Das Museum sah sich wie jede Institution von jeher mit Wandlungen und Neuerungen konfrontiert. Hierbei sind auch wesentliche Entwicklungen in der Vermittlung musealer Inhalte zu beobachten. Nicht nur gesellschaftliche Veränderungen spielen hierbei eine zentrale Rolle, auch technologische Fortschritte der Digitalität und ihre Allgegenwärtigkeit haben nicht nur das Leben der Menschen tief greifend verändert, sondern auch die Arbeit des Museums geprägt. Längst haben Museen die digitalen Medien für Öffentlichkeitsarbeit und Marketingzwecke für sich zu nutzen gelernt, doch darüber hinaus entdecken sie vermehrt auch das Potenzial, digitale Medien in der Vermittlung einzusetzen. Die Internetauftritte von Museen und Ausstellungen informieren nicht nur über das Angebot ihrer Ausstellungen, sondern offerieren Möglichkeiten der Kommunikation und Bildung. Als Beispiele seien digitale Sammlungen und Diskussionsforen erwähnt. Zudem finden sich virtuelle Museumsrundgänge. Insbesondere um im Rahmen einer Vermittlungsstrategie neue Zielgruppen zu erreichen, können digitale Medien, wie auch das Social Web hier ihr Potenzial entfalten. Doch auch im Museum selbst sind etablierte Formate durch interaktive und mobile webbasierte Anwendungen ergänzt. Hierbei ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, auch hinsichtlich einer Vermittlung, welche die Kunst zum Gegenstand hat. An dieser Stelle möchte diese Arbeit ansetzen und zu Digitalität hinsichtlich der gegenwärtigen Vermittlung von Kunst im musealen Kontext explizit eine Verbindung zur Kunstpädagogik herstellen. So soll der zentralen Frage nachgegangen werden, wie sich kunstpädagogische Perspektiven zu Digitalität als Kontext und Herausforderung gegenwärtiger Vermittlungstätigkeit im musealen Bereich konstituieren.
Die methodologische Vorgehensweise besteht aus einer Literaturanalyse und einer Recherche der Umsetzung von Anwendungen in der musealen Praxis. Zunächst soll ein Blick auf die Kunst- und Museumspädagogik geworfen werden, um die Verbindung der Disziplinen zu beleuchten. Dem schließt sich eine explizite Konzentration auf die Bildung und Vermittlung im Museum an, in der definitorische Ansätze sowie Modelle und Sichtweisen betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Gegenstand der Arbeit und Zielsetzung
1.2 Forschungsstand
1.3 Vorgehensweise und Struktur der Arbeit
2. Kunstpädagogik – Kunstvermittlung – Museumspädagogik: Diskussion von Bezügen
3. Bildung und Vermittlung in Museen
3.1 Definitorische Ansätze
3.2 Museumspädagogische Modelle und Sichtweisen
4. Digitale Medien im Kontext musealer Vermittlung
4.1 Digitale Medien und ihr Potenzial für das Museum
4.2 Das Museum des 21. Jahrhunderts – Aufgaben und Herausforderungen
4.3 Interaktive und Partizipative Angebote im Museumskontext
4.3.1 Digitale Medien im Ausstellungsbereich
4.3.2 Die Erweiterung des Kulturraumes im musealen Kontext durch Virtualität
4.3.3 Partizipation der BesucherInnen als Paradigmenwechsel
5. Praxisbeispiele von Digitalität im musealen Kontext
5.1 Virtuelle Sammlungen und Online-Angebote als Erweiterung musealer Arbeit ins World Wide Web
5.1.1 Europeana und das Google Arts & Culture Projekt
5.1.2 Die Digitale Sammlung des Städelmuseums
5.1.3 Kunstgeschichte online – der Städel Kurs zur Moderne
5.2 Digitalität in der Vermittlung innerhalb des physischen Museums
5.2.1 Das Städel Museum im 19. Jahrhundert - Eine Zeitreise mit Augmented Reality
5.2.3 Das meSch- Projekt (Material Encounters with digital Cultural Heritage)
5.2.4 Projekt MINERVA im Museum für Islamische Kunst in Berlin
5.2.5 Projekte des Metropolitan Museum of Art in New York
5.3 Mobile Anwendungen mit Ausstellungsbezug
5.3.1 Die App Unravel Van Gogh des Van Gogh Museums Amsterdam
5.3.2 Social Image Tagging – Das Projekt PIN.X – Social Tagging zu Exponaten der Pinakothek der Moderne
6. Digitale Medien in der Kunstpädagogik
6.1 Digitale Medien in Konzepten der Kunstpädagogik
6.2 Entwicklung der Beschäftigung mit digitalen Medien im Fachdiskurs
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich kunstpädagogische Perspektiven im Kontext der Digitalität als Herausforderung für die gegenwärtige Vermittlungsarbeit in Museen konstituieren. Dabei steht die Analyse von Vermittlungsmodellen und konkreten Praxisbeispielen im Fokus, um Potenziale, Chancen, Risiken und Schwierigkeiten des Einsatzes digitaler Medien aus einer kunstpädagogischen Sicht kritisch zu beleuchten.
- Verbindung von Kunstpädagogik und museumspädagogischen Vermittlungsansätzen
- Analyse der Rolle digitaler Medien für die museale Kommunikation und Partizipation
- Untersuchung von Praxisbeispielen digitaler Vermittlung (z.B. virtuelle Sammlungen, AR, Social Media)
- Diskussion des Einflusses digitaler Technologien auf Kunsterfahrung und Museumsverständnis
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Museum des 21. Jahrhunderts – Aufgaben und Herausforderungen
Inwiefern eine Institution auch in Zukunft Bestand haben wird, hängt davon ab, ob sie hinsichtlich des gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustands und der sich hieraus ergebenden Möglichkeiten, reflektierend handelt, und wenn nötig mit Neuerungen reagiert. Dies trifft insbesondere auf Institutionen zu, welche sich der Aufklärung und Bildung verpflichtet haben, folglich also auch für das Museum. Eine der schwierigen Herausforderungen von Bildungseinrichtungen besteht darin, bei gleichzeitiger Sicherung inhaltlicher Qualität dem gesellschaftlichen Auftrag gerecht zu werden, die Belange möglichst aller Bevölkerungsschichten zu beachten. Es ist somit geboten, als im Bereich der Bildung Tätiger, den Institutionen oft inhärente Neigung zu Selbstbezüglichkeit, Starre und der Vernachlässigung der inhaltlichen Aufgabe entgegenzuwirken. Als traditionelle Bildungseinrichtung auch die sozialen Randgruppen der Bevölkerung und die durch Medien geprägte junge Generation zu erreichen, kann eine besondere Hürde darstellen. Museen konkurrieren nicht nur mit anderen Freizeiteinrichtungen, sondern sollten auch ihren Blick der Mediengestaltung zuwenden, wie beispielsweise Computergames, die den hohen technischen und gestalterischen Ansprüchen an Darstellungen und attraktiven Animationen genügen. Insbesondere junge Leute sind für multimediale Formen der Darstellung zu begeistern und finden sich schnell zurecht.
Für die Einbindung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen scheint es von Bedeutung zu sein, mit der tradierten Auffassung zu brechen, welche viele Jahrhunderte vorherrschte, nämlich „die Vorstellung von Besucher und Exponaten beziehungsweise von Konsumenten und Produzenten“. Auch laut Rautenberg ist das Museum der Gegenwart „nicht länger nur ein Ort des Betrachtens, es wird zum Ort der Produktion.“ Die Möglichkeit ständiger Vernetzung und Verfügbarkeit komplexer Informationsübertragungen sowie die Option zum Downloaden weiterer Informationen stellen Museen vor ganz neue Herausforderungen. Mit der zunehmenden Globalisierung der Welt und ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt kommt dem Wissen und den Informationen ein neuer Stellenwert zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problemstellung, Zielsetzung sowie der methodologischen Vorgehensweise, die auf Literaturanalyse und Recherche musealer Praxis beruht.
2. Kunstpädagogik – Kunstvermittlung – Museumspädagogik: Diskussion von Bezügen: Diskussion der begrifflichen Unschärfen und des Selbstverständnisses der beteiligten Fachdisziplinen innerhalb der Museumsarbeit.
3. Bildung und Vermittlung in Museen: Untersuchung definitorischer Ansätze und museumspädagogischer Modelle im Kontext des Bildungsauftrags.
4. Digitale Medien im Kontext musealer Vermittlung: Analyse der Potenziale, Herausforderungen und der Rolle von Virtualität und Partizipation durch digitale Medien.
5. Praxisbeispiele von Digitalität im musealen Kontext: Vorstellung und kritische Einordnung verschiedener Fallbeispiele digitaler Angebote, von virtuellen Sammlungen bis hin zu mobilen Applikationen.
6. Digitale Medien in der Kunstpädagogik: Überblick über kunstpädagogische Positionen und die historische Entwicklung der Beschäftigung mit digitalen Medien im Fachdiskurs.
7. Fazit: Zusammenfassende Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich der Integration von Digitalität in die museale Vermittlung und kunstpädagogische Arbeit.
Schlüsselwörter
Kunstpädagogik, Museumspädagogik, Kunstvermittlung, Digitalität, Digitale Medien, Museale Vermittlung, Partizipation, Web 2.0, Virtualität, Digitale Sammlung, Audience Development, Medienkompetenz, Museum des 21. Jahrhunderts, Augmented Reality, Social Web
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Schnittstelle zwischen kunstpädagogischen Ansätzen und den Möglichkeiten sowie Herausforderungen, die durch die Digitalisierung für die Vermittlungsarbeit in Museen entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Diskussion von Museumspädagogik und Kunstvermittlung, der Einsatz digitaler Medien im musealen Raum sowie die Einbettung dieser Thematik in aktuelle kunstpädagogische Diskurse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kunstpädagogische Perspektiven auf Digitalität als Kontext und Herausforderung für die heutige Vermittlungstätigkeit im Museum zu bestimmen und durch Praxisbeispiele zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer Recherche zur praktischen Umsetzung digitaler Anwendungen in der musealen Arbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Einordnung digitaler Medien in museale Vermittlungsmodelle, die Analyse von Virtualität und Partizipation, die Vorstellung konkreter Fallbeispiele sowie die Betrachtung der Entwicklung digitaler Themen innerhalb der Kunstpädagogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kunstpädagogik, museale Vermittlung, Digitalität, Partizipation, Audience Development und Medienkompetenz.
Wie unterscheidet sich die Vermittlung in Museen von der schulischen Kunstpädagogik?
Die Arbeit stellt heraus, dass Museen zusätzlich zu Bildungszielen auch Marketinginteressen verfolgen und sich in einem wettbewerbsorientierten Umfeld befinden, während die schulische Kunstpädagogik stärker auf den Unterricht und bildungstheoretische Kernziele fokussiert ist.
Welche Rolle spielt die Partizipation in digitalen Museen?
Partizipation wird als Paradigmenwechsel verstanden, bei dem sich BesucherInnen vom passiven Rezipienten zum aktiven Gestalter (Prosumer) entwickeln, etwa durch Social Tagging oder User-Generated-Content.
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- Josephine Doege (Author), 2020, Kunstpädagogische Perspektiven auf Digitalität. Kontext und Herausforderung gegenwärtiger Vermittlungsarbeit im Museum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899725