zur Integration der Prozesskostenrechnung in das Krankenhauscontrolling
- Kritische Analyse von Chancen, Grenzen und Weiterentwicklungen (Time-Driven Activity-Based-Costing)
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung
In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Wertschöpfung und damit in den Kostenstrukturen, wie bereits in der Einleitung erwähnt, ein Wandel vollzogen. Auf diese Entwicklung wiesen erstmals Miller & Vollmann (1985) in ihrem Beitrag „The Hidden Factory“ hin, welche in Abbildung 1 zu sehen ist:
Demnach hat sich der Anteil der Fertigungseinzelkosten an der Wertschöpfung in amerikanischen Industrieunternehmen im Zeitraum von 1850 bis 1980 von ca. 55% auf ca. 25% reduziert, während der Anteil der Fertigungsgemeinkosten von ca. 45% auf ca. 75% gestiegen ist. Beim überwiegenden Teil dieser Gemeinkosten handelt es sich um Kosten, die sich mit der Beschäftigung nicht ändern, d.h. beschäftigungsfix sind. Die Hauptursache für diese Entwicklung liegt im Einsatz von neuen Technologien in der Fertigung und dem daraus anwachsenden Automatisierungsgrad. Aufgrund dessen sprechen sich Miller & Vollmann (1985) gegen eine Fokussierung auf die direkte Produktion aus und betonen gleichzeitig mit aller Deutlichkeit die große Bedeutung der Fertigungsgemeinkosten. Durch die hohen Fertigungsgemeinkosten kann in diesem Zusammenhang auch von einer „verborgenen Fabrik“ gesprochen werden, die dem eigentlichen Fertigungsbereich im Hinblick auf die Produktionsplanung, Produktionssteuerung, Softwareentwicklung, Qualitätssicherung sowie Instandhaltung unterstützend beisteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der verursachungsgerechten Gemeinkostenverrechnung im deutschen Krankenhaussektor ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Grundzüge der Prozesskostenrechnung: Hier werden die theoretischen Grundlagen, der Aufbau, die Ziele sowie die historische Entstehung der Prozesskostenrechnung erläutert.
3 Rahmenbedingungen des deutschen Krankenhauswesens: Das Kapitel beleuchtet die spezifischen Charakteristika von Krankenhäusern sowie die historische Entwicklung ihrer Finanzierung, inklusive des G-DRG-Systems.
4 Literaturüberblick zum Einsatz der Prozesskostenrechnung im Krankenhauscontrolling: Dieser zentrale Teil diskutiert verschiedene Integrationsansätze, die Rolle im Prozessmanagement sowie kritische Perspektiven und moderne Weiterentwicklungen.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die wesentlichen Erkenntnisse der vorangegangenen Kapitel und reflektiert die Anwendbarkeit der Prozesskostenrechnung im Krankenhaus.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Krankenhauscontrolling, G-DRG-System, Gemeinkostenverrechnung, Prozessmanagement, Klinische Behandlungspfade, Kostentransparenz, Time-Driven Activity-Based-Costing, Krankenhausfinanzierung, Prozesshierarchie, Cost Driver, Wirtschaftlichkeit, Prozessoptimierung, Krankenhausmanagement, Effizienzmessung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung und Anwendung der Prozesskostenrechnung im Krankenhauscontrolling, um eine präzisere Verrechnung von Gemeinkosten zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind das deutsche Krankenhauswesen, die prozessorientierte Kostenrechnung, das G-DRG-System sowie die Verbindung dieser Themen zum Prozessmanagement.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Diskussion der Nutzung der Prozesskostenrechnung im Krankenhauskontext auf Basis eines ausführlichen Literaturüberblicks.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine tiefgehende Literaturanalyse, um verschiedene Ansätze zur Integration der Prozesskostenrechnung kritisch zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Prozesskostenrechnung, die Rahmenbedingungen deutscher Krankenhäuser und eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Integrationsmodellen aus der Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Prozesskostenrechnung, Krankenhauscontrolling, G-DRG-System, Prozessmanagement und klinische Behandlungspfade.
Wie unterscheidet sich die Prozesskostenrechnung von der traditionellen Zuschlagskalkulation in diesem Kontext?
Im Gegensatz zur Zuschlagskalkulation ermöglicht die Prozesskostenrechnung eine verursachungsgerechte Verrechnung von Gemeinkosten durch die Identifikation von Prozessen und entsprechenden Kostentreibern.
Was ist das Time-Driven Activity-Based-Costing?
Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der klassischen Prozesskostenrechnung, die sich explizit am Zeitbedarf für Prozesse orientiert und so Schwankungen im Beschäftigungsgrad besser abbilden kann.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2018, Nutzung der Prozesskostenrechnung im Krankenhauscontrolling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899678